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DV-Schulungskonzepte:


21.11.1986 - 

Bedarfsgerecht

Daß längst noch nicht alles gesagt und geschrieben wurde zum Thema, behauptet Paul Maisberger. Interne Weiterbildung ist nämlich immer noch häufig eine Aktivität, die auf Mitarbeiter nur "angewendet" wird. Die These des Leiters Öffentlichkeitsarbeit bei der Control Data Institut GmbH in München kann zugleich als Motto für Technikschulung allgemein gelten Partnerschaftliche Vermittlung von Zusatzwissen muß Ausdruck einer beständigen Firmenphilosophie sein. Solange der Arbeitnehmer zudem nicht als autonomes Wesen - unabhängig von der Maschine - gesehen wird, liegt die Gestaltung von DV-Schulungsmaßnahmen weiterhin im argen.

Das Ergebnis eines Projektes "Modellqualifizierung für moderne Bürotechnologie" unter der Leitung von Diplomsoziologin Veronika Lullies aus München macht auf eine paradoxe Situation, in der sich die Beschäftigten heute befinden, aufmerksam.

"Einerseits gehören DV-Systeme zur täglichen Arbeitserfahrung, die meisten der Beschäftigten arbeiten seit Jahren - scheinbar problemlos - mit DV-Systemen, andererseits haben die meisten von ihnen nur keine

Ahnung von dieser Technik. Sie können ihr Terminal nicht von einem Textsystem oder einem Post-Modem unterscheiden, mit den Fehlerhinweisen am Terminal können sie nichts anfangen, sie wissen nicht, was ein Computer ist, das Benutzer-Handbuch ist für sie unverständlich und deshalb unbrauchbar, sie wissen fast nichts über den Aufbau des Programmpaketes, die Hintergrundsysteme etc."

Nun könnte man zu der Meinung gelangen, dieses Untersuchungsergebnis wäre ein typischer Einzelfall und nicht zu verallgemeinern. Wer jedoch die Situation in Großbetrieben, insbesondere aber in Mittelbetrieben genauer kennt, weiß, daß trotz aller Bemühungen mit Benutzer-Servicezentren die Schulung der Mitarbeiter in den Fachabteilungen immer noch zu sehr von den Vorstellungen der Groß-EDV her konzipiert und durchgeführt wird. Natürlich gibt es einige Gegenbeispiele von Firmen, in denen exakte Arbeitsplatzanalysen mit Feststellungen des konkreten Schulungsbedarfs durchgeführt wurden und erst anschließend eine aus Benutzersicht bedarfsgerechte Schulung konzipiert wurde. Trotzdem lautet ein weiteres Ergebnis der obengenannten Studie folgendermaßen:

- "Die Befragung während und nach dem ersten Qualifizierungskurs erbrachte, daß die Teilnehmer die Trainer kaum verstanden, der Kurs war ihnen zu technikorientiert und der Anwenderbezug kam für sie darin viel zu kurz."

Wer weiß, mit welch vorsichtigen Formulierungen sozialwissenschaftliche Untersuchungen, noch dazu, wenn es sich um forschungsgebundene Mittelgeber handelt, versehen werden, muß zu dem Schluß kommen, daß die obenstehende Aussage eigentlich ein vernichtendes Urteil darstellt.

Recht drastisch faßte Professor Erich Staudt vom Lehrstuhl für Arbeitsökonomie an der Ruhr-Universität Bochum seine Erfahrungen in einem Vortrag "Innovationshemmnisse bei mittelständischen Unternehmen und Selbständigen" zusammen:

"Die meisten mikroelektronisch spezifischen Ausbildungsprogramme neigen heute dazu, die konventionellen Erfahrungen aus der Großdatenverarbeitung in quasi miniaturisierter und angepaßter Form auf den Bereich des Mikroelektronik-Einsatzes zu übertragen." ... "Die Tradierung einmal vorhandener Curricula und der Versuch, sie in immer wieder neue Anwendungsgebiete fortzuschreiben, ist zwar durchaus menschlich verständlich, aber eine ökonomisch unsinnige Lösung."

..."Die schräge Logik solcher naiver Übertragungsversuche wird deutlich, wenn man eine Analogie zur Diffusion des Automobils herstellt. So sind Prognosen von Anfang dieses Jahrhunderts vorstellbar, die besagen, daß der maximale Pkw-Bestand sich nach der Zahl der Ingenieure richte." Diesen insgesamt doch sehr negativen Erfahrungen und Ergebnissen steht das ständige Klagen der Industrie gegenüber, es gebe zuwenig richtig qualifizierte Mitarbeiter für die weitere Verbreitung der Informations- und Kommunikationstechnik. Je nach Standort gibt es unterschiedliche Bedarfszahlen. All diesen Prognosen ist jedoch gemeinsam, daß sie für die nächsten fünf bis zehn Jahre davon ausgehen, daß zirka 50 Prozent aller Beschäftigten EDV-Grundwissen benötigen.

