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22.02.1991 - 

Vorteile wiegen die Nachteile bei weitem auf

Bei ausreichender Vorsicht spricht alles für Downsizing

Das Downsizing, also der Übergang von einigen wenigen Großrechnern auf viele kleinere Plattformen, stellt sicher einen der wichtigsten Trends der 90er Jahre dar. Damit verbunden sind zahlreiche Vorteile, von denen die gewaltige Senkung der Hardwarekosten nur der offensichtlichste ist. Allerdings hält diese Technik auch einige Fußangeln für die Anwender bereit.

Der Preis für eine Million Instruktionen pro Sekunde (ein MIPS) liegt auf kleinen Plattformen bei 500 bis 2000 Dollar gegenüber mehr als 100 000 Dollar pro MIPS auf großen Mainframes. Wenn Downsizing einem Unternehmen ermöglicht, einen Großrechner für zwei Millionen Dollar durch ein halbes Dutzend PCs oder Workstations für 10 000 Dollar zu ersetzen, ergeben sich außerordentliche Einsparungen.

Hierbei überrascht es nicht, daß niedrigere Hardwarekosten mit niedrigeren Softwarepreisen einhergehen. Die Software für ein modernes Verbundnetz von Workstations ist deutlich preiswerter als Programme vergleichbarer Leistungsfähigkeit auf Minis oder Großrechnern. Unternehmen können heute Mikrocomputer und LAN-Betriebssysteme, eine grafische Bedieneroberfläche und eine 4GL-Sprache in Fenstertechnik mit begleitendem relationalem DBMS einsetzen, ohne einen nennenswerten Teil der Rechenleistung preiszugeben.

Auf dem Weg zu offenen Systemen

Wenn Unternehmen ihre Informationsverwaltung auf PCs und Workstations verlagern, begeben sie sich auf das Gebiet der "offenen Systeme". Beim Preis wie beim Service besteht ein ausgeprägter Wettbewerb, und der Anwender, der sich auf kleinere Plattformen verlegt, genießt eine beträchtliche Unabhängigkeit von den Anbietern.

Die sich daraus ergebenden Einsparungen bei den Personal-und Verwaltungskosten sind schwerer zu erfassen als die Hardware- und Softwarekosten. In bezug auf die technische Herausforderung macht es zwar keinen Unterschied, ob beispielsweise eine SQL-Datenbank auf einem PC oder einem Großrechner laufen soll. Doch können die Unternehmen beim Personal Geld sparen, wenn sie ihre Rechnersysteme einem Downsizing unterziehen, denn Beschäftigte mit PC Erfahrung dürften sich mit niedrigeren Gehältern zufriedengeben als Mitarbeiter mit Großrechner-Erfahrung.

Eine der besten Möglichkeiten für ein Downsizing ist der Einsatz der neuen Generation SQL- basierter Client-Server Rechentechnologien von Anbietern wie Oracle, Sybase, Gupta oder Novell. Bei dem Client-Server-Modell wird die Anwendung in Funktionen aufgegliedert, die auf dem Client (einem PC oder einer Workstation) laufen, und Funktionen, die auf dem Server (einem Mehrbenutzer

Daten-Repository) betrieben ] werden. Die Anwendungslogik läuft zumeist auf dem Client Tischgerät