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13.08.1999 - 

Durch Web-Caching lassen sich Kosten sparen

Bayerische Sparkassen als Internet-Service-Provider

MÜNCHEN (CW) - IZB Soft, der IT-Dienstleister der bayerischen Sparkassen, ist unter die Internet-Anbieter gegangen. Immer mehr lokale Niederlassungen des Sparkassenverbunds offerieren ihren Kunden den Web-Zugang via "S-world". Jede von ihnen fungiert dabei als Station für das dezentrale "Web-Caching".

Homebanking als einziges Online-Angebot für Privat- und Geschäftskunden war den bayerischen Sparkassen entschieden zuwenig. Bereits heute wickeln sie Internet-Applikationen über ein eigenes Netzwerk ab. Mit S-world schufen sie einen komfortablen Zugang zum WWW, den sie selbst sowie ihre Privat- und Geschäftskunden nutzen. Als Internet-Service-Provider (ISP) agiert IZB Soft, das Systemhaus und Rechenzentrum der bayerischen Sparkassen.

Als ISP konkurrieren die Sparkassen mit den Angeboten etablierter Provider. Das Konzept geht nur auf, wenn der Service im Hinblick auf Kosten und Geschwindigkeit mindestens so gut ist wie der eines marktüblichen ISPs - wobei gleichzeitig die Ansprüche an die Sicherheits-Features beim Internet-Banking besonders hoch sind.

Die IZB Soft GmbH & Co. KG und deren Partnergesellschaft IZB GmbH & Co. KG zählen bundesweit zu den größten privaten Netzbetreibern. Sie unterhalten in Bayern ein flächendeckendes Kommunikationsnetz, über das sämtliche Online-Anwendungen der bayerischen Sparkassen und anderer IZB-Kunden abgewickelt werden. Auch der DV-technische Betrieb des Dienstes S-world ist Bestandteil ihres Dienstleistungsangebots.

Für Anwendungen wie Homebanking, Behörden-Bürgerservice, Internet und E-Mail sowie für Security und Accounting steht in den Rechenzentren der IZB ein zentrales Server-System zur Verfügung. Darüber läuft auch der Zugang ins Internet. An die Infrastruktur angeschlossen sind die rund 100 im Internet vertretenen bayerischen Sparkassen.

Der Datenverkehr von S-world läuft über das Primärnetz des IZB - in einem eigenen Frame-Relay-Netzwerk, das einer geschlossenen Benutzergruppe entspricht. So sind die transportierten Daten vor unbefugten Zugriffen geschützt. Das kommt vor allem den Homebanking-Anwendern entgegen: Vom Einwahlpunkt bis zum Konto werden die Daten ausschließlich über Sparkassen-eigenes Equipment geleitet.

Derzeit sind über ganz Bayern verteilt rund 25 Points of Presence (PoPs) eingerichtet - von der Stadtsparkasse Augsburg bis zur Sparkasse Tirschenreuth-Kemnath. Sukzessive ziehen die anderen Mitglieder des bayerischen Sparkassenverbunds nach, bis die angepeilte Ausbaustufe von 80 PoPs erreicht ist. Allerdings steht es den Stadt- und Kreissparkassen in Bayern frei, ob und wie sie die S-world-Angebote an ihre Kunden weitergeben.

Den Zugriff auf Web-basierte Informationen bereitzustellen kostet Geld. Zudem ist das Internet und speziell das World Wide Web heute schon stark be-, wenn nicht überlastet; die Folge sind langsame Verbindungen oder sogar Unterbrechungen, die die Leitungskosten in die Höhe treiben. Eine bessere Performance bei gleichzeitig niedrigeren Kosten bietet das Konzept des Web-Caching.

Dabei handelt es sich um eine Methode, Web-basierte Inhalte lokal zwischenzuspeichern. Rufen beispielsweise unterschiedliche Anwender kurz hintereinander dieselben Seiten auf, so wird nur beim ersten Mal die Verbindung ins Internet hergestellt. Danach liegen die vom Server geholten Inhalte - für einen begrenzten Zeitraum, den sie als "Verfallsdatum" mit sich tragen - auf dem lokalen Zwischenspeicher (Cache). Der nächste Anwender, der sie anschauen möchte, muß also nur innerhalb des IZB-eigenen Netzes vermittelt werden. Dadurch spart der Provider die Gebühren, die er an den externen Netzbetreiber entrichten muß.

IZB Soft hat an jedem seiner PoPs einen Server vom Typ "Net Cache C720s" des Anbieters Network Appliance installiert. Auf diese Weise ist der Internet-Service-Provider in der Lage, seinen Anwendern einen schnellen, permanenten und sicheren Zugriff auf die vorgehaltenen Daten zu gewährleisten und gleichzeitig den Datenverkehr in das und aus dem Internet so gering wie möglich zu halten.

"Web-Caching ist nicht gleich Web-Caching, und wie so oft führen mehrere Wege nach Rom", meint Ralf Schramm, Projektleiter S-world bei IZB-Soft. Grob gesagt, lasse sich das Web-Caching auf ein lokales Zwischenspeichern reduzieren. Doch dafür kämen zwei Ansätze in Frage: entweder eine dedizierte Hard- und Software-Lösung (Appliance) oder aber eine reine Softwarelösung, die auf beliebiger Server-Hardware unter NT oder Unix läuft.