Nicht nur die durch ein gewisses Maß an "self fulfilling prophecy" belasteten Zahlen, sondern auch die moderateren Schätzungen der Bundesanstalt für Arbeit unterstellen einen Bedarf von zirka fünf Millionen Fachabteilungsmitarbeitern mit EDV-Qualifikationen, der bisher vielleicht zu einem Viertel gedeckt ist.

Einerseits wird also die Klage nach richtig qualifizierten Mitarbeitern immer stärker, andererseits sind viele Betriebe immer noch nicht bereit zu akzeptieren, daß die Mitarbeiter ihr wichtigstes Kapital sind.

In ihrem Buch "Auf der Suche nach Spitzenleistungen" - das ja so etwas wie die Manager-Bibel wurde - stellen Peters und Waterman fest, daß besonders erfolgreiche, innovative Unternehmen ihre Mitarbeiter als eigentliche Quelle der Qualitäts- und Produktivitätssteigerung sehen.

Weiterbildung, richtig verstanden, darf nicht nur eine Aktivität sein, "die auf Mitarbeiter angewendet wird", sondern sie muß Ausdruck einer beständigen Firmenphilosophie sein.

So lange sich die Einstellung zum Mitarbeiter nicht dahingehend ändert, daß er als autonomes Wesen, unabhängig von der Maschine und deren begrenzten Fähigkeiten, gesehen wird, wird sich auch an der Gestaltung von Schulungsmaßnahmen wenig ändern. Dazu einige Beispiele:

- Einerseits beklagen die Hersteller, insbesondere im PC-Bereich, nicht erreichte Umsatzziele und versuchen, Kurskorrekturen durch massive Preisnachlässe herbeizuführen. Andererseits genügt ein Blick in Werbekampagnen, um festzustellen, daß immer noch die reine Technik-Orientierung im Vordergrund steht. Da geistert doch gerade wieder eine viertelseitige Kampagne durch die überregionalen Zeitungen mit Überschriften wie zum Beispiel "Das neue Büro" oder "Die neue Export-Abteilung". Dazu ist dann nur ein Bildschirmarbeitsplatz mit einer langen Leitung abgebildet. In der neuesten Serie dieser Kampagne kommt dann immerhin ein Blumensträußchen vor.

- Einerseits werden heftige Diskussionen (zum Beispiel auch in der COMPUTERWOCHE) über mangelnde Rationalisierungserfolge durch den Einsatz der Datenverarbeitung geführt. Andererseits besteht immer noch keine ausreichende Bereitschaft, Mitarbeitern wirkliche "Computerkompetenz" zu vermitteln, die über Tastatur und Maschinenbedienung hinausgeht. Gefragt sind aber Mitarbeiter, die den effizienten Einsatz der Werkzeuge Hard- und Software in organisatorisch optimaler Form sicherstellen können. Daß derartig ausgebildete Mitarbeiter die Konsequenzen des eigenen Tuns abschätzen können, versteht sich dann von selbst.

Vielleicht ist es nützlich, den kultähnlichen Mystizismus, der schon beinahe in unterwürfige Ehrfurcht ausartet, zu verlassen und den Computer als das zu sehen, was er sein kann: ein nützliches Werkzeug zur Erledigung von Büroaufgaben.

In der Diskussion um benutzergerechte DV-Schulung hat sich die folgende Einteilung von Büroarbeitsplatztypen eingebürgert:

- der Büroarbeitsplatztyp von Managern/Führungskräften,

- der Büroarbeitsplatztyp von qualifizierten Fachleuten,

- der Büroarbeitsplatztyp von Sachbearbeitern,

- der Büroarbeitsplatztyp von Sekretärinnen/Schreibkräften.

Aus dieser Kategorisierung wird deutlich, daß bei vermehrtem Einsatz der Informations- und Kommunikationstechnik zunehmend auch Arbeitsplätze von Fachleuten und Managern betroffen sein werden. Für die Organisatoren in den Unternehmen ergibt sich daraus ein viel stärkerer Begründungszwang für organisatorische Maßnahmen, als dies bisher der Fall war. Es dürfte nicht mehr ausreichen, nur zu den Formen an Information und Mitwirkung zu greifen, wie sie nach dem Betriebsverfassungsgesetz vorgeschrieben sind. Ein äußerst positives Beispiel in dieser Richtung wird von der Bayer AG berichtet. Dort haben die Unternehmensleitung und der Gesamtbetriebsrat eine Rahmen-Gesamtbetriebsvereinbarung zur Einführung "Neuer Technologien" abgeschlossen. Die Unternehmensleitung strebt dabei an, die Betroffenen in einem sehr frühen Planungsstadium über die beabsichtigten Maßnahmen zu informieren. Dadurch soll es den Betroffenen möglich werden, die Planungen noch zu beeinflussen. Die Arbeitsplätze sollen weiter humanisiert und die Erfahrungen und Fähigkeiten der Mitarbeiter genutzt werden. Bei der Strukturierung von Arbeitsabläufen sollen Mischarbeitsplätze angestrebt werden. Den Mitarbeitern werden für die neuen Techniken eine angemessene Einarbeitungszeit und ausreichend Fortbildungsmaßnahmen zugesichert.

