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16.11.1990 - 

"In der DV Industrie weniger Manager gesucht"

Bei Anwendern haben DV-Führungskräfte beste Aufstiegschancen

IBM und HP gelten nach einer jetzt veröffentlichten Studie von Heidrick & Struggles (H&S) als attraktivste Brötchengeber auf dem Arbeitsmarkt. Die H-&-S-Untersuchung zum Thema "Der Vorstand/Geschäftsführer der 90er Jahre Blut weiterhin fest, daß der promovierte Ingenieur der ideale Personalchef der Zukunft sei. In einem Interview mit CW-Redakteur Hans Königes beantwortet der Münchner Büroleiter Heinz T. Juchmes

Fragen zur H-&-S-Studie, aber auch zum DV-Arbeitsmarkt allgemein.

CW: Wie stellt sich aus Ihrer Sicht der Arbeitsmarkt für Führungskräfte in der DV-Branche dar?

Juchmes: Der Arbeitsmarkt für Führungskräfte in der DV-Branche wird enger aufgrund von Fusionen und Firmenübernahmen, wie etwa jetzt bei Siemens/Nixdorf geschehen. Das bedeutet, daß hier weniger Führungskräfte benötigt werden. Die Manager müssen also, wenn sie genauso schnell wie bisher Karriere machen wollen, sich auch in anderen Bereichen umschauen.

CW: Welche sind das ?

Juchmes: Es bietet sich an, daß karrierefreudige Führungskräfte sich in Richtung Anwender orientieren. In einigen Branchen, etwa der Textil- und Bekleidungsindustrie, im Hotel- und Verkehrswesen sowie im Tourismus, gibt es enorme Führungsnachwuchs-Probleme; diese mittelländischen Firmen haben wenig für die Mitarbeiterentwicklung getan. Hier gibt es gute Entwicklungsmöglichkeien für DV-Führungskräfte.

CW: Wenn die Anwender einen DV-Leiter suchen, welches Profil muß er haben?

Juchmes: Er muß aus dem MIS-Bereich kommen und dort eine Führungsfunktion haben oder er kommt aus dem Vertriebsaußendienst eines Herstellers.

CW: Konkret, wenn Sie einen DV-Leiter für einen Anwender suchen, wo suchen Sie ihn, beim Hersteller oder bei einem anderen Anwender?

Wie gehen Sie vor?

Juchmes: Wir untersuchen vergleichbare Unternehmen und Branchen und identifizieren die Kandidaten. Wir haben auch die kriminalistische Aufgabe herauszufinden, wer bei einem Hersteller den Wechsel zum Anwender möchte. Es ist auf jeden Fall ein Trend dahingehend feststellbar, daß im Bereich der Hersteller eine Karriere immer schwerer wird, weil es - wie schon erwähnt - weniger Führungspositionen geben wird.

Idealerweise bevorzugen die Anwender einen Kandidaten von einem anderen Anwender, weil er die nötige Berufserfahrung auf der Anwenderseite hat. Der Herstellerkandidat hat den Vorteil, daß er die neuesten Technologien gut kennt und daß er häufig eine gestandene, mit Visionen arbeitende Führungspersönlichkeit ist.

CW: Wenn trotzdem Führungskräfte in der DV-Industrie gesucht werden, was für Leute sind das?

Juchmes: Gesucht werden in erster Linie Vertriebsleute, Marketing- und Vertriebsdirektoren und Geschäftsführer aller Sparten, aber auch Controller und kaufmännische Direktoren. Die Softwarehäuser wiederum suchen nicht so sehr den Blackbox-Verkäufer, sondern den stark anwendungsorientierten und in komplexen Problemlösungen denkenden Berater.

CW: Sie stellen in Ihrer Untersuchung fest, daß IBM und HP an erster Stelle stehen, was gute Personalarbeit angeht. Wie ist dieses Ergebnis zustande gekommen?

Juchmes: Wir haben in unserem Interviewfragebogen die Teilnehmer (Vorstände und Geschäftsführer bundesdeutscher Großunternehmen) gebeten, Vorbildunternehtmen für gute Personalarbeit zu nennen. Hier sind IBM, HP, BMW und Daimler am häufigsten genannt worden.

CW: Wie erklärt es sich, daß zwei DV-Hersteller ganz vorne stehen?

Juchmes: Eine große Rolle spielt die Attraktivität des Unternehmens im Arbeitsmarkt, aber auch ihre auf Wachstum orientierte Unternehmenspolitik. Als Hochschulabsolvent bezieht man die vier obengenannten Unternehmen immer in seine Überlegungen ein.

Ein weiteres Zeichen für attraktive Unternehmen sind deren geringe Fluktuationsquoten; aber auch die gute PR-Arbeit, auch das professionelle Umsetzen der eigenen Personalstrategie ist wichtig. Es gibt natürlich auch mittelständische Unternehmen, die hervorragende Personalarbeit leisten, deren Konzepte in der Öffentlichkeit nicht so bekannt sind, etwa Dräger, Festo öder Stihl.

CW: Was hat gute Personalarbeit?

Juchmes: Es bedeutet: professionelle Einstellungsinterviews führen, Mitarbeiterbedürfnisse erkunden, versuchen, den Mitarbeiterbedürfnissen im hohen Maße gerecht zu werden, dem Wertewandel begegnen, viel Verantwortung recht früh dem Mitarbeiter übertragen, ein gutes Ausbildungskonzept, die Einbeziehung von internen Bewerbern für Führungspositionen und Transparenz in der Personalpolitik. Auch die Bezahlung ist Bestandteil guter Personalpolitik. Allerdings ist es oft so, daß gerade Unternehmen, die attraktiv im Markt sind, keine hohen Einstiegsgehälter zu zahlen brauchen.

CW: In Ihrer Studie gelten Ingeieure als die besten Personalchefs? Das kann doch als Überraschung gewertet werden?

Juchmes: Eine Erklärung könnte sein, daß Ingenieure mit ihrer nüchternen Art zielorientierter und sachlicher Strategien umsetzen können. Daneben kann festgehalten werden, daß Röhrenkarrieren nicht mehr zeitgemäß sind. Unternehmerisches Denken und General-Management-Erfahrung wird nur in unterschiedlichen Unternehmensbereichert erworben. Die Japaner praktizieren bereits mit Erfolg den Wechsel der Führungskräfte aus einem Bereich in den anderen - aus der Erkenntnis heraus, daß es die besseren Führungskräfte sind. Nur so wird das Bereichsdenken abgebaut und das unternehmerische Denken gefördert.