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Stichworte der Jahrestagung: Überflüssige Innovationsberater, Subventionen und Technikhemmnisse:


18.12.1981 - 

BDU gegen Leistungen aus öffentlicher Hand

HANNOVER - Öffentlich-rechtlich - etwa bei Industrie- und Handelskammern - angestellte Innovationsberater sind dem Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) e. V. ein Dorn im Auge und sollten anderweitig beschäftigt werden. Wie Präsident Friedrich A. Meyer anläßlich der BDU-Jahrestagung 1981 in Hannover argumentierte, gebe es genügend qualifizierte freiberufliche Innovationsberater; zudem entspreche die Beratungsleistung der öffentlich-rechtlichen Konkurrenz nicht unbedingt dem, was ein Ratsuchender erwarten dürfe. "Strukturwandel durch die Informationstechnologie" lautete das Thema der BDU-Tagung.

Meyer und sein Vorstandskollege Roland Berger zogen mit Blick auf das Jahr 1981 ein im ganzen positives Fazit für die von ihnen repräsentierten Unternehmen: Einer Umfrage unter den rund 5000 BDU-Mitgliedern zufolge sei der Umsatz durchschnittlich um sieben bis acht Prozent gestiegen. Höhere Umsatzsteigerungen meldete Berger einzig aus Japan (knapp zehn Prozent), während in den USA und den anderen Industrienationen stagnierende bis real rückläufige Umsatzentwicklungen zu beobachten seien.

Freier Beratungsmarkt

Umsatzeinbußen, berichtete Meyer, hätten acht Prozent der BDU-Häuser hinnehmen müssen. Dabei habe sich insbesondere - und überraschend - die Marktforschung rückläufig entwickelt; dagegen sei die DV- und Softwareberatung einer der Wachstumsträger gewesen.

Die Forderung, den Beratungsmarkt dem freien Spiel der Kräfte zu überlassen, verband der BDU-Präsident mit einer Anregung an die Adresse der Politiker, die von den staatlichen Institutionen an kleine und mittlere Unternehmen gezahlten Individual-Subventionen zu streichen. Der vom BDU als "freiwilliger Verzicht" deklarierte Sparvorschlag - von dreistelligen Millionenbeträgen war die Rede - wurde folgendermaßen begründet:

- Die Relation zwischen den Antragsstellungs-/Verwaltungskosten und den schließlich gezahlten Fördermitteln betrage nicht einmal immer 1 zu 2;

- in der Praxis komme es zu systemwidrigen Dauersubventionierungen und zur Subventionierung von (sogenannten) Freiberuflern;

- gruppenweise durchgeführte Informationsseminare und Betriebsvergleiche böten eine effektive Nutzung von Fördermitteln.

Er sei "etwas Ungewöhnliches", äußerte sich Birgit Breuel, niedersächsischer Minister für Wirtschaft und Verkehr, anerkennend zum BDU-Wunsch nach Abbau von Subventionen. Die Politikerin referierte über wirtschaftspolitische Aspekte zum Strukturwandel durch die Informationstechnologie und meinte unter Anspielung auf die relativ schlechte Position der einschlägigen deutschen Forschung und Technik: "Weitere Verzögerungen können wir uns nicht leisten - wohl aber könnten wir uns totdiskutieren."

Neue Märkte, aber auch Freisetzungen sieht Birgit Breuel im Gefolge des Strukturwandels, doch will sie "selbst bei ungünstigen Prognosen keinesfalls auf die Informationstechnik verzichten", um Produktivitätsfortschritte nicht zu verschenken. In ihrem Forderungskatalog steht

- eine schwerpunktmäßige Forschungsförderung im EG-Rahmen,

- eine Gesetzesänderung, die Endgeräteherstellern einen Anspruch auf Zulassung ihrer Produkte einräumt,

- ein erleichterter Technologietransfer durch den Abbau der nationalen Fernmeldemonopole, - mehr Mobilität und Flexibilität der Arbeitnehmer sowie eine Ausbildung, die die neuen Techniken einschließt,

- der Konsens der gesellschaftlichen Gruppen und Verbände, um im Zuge des Strukturwandels unnötige Friktionen zu vermeiden.

Ein "Thema, das den Nerv unseres Landes trifft und treffen wird" sieht auch Professor Dr. Norbert Szyperski, Wissenschaftlicher Direktor der GMD, St. Augustin, in dem sich abzeichnenden Strukturwandel. Szyperski bejaht diesen Wandel grundsätzlich und erblickt in ihm für die Länder Europas aufgrund deren überkommener Denktraditionen die Chance, sich mit der Informationstechnologie eine Ressource zu schaffen.

Entscheidend für Szyperski ist jedoch, daß wir uns der Entwicklung in der richtigen Weise stellen, beispielsweise wandlungsfähige Organisationen aufbauen und den Wandel strategisch steuern, nicht etwa nur Budgets fortschreiben. "Es steht völlig außer Frage", wandte Szyperski sich an seine Zuhörer, "daß der Berater in diesem Umfeld seine Chance hat." Notwendig sei jedoch eine gewisse Größe und die internationale Ausrichtung der Beratungsunternehmen.

VW kündigt Standard an

In einer "Mischung zwischen Euphorie und Steinzeit" befinden sich derzeit die Ingenieure. So schilderte es Dr. Wolfgang Lincke, Bereichsleiter der Pkw-Entwicklung und Prokurist der Volkswagen AG, in seinem Vortrag über die Auswirkungen des Strukturwandels im technischen Sektor. Teilweise arbeiteten die Ingenieure noch mit Werkzeugen aus dem vergangenen Jahrhundert Doch aufgrund der hervorragenden Akzeptanz der CAD/CAE-Methoden zeichne sich inzwischen eine Wieder-Aufwertung des Konstrukteursberufes im Vergleich zu dem des Versuchsmannes ab.