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06.10.2006

BayWa-Konzern baut auf .NET

Die BayWa AG hat ihr Bestell- und Informationssystem (BIS) in eine .NET-Architektur überführt. Die Mitarbeiter der Lagerhaus-Niederlassungen nutzen die Anwendung, um Waren über das zentrale SAP-System zu bestellen.

Das historisch gewachsene Bestell- und Informationssystem von BayWa fungierte jahrelang als Web-Anwendung auf Basis von Active Server Pages (ASP) und war über SAPs "DCOM Connector" als Schnittstelle mit der SAP-Welt verbunden. Es bot neben der zentralen Bestellfunktion mit Real-Time-Auftragsanlage im SAP-System auch Funktionen zur Bestands-, Sortiments- und Preisanfrage sowie Auftrags- und Fakturadruck.

Der Konzern

Der international aufgestellte BayWa-Konzern betätigt sich hauptsächlich in den Bereichen Groß- und Einzelhandel sowie Dienstleistungen. Die Geschäftsaktivitäten des seit 1923 mit Sitz in München aktiven Unternehmens teilen sich auf in die Segmente Agrarwirtschaft, Bau und Energie. Weitere Konzerngesellschaften befassen sich mit Konsumgüterproduktion und Autohandel. Als Hauptvertriebsgebiete gibt der Konzern Deutschland, Österreich und Osteuropa an. In Österreich ist die BayWa durch die Raiffeisen Ware Austria (RWA), das Großhandels- und Dienstleistungsunternehmen der Lagerhausgenossenschaften, vertreten. Die RI-Solution mit Sitz in München und Wien wiederum ist über eine Ausgliederung der DV entstanden und betreut heute innerhalb des BayWa-Konzerns über 14 000 Arbeitsplätze, darunter mehr als 5500 SAP-Anwender.

Projektsteckbrief

Projektart: Re-Design eines mit Active Server Pages betriebenen Bestell- und Informationssytems auf Basis von .NET.

Branche: Groß- und Einzelhandel sowie Dienstleistungen.

Umfang: Übertragen von Echtzeit-fähigen Bestell- und Informationsprozessen in die .NET-Architektur sowie Anbindung an das bestandsführende SAP-System.

Zeitrahmen: Realisierung erfolgte innerhalb von vier Monaten und war Ende 2005 abgeschlossen.

Produkte: Individualanwendung auf Basis des .NET Business Framework von Pentasys, SAP .NET Connector 2.0.

Dienstleister: RI-Solution und Pentasys GmbH, München.

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Als von SAP selbst für den Connector "End-of-Life" angekündigt wurde, weil es einen neuen und besseren Adapter gab, entschloss sich die IT-Dienstleistungstochter des Konzerns, die in München und Wien ansässige RI-Solution, schon allein wegen des künftigen Supports zu einem Re-Design und zu einer Re-Implementierung der BIS-Anwendung.

Die Entscheidung, Microsofts .NET-Plattform als Basis für alle bestehenden und zukünftigen B-to-B- und B-to-C-Applikationen der BayWa und Raiffeisen Ware Austria (RWA), der BayWa-Vertretung in Österreich, einzuführen, fiel im Wesentlichen aus zwei Gründen. Zum einen wären die Entwicklungskosten, wenn man auf das nahe gelegene "SAP Portal" als Alternative gesetzt hätte, zu hoch gewesen. Zum anderen fiel ins Gewicht, dass die bestehende Infrastruktur mit Commerce Server, SQL Server und ASP-basierenden Altanwendungen ohnehin schon sehr Microsoft-geprägt war. Außerdem hat SAP den neuen ".NET Connector 2.0" als .NET-Komponente, das heißt als "managed Code" konzipiert, der von der .NET-Runtime ausgeführt und verwaltet wird. Der DCOM Connector als eine COM-Komponente hätte zwar auch auf das .NET-Framework zugreifen können, jedoch ohne die damit verbundenen Vorteile von .NET wie Garbage Collection oder Sicherheitsmechanismen zu nutzen. Darüber hinaus ist SAPs .NET Connector 2.0 in der Entwicklungsphase einfacher einzubinden und zu handhaben, heißt es seitens RI-Solution.

Da es sich beim BIS um ein geschäftskritisches System handelt, richteten sich hohe Anforderungen an die Stabilität und Verfügbarkeit der Software etwa zur Ersatzteilbestellung für Maschinen im landwirtschaftlichen Produktionsprozess. Die Herausforderung auf der technischen Seite lag vor allem im riesigen Datenvolumen, das über das SAP-System abgewickelt werden muss. Ein Beispiel ist die Preistabelle mit ihren rund 30 Millionen Einträgen.

