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18.02.1983 - 

Keine Patentrezepte, alle Ansprüche des Menschen an Arbeit und Arbeitswelt zu erfüllen:

Beachtung der Norm allein reicht nicht aus

MINDEN - Der Stuhl wird sich zu einer "Persönlichkeit" am technischen Arbeitsplatz entwickeln. So sieht es zumindest Rolf Selling vom Mindener EDV-Möbelhersteller Drabert. Dynamisches Sitzen, lautet eine seiner Thesen, ist kein Vehikel zum Transport von Marketingüberlegungen.

Durch Spezialisierung sind Arbeitsabläufe weitgehend so einseitig geworden, daß die berufliche Tätigkeit zukünftig keine innere Befriedigung mehr bringen wird. Für viele wird sie einfach zum Job, zur Gelegenheit, Geld zu verdienen. Hinzu kommt, daß physische, psychische und soziale Belastungen, gemeinhin fälschlicherweise mit dem Begriff Streß umschrieben, die Gesundheit des einzelnen wie ganzer Bevölkerungsschichten bedrohen.

Schöne Möbel und perfekt funktionierende Maschinen können die oft fehlende positive innere Einstellung zur Erwerbstätigkeit nicht herbeizaubern. Der Berufstätige unterliegt einem notwendigen Übel, einem Zwang. Hier beginnen die Probleme. Oft läßt sich die Art der Arbeit nicht entscheidend verändern. Gewisse Belastungen bleiben unvermeidbar. Wenn solche Zwänge aber schon akzeptiert werden müssen, dann muß unsere Sorge in erhöhtem Umfange der Verbesserung der äußeren und inneren Bedingungen, der Humanisierung der Arbeitswelt gelten.

Voraussetzung für das Wohlbefinden des Arbeitenden ist die optimale Gestaltung des Arbeitsplatzes. Dies gilt sowohl für den Fernraum wie auch für den Individualbereich. In der Regel sind die äußeren Bedingungen nicht beliebig zu verändern, da sie durch vorhandene Raumdistanz und technologische Anforderungen festgelegt sind.

Je weniger der Arbeitsplatz in seinem grundsätzlichen Aufbau zu verändern ist, um so mehr muß dem Individualraum Beachtung geschenkt werden. Dazu gehören die optimale Belüftung, die Beleuchtung, die Temperatur sowie die Auflockerung der Atmosphäre durch Gegenstände aus dem persönlichen Bereich. Nur wenn sich alle direkt oder indirekt an der Arbeitswelt Interessierten zur Mitgestaltung bereit finden, können Gesundheitsschäden vermieden werden.

Die Bemühungen konzentrieren sich auf den Arbeitsplatz im allgemeinen und die Gestaltung des Sitzmöbels im besonderen. Gerade bei der Beurteilung des zweckmäßigsten Arbeitssitzes müssen bestimmte medizinische - Anforderungen berücksichtigt werden, die sich aus der sitzenden Haltung selbst ergeben.

Auch wenn wir keine Patentrezepte, alle Ansprüche des Menschen an die Arbeit und an die Arbeitsumwelt zu erfüllen zur Hand haben, so stehen doch kompetente Richtlinien zur Verfügung, wie die geistige Kapazität des Mitarbeiters freigestellt werden kann von Engpässen oder Barrieren, die von den einzelnen Arbeitsmitteln mitunter sehr frustrierend ausgehen können und die das intellektuelle Interesse des Menschen und sein Aufnahmevermögen allzu sehr strapazieren.

Dazu gehört, daß man die DIN-Normen weiterentwickelt, den neuesten Erkenntnissen anpaßt und sich freimacht von dem in der täglichen Praxis immer wiederkehrenden Argument, mit der Beachtung der Norm allein sei schon für den Menschen das Menschenmögliche getan. Dynamisches Sitzen ist als Bestandteil der Ergonomiewissenschaft kein Vehikel zum Transport für Marketingüberlegungen, vielmehr eine Notwendigkeit, dem langzeitsitzenden Individuum immer dort Entlastung zu geben, wo sie direkt gebraucht wird, nämlich beim Menschen selbst.

Hinzu kommt, daß das Zusammenschmelzen von Büromöbeln und Bürotechnik bedeutet, daß an das Sitzmöbel unter Humanaspekten ungleich höhere Ansprüche gestellt werden, denn der Stuhl wird sich zur "Persönlichkeit" am technischen Büroarbeitsplatz entwickeln. So entsteht gewissermaßen für den Menschen eine zweite Haut, ein sensibles Sitzinstrument mit geradezu sensorischen Fähigkeiten, in das der Sitzende all das hineininterpretieren kann, was auch zu seiner eigenen Motivation dient.