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13.12.1996 - 

Softwarehaus wollte Gesamtverantwortung nicht übernehmen

Bayerische LBS stoppt Multi-Millionen-Projekt

Ziel des LBS 2000 genannten Projekts war es, die teils 30 Jahre alten DV-Anwendungen zu ersetzen beziehungsweise zu restaurieren. Hierzu hatten die Bausparer bereits vor einigen Jahren eine Studie bei McKinsey in Auftrag gegeben, die Renovierungskonzepte erarbeiten sollte. Auf Basis dieser Ergebnisse setzte die LBS ein Gemeinschaftsprojekt "MüMü" (München-Münster) mit ihren Münsteraner Kollegen auf. Die Ploenzke AG sollte das Vorhaben seinerzeit in Szene setzen.

Wie Rainer Link, bei Ploenzke Projektleiter für die LBS Münster, sagte, habe man das MüMü-Vorhaben später in zwei getrennte Aufgabenbereiche aufgesplittet. Link, der die Kosten des Münsteraner Vorhabens mit 70 Millionen Mark bezifferte, wollte zu den Schwierigkeiten in München keine Stellungnahme abgeben. Er wisse lediglich, daß es zu erheblichen Problemen gekommen sei.

Seit zirka zwei Jahren zeichnet nun die SD&M Software Design & Management GmbH & Co. KG verantwortlich für den Münchner Part. Daneben arbeitete die Bausparkasse als "Maestro"-Anwender der ersten Stunde im Zuge von LBS 2000 auch noch mit der Softlab GmbH für Systementwicklung und EDV-Anwendung zusammen. Ernst Denert, einer der Geschäftsführer bei SD&M, sagte, ursprünglich sollte LBS 2000 auf Basis von "Maestro 2" abgewickelt werden. Unter anderem dieser Umstand habe das Projekt erheblich beeinträchtigt.

Gemeinsam mit den Münchner Hausfinanzierern entwickelte SD&M laut Denert einen Fünfjahresplan, der die stufenweise Umstellung der LBS-Anwendungslandschaft zum Ziel hatte. Dabei sollten die Kernanwendungen des Bausparwesens komplett restauriert werden: In einem ersten Schritt entwickelte SD&M Applikationen für das Lastschrifteinzugsverfahren, hausintern als "LE"-Abschnitt bezeichnet.

Dem sollte sich die Einrichtung einer Partnerdatenbank in Verbindung mit dem Konzept eines Vorgangs-Managements anschließen. Schließlich sollten analog den typischen Arbeitsvorgängen bei einer Bausparkasse Anwendungen für Buchungs- und Sparvorgänge sowie für die Darlehensverwaltung entwickelt werden.

Abgeschlossen hat SD&M nach den Worten von Denert nur die LE-Applikation. Diese erste Stufe des LBS-2000-Projektes war auch als Referenzmodell gedacht, als Teststudie, die aufzeigen sollte, wie die angestrebte dezentralisierte DV-Infrastruktur laufen würde.

Die LBS plante, die neue Anwendungstopologie auf einer Client-Server-Struktur aufzusetzen, die im wesentlichen aus zwei Ebenen besteht: vernetzten PC-Arbeitsplätzen mit grafischen Benutzeroberflächen, auf denen ein Teil der Anwendungsfunktionalität abgearbeitet wird. Diese Clients sollten, so die Vorstellung, an die zentrale Datenbank eines MVS-Mainframes angebunden werden, auf dem unter anderem auch die Software für die Vorgangsbearbeitung plaziert wird.

Die Arbeitsbeziehung zwischen Bank und Softwarehaus sei an der Vorstellung der LBS gescheitert, SD&M die Gesamtführung und -verantwortung für das Vorhaben zu übertragen. "Bei LBS 2000 handelt es sich aber um ein sehr großes Projekt, das auf 200 Mannjahre mit fünfjähriger Laufzeit veranschlagt war", führt Denert aus. SD&M hätte danach "zu einem Festpreis von 100 Millionen Mark mit Rückabwicklungsmöglichkeiten" verantwortlich zeichnen sollen. Das mittelständische Softwarehaus habe demgegenüber die Auffassung vertreten, daß auch die LBS einen Teil der Verantwortung tragen müsse. "An diesem Punkt sind wir auseinandergegangen", so Denert, der Vertrag sei zum Jahresende 1996 aufgelöst worden.

Die Bayerische Landesbausparkasse gab bis Redaktionsschluß keinen Kommentar ab.