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24.01.2006 - 

Kolumne

Bearingpoint dreht sich in einer Abwärtsspirale

Berater sind in gewisser Weise wie Banker. Beide brauchen das Vertrauen ihrer Kunden und ein klares Profil. Wer einen Bausparvertrag will, geht nicht zu einer Privatbank, und wer nach einer renditestarken Anlagemöglichkeit für sein Millionenerbe sucht, wendet sich nicht unbedingt an die Sparkasse um die Ecke. Bei Beratungsunternehmen funktioniert das ähnlich: Wer IT-Beratung will, erachtet McKinsey wahrscheinlich nicht als erste Adresse, und IT-Berater werden eher selten als erstklassige Unternehmens- und Strategieberater eingestuft. Und natürlich werden die reinen IT-Berater von den so genannten Boutiquen unterschieden, die auch Implementierung, Projektgeschäft und Outsourcing anbieten. Vor allem Consultants, die IT-Betrieb oder ganze Geschäftsprozesse von ihren Kunden übernehmen, verzeichnen Wachstum und ordentliche Profite - IBM Global Services und Accenture etwa.

Bearingpoint (siehe Seiten 1 und 40) fehlt zurzeit beides: Vertrauen und Profil. Fatalerweise wirken diese zuförderst hausgemachten Defizite auch noch in zwei Richtungen. Sie verunsichern Kunden und Mitarbeiter. Misstrauisch werden muss jeder, der weiß, dass die Berater - als Spinoff der Wirtschaftsprüfung KPMG wohlgemerkt - schon seit November 2004 keine Bilanz mehr vorgelegt haben. Die Gerüchte um das Fehlverhalten der deutschen Geschäftsführung beschleunigen den Vertrauensverlust. Vor allem den Bearingpoint-Consultants muss es unendlich peinlich sein, keine offiziellen Angaben machen zu können, wenn sie von Kunden nach den Unternehmensresultaten gefragt werden. Als wenn das nicht ausreichen würde, um die Kunden in Scharen davon zu treiben, leidet das Beratungshaus auch noch unter einem unklaren beziehungsweise falschen Profil. Unklar deshalb, weil das Unternehmen sowohl IT- als auch Fach- und Strategieberatung anbietet, ohne in den letzten beiden Feldern wirklich reüssiert zu haben. Falsch ausgerichtet ist Bearingpoint, weil sie nach eigenem Bekunden absichtlich auf Beratung sowie Implementierung gesetzt und den Betrieb außer Acht gelassen haben. Die unglückliche Positionierung und das fehlende Vertrauen verhageln Bearingpoint das Geschäft und zwar mit zunehmender Wucht. Die Abwärtsspirale dreht sich immer schneller. Wie schnell, lässt sich unschwer an der Mitarbeiter-Fluktuation erkennen. Im Dezember 2005 soll sie bei 35 Prozent gelegen haben.

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