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08.08.2003 - 

Kolumne

"Behörden haben kein Händchen für IT"

Martin BayerRedakteur CW

Regelmäßig enden große IT-Vorhaben der öffentlichen Hand in einem Fiasko. Die Liste der Beispiele ist lang: Sie reicht von der Kostenexplosion beim IT-gestützten Fahndungssystem Inpol über das an Streitereien der Bundesländer gescheiterte Finanzamtsprojekt Fiskus bis hin zum neuen Mautsystem, das der Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe wegen technischer Probleme um zwei Monate verschieben musste. Allein das Mautfiasko beschert dem Staat Einnahmeverluste von über 360 Millionen Euro, die Finanzminister Hans Eichel bereits fest in seinem Etat verplant hatte.

Ein zukunftsweisendes und innovatives System ohne Mauthäuschen und Wartezeiten versprach das Betreiberkonsortium Toll Collect aus Daimler-Chrysler, T-Systems und dem französischen Autobahnbetreiber Cofiroute seinem öffentlichen Auftraggeber. Das Projekt stand jedoch von Anfang an unter keinem guten Stern. Unregelmäßigkeiten beim Vergabeverfahren, Klagen des Mitbewerbers Ages und Gerüchte darüber, der Staat wolle der angeschlagenen Telekom einen Millionenauftrag zuschanzen, sorgten für monatelange Verzögerungen. Zuletzt gerieten alle Beteiligten so unter Druck, dass das gesamte Vorhaben offenbar in einem Hauruckverfahren durchgezogen wurde.

Unverständlich bleibt allerdings, dass alle Beteiligten trotz der offensichtlichen Probleme bis zuletzt an den ursprünglichen Plänen festhielten und offenen Auges in ihr Verderben rannten. Insider sprachen von einem Mikado-Spiel: Wer sich zuerst bewegt, verliert. Verloren hat demnach das Verkehrsministerium, das eine zweimonatige Testphase beschloss, um damit das drohende Chaos Ende August zu verhindern.

Verloren hat allerdings auch Toll Collect. Zwar verschanzen sich die Verantwortlichen hinter den Vertragsparagrafen und pochen darauf, sie würden alle Verpflichtungen einhalten. Den Makel einer Mitverantwortung für das Mautdesaster wird Toll Collect aber nicht abstreifen können. Die Stimmen, die dem Konsortium mangelndes Projekt-Management, Unvermögen und Arroganz den Kunden gegenüber vorwerfen, werden immer lauter.

Lernen die Mitspieler denn gar nichts dazu, fragt man sich angesichts der immer gleichen Fehler. Anscheinend nicht. Solange es nur darum geht, sich gegenseitig den schwarzen Peter zuzuschieben und alle Verantwortung für Probleme auf andere abzuwälzen, wird sich kaum etwas ändern. Die so oft bemühte Public Private Partnership sieht anders aus.

Die IT-Industrie wird endlich begreifen müssen, dass es auf lange Sicht nicht funktioniert, die öffentlichen Auftraggeber über den Tisch zu ziehen und wie eine Weihnachtsgans auszunehmen. Auf der anderen Seite müssen die DV-Verantwortlichen in den Behörden lernen, sich ihrer verstaubten IT-Pantoffeln zu entledigen und auch einmal selbst das Heft in die Hand zu nehmen, statt sich hinter Pflichtenheften zu verstecken. Sonst drohen mit Herkules und Bund Online 2005 bereits die nächsten IT-Katastrophen.