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17.10.2006

Bea schießt scharf gegen SAP und Oracle

Im Gespräch mit CW-Redakteur Wolfgang Herrmann erklärt Bea-CEO Alfred Chuang, was hinter der Strategie "SOA 360" steckt und wie sein Unternehmen gegen die mächtige Konkurrenz bestehen will.

CW: Vergangenes Jahr haben Sie die "Aqualogic"-Familie für Service-orientierte Architekturen angekündigt, erst kürzlich "SOA 360", ein Konzept, das alle Infrastruktur-Produkte vereinen soll. Verwettet Bea seine Zukunft auf das Thema SOA?

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CHUANG: So würde ich das nicht sagen. Bei SOA geht es um die Trennung von Anwendungsfunktionen und Geschäftsprozessen. SAP beispielsweise vereint beides in einem Produkt. Wenn Sie also SAP-Software kaufen, müssen Sie auch den SAP-Prozess nutzen. Das ist nicht besonders logisch. Besser wäre es doch, Funktionen an Geschäftsprozesse anzupassen. In diesem Kontext geht unsere Strategie in zwei Richtungen: Einerseits schaffen wir eine Highlevel-Abstraktionsschicht, mit deren Hilfe Unternehmen Funktionen bauen können. Andererseits stellen wir Werkzeuge und Templates bereit, um Prozesse zu modellieren.

CW: Im Rahmen von SOA 360 soll bis 2008 ein gemeinsames Dach für alle Bea-Produkte entstehen. Die so genannte Microservices Architecture (MSA) bildet dafür die technische Grundlage. Was bedeutet das für Ihr Produktportfolio? Werden Sie bald nur noch Service-Konglomerate vermarkten?

CHUANG: Zunächst geht es darum, unsere eigenen Produk- te nach SOA-Prinzipien zu entwickeln. Dabei setzen wir auf MSA. Darüber hinaus wollen wir auch die unabhängigen Softwarehersteller (Independent Software Vendors = ISVs) dazu bringen, unsere Architektur zu benutzen.

CW: Können sich Kunden künftig nur die jeweils benötigten Funktionen herauspicken, wenn Bea etwa den Java-Application-Server "Weblogic" in modulare Services aufbricht?

CHUANG: Das ist das Ziel. Die Kunden werden nur diejenigen Komponenten nutzen oder verwalten, die sie auch tatsächlich brauchen. Das bedeutet auch, dass sie die diversen Komponenten auf unterschiedlichen Rechnerplattformen installieren können.

CW: Müssen Sie nicht mit Umsatzeinbußen rechnen, wenn Kunden nur noch Teile der bisherigen Kernprodukte kaufen?

CHUANG: Es ist ja generell nichts Schlechtes, wenn die Preise sinken, solange die Absatzmenge stimmt. Je modularer unser Angebot ist, desto mehr Auswahl- und Einsatzmöglichkeiten haben unsere Kunden.

CW: Sie verfolgen mit MSA einen ähnlichen Ansatz wie die großen ERP-Hersteller, die ihre monolithischen Applikationen aufbrechen. SAP beispielsweise plant im Rahmen seiner Enterprise Services Architecture einige tausend Softwareservices. Wird Bea eines Tages ähnlich viele Services im Portfolio haben?

CHUANG: Ich finde es schwierig, Bea mit Oracle oder SAP zu vergleichen. Deren Produkte sind nicht modularisiert, die Architekturen auch nicht wirklich offen.

CW: Genau damit werben aber SAP und Oracle.

CHUANG: Sie reden darüber. Bea ist kein Unternehmen, das nur Reden hält. Was wir versprechen, halten wir auch. Das haben wir mit unseren SOA-Ankündigungen im vergangenen Jahr bewiesen.

CW: Wie genau werden die modularen Pakete aussehen, die Sie versprechen?

