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31.05.1996 - 

Absage an IBMs OS/2-Welt

Bayerische Vereinsbank wechselt ins NT-Lager

"In OS/2-Umgebungen ist der Server nicht richtig skalierbar", nennt Eberhard Rauch, Mitglied des Vorstands, einen entscheidenden Grund, weshalb die Bayerische Vereinsbank (BV) AG, München, ab Anfang 1997 sämtliche OS/2-Clients und -Server durch Windows-NT-Systeme ersetzen wird. Das Finanzinstitut hat beschlossen, zunächst alle Rechner der 770 deutschen Vereinsbank-Filialen sowie der angeschlossenen Hypotheken-Töchter und anschließend die weltweit fast 15000 Rechner ihrer globalen Dependancen ausschließlich mit Microsofts 32-Bit-Betriebssystem auszustatten.

"Das entscheidende Kriterium für NT war die Sicherheit", betont Manager Rauch. Die NT-Server sollen unter anderem für die Kommunikation mit Konto- und Geldautomaten sowie Spezialgeräten wie Sparbuchdrucker eingesetzt werden und für deren Überwachung sorgen. Unter OS/2 mußte die BV den immens wichtigen Datenschutz noch mit Hilfe externer Zusatz-Tools bewerkstelligen. Rauch: "Mit NT bekommen wir zertifizierte Security-Funktionalität quasi gratis an die Hand."

Das Vorgehen der BV liegt im Trend: In den USA haben bereits eine Reihe von Banken ihre OS/2-Installationen abgelöst.

Wie bei vielen anderen NT-Vorreitern hatte auch das bei Anwendern vorhandene Windows-Know-how eine wichtige Rolle im Entscheidungsprozeß zugunsten von Windows NT gespielt: "Mit der neuen NT-Oberfläche können Anwender ihre Kenntnisse, die sie zum Teil zu Hause erworben haben, auch im Büro nutzen", erläutert Rauch.

Jochen-Michael Speek rückt einen ähnlichen Aspekt ins Rampenlicht: "Viele Direktbanken werben mit neuen Vertriebswegen wie Homebanking", so der Leiter des Zentralbereiches Organisation und Informatik bei der BV. "Wenn ich aber das Equipment der Privatkunden und das gesamte Thema Electronic Banking betrachte, dann ist da nur sehr selten OS/2 im Spiel." Selbst Standard-Finanzpakete wie Money oder Quicken gebe es im OS/2-Bereich nicht.

Klarheit hat man sich in den Chefetagen des Münchner Finanzinstituts über die bevorstehenden Ausgaben verschafft: "Ich schätze die Höhe der Kosten auf etwa 50 bis 70 Millionen Mark", beziffert BV-Manager Speek die erwarteten Investitionen allein für die Umstellung in Deutschland. Ausgenommen davon seien allerdings die Hardware- und Upgrade-Kosten, die auf die BV ohnehin zugekommen wären, "da sowieso alle PCs nach maximal vier Jahren ausgetauscht werden müssen."

Im Zuge ihrer DV-Restrukturierung zieht die BV gleichzeitig den Austausch verschiedener Standardlösungen in Erwägung. So sollen die Grafikapplikation "Freelance", das Tabellenverarbeitungspaket "1-2-3" und die Groupware "Notes" eventuell Microsofts Bürosammlung "Office" beziehungsweise dem Notes-Konkurrenzprodukt "Exchange" weichen: "Bislang hat nichts zusammengepaßt", erklärt Vorstandsmitglied Rauch. Es mache aufgrund zahlreicher Inkompatibilitäten schlichtweg keinen Sinn, Komponenten diverser Hersteller im Einsatz zu haben.

Probleme sieht die BV in ihren Umstellungsplänen lediglich wegen Microsofts raschen Produktwechseln auf sich zukommen: "Wir müssen uns darauf einstellen, daß das Windows-NT-Release, das 1997 und 1998 ausgeliefert wird, nicht das Produkt ist, das wir heute kennen", formuliert Manager Speek seine Bedenken wegen möglicher technischer Schwierigkeiten. Eher simpel sei dagegen die Portierung diverser, selbstprogrammierter Anwendungen, die für spezifische Bedürfnisse der Bank konzipiert wurden. Diese habe die BV mit Hilfe eines Tools bereits in der Vergangenheit von älteren Windows-Versionen auf OS/2 portiert. Künftig sollen sie mittels desselben Werkzeugs auch auf NT zum Einsatz kommen.

"Gerade für den Umstieg von OS/2 auf Windows NT haben wir gemeinsam mit Interchip und in enger Kooperation mit Microsoft die System-Management-Plattform "Main Control" entwickelt. Sie deckt beide Umgebungen gleichermaßen ab und bietet vor allen Dingen die Verbindung zum Host", ergänzt der zuständige Produktions-Manager Norbert Büker. Und Vostandsmitglied Rauch resümiert: "Microsoft liefert möglicherweise nicht immer das beste Produkt. Zumindest aber ist es das praktikabelste und im Moment auch am besten umsetzbare Produkt."