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Jeder achte Diplominformatiker legt seine Prüfung in München ab

Bayerische DV-Metropole lockt viele Informatik-Studenten an

08.11.1991

Jeder zehnte sozialversicherte DV-Spezialist in den alten Bundesländern ist im Zuständigkeitsgebiet des Münchner Arbeitsamtes tätig. Die bayerische Behörde hat hier kaum Probleme, da die Arbeitslosenquote bei den Datenverarbeitern in ihrem Bereich lediglich bei 2,3 Prozent liegt. Kein Wunder, daß sich auch Informatikstudenten und DV-Umschüler von der bayerischen Hauptstadt angezogen fühlen. Die Berufschancen nach dem Studium sind durch die hohe DV-Konzentration ungleich besser als in anderen Regionen Deutschlands.

Im September 1990 waren 515 arbeitslose Datenverarbeiter beim Münchner Arbeitsamt registriert. Demgegenüber standen 149 offene Stellen. Allerdings ist die Rechnung nicht so einfach, da viele Unternehmen die zu besetzenden Arbeitsstellen der Behörde nicht melden. "Gerade im DV-Bereich wird das Arbeitsamt nur wenig eingeschaltet", gibt ein Mitarbeiter des Münchner Arbeitsamtes zu bedenken.

23 000 Studenten an der Technischen Universität

Die guten Berufschancen im "bayerischen Silicon Valley" locken viele Studenten an. Von den 1839 Informatikabsolventen der alten Bundesrepublik, die 1990 gezählt wurden, hat jeder achte (insgesamt 232) seine Prüfung an der technischen Universität in München abgelegt. Ein anderes Bild zeigt sich bei den Fachhochschülern, die in München unterrepräsentativ vertreten sind. Insgesamt bestanden in den alten fünf Bundesländern 1411 Fachhochschüler die Informatikprüfung. Davon kamen 95 oder 6,7 Prozent aus München.

Jahrelang gab es zwischen Berlin und München den Wettstreit um den Titel "Stadt in Deutschland mit der größten Universität". Die beiden Metropolen gingen abwechselnd als Sieger hervor. Diese Zeiten sind nach der Vereinigung von Berlin Ost und West vorbei. In München sind momentan an der technischen Universität über 23 000 Studenten eingeschrieben. Zwar nimmt die Zahl der Immatrikulierten nicht mehr so rasant zu wie Anfang der 80er Jahre, aber die Tendenz ist immer noch steigend.

Ein gegenteiliger Trend ist bei den Informatikern zu beobachten. Waren 1988 noch 2168 eingeschrieben, sind es momentan 2050. Immer weniger Studienanfänger entscheiden sich für das Fach Informatik. Stand das Fach 1986 mit 449 Erstsemestlern auf dem Höhepunkt der Beliebtheit, konnten sich 1991 nur noch 335 dafür erwärmen. Im Wintersemester 1989/90 konnten 204 Studenten die Diplomprüfung erfolgreich ablegen.

Die Werbekampagnen, in denen Frauen für die Datenverarbeitung gewonnen werden sollen, treffen offenbar auf wenig Begeisterung. Der Anteil der Studentinnen und Absolventinnen hält sich mit rund 17 Prozent seit Jahren konstant.

Für das Fach Informatik an der Fachhochschule München können sich offensichtlich mehr Frauen erwärmen. Der Anteil der Studentinnen im ersten Semester betrug im Wintersemester 1988/89 rund 30 Prozent. Insgesamt entschlossen sich in diesem Jahr 177 Studienanfänger für das Informatikstudium, das aus einem zweisemestrigen Grund- und einem sechssemestrigen Hauptstudium inklusive zwei Praxissemestern besteht. Nach der Zwischenprüfung haben die Studenten die Wahl zwischen den Studienrichtungen "Informatik in der Technik" und "Informatik in der Wirtschaft". Im Wintersemester 1988/89 absolvierten 95 Studenten der Fakultät Informatik/Mathematik erfolgreich die Abschlußprüfung.

Seit den Hochzeiten des Informatikermangels und der Lehrerschwemme entstanden zahlreiche Weiterbildungsinstitute für DV-Umschulung. Doch mit sinkender Arbeitslosigkeit und einer immer kleiner werdenden Anzahl von Lehramtsstudenten vermindert sich die umschulungsinteressierte Klientel. Zudem kommt, daß ein großer Teil der Finanzmittel, die dem Arbeitsamt für Weiterbildung zur Verfügung stehen, in die neuen Bundesländer fließt. Die Schulungsanbieter haben sich frühzeitig auf die neue Situation eingestellt und Niederlassungen in der ehemaligen DDR gegründet.

Bei dem Münchner Control Data Institut (CDI) befinden sich momentan 476 Teilnehmer in längerfristigen Ausbildungen, die zwischen zehn und 15 Monate dauern.

Die längste Ausbildung des Münchner Instituts ist die zum Wirtschaftinformatiker. Der 15monatige Kurs enthält die Vorbereitung auf die IHK-Prüfung. Drei Monate kürzer dauert die Qualifizierung zum Betriebs- beziehungsweise Technikinformatiker. An IHK-Abschlüssen bietet CDI folgende Maßnahmen an: Datenverarbeitungs-, Bürokommunikations- und Industriekaufmann. Neu in das Programm aufgenommen wird die Ausbildung zum Mediendidaktiker, die sich in erster Linie an Geisteswissenschaftler richtet. Mit dieser Klientel hatte man bisher noch etwas Schwierigkeiten: "Für die reinen DV-Berufe sind Geisteswissenschaftler schwer zu gewinnen", resümiert Schmitz.

