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21.08.1998 - 

Ein Fußball im Extranet

Bei Adidas laufen Schuhe als Datenbankobjekte

Das jüngste Projekt im Bereich "Neue Medien" ist ein Extranet. Bereits 700 Adidas-Kunden - Sport- und Schuhfachhandel, Versand- sowie Warenhäuser - greifen auf das geschlossene Internet zu. Bis zu 2000 Anfragen täglich registriert das System.

Doch davon führen nur 100 zu Bestellungen, das sind weniger als ein Prozent aller Aufträge an Adidas. Trotzdem ist für Martin Austermann, Key-Account-Manager bei Adidas, das Web das "Zukunftsmedium" schlechthin. Es biete Service und Kostenersparnis sowohl für die Kunden als auch für seinen Arbeitgeber.

Die Geschäftspartner, die das Extranet-Angebot nutzen, sollen sich rund um die Uhr über die Verfügbarkeit von Produkten und den Bearbeitungsstand ihrer Aufträge informieren können. Außerdem bietet das Netz die Möglichkeit, Artikel zu bestellen. Wie bei telefonischer Order dürfen die Händler und Kaufhäuser innerhalb von zwei Tagen mit der Lieferung rechnen.

Zwar ist der Adidas-Kunden-Service werktags von 8 Uhr bis 20 Uhr besetzt, doch beispielsweise Vereine verhandeln häufig erst am Abend mit ihren Ausstattern. Diese können sich in solchen Fällen erst am nächsten Tag telefonisch an den Hersteller wenden, um in Erfahrung zu bringen, ob es den gewünschten Artikel noch gibt.

Einige Fachgeschäfte erledigen ihre Büroarbeit am Wochenende. Durch das Web-Angebot ist es möglich, außerhalb der Adidas-Servicezeiten Geschäfte mit dem Hersteller abzuwickeln. Die Kunden können auch komplexe Anfragen an das System richten und sich beispielsweise ihre Bestellungen über die vergangenen Monate anschauen.

Zu diesem Zweck gewährt ihnen Adidas Einblick in die hauseigenen Rechnerdaten. Artikelstamm-, Verfügbarkeits-, Auftrags- und Lieferdaten sowie Preise werden von dem selbstgeschriebenen Großrechner-Warenwirtschaftssystem auf einen Server repliziert. Viertelstündlich erfolgt die Aktualisierung. Die Kunden autorisieren sich mit Hilfe eines Paßwortes und der Kundennummer.

Wie Austermann darlegt, dient das Extranet lediglich der Information und der Nachbestellung, nicht jedoch für den Überblick über die Kollektion. Der Katalog, entweder als Print-Medium oder in verschiedenen elektronischen Formen, ist nach wie vor das Instrument, mit dem der Handel über das Sortiment informiert wird. Wie der Leiter des Adidas-Kundenservice, Hans Ruprecht, erläutert, beträgt der Vorlauf für eine Schuh- und Textilkollektion etwa sechs Monate. Demzufolge ordere der Fachhandel derzeit Artikel aus dem Frühjahrs-Sommer-Katalog 1999.

Nachbestellungen erfolgen aber erst dann, wenn der Artikel im Laden angeboten wird. Deshalb muß das Extranet keine Bilder und Beschreibungen des Produktangebots enthalten. Adidas setzt voraus, daß die Kunden die Artikel, die sie bestellen, bereits aus den Katalogen kennen.

Basis aller Katalogsysteme bildet die Print-Ausgabe. Daneben produziert Adidas CD-ROMs, Kiosksysteme und Internet-Seiten. Dafür werden die Bilder und Texte in gesonderten Datenbanksystemen verwaltet. Die Texte sind in einer Microsoft-Access-Datenbank gespeichert, die Bilder kommen bereits digitalisiert von Agenturen und werden in der Regel in einer Sybase-Datenbank gesammelt. Adidas-Mitarbeiter sichten das Rohmaterial. Um das Bildmaterial digital verwenden zu können, müssen Photos und Zeichnungen von hochauflösenden Formaten der Druckvorstufe in 72-dpi-Vorlagen umgewandelt werden.

Mit der weiteren Bearbeitung beauftragt Adidas die Berliner Multimedia-Agentur Pixelpark. Diese stellt die Bilder, die ihr auf einer CD zugesendet werden, in das objektorientierte Datenbanksystem "Poet" vom gleichnamigen Anbieter. Zugleich werden die Bilder mit Zusatzinformationen, sogenannten Attributen, versehen und hierarchisch geordnet. Das ergibt ein Raster, mit dessen Hilfe die Bilder identifiziert und dem Katalogplatz beziehungsweise dem Katalogtext zugeordnet werden können.

Auch die Produktbeschreibungen aus der Textdatenbank wandern bei Pixelpark in die Poet-Datenhaltung. Mit Hilfe eines C++-Scripts der Agentur lassen sie sich aus dem Access-System extrahieren. Schließlich entsprechen die Datenbankobjekte aus Bildern und Text den Gebilden, die der Katalog-Designer entworfen hat. Die Objektklassen beschreiben die Objekte, die gemeinsame Strukturen aufweisen.

Auf diese Weise entsteht einmal eine digitale Katalogvorlage, die sich unverändert auf die CD brennen, in ein Kiosk-System einbauen und ins Internet spielen läßt. Pixelpark fügt jeweils lediglich einen "Player" hinzu, eine eigenentwickelte Software, mit der sich die Applikation aufrufen läßt.

