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Verantwortung, Kompetenz und Gestaltungsspielraum der Mitarbeiter müssen zunehmen:

BDE-Akzeptanz nötig für CIM-Realisierung

14.10.1988

Die sich verschärfende Konkurrenz und steigende Anforderungen des Marktes an die Flexibilität zwingen die Unternehmen gegenwärtig, qualitativ neue organisatorische, planerische Aufgaben zu lösen und Investitionsentscheidungen zu fällen. Das geht nicht ohne neue strategische Orientierungen. Wie BDE-Systeme dazu beitragen können, schildert Dietmar Schmitt*.

Kleine bis kleinste Losgrößen, zunehmende Variantenvielfalt, immer kürzer werdende Produktzyklen, hohe Qualitätsanforderungen, termingenaue Bereitstellung der Produkte, Minimierung der Materialbestände in der Fertigung und den Lagern und ständige Lieferbereitschaft zwingen die Unternehmen, die Informations-gewinnung und Verarbeitung zu optimieren.

Kompetenz der Mitarbeiter nimmt zu

Begleitet wird dieser Prozeß von einer steigenden Kapital-ausstattung des Gesamtunternehmens sowie einzelner Teilsysteme. Diese Tendenz erzwingt eine Verstetigung und Optimierung der Ressourcen-Auslastung, um die Stückkosten möglichst zu minimieren.

Daher muß es das Ziel sein, den unternehmerischen Leistungs-erstellungs- und Auftragsabwicklungsprozeß so transparent zu gestalten, da: korrigierende regelnde Eingriffe ohne wesentliche Zeitverzögerung gezielt erfolgen können. Der Administrativ- und Planungsebene müssen daher die aktuellsten Informationen über die Auftragshöhe, die Kapazitätsauslastung, den Materialbestand und vieles andere mehr ständig zur Verfügung stehen.

Andererseits ist damit zu rechnen, daß der Trend zu kürzeren Arbeitszelten anhält. Dadurch werden tendenziel] die Betriebs-zeiten verkürzt. Das bewirkt steigende Kosten. Dem kann seitens der Unternehmen nur durch die Einführung von gleitenden Arbeitszeiten begegnet werden, die die Kopplung von Arbeits- und Betriebszeit aufheben.

Voraussetzung dafür ist eine Automatisierung der Anwesen-heitskontrolle und Abrechnungsmodalitäten. Diese organisatorischen Veränderungen wirken zum Teil der Arbeitsteilung entgegen und stellen neue Anforderungen an Planungs-, Durchführungs und Kontrolle des Produktionsprozesses.

Die Verantwortung, Kompetenz und der Gestaltungsspielraum der Mitarbeiter nehmen zu. Das erzwingt nicht zuletzt einen Wandel der Entlohnungsformen. Das bedeutet: Weg von den quantitativ orien-tierten Anreizmethoden wie zum Beispiel Akkordmodellen, hin zu qualitativ orientierten Prämienmodellen. Dadurch wird zum einem das Augenmerk der Mitarbeiter auf den reibungslosen, störungs-freien Prozeß sowie die Qualität des Produkts umgelenkt und zum anderen Unternehmensziel-orientierte Handlungsstrategien honoriert.

Freilich lassen sich diese komplexen, bereichsübergreifenden Lösungen nur schrittweise, innerhalb einer in eine strategische Zukunftsversion (des Unternehmens) eingebetteten Gesamtplanung, realisieren.

Die DV-gestützte Informations- und Kommunikationstechnik bietet hier das CIM-Konzept als Philosophie der organisatorischen Informationszellen und technischen Vernetzung aller Unternehmensbereiche und Insellösungen an. Jedoch wird nur in Ausnahmefällen eine CIM-Lösung am "Reißbrett" entworfen und unabhängig von gewachsenen Strukturen implementiert.

Eine zentrale Rolle bei CIM-Konzepten hat die Betriebs-datenerfassung (BDE). Die Bedeutung der Mitarbeiter für die erfolgreiche Projektabwicklung wird deutlich, wenn man ihre Ängste vor übermäßiger Kontrolle und Kompetenzverlust, zunehmender Abhängigkeit und Unterordnung unter einen für sie undurch-schaubaren technischen Prozeß ernst nimmt. Die Einbeziehung der Mitarbeiter, ihre Erfahrungen und ihr operatives Know-how in den Planungsprozeß, bekommt unter diesem Blickwinkel einen neuen Stellenwert.

