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16.03.2001 - 

Portfolio technisch überarbeitet

Bea Systems trennt sich von Altlasten

DALLAS (as) - Gestärkt durch den finanziellen Erfolg und eine wachsende Kundschaft, sieht sich Bea Systems mit seinem EJB-Server "Weblogic" als Platzhirsch im Java-Lager. Doch das bisherige Portfolio an Applikations-Servern gewinnt erst jetzt an klaren Konturen und wird von technischen "Altlasten" befreit.

Ein Mann sitzt mit dem Rücken zum Publikum und zappt sich durch die US-Fernsehkanäle. Wohin er dabei auch springt, immer wieder taucht der Name Bea auf, ob in den Nachrichten, alten Spielfilmen, Werbesendungen, MTV - ja selbst in Kindersendungen lernen die Kleinsten Tiernamen wie B-e-a...r. Entnervt schaltet der Mann den Fernseher aus und schiebt seine Programmzeitschrift in den Reißwolf. Kurz bevor diese darin verschwindet, können die amüsierten Zuschauer noch den Namen des Empfängers entziffern: Louis Gerstner - IBMs Konzernchef.

Mit diesem Spot stimmte Bea Systems zum Auftakt der diesjährigen Anwenderkonferenz in Dallas, Texas, die rund 3500 Teilnehmer ein und machte damit zugleich deutlich, wen man derzeit als größten Konkurrenten im Markt für Java-Applikations-Server sieht. Tatsächlich liefern sich Bea und IBM schon seit Monaten ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Marktführerschaft. So zitierte Chief Executive Officer Bill Coleeine Erhebung der Giga Group vom Dezember 2000, nach der Bea einen Marktanteil von 56 Prozent vor IBM mit 33 Prozent und Sun-Netscape mit drei Prozent hat. Dies war allerdings ein schlechtes Beispiel für den eigenen Erfolg. Die Umfrage ergab pikanterweise vielmehr, dass IBM im Vergleich zu 1999 (16 zu 32 Prozent) gegenüber Bea prozentual Marktanteile gutgemacht hat.

Jenseits des Marketing-Spektakels kann Bea jedoch auch mit härteren Fakten aufwarten. So stiegen im letzten Geschäftsjahr die Umsätze von 464,4 auf 819,9 Millionen Dollar und laut Coleman zähle man mittlerweile 9400 Unternehmenskunden und über 1500 Partner, die Weblogic Server (WLS) und den TransaktionsServer "Tuxedo" unterstützen. Hierzu zählen Firmen wie Andersen Consulting, PriceWaterhouse Coopers, KPMG, Ariba, BMC, Clarify, Peoplesoft, Broadvision, Documentum, Interwoven, Ariba, Broadbase, Webgain und Vignette.

Produkt-Highlights in Dallas waren aktuelle Versionen des Transaktions-Servers "Tuxedo 8.0" und der Corba-Implementierung"Weblogic Enterprise 6.0" (WLE), die bis zum Juli allgemein erhältlich sein sollen. Sie setzen den Schlussstrich unter interne Engineering-Arbeiten, deren erstes Resultat Ende letzten Jahres mit Release 6.0 des WLS vorgestellt worden war. Dieser präsentiert sich erstmals als eine reine Java-Implementierung, die laut Chief Technology Officer Scott Dietzen keinen Tuxedo-Code mehr enthält. Vielmehr entwickelten und testeten die Tuxedo-Spezialisten im Haus eine neue Java-Transaktions-Engine. EJBs laufen laut Dietzen in dem eigenen Container künftig zwei- bis dreimal schneller als bisher mit Tuxedo. Umgekehrt wird Tuxedo 8.0 keine Java-Runtime mehr anbieten, sondern nun alle C- und C++-Services sowie Multithreading in sich aufnehmen (siehe Kasten "Tuxedo 8"). WLE 6, das die Corba-Services enthält, spielt in diesem Szenario künftig die Klammer zwischen beiden Welten und richtet sich an Kunden, die sowohl Java- als auch Legacy-Anwendungen über einen Server betreiben müssen. "Für unsere Marketing-Leute sind die Produkte so einfacher zu erklären", sagt Dietzen.