Schlanke Seiten und optimierte Datenbankzugriffe nötig

Ferner sollte der Bestellprozess der Anwendung für den Betrieb mit niedriger Bandbreite optimiert sein, was schlanke Seiten und optimierte Datenbankzugriffe bedeutete. Die Antwortzeiten des Systems sollten sich in einem "angemessenen" Zeitrahmen bewegen. Dies betrifft:

• den Aufbau einer neuen Seite,

• den Zugriff auf die strukturierten Informationen über einen eindeutigen Suchbegriff,

• die Suchergebnisse bei Katalogsuche,

• die Auftragsanlage in SAP und

• den Fakturadruck.

Ein wichtiges Ziel bestand zudem in der Umsetzung eines schlanken, konsistenten und intuitiven GUIs, denn das historisch gewachsene Altsystem konnte den Benutzern naturgemäß nach jeder Erweiterung Probleme bei der Bedienung nicht ersparen. Für die Neu-Implementierung der BIS-Applikation suchte RI-Solution einen Partner mit .NET-Erfahrung und entschied sich für den Münchner IT-Systemintegrator Pentasys.

Template-Sammlung statt proprietärer Software

Das heute bei der BayWa beziehungsweise RWA eingesetzte "BIS-neu" basiert auf einem Windows 2000 Server. Als Web-Server wird Microsofts IIS 5.0 verwendet, auf dem Client ist lediglich ein Standard-Browser notwendig. Infrastrukturelle Voraussetzung für die Anwendung ist das ".NET Business Framework" von Pentasys, in dessen Rahmen BIS-neu implementiert wurde. Als Datenbank kommt SQL Server zum Einsatz, wobei aufgrund der Abstraktion der Zugriffsschicht im Business Framework auch eine beliebige andere Datenbank verwendet werden könnte.

Die Projektbeteiligten betonen, dass es sich bei dem zugrunde gelegten .NET Business Framework nicht um eine proprietäre Software handelt, sondern um eine Sammlung von Templates, Design Patterns, Code-Modulen und Verfahren, die sich vollständig innerhalb des .NET-Standards bewegen. Die Einbindung der SAP-Server als nach wie vor bestandsführendes System erfolgt unter Verwendung des .NET Connector 2.0.

Die neue BIS-Applikation bietet dem Anwender sowohl transaktionsorientierte (wie die Real-Time-Bestellung) als auch reine Auskunftsdienste (Aufträge, Faktura etc.) an. Sie lässt unterschiedliche Bestellarten wie Monats-, Wochen- und Tages- sowie Lager- oder Streckenbestellungen zu. Die Bestellabwicklung ist in den Sparten unterschiedlich; Mineralöl erfordert eine andere Logistik als ein Ersatzteil. Es werden also im SAP-System unterschiedliche Aufträge angelegt, in einigen Fällen sogar für den Warenkorb einer Lagerhausbestellung mehrere SAP-Aufträge.

Ersatzteilsuche über unterschiedliche Kriterien

Eine besondere Herausforderung stellt das Feld der Ersatzteilbestellung dar, die für den Endkunden besonders geschäftskritisch ist. Hier muss eine Suche über verschiedene Kriterien, unter anderem über Originalteilenummern, möglich sein. Die Komplexität besteht darin, dass Originalteilenummern oft eine Historie haben und im Laufe der Jahre mehrfach geändert werden. Wichtig ist außerdem die Echtzeitfähigkeit des Bestellvorgangs im BIS. Auch wenn viele Daten im vorgelagerten BIS zwischengespeichert werden, erfolgt die eigentliche Auftragsanlage im SAP-System immer synchron unter Wahrung der transaktionellen Integrität.

Aus Anwendersicht führte das Re-Design zu einer im Vergleich zur bisherigen BIS-Applikation logischer aufgebauten und auf die Eigenarten der Sparten zugeschnittenen Bedienung. Zudem können die Mitarbeiter in den Lagerhäusern das SAP-System ohne eine SAP-Schulung nutzen. "Die Entscheidung für .NET als Plattform hat sich bezüglich der Auswahlkriterien Flexibilität und Kosten als richtig erwiesen", merkt Johannes Hauser, Projekt-Manager bei RI-Solution, an. Alles habe sich ohne Qualitätsabstriche im gesteckten Zeit- und Kostenrahmen bewegt. Ferner hebt Hauser den von Pentasys geleisteten Know-how-Transfer in Sachen .NET hervor, der eine eigenständige Weiterentwicklung ermögliche. (ue)