Andererseits ergibt sich unter Berücksichtigung der zwangsläufigen Umwälzungen die Notwendigkeit, soziale Folgen durch flankierende Maßnahmen (zum Beispiel Schulung und Umsetzung) abzufedern.

Unübersehbar werden die Auswirkungen, wenn man die BDE im Konzeptzusammenhang betrachtet. Dazu gehört, daß man sich die bereichsübergreifenden Folgen von der strategischen Entwicklungs-entscheidung über Forschung, Produktion und Vertrieb vergegen-wärtigt: als Verkettung unterschiedlicher-Regelkreise, die in einem ständigen Soll/Ist-Vergleich entscheidungs- und abrechnungs-relevante Daten liefern.

Trotz aller technischen Möglichkeiten steht jedoch weiterhin der Mensch als Nukleus und Kostenfaktor sowie handelndes Subjekt mit allen Fähigkeiten und Schwächen im Zentrum. Ziel ist es, den Faktor Mensch kalkulierbar zu machen, um das sozio-technische Gesamtsystem zu optimieren.

Ein vernünftiges BDE-System kann bei Bedarf personenbezogene und technische Daten verknüpfen und erlaubt somit eine nahezu lückenlose Kontrolle und damit bedarfsorientierte Steuerung des Leistungserstellungsprozesses. Aus Kostengründen läßt sich jedoch diese Integration nur in einem Zeitraum von mehreren Jahren (zirka drei bis sieben) und in mehreren Teilschritten realisieren.

Unabdingbare Voraussetzung ist eine ganzheitliche Betrachtungs-weise; sie darf schon bei der Einführung von Teil- und Insel-lösungen das Gesamtkonzept nicht aus den Augen verlieren.

Gleichwertig neben der technischen und DV-technischen Betrachtung ist die organisatorische und soziale Komponente eines solchen Projekts zu berücksichtigen. Nur das gewährleistet eine reibungslose Einführung und einen störungsfreien Betrieb. CIM ist ein soziotechnisches Projekt, das ein Unternehmen nach der Realisierung mit veränderter Aufbau- und Ablauforganisation zurückläßt. Auch erzeugt CIM neue Kompetenz, Qualifikations- und Kommunikationsstrukturen.

Träger dieses Projekts sind im wesentlichen die Mitarbeiter. Der Erfolg oder Mißerfolg dieser Zukunftsstrategie hängt von ihrem positiven Beitrag ab. Das geht nicht ohne ganzheitliche innovative Beratungsleistung, verbunden mit einzelnen Realisierungs-komponenten. Als zentraler Baustein fungiert das BDE-System als Datensammler. Die Erfahrungen mit Integrationskonzepten spiegeln sich wider in den Ergebnissen einer von FIR, Aachen, durchgeführten Expertenbefragung.

Besondere Aufmerksamkeit verdient die Korrelation der mit dem BDE/CIM-Einsatz verfolgten unternehmerischen Ziele und den Realisierungschancen.

Ganz entgegen der landläufigen Meinung rangiert das Produktivitätsziel im Mittelfeld. Es ist wohl eher das Ergebnis einer erfolgreich realisierten Gesamtlösung, während in der Realisierungsphase auch mit Einbrüchen und Friktionen gerechnet werden muß.

Die Bewertung der Rahmenbedingungen unterstreicht die Bedeutung des sozialen Faktors im Realisierungsprozeß. Mitarbeiter-Qualifikation, Organisation und Unternehmenskultur tragen entscheidend zum Erfolg bei.

Eine hohe Mitarbeiter-Qualifikation erleichtert den Umgang mit der neuen Technik und fördert die Akzeptanz. Die Aussicht auf künftige anspruchsvollere Tätigkeiten und mehr Verantwortung bewirken ihrerseits die notwendige Motivation, gegenwärtige Schwierigkeiten durch Arbeitseinsatz zu bewältigen.

Gesonderte Aufmerksamkeit bei der BDE-Thematik muß dem Problembereich Arbeitszeit gewidmet werden. Hier werden nicht nur innerbetriebliche Anforderungen berücksichtigt, sondern auch, daß tarif-politische Umgestaltungen ins Haus stehen.

