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14.11.2006

Bearingpoint rutscht erneut in die Krise

Geschäftsführer Peter Schurau muss gehen. Der Ex-Chef Hendrik Ansink gewinnt seinen Arbeitsrechtsprozess.

Von CW-Redakteur Joachim Hackmann

Schurau, seit Januar 2006 stellvertretender Sprecher der Geschäftsführung, ist nach Informationen der computerwoche vom Aufsichtsrat entlassen worden. Das bestätigten mehrere unternehmensnahe Quellen. Über die Gründe der Demission besteht dagegen noch keine Klarheit, die Rede ist von "Unregelmäßigkeiten" und von "einer Verstrickung in einen Reisekostenskandal". Der Aufsichtsrat soll Schurau außerdem vorwerfen, Bearingpoint-Mitarbeiter für sein eigenes Unternehmen abgeworben zu haben. Das würde das Unternehmen ins Mark treffen, da es nach wie vor unter einer hohen Fluktuation leiden soll. Ein Bearingpoint-Sprecher bestätigte, dass Schurau freigestellt wurde und eventuelle Verfehlungen untersucht würden. Probleme mit einer Abwanderungswelle unter den Mitarbeitern gebe es indes nicht.

Nebentätigkeiten der Führungsmannschaft sind bei Bearingpoint nichts Neues: Vor knapp einem Jahr hatte der deutsche Aufsichtsrat das Management zu einem Gutteil entlassen oder ausgetauscht. Mit Steffen Seeger, Geschäftsführer und Europa-Chef, konnte sich das Unternehmen gütlich einigen, er unterschrieb einen Aufhebungsvertrag. Die Trennung von Hendrik Ansink, Sprecher der Geschäftsführung, verlief dagegen weniger reibungslos. Fortsetzung auf Seite 4

Was zum Ausschluss der Manager geführt hat, ist bislang nicht an die Öffentlichkeit gedrungen. Ansink und Seeger waren zumindest Anfang 2006 noch - wie auch andere Bearingpoint-Manager - an der Firma Prodim beteiligt, die oft als Subunternehmen verpflichtet wurde.

Ansink klagte gegen seine fristlose Kündigung und bekam Recht. Seit Ende Oktober ist er wieder - zumindest formell - als Managing Director bei Bearingpoint beschäftigt. "Ob er je wirklich für Bearingpoint arbeiten wird, bezweifle ich", sagte ein dem Unternehmen nahe stehender IT-Berater. Der Bearingpoint-Sprecher erklärte dazu: "Zu laufenden Verfahren geben wir keine Stellungnahme ab."

Einen zweiten Rechtsstreit konnte das Unternehmen dagegen zunächst gewinnen. Ein Aufsichtsratsmitglied aus der Arbeitnehmerschaft, das als Consultant am Standort Leipzig arbeitet, hielt die Aufsichtsratssitzung vom Dezember 2005, in der die fristlose Kündigung von Ansink und Seeger beschlossen worden war, für nicht rechtmäßig und erhob Anklage.

Schließungspläne aufgegeben

Warum und mit welcher Begründung der Einspruch eingereicht wurde, ist unklar, die Klage wurde jedoch abgewiesen. Ansink galt als Förderer des Bearingpoint-Standorts Leipzig. Mit rund 40 Mitarbeitern handelt es sich um die kleinste Niederlassung des IT-Beratungshauses. Sie stand unabhängig von ihrer wirtschaftlichen Leistung immer zur Diskussion.

Die Geschäftsführung präsentierte den Mitarbeitern im vergangenen Sommer den Plan, den ostdeutschen Standort abzuwickeln. Laut einer anonymen Quelle verfolgte das Management damit das Ziel, im Zuge der Schließung das dort beschäftigte Aufsichtsratsmitglied zu entlassen, weil die Unternehmensführung trotz einer Abwehr der ersten Klage eine Fortsetzung des Rechtsstreits befürchtete. "Die Schlussfolgerung ist denkbar, aber sehr gewagt", urteilte ein IT-Berater aus dem Umfeld des Unternehmens. Er bestätigte jedoch Mobbing-Vorwürfe gegen das Aufsichtsratsmitglied.

Die Schließungspläne gab Bearingpoint nach Verhandlungen mit der Arbeitnehmervertretung auf. Der Betriebsrat konnte der Geschäftsführung einige Zugeständnisse abringen, was die Kosten der Stilllegung in die Höhe getrieben hätte. "Es gibt keine Pläne zur Schließung des Standortes Leipzig", sagte der Bearingpoint-Sprecher. Auf die Frage, ob es in der Vergangenheit entsprechende Vorhaben gab, hieß es: "Kein Kommentar." (jha)