Benutzergerechte EDV-Qualifizierung kann nicht wie mit dem Nürnberger Trichter in Eintagesseminaren verabreicht werden, sondern muß unternehmensspezifisch in Dauer und Beispielen den eingesetzten Softwareprodukten anpaßbar sein. Es nutzt auch wenig, die Produkte der Softwarehersteller eins zu eins in Schulungsmaßnahmen zu übersetzen -vielmehr ist eine methodisch-didaktische Reduzierung auf die Aufnahmefähigkeit der Schulungsteilnehmer vorzunehmen.

Mit dem Computer-Führerschein hat Control Data Institut für die Schulung von Computer-Benutzern einen neuen Standard geschaffen. Vor zirka fünf Jahren begann der Einsatz von Personal Computern in den Fachabteilungen von Großunternehmen und in den Büros von kleinen und mittleren Betrieben. Heute unterstützen bereits eine Million PCs Sach- und Fachaufgaben. Der Umgang mit Personal Computern, PC-Software und PC-Anwendungen nimmt bei Stellenbesetzungen zunehmend eine Schlüsselrolle ein.

Fast für jede Aufgabe gibt es heute Software, die dabei hilft, Arbeitsplatzaufgaben zu erfüllen und lästige Routinearbeit zu erledigen. "Nach unseren Untersuchungen beträgt bei rund neun Millionen Beschäftigten der Arbeitsanteil für das Erstellen und Verwalten von Informationen in Form von Texten, Daten, Tabellen

und Grafiken bis zu 40 Prozent der täglichen Arbeit", stellt Dieter Ballin, Produktplaner am Control Data Institut, fest. Auf diese Tätigkeiten konzentrieren sich der Computer-Führerschein und die darauf aufbauenden Qualifizierungsprogramme Kommunikationsassistent/in und kaufmännische EDV-Zusatzqualifikationen. Mit ihnen erreichen Absolventen, was fortschrittliche Unternehmen an qualifizierten Mitarbeitern schätzen: das selbständige Arbeiten am Computer-Arbeitsplatz.

Für den Computer-Führerschein und die darauf aufbauenden Qualifikationen hat Control Data Institut die typischen Bürotätigkeiten, die am häufigsten mit Computerunterstützung abgewickelt werden, ausgewählt. Dazu passend werden die Softwareprodukte trainiert, die am meisten eingesetzt werden:

- Texte erstellen mit Word,

- Tabellen bearbeiten mit Lotus 1-2-3,

- Daten auswerten mit dBase,

- Grafiken erstellen mit Chart und Gem,

- Ablage organisieren mit IBM-PC-Büro,

- Aufträge abwickeln mit IBM-Auftragsabwicklung,

- Geschäftsvorfälle verbuchen mit IBM-Finanzbuchhaltung,

- Betriebssystem MS-DOS.

Mit dieser Software steht das Angebot der Softwarehäuser MicroSoft, Ashton-Tate und Lotus zur Verfügung.

Computer am Arbeitsplatz bedeuten für arbeitsgerechte Schulung: Computer an den Unterrichtsplatz. Mit über 1000 Personal Computern gehört Control Data zu den größten PC-Anwendern in der Bundesrepublik, und mehr als 60 Prozent der Unterrichtszeit ist Training am PC; denn auch für den Computer-Führerschein gilt: Fahren lernt man im Auto.

Geht man von der These "Neue Kommunikationstechniken = Sachbearbeitertechniken" aus, wird deutlich, daß die Computerleistung immer mehr in die Fachabteilung verlegt wird. Daraus ergibt sich verstärkt die Konsequenz, Mitarbeiter in den Fachabteilungen auch an Projektgruppen zu beteiligen. Selbstverständlich besteht dann auch die Notwendigkeit, diese Mitarbeiter mit den Methoden und Techniken der Projektarbeit vertraut zu machen. Dies läßt sich zum Beispiel durch Drei- bis Viertagesseminare zum Thema "Mitarbeiter Fachabteilung bei EDV-Projekten" erreichen. Einige Unternehmen bereiten den zunehmenden Einsatz der Informations- und Kommunikationstechnik durch spezielle Motivationsseminare vor. Zur Optimierung der Zusammenarbeit zwischen Fachabteilung und DV/Org.-Abteilung werden vereinzelt sogar gruppendynamische Trainings durchgeführt, um die gegenseitigen Erwartungen besser aufeinander abstimmen zu können.