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22.10.1999 - 

Jahr 2000/IBM unterstützt Großbank bei Jahr-2000-Test

Bayerische Landesbank hat alle Systeme im Griff

Von Michael Wojatzek* Auch im Bankenbereich gilt es, den Y2K-Übergang, der wegen Programmierbesonderheiten aus der Frühzeit der Computer einige Überraschungen bringen kann, so reibungslos wie möglich zu gestalten. Bei der Bayerischen Landesbank in München sieht man dem Jahreswechsel mittlerweile zuversichtlich entgegen.

Eine sorgfältige Vorbereitung auf den Jahr-2000-Wechsel ist für verantwortungsbewußte Unternehmen eine absolute Notwendigkeit. Besonders in den Branchen, die schon früh, das heißt seit den 50er Jahren, die Möglichkeiten der elektronischen Datenverarbeitung nutzen.

Dazu zählt die Bankenindustrie. Hier hat sich ein weltweiter Verbund elektronischen Datenverkehrs entwickelt, über den finanzielle Transaktionen aller Art abgewickelt werden. Vom Geldautomaten bis zur Überweisung in Millionenhöhe reichen die Dienstleistungen der Banken. Dort, wo der Globalisierung Rechnung getragen wird, sind Banken gefordert, die über eine hohe Kompetenz bei der Abwicklung internationaler Geschäfte verfügen - Einrichtungen, die für exportorientierte Ökonomien wie die deutschen unabdingbar sind.

So bietet etwa die Bayerische Landesbank als international tätige Universalbank eine breite Service- und Produktpalette aller Finanzdienstleistungen. Als sogenannte Wholesale-Bank betreibt sie vor allem das Geschäft mit Sparkassen, mittleren und größeren Unternehmen, öffentlichen Stellen, institutionellen Anlegern und speziellen Privatkunden.

Neben Wertpapier-, Geld- und Devisengeschäften, internatio- nalen Finanzierungen und Forfaitierungen (spezielle Form der Außenhandelsfinanzierung, Exportfinanzierung) bilden Konsortialanleihen oder private Plazierungen weitere geschäftspolitische Schwerpunkte der Bayerischen Landesbank. Im Jahr 1998 betrug die Konzernbilanzsumme des Münchner Finanzhauses mehr als 457 Milliarden Mark. Für Unternehmen dieser Größenordnung und Bedeutung ist es selbstverständlich, daß höchste Anforderungen an Sicherheit und Zuverlässigkeit sämtlicher IT-Systeme ständig gewährleistet sein müssen.

Seit Mitte 1996 begann man sich im Hause explizit mit der Umstellung auf das Jahr 2000 zu beschäftigen. Für Norbert Palsa, Direktor bei der Bayerischen Landesbank und heutiger Leiter der Konzernentwicklung, lag es damals auf der Hand, daß man sich im Rahmen der Euro-Vorbereitung gleichzeitig mit dem Jahr-2000-Übergang beschäftigen mußte.

Im IT-Bereich der Bayerischen Landesbank befaßte man sich bereits seit 1988 mit dem Millenniumwechsel. Damals wurde eine DIN-Norm für Programmierer erstellt, wonach Jahreszahlen grundsätzlich vierstellig abzuspeichern waren; sie setzte sich aber nur langsam durch. "Im Org-Handbuch stand zwar, daß vierstellige Zahlen zu verwenden sind, aber nicht alle haben sich daran gehalten", erläutert Gerhard Schwab, Bankbevollmächtigter des Teams für Programmtechnik und Software-Entwicklungsumgebung, das Dilemma vieler Unternehmen mit traditioneller IT.

Immerhin: Neue Programme und deren Daten wurden bei der Bayerischen Landesbank seitdem von vornherein auf vierstellige Jahreszahlen abgestimmt. Schwab: "Mit der Euro-Umstellung haben wir konsequent auch mit der Umstellung aller bestehenden Programme und Datenbanken auf vierstellige Jahreszahlen begonnen."

Um den Übergang so reibungslos wie möglich zu gestalten, wurden analog dem BSI-Standard die vier Grundregeln angenommen, nach denen die gesamte Unternehmens-IT der Bank durchforstet werden sollte:

Regel 1: Kein Wert des aktuellen Datums darf einen Betriebsausfall verursachen.