Als Alternative zur datenbankgestützten Entwicklung wären prinzipiell auch Autoren-Tools in Frage gekommen. Doch dann hätte für jedes Medium und jede Kollektion neu programmiert werden müssen. "Bei uns kann es bis in die letzten Minuten vor der Katalogproduktion noch Änderungen geben", umreißt Wolfram Lipp, bei Adidas zuständig für New Media in Europa, den Druck, unter dem die Kataloge erstellt werden. "Da ist es ungünstig, noch einmal händisch in die Software-Entwicklung einzugreifen. Mit der Datenbank ist das unnötig."

Adidas produziert jeweils einen Frühjahr-Sommer- und einen Herbst-Winter-Katalog für Textilien und Schuhe/Hartwaren. Hartwaren sind etwa Taschen und Fußbälle. Während die CDs die Adidas-Vertreter bei ihrer Arbeit unterstützen, sind die anderen Digital-Kataloge zur Information des Endverbrauchers gedacht. In diesem Jahr bespielte Adidas allerdings zum ersten Mal eine CD, die insbesondere Kinder und Jugendliche ansprechen sollte. Die Fußball-CD wurde anläßlich des DFB-Adidas-Cups kostenlos verteilt. Neben Kataloginformationen enthielt sie eine Demo-Version des Spiels "Fifa 98" von Electronic Arts sowie Informationen und kleine Spiele rund um besondere Produkte wie den WM-Ball und einen Torwarthandschuh.

Das Kiosksystem, das in den Fachabteilungen von Kaufhäusern und in Fachgeschäften aufgestellt werden soll, ist derzeit noch im Versuchsstadium und erst an zwei Berliner Verkaufsplätzen im Einsatz. Der Sportartikelhersteller wollte zunächst die Reaktionen der Kunden darauf testen. Offenbar stößt die Information auf Fingerdruck beim Endkunden auf Resonanz, denn noch im Herbst dieses Jahres sollen 30 weitere Terminals im Bundesgebiet plaziert werden. Neben dem aktuellen Katalog enthält das Informationssystem etwa eine kleine Adidas-Historie und Lebensläufe der zur Zeit durch Sponsoring verpflichteten Athleten wie dem Radfahrer Jan Ullrich. Der Internet-Aufritt von Adidas ähnelt der Kioskpräsentation. Interessenten finden ihn unter www. adidas.de/de.

Vom Netz in die FIRMEN-DV

Als Web-Server dient der Internet Information Server (IIS) von Microsoft. Er sorgt für die Umwandlung der Warenwirtschaftsinformationen in ein HTML-Format. Über die Microsoft-Schnittstelle ISA geht die Anfrage des Kunden an eine "Powerbuilder"-Applikation, die zusammen mit dem IIS auf einer Windows-NT-Maschine installiert ist. Die Adidas-Anwendung übernimmt die Kontrolle der Zugriffsberechtigung sowie Plausibilitätsprüfungen und stellt die Verbindung zum Datenbank-Server her. Auf diesem liegen die vom MVS-Host gespiegelten Warenwirtschaftsdaten. Die Datenbank stammt von Sybase. Sie läuft auf einer Digital-Alpha-Maschine unter Unix.

Auf leisen Sohlen zum Erfolg

Den ersten Turnschuh fertigte Adolf (kurz Adi) Dassler 1920. Den Namen Adidas als Firmenbezeichnung gibt es seit 1948, die drei Streifen wurden ein Jahr später zum Markenzeichen. Die Fußballweltmeisterschaft 1954 gewann das deutsche Team mit auswechselbaren Stollen von Adidas, was erheblich zum Firmenerfolg beitrug. 1978 starb der Firmengründer im Alter von 78 Jahren. Die Familie Dassler stieg 1989 aus dem Unternehmen aus. Seit 1995 ist der Sportartikelhersteller börsennotiert. Heute arbeiten in den beiden Hauptgeschäftszentren Herzogenaurach und Portland, USA, rund 8000 Beschäftigte. Das Produktangebot umfaßt neben Sportschuhen auch Sportbekleidung und -accessoires wie Taschen oder Bälle. Außerdem stellen ungefähr 40 Lizenznehmer unter dem Markennamen etwa Uhren, Brillen und Parfüm her.

Platz zwei für Adidas

Die Liste der zehn weltweit größten Sportartikelhersteller führt Nike an. Der Konzernumsatz lag im Geschäftsjahr 1997/98, das im Mai endete, bei 16,6 Milliarden Mark. Die Adidas-Salomon AG liegt nach der Rangliste der "Sportartikel Zeitung", die zur Fachmesse "Ispo" herauskommt, seit vergangenem Jahr auf Platz zwei. Mit einer Umsatzsteigerung von 42 Prozent auf 6,7 Milliarden Mark konnte der Konzern mit Sitz in Herzogenaurach den amerikanischen Wettbewerber Reebok, der im Jahr 1997 rund 6,3 Milliarden Mark einnahm, auf Platz drei verweisen.

Ende Dezember 1997 übernahm Adidas die französische Sport Développement S.C.A., Annecy, die ehemalige Salomon-Familienholding, die mittlerweile unter Adidas Salomon France S.A. firmiert. Dabei gingen rund 942 Millionen Mark über den Ladentisch. Der neue Konzernteil arbeitet allerdings defizitär. Im ersten Halbjahr 1998 konnte die Firma, die hauptsächlich Golfutensilien der Marke "Taylor Made" vermarktet, zwar den Umsatz um rund zehn Prozent auf 597 Millionen Mark steigern, doch unterm Strich blieb ein Minus von 21 Millionen Mark.