Der Betriebsrat muß stets eingeschaltet werden

Weiterhin fällt der enorme Investitionsaufwand und der innerbetriebliche Anpassungsaufwand ins Auge. Trotz dieser vielfältig zu berücksichtigenden Faktoren sind bei entsprechend umsichtiger Vorgehensweise die sozio-ökonomischen Vorteile einer BDE-Realisierung unbestreitbar.

BDE legt den Grundstein oder bildet den Schlußstein für eine strategische Neuorientierung. Eine reibungslose und kostengünstige Realisierung einer BDE-Einführung ist indes wesentlich von der Mitwirkung der Arbeitnehmerorgane auf allen Ebenen abhängig.

Unbestritten in der gegenwärtigen arbeitsrechtlichen Diskussion ist, daß die Betriebsverfassungsorgane der Arbeitnehmer bei der Einführung von BDE-Systemen mitbestimmungspflichtig sind. Daraus folgt, daß der Betriebsrat über abgesicherte, umfassende Informationsrechte verfügt, die peinlichst zu beachten sind.

Ziel muß es sein, den Betriebsrat in die Lage zu versetzen, sein Mitbestimmungsrecht qualifiziert auszuüben. Anzustreben ist ein reibungsloser Verständigungsprozeß unter Vermeidung der Einbeziehung von Sachverständigen und gewerkschaftlichen Organen. Diese erschweren die Durchsetzung der Ziele in der Regel.

Neben den betriebsverfassungsrechtlichen Einschränkungen sind seit dem Volkszählurteil von 1983 die einschlägigen Artikel des Grundgesetzes zu berücksichtigen, die das informationelle Selbstbestimmungsrecht des einzelnen im Auge haben. Darauf aufbauend ist der Paragraph 23 Bundesdatenschutzgesetz zu berücksichtigen. Ziel ist es, Menge und Verwendungszweck personen-bezogener Daten zu kontrollieren.

Zu beachten ist, daß die Rechtsprechung derzeit keine verläßliche eindeutige Linie eingeschlagen hat. So kommt es vor, daß je nach Region und Arbeitsgericht mit einem anderen Tenor gerechnet werden muß. Eine jurisitische Auseinandersetzung mit dem Betriebsrat, der für den innerbetrieblichen Datenschutz zuständig ist, wird dadurch unkalkulierbar.

Den allgemeinen betriebs- und verfassungsrechtlichen Rahmenbedingungen müssen BDE-Systeme umfassend Rechnung tragen.

Der Zugriff auf die persönlichen Daten kann gezielt sowohl durch unterschiedliche softwaretechnische als auch durch mechanische und organisatorische Maßnahmen unterbunden werden. Andererseits kann jedem Mitarbeiter die Abfrage seiner persönlichen Daten zum Beispiel am BDE-Terminal im Bereich oder am Arbeitsplatz zugeteilt werden. So kann sich der Mitarbeiter jederzeit über seinen Status informieren und gegebenenfalls Änderungen veranlassen.

Letzeres ist wesentlich für die Akzeptanz, da der Mitarbeiter sich persönlich vom korrekten Betrieb des BDE-Systems überzeugen kann. Jedoch muß unterstrichen werden, daß der Betriebsrat zu allen Zeiten der Planung und Realisierung die Möglichkeit hat, durch Erwirken einer einstweiligen Verfügung, das CIM-Projekt auf unbestimmte Zeit zu stoppen.

Unnötige Kosten werden vermieden

Durch kluges, sozialpartnerschaftliches, transparentes Vorgehen muß erreicht werden, daß der Betriebsrat keine Fremd-unterstützung anfordert. Vielmehr soll er in der Belegschaft Akzeptanz erzeugen. Die Verhandlungen sollten, wie auch die IG-Metall und Arbeitgeber-Verbände betonen, mit dem Ziel geführt werden, den sozialen Besitzstand zu wahren und den Technikeinsatz durch flankierende Maßnahmen sozialverträglich zu gestalten.

Der sozialpartnerschaftliche Ansatz unterstreicht in glaubwürdiger Form die übergeordnete Zielsetzung langfristiger Wettbewerbsverbesserung. Dazu gehört auch die Absicherung sozialer Errungenschaften zum Erreichen eines hohen Wohlstandsniveaus. Andererseits werden unnötige kalkulierbare Konfliktkosten vermieden.

*Dietmar Schmitt ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der PSI Gesellschaft für Prozeßsteuerungs- und Informationssysteme m.b.H. in Berlin