Regel 2: Die datumsbezogene Funktionalität muß sich für Daten vor, während und nach dem Jahr 2000 konsistent gleich verhalten.

Regel 3: In allen Schnittstellen und Datenspeichern muß das Jahrhundert in jedem Datum entweder ausdrücklich oder durch eindeutige Algorithmen oder Zuweisungsregeln spezifiziert sein.

Regel 4: Das Jahr 2000 muß als Schaltjahr erkannt werden.

Der "Gerätepark", den ein Finanzhaus dieser Größenordnung auf einen reibungslosen Jahr-2000-Übergang testen muß, ist beeindruckend. Neben der Haustechnik sind sämtliche Eigen- und Fremdsoftware sowie alle Hardwareplattformen zu berücksichtigen.

Norbert Palsa unterscheidet zwischen reiner DV, die aus der zentralen Anwendungswelt - ein IBM-Mainframe - und ihren Subsystemen besteht, und der individuellen Datenverarbeitung an den Arbeitsplätzen. In erster Linie Microsoft-Office-Anwendungen, Server-Systeme, Netzwerke, Systeme für Electronic-Banking sowie für den Wertpapier-, Geld- und Devisenhandel. Hier arbeitet man mit NT-Systemen, AIX- und Alpha-Servern sowie einigen Sun-Systemen. Die Datenbanksoftware setzt sich aus DB2-, Adabas- IMS-, DB6000- und Oracle-Systemen zusammen.

Jahr-2000-Umstellung und Euro wurden von vornherein ab Ende 1996 zwei Vorstandsmitgliedern direkt zugeordnet. An sie berichtete auch Palsa als ein Schwerpunkt-Manager. Ein neutrales Projektbüro, ein Stab von fünf Leuten, ging dieses Projekt bankübergreifend an.

Zu den grundlegenden Forderungen des Vorstands an das Projekt-Management gehörte es, keine Konkurrenzsituation entstehen zu lassen, sondern vielmehr die Synergien, die sich aus beiden Projekten ergeben würden, unbedingt zu nutzen. Außerdem sollten interne und externe Ressourcen für das Gesamtprojekt verwendet werden. Und schließlich gab man dem Y2K-Projekt die oberste Priorität, andere Anforderungen wurden verschoben. Das Projekt (Euro und Y2K) wurde mit einem Budget von rund 130 Millionen Mark ausgestattet.

Die Analyse der Ausgangssituation der möglichen Jahr-2000-Szenarien erfolgte auf Basis einer genauen Inventarisierung aller Jahr-2000-relevanten Komponenten. Diese wurden zentral erfaßt, verantwortliche Ansprechpartner wurden festgelegt, die Kritikalität, daß heißt die Bedeutung der Systeme für den reibungslosen Arbeitsablauf in der Bank, wurde eingeordnet und fortgeschrieben.

Trotz Herstellerzertifikat: Schließfächer blieben zu"Zunächst", so Gerhard Schwab, "war es schwer einzugrenzen, wie wir vorgehen sollten. Denn es ist ja nicht nur die gesamte DV-Technik, sondern auch die Haustechnik betroffen. Daß auch Probleme mit Zeitschaltuhren und Controller-Systemen auftreten könnten, daran hat man zunächst nicht gedacht." Schwab und seine Mitarbeiter kümmerten sich hier zunächst um Herstellerzertifikate, die eine Jahr-2000-Sicherheit der jeweiligen Komponenten bestätigen sollten. "Auch vom Hersteller unserer Schließfächer haben wir so ein Zertifikat bekommen. Im Test ließen sich diese allerdings nicht mehr öffnen."

Ein weiteres überraschendes Ergebnis: Das Anmeldeverfahren der einzelnen Arbeitsplätze am Host hätte am zweiten Arbeitstag im Jahr 2000 nicht funktioniert. Dieses und andere Probleme, etwa mit Schranken, die sich nicht mehr auftaten, konnten dank des Tests im Vorfeld gelöst werden. Keine Probleme gab es beim Zahlungsverkehr und mit der Verwaltung von Kundenkonten.