Eine reine Softwarelösung hätte zusätzliche Investitionen in Server-Hardware erfordert. Hier gilt die einfache Rechnung: je schneller der Server, desto besser die Performance. Der Overhead, den die Betriebssysteme NT und Unix verursachen, bleibt jedoch erhalten.

Dedizierte Black-box-Lösungen, wie Network Appliance sie anbietet, laufen hingegen auf einem Echtzeitbetriebssystem, das auf das Wesentliche reduziert ist und deshalb ohne unnötige Performance-Verluste arbeitet. Sie erlauben Zugriffe, deren Geschwindigkeit unter einer Millisekunde liegt, wozu auch die arbeitsspeicherbasierte Objektdatenbank der Appliance beiträgt.

Aber nicht nur auf den hohen Datendurchsatz legte IZB Soft Wert. Vielmehr sollten die Systeme auch unabhängig von bestimmten Server-Betriebssystemen agieren.

Der IT-Dienstleister der bayerischen Sparkassen betreibt das Web-Caching nicht nur im zentralen Server-Netz, sondern auch in den einzelnen PoPs. Was in der Zentrale noch relativ einfach zu administrieren ist, kann sich in einem PoP zum Problem auswachsen - vor allem deshalb, weil das Personal dort in aller Regel kein allzu tiefes IT-Know-how mitbringt. Deshalb spielte auch die Ausfallsicherheit der Systeme bei der Entscheidung eine Rolle.

Das von Network Appliance mitgelieferte File-System Write Anywhere File Layout (WAFL) arbeitet mit dem Speicherstandard Redundant Array of Independent Disks (RAID), genauer gesagt, mit dem Level 4 dieser Technik. Dabei werden alle Daten selbständig auf mehrere Platten verteilt und mit Korrekturinformationen versehen. Wenn einmal eine Platte ausfällt, lassen sich somit die darauf befindlichen Daten rekonstruieren. Deshalb ist es möglich, eine defekte Disk ohne Datenverlust im laufenden Betrieb zu wechseln. Die "Net-Cache"-Systeme rebooten sich innerhalb von zwei Minuten selbst. Menschliches Eingreifen ist nicht notwendig.

IZB Soft rechnet damit, daß sowohl das Serviceangebot der Sparkassen als auch die Nachfrage seitens der Anwender stetig wachsen. Hier liegt übrigens einer der Gründe dafür, warum die bei kleineren ISPs beliebte Caching-Shareware "Squid" für IZB Soft nicht in Frage kam: Um künftig mehr und/oder größere Caches bereitstellen zu können, muß die Lösung skalierbar sein. Und das kann die Shareware nicht leisten.

Der Dienstleister

Die Informatik Zentrum Bayern - Software Gesellschaft der Bayerischen Sparkassen GmbH und Co. KG, München, kurz IZB Soft, bildet zusammen mit der IZB GmbH & Co. KG die ausgelagerte IT-Service-Division der bayerischen Sparkassen. Die Vorgängergesellschaften der IZB Soft sind bereits seit mehr als 30 Jahren für die etwa 100 bayerischen Sparkassen tätig, die als Gesellschafter des Unternehmens fungieren.

Die S-World

Das Internet-Angebot der bayerischen Sparkassen richtet sich an Privat- sowie an Firmenkunden und beschränkt sich nicht nur auf die Abwicklung von Geldgeschäften per Computer. Die Anwender haben im Rahmen der Basisdienste vollen Zugang zum Internet; zudem können sie E-Mails nutzen. Dienste wie FTP und Telnet stehen ihnen ebenso zur Verfügung wie Newsrooms und Chat. Last, but not least können sie sich eine eigene Homepage einrichten. Angeboten wird S-world in mehreren Ausführungen, die sich durch die Anzahl der E-Mail-Adressen und die Speicherkapazität für Homepages unterscheiden. Firmenkunden können einen gesonderten Service mit Internet-Zugang, Web-Hosting, Web-Design, Domain-Service und Bezahlen via Secure Electronic Transaction (SET) nutzen. Das Konzept "S-world" stößt in der derzeitigen Ausbaustufe noch lange nicht an seine Grenzen. Vielmehr plant IZB Soft weitere Dienste wie Telemärkte und virtuelle Handelsplätze.

Was ist eine Appliance?

Vom Designkonzept läßt sich eine Internet-Ap- pliance mit einem Router vergleichen. Es handelt sich um eine dedizierte Lösung im Sinne einer Black box. Appliances sind für eine bestimmte Funktion wie etwa Caching oder File-Serving optimiert. Alle Komponenten - vom Caching-Kernel mit Echtzeitbetriebssystem bis zur RAID-Technologie - sind exakt aufeinander abgestimmt. Der Echtzeit-Kernel erfordert keine Betriebssystem-Administration. Das Management läßt sich remote über einen Web-Browser bewerkstelligen. Auf diese Weise sind selbst komplette Software-Updates in knapp zwei Minuten erledigt.