Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

22.01.1993 - 

Vorwurf: Statt PC-LANs einseitige Orientierung an Unix

Bayerischer Rechnungshof stellt Ministerial-DV an den Pranger

Moderne Buero-, Informations- und Kommunikationstechnik wird, wie es in dem ORH-Jahresbericht 1992 heisst, auch bei den Staatsbehoerden immer wichtiger. Um so bedauerlicher ist nach Ansicht des ORH, dass ein 1985 installierter interministerieller Arbeitskreis trotz entsprechender Aufgabenstellung bisher keine fuer die Verwaltung brauchbaren Loesungsvorschlaege erarbeitet hat. Dies gelte insbesondere fuer einzelne, aus Anregungen der jeweiligen Ressorts resultierende Pilotprojekte. Keines davon ziele, so der ORH, unmittelbar auf die fuer den Verwaltungsbereich wichtigsten Einsatzbereiche ab, naemlich die behoerdeninterne Buerokommunikation und deren Anbindung an externe Kommunikationsnetze.

Nachdem fuer die Projektarbeit bisher 1,6 Millionen Mark an Haushaltsmittel bereitgestellt wurden, ist nach Auffassung der Rechnungshof-Pruefer nicht nur deren Konzeption, sondern auch das bisherige Ergebnis ernuechternd. So laegen, von einer Ausnahme abgesehen, fuer alle anderen Pilotprojekte weder Zwischenberichte noch

Abschlussberichte vor. Folge dieser Planungsmaengel sei unter anderem die unkoordinierte Beschaffungspolitik der letzten Jahre.

Bei allen bayerischen Ministerien wurden nach Angaben von Ludwig Spaeth, ORH-Pruefungsgebietsleiter DV und Organisation, in den vergangenen zwei bis vier Jahren grossflaechig neue Arbeitsplatzsysteme installiert; bei sechs Ministerien Mehrplatzsysteme mit einem bestimmten Unix-Derivat, bei drei Ministerien PC-LANs verschiedener Hersteller auf DOS-Basis.

Alternativen wurden nicht beruecksichtigt

Dass es sich bei den Unix-Loesungen fast ausschliesslich um Systeme des Haus- und Hoflieferanten Siemens handelt, wollte Spaeth nicht bestaetigen, gleichwohl aber den Hauptkritikpunkt seiner Behoerde, dass "man nicht unterschiedliche Systemalternativen, beispielsweise ein Netz mit 386er-PCs und Windows-Oberflaeche im Vergleich zu einer Mehrplatz-Unix-Loesung, untersucht hat".

Darueber hinaus sei festzustellen, dass mit der installierten Technik "zu wenig gemacht wird"; in vielen Faellen liefen auf den teuren Systemen lediglich Textverarbeitungsprogramme. Hinzu komme, wie der ORH-Pruefer beklagt, dass sich die Ministerialbuerokratie zumindest bei der Einfuehrung neuer Techniken aehnlich wie die Unternehmen in der freien Wirtschaft verhalten - unisono bleibe man da in der Regel den Nachweis der Wirtschaftlichkeit von Neuanschaffungen schuldig. Spaeths Fazit: "Niemand will einsparen, erst recht nicht am Personal. Lieber fordert man neue, zusaetzliche DV-Systeme mit der Begruendung, es ist eine Aufgabenmehrung vorhanden".

Die Philippika des Rechnungshofes nicht ganz auf sich sitzen lassen wollte indes gegenueber der COMPUTERWOCHE ein verantwortlicher DV-Koordinator im Bayerischen Staatsministerium der Finanzen. Der IT-Manager, der namentlich nicht genannt werden moechte, bringt wenig Verstaendnis fuer die "Praeferenz des Rechnungshofes zugunsten von DOS-PCs" auf - noch dazu, wo zum Zeitpunkt der kritisierten Investitionsentscheidungen Unix "das eindeutig leistungsfaehigere System" darstellte. Kein Verantwortlicher haette 1984, so der IT-Manager, "auf ein DOS-Netz setzen koennen, zumal dies damals nicht einmal den Zugang zum Terminal ausreichend schuetzen konnte".

Auch die Entscheidung zugunsten eines Herstellers war keine politische, sondern sachlich begruendet und Resultat einer Ausschreibung, die "Siemens haushoch gewonnen hat". Ob man sich in seinem Verantwortungsbereich angesichts der heutigen Leistungsfaehigkeit von PC-LANs unter DOS noch einmal fuer Unix entscheiden wuerde, liess der DV-Chef offen. Sein Trost: Das MX-2- System von Siemens war zum damaligen Zeitpunkt ein Spitzenprodukt", und - die ORH-Pruefer werden aufhorchen - auch wenn die DOS-Welt nun nachgezogen habe, koenne man deshalb doch nicht "von heute auf morgen alle Unix-Loesungen samt den riesigen Datenbestaenden ueber Bord werfen".