Die Philosophie der Bayerischen Landesbank, alle sehr kritischen und kritischen Systeme zuvor zu testen, sollte sich vor allem bei den IT-Systemen bestätigen. Hierfür wurden insgesamt 105 kritische Geschäftsprozesse ausgewählt: vom Wertpapierkauf über Geldfluß, vom Kunden an die Börse, diverse Buchungsprozesse etc. Diese bildeten die Grundlage sowohl für den End-to-End-Test der Euro-Umstellung als auch des Jahr-2000-Übergangs. Für diese Prozesse gibt es zirka 1100 Testfälle, deren Ablauf genau verfolgt wurde: Dazu zählen etwa Buchung, Kontoauszug, Verlauf, Dispo-Liste. Laut Schwab ergab sich aus diesen banktypischen Prozessen "eine richtige Kettenreaktion. Wir haben mit der Datumsangabe 30. Dezember angefangen und sind über das Neujahrswochenende insgesamt dreimal rübergegangen. Wir haben aber auch weitere kritische Tage getestet, etwa den 10. 1. 2000 und die Schaltjahrestage, den ersten Monatsultimo oder den ersten Verfallsultimo - und das auf 66 eigenen Jahr-2000-Arbeitsplätzen."

Sämtliche Hardware im Hause sollte im Rahmen dieses Zeitreise-Integrationstests exemplarisch überprüft werden: Mainframe, Server, PCs, Netzwerkkomponenten und Peripheriegeräte. Das gleiche galt für die Software: Nach Kritikalität wurde jede Eigen- und Fremdsoftware getestet. Der TÜV Süddeutschland unterzog die Haustechnik zusätzlich einer externen Überprüfung.

Entscheidend war, daß so produktionsnah wie möglich getestet wurde. Und so baute die Bayerische Landesbank ein System auf, das der Produktionswelt nachempfunden wurde. Diese Installation wurde aber aus Sicherheitsgründen von der Produktion strikt getrennt betrieben.

Um den finanziellen Aufwand für das Testzentrum so gering wie möglich zu halten, wurden alle am Markt angebotenen Preisoptionen geprüft und optimal eingesetzt. So wurden beispielsweise die notwendigen Systeme zum größten Teil geleast.

Die 15 Millionen Mark, die das Verfahren gekostet hat, findet Palsa gut angelegt. Zum einen habe der Test die gewünschten Ergebnisse gebracht, zum anderen will der Landesbank-Direktor die Testinfrastruktur weiter nutzen: "Für eine Großbank ist das heute nötig."

Manfred Kabisch, bei IBM Global Services zuständig für Jahr-2000-Projekte, hat nicht nur die Bayerische Landesbank unterstützt: "Es gab da diverse Modelle. Wir haben auch anderen Kunden Hardware-Equipment in unterschiedlicher Konfiguration zur Verfügung gestellt. Einige Kunden, besonders die mit kleineren IT-Installationen, sind in eines unserer Notfallrechenzentren gekommen. Größere Kunden bauen sich in der Regel ein eigenes Testzentrum auf."

Testresultat: Das Jahr 2000 kann kommen

Bereits vor dem Test wurde die IT der Bayerischen Landesbank Jahr-2000-fit gemacht: Bei mehr als 4000 PCs wurde das BIOS überprüft. Windows NT 4.0 mit Service Pack 4, SNA Client 4.0 mit Service Pack oder Extra Personal Client 6.4 mit Service Pack wurden installiert. Alle Büroanwendungen im Hause erhielten MS-Office 97, und sämtliche kritischen PC-Datenbanken und Spreadsheets mußten bis zum 30.06.1999 migriert werden. Und so ergab sich nach den einzelnen Testzyklen der Bayerischen Landesbank bei den wichtigsten banktechnischen Vorgängen folgendes Bild:

-Swift-Test: keine Probleme,

-Test der Deutschen Börse: keine Probleme,

-nationaler Zahlungsverkehrstest: keine Probleme,

-internationaler Zahlungsverkehrstest (Global-Street-Test): keine Probleme.