Die Ausbildung zum Datenbankprogrammierer, die nach Feierabend oder an Samstagen stattfand, dauerte bis zu drei Jahre. "Das Freizeitverhalten hat sich geändert. Deshalb bieten wir kürzere Teilabschnitte an, die sich kombinieren lassen und auf die der Teilnehmer aufbauen kann", meint Schmitz.

Zu den großen Ausbildungsanbietern zählt die SNI-Schule. Durchschnittlich 32 000 Teilnehmer besuchen sie pro Jahr, wobei das Schulungsangebot rund 700 verschiedene Kurstypen mit einer Dauer zwischen ein und zehn Tagen umfaßt. 1990 befanden sich 220 (im Vorjahr 230) Teilnehmer der SNI-Schule in einer Berufsausbildung. Zwischen sechs und 18 Monate dauern die drei angebotenen Schulungen zum Fachautor DV, Organisations- und Kommunikationsprogrammierer.

Neben einem weitreichenden Angebot von kürzeren Seminaren mit jährlich 50 000 Teilnehmern führt das Digital-Bildungszentrum in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt Umschulungsmaßnahmen für Hochschulabsolventen beziehungsweise Studienabbrecher durch. In den letzten drei Jahren haben in München rund 250 Bildungsinteressierte daran teilgenommen. Inzwischen werden keine längeren DV-Weiterbildungen mehr angeboten. "Der Bedarf ist aufgrund der niedrigen Arbeitslosenquote in München rückläufig. Außerdem stellen die Arbeitsämter wegen ihrer Weiterbildungsinitiativen im Osten hier weniger Mittel zur Verfügung", erklärt eine DEC-Sprecherin.

So wurde der Systemintegrator-Kurs von elf auf vier Monate verkürzt. Von den sieben DEC-Bildungszentren ist München das größte. Hier spielt wohl auch die Attraktivität der bayerischen Metropole eine große Rolle. "Viele Kunden, die in München Kurse besuchen, verbinden das Nützliche mit dem Angenehmen", erklärt eine DEC-Sprecherin.

Olivetti-Schule vermittelt Grundwissen

Ebenfall einen Herstellernamen trägt die Olivetti-Schule. Sie bildet jährlich rund 150

Teilnehmer zu EDV-Anwendungstrainern, Mikrocomputer-Vertriebsassistenten und technischen Assistenten aus. Die Lehrgänge dauern zwischen 10 und 13 Monate. Wert legt die Schule auf die Vermittlung von Grundlagenwissen, da "die Spezialisierung erst in der Praxis erfolgt und meist firmenbezogen ist".

Zu den Anfängen der Umschulungsmaßnahmen hatten die Arbeitsämter vor allem die Geisteswissenschaftler und hier speziell die Lehramtsabsolventen im Visier. Heute sind auch andere Hochschulabgänger von Arbeitslosigkeit bedroht. Zu ihnen gehören mittlerweile auch Ärzte. An sie richtet sich die Weiterbildungsmaßnahme der Münchener ISP Data. Vor zwei Jahren startete der erste Lehrgang "Medizinische Informatik". Die theoretische Ausbildung der Ärzte dauert 50 Wochen, danach folgen 20 Wochen Praktikum in Münchner Kliniken. Kann der Teilnehmer zwei Jahre klinische Praxis vorweisen, darf er die Zusatzbezeichnung "Medizinischer Informatiker" verwenden.

Umstellung fällt den Ärzten schwer

Obwohl den Ärzten nach dieser Weiterbildung gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt eingeräumt werden, lassen sie sich nicht so einfach von ihrem ursprünglichen Berufsziel abbringen. "Die Ärzte haben Medizin studiert, um Patienten weiterzuhelfen. Die Umstellung auf die DV fällt vielen schwer. Das ist zwar verständlich, aber angesichts der Arbeitslosigkeit unter der Ärzteschaft werden viele umdenken müssen", erklärt Manfred Rademacher, Direktor des Münchner Arbeitsamtes. Neben dieser Weiterbildung bietet ISP Data, die seit ihrer Gründung 1986 rund 300 Teilnehmer zählte, Kurse im Bereich IBM-Mainframes, Datenbanken und Netzwerken an.

Auch die Industrie- und Handelskammer ist auf dem Gebiet DV-Lehrgänge aktiv. Insgesamt finden sich 16 Seminare und längerfristige Ausbildungsangebote im Programm von Industriefachkraft CNC-Technik bis zu Grundlagen der EDV. Das Gros der Teilnehmer zahlt diese Weiterbildung selbst. Teilweise werden die Lehrgänge, die nach Feierabend oder Samstags stattfinden, auch vom Arbeitsamt gefördert. "Aber selbst wenn die Behörde diese Anpassungsweiterbildung anerkennt, fördern sie dies mit nur zwei Mark pro Unterrichtsstunde. Daß die meisten Teilnehmer die Kursgebühr aus eigener Tasche bezahlen, und ihre Freizeit opfern, zeigt wie engagiert sie sind", meint Hanspeter Bloch, Weiterbildungsberater bei der IHK in München.

Bei einem Kostenvergleich zeigt sich der Unterschied zu den kommerziellen Anbietern. Bei der IHK kosten 80 Stunden "Grundlagen der EDV" rund 790 Mark, 60 Stunden Textverarbeitung ebenso viel. Bei der Konkurrenz muß der Teilnehmer das Drei- bis Fünffache bezahlen. Wie das möglich ist? "Wir haben nicht den Gewinn vor Augen, sondern sind von der Kammer nur angehalten, kostendeckend zu arbeiten", antwortet Bloch.