Zu diesen Plattformen gesellen sich Sammlungen von Geschäftskomponenten in Form von EJB-Klassen, die über die bisherigen Basisdienste hinaus Standardbausteine bieten, um Unternehmen bei der Java-basierten Integration von E-Commerce-Systemen oder Marktplätzen zu helfen (siehe CW 47/00, Seite 24). Es sind dies "Collaborate", "Commerce Server", Personalization Server" und als jüngstes Mitglied der "Campaign Manager" für Marketing-Aktivitäten. Alle Produkte sind nicht als fertige Anwendungen zu verstehen, sondern sollen in erster Linie neue und bestehende Kunden sowie ISVs eine standardisierte Plattform auf Basis von Weblogic bieten.

Auf das größte Interesse stießen in Dallas allerdings Vorträge zu den neuen Spezifikationen von J2EE 1.3 sowie Best Practices, die allesamt überfüllt waren. Hier war auch zu erfahren, was Bea in den kommenden Monaten in puncto Java und Produktentwicklung plant. Allein 57 Projekte sollen derzeit intern laufen. So ist geplant, den Nachfolger von Tuxedo 8 mit einem Subset der Corba Components auszurüsten, die das bisherige TP-Framework umfassen. Unter den Codenamen "Silversword" und "Acadia" sind zudem zwei weitere WLS-Versionen derzeit in der Entwicklung. Wichtigste Forschungsgebiete sind Caching und XML, Sicherheits-Features (Stichwort: Java Authentication and Authorization Service), die Anwendungsverwaltung, Pervasive Computing sowie Web-Services.

Letztere, so Bea, werden nicht nur die Integartionsplattform im Web, sondern auch im Intranet sein (siehe auch das Interview auf Seite 29). Sie sind laut Dietzen aber keine Konkurrenz zur Java-Plattform oder Microsofts .NET. Ihr Wert liegt vielmehr in ihrer Unabhängigkeit vom Programmiermodell. Beas plant hier den Einsatz von Standards wie Soap, UDDI, WSDL und dem vorgeschlagenen Business Transaction Portocol für langlebige Transaktionen. Zudem sieht man sich durch die vorhandenen Produkte bereits gerüstet. So soll es "einfache" Web-Services geben, die WLS etwa als JSPs bedienen soll, sowie "Highend-Services", um die sich Collaborate kümmern wird.

Weblogic Server 6.0

Die wichtigsten Features des aktuellen Release des EJB-Servers sind:

a) Implementierung des Java Message Service 1.0.2. Es können nun Messages-Queues auf mehreren Servern eingerichtet werden. Messages lassen sich außer in der Datenbank oder im Arbeitsspeicher nun auch als Datei speichern. Die Quality of Services wurde durch Transaktionen mit Two-Phase-Commit verbessert.

b) WLS unterstützt EJB 1.1 und 2.0. Letztere Spezifikationen müssen aber separat heruntergeladen werden. Hierzu zählt beispielsweise die Unterstützung von Message Driven Beans.

c) Replizierung von EJB-Sessions auf anderem Server, um Informationsverluste zu verhindern.

d) Verbesserter XML-Support: Integrierte XSLT-Engine und XML-Parser (SAX Version 2 und DOM Level 2) , XSLT JSP Tag-Library, JAXP 1.0.1 und XML-Servlet, Entity-Resolution, anpassbarer DTD-spezifischer Parser-Generator, Soap-Unterstützung.

e) JSP Content-Caching-Tags und Pooling von JDBC-Aufrufen.

Tuxedo 8.0Tuxedo 8.0 vereint die bisherigen Corba- und ATMI-Produkte. Es basiert auf dem Kernel 7.1 und hat zusätzlich ein neues Release der C++-Corba-Services an Bord, die jetzt fakultativ ein leistungsfähigeres Multithreading unterstützen. Weiter sind für die Inter-ORB-Kommunikation nun keine "Environmental Objects" mehr möglich. Die Tuxedo-Algorithmen für Load-Balancing, die das Failover verbessern, lassen sich jetzt auch in Corba verwenden. Das "sexiest" Feature betrifft die Interoperabilität zwischen WLS 6.0 und Tuxedo 8.0. Bisher waren Aufrufe über Java-IDL zu C++-Corba, Java-ATMI zu Tuxedo ATMI und umgekehrt möglich. Nun lassen sich durch "Objects by Value" auch aus Corba-C++-Anwendungen heraus über RMI over IIOP Java-Server sowie andere C++-Umgebungen ansprechen. Das Feature soll im zweiten Quartal als separates Download verfügbar sein.