Trotz der positiven Funktionstests konnten dann im internen Integrationstest noch einige Jahr-2000-Fehler aufgedeckt werden, was an den komplexen Abhängigkeiten der Einzelkomponenten lag. Bei den externen Tests waren nicht so sehr Jahr-2000-Fehler der Computer das Hauptproblem, sondern die Abstimmung der zahlreichen technischen Komponenten und Testpartner innerhalb eines kurzen Zeitraums. Die hohen Aufwände und Investitionen für die Tests waren jedenfalls gerechtfertigt, denn man kann sich, wie es sich im Fall der Schließfächer gezeigt hat, nicht grundsätzlich auf die Herstellerzertifikate verlassen.

Frozen Zone für alle Systeme

Da sich jedoch auch durch noch so ausgiebige Tests nicht ausschließen läßt, daß ein Fehler unbemerkt bleibt oder ein Risiko von außen den Geschäftsablauf stört, gehört für die Bayerische Landesbank eine umfangreiche Geschäftskontinuitätsplanung zum Jahr-2000-Projekt. Die Analyse der Geschäftsprozesse und Risikobereiche ergab eine Liste möglicher Probleme, die den Betrieb der Bank beeinträchtigen könnten:

-Bei mehreren Systemen können gleichzeitig Probleme auftreten.

-Probleme in der Versorgung und im gesamten Bereich der Haustechnik könnten entstehen.

-Liquiditätsengpässe könnten entstehen.

Ergebnis dieser Analyse waren eine Reihe von Grundthemen für die Umstellung. Zunächst wird eine sogenannte Frozen Zone zur Vermeidung zusätzlicher Risiken eingeführt. Die Frozen Zone gilt ab Oktober 1999 für alle Systeme der Bank: An ihnen darf dann keinerlei Änderung vorgenommen werden, sowohl was neue Hard-, als auch was Software anbetrifft. Die Kontrolle und Steuerung erfolgt über ein Frozen-Zone-Management.

Weitere Themen sind die Durchführung einer umfangreichen Notfallplanung für die Haustechnik und IT, die Erarbeitung von Handlungsalternativen für die Geschäftsprozesse und besondere Maßnahmen für die Liquiditätsversorgung und den eigentlichen Jahreswechsel 2000.

Zu den wesentlichen Ergebnissen der Jahr-2000-Vorbereitung zählt eine Reihe von Synergieeffekten, die für eine durchgreifende Ordnung der gesamten IT-Installation sorgten: Systeme wurden modernisiert und vereinheitlicht; Exoten wie Macintosh- und OS/2-Netze wurden entdeckt und aus dem Verbund entfernt; die Abhängigkeiten wurden überprüft und überflüssige Objekte eliminiert; der gesamte "Gerätepark" ist jetzt inventarisiert und dokumentiert; es gibt neue Testumgebungen und einen Geschäftskontinuitätsplan für die Zukunft.

Was für die Bayerische Landesbank gilt, gilt grundsätzlich auch für die Finanzwirtschaft in Deutschland. Das Fazit von Norbert Palsa fällt dann auch durchweg optimistisch aus: "Was die Bankenindustrie betrifft, kann man sagen, sie ist hervorragend auf den Jahr-2000-Wechsel vorbereitet..

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Die Bayerische Landesbank bietet als international tätige Universalbank eine breite Service- und Produktpalette aller Finanzdienstleistungen. Als sogenannte Wholesale-Bank betreibt sie vor allem das Geschäft mit Sparkassen, mittleren und größeren Unternehmen, öffentlichen Stellen, institutionellen Anlegern und speziellen Privatkunden. Wenn ihre zentrale Anwendungswelt - ein IBM Mainframe - und ihre Subsysteme; wenn die individuelle Datenverarbeitung an den Arbeitsplätzen mit den Microsoft-Office-Anwendungen; wenn die Serversysteme, Netzwerke, Electronic-Banking-Systeme und Systeme für den Wertpapier-, Geld- und Devisenhandel mit den NT-Systemen, AIX- und Alpha-Servern und einigen Sun-Systemen; und wenn die DB2-, Adabas- IMS-, DB6000- und Oracle-Anwendungen nicht Y2K-fit sind; dann kann die Bayerische Landesbank ihre Pforten zu machen.

*Michael Wojatzek ist freier Fachjournalist in München.