CHUANG: Wenn es um Modularisierung geht, besteht immer die Gefahr wachsender Komplexität: Wie sollen Kunden die für sie passenden Servicekombinationen finden? Denken Sie an die Automobilindustrie. Ein Hersteller wie BMW offeriert in Nordamerika nur wenige Ausstattungspakete, obwohl es theoretisch hunderte Kombinationen aus Motoren, Zubehör oder Innenausstattungen gibt. Der Grund dafür ist, dass die Kunden gar nicht das nötige Wissen um die diversen Module haben. Bea wird mit seinen Angeboten einen ähnlichen Weg gehen.

CW: Das heißt, Sie definieren die Servicepakete für den Kunden?

CHUANG: Der Markt wird festlegen, welche Kombinationen sinnvoll sind.

CW: Bisher scheinen SOA 360 und MSA nur auf dem Papier zu stehen. Was ist schon umgesetzt?

CHUANG: Das Konzept SOA 360 ist erst einige Wochen alt. Es schließt alle existierenden und zukünftigen Bea-Techniken ein. Für uns ist es ein Instrument, mit dem wir aufzeigen, in welche Richtung sich Bea bewegt. Und es offenbart, wie sich Service-orientierte Architekturen weiterentwickeln.

CW: Service-orientierte Architekturen werden immer wieder als Ansatz gepriesen, das Alignment-Problem zu lösen, also die Ausrichtung der IT an Unternehmenszielen zu erleichtern.

Inzwischen werden Stimmen lauter, die gerade die fehlende Abstimmung zwischen Business und IT als größtes Hemmnis für SOA-Projekte kritisieren. Wie reagieren Sie darauf?

CHUANG: Als Hersteller können wir Alignment nicht erzwingen. Uns bleibt nur die Option, die Tools bereitzustellen, damit Unternehmen die Zusammenarbeit von IT- und Fachabteilungen verbessern können. Auf die Marktdynamik haben wir keinen Einfluss. Die IT-Branche pendelt doch stets zwischen zwei Extremen: Sind die Zeiten gut, arbeiten Unternehmen mit verteilten dezentralen Organisationsstrukturen und entsprechenden Silo-Anwendungen. Sobald sich die Bedingungen verschlechtern, geht der Trend zurück zur zentralen IT-Organisation. Auf diese Weise lassen sich am einfachsten Kosten sparen. Wir sehen unsere Aufgabe darin, unabhängig von den Schwankungen Tools anzubieten, die beide Szenarien abdecken. Mit unseren Produkten orientieren wir uns sowohl am Business-orientierten IT-Entscheider als auch am Softwareentwickler.

CW: Im SOA-Umfeld geht der Trend immer stärker zu kompletten Software-Stacks. Die großen Player wie IBM oder Oracle bauen ihr Portfolio kontinuierlich aus. Wie positioniert sich Bea in diesem Umfeld?

CHUANG: Wir verfolgen andere Ziele als diese Anbieter. Nach meiner Einschätzung kaufen Kunden vorzugsweise gut integrierte Systeme. Wenn ich beispielsweise ein Handy von Sony Ericsson nutze, kaufe ich die Speicherkarte und das Zubehör ebenfalls von diesem Anbieter. Denn ich gehe davon aus, dass die Komponenten gut aufeinander abgestimmt sind. Das Gleiche gilt für Bea. Statt Kunden alle erdenklichen zugekauften SOA-Komponenten anzudienen, die nicht zusammenarbeiten, wie es einige unserer Konkurrenten tun, bieten wir in sich geschlossene Lösungen. Wir garantieren, dass die Komponenten zueinander passen.

CW: Mit diesem Argument wirbt auch Oracle für seine Integrationsplattform "Fusion" und die zugekauften ERP-Anwendungen.

CHUANG: Zeigen Sie mir ein Stück Software, das auf Fusion basiert. Es gibt keines! Nicht von Peoplesoft, nicht von Siebel, noch nicht einmal von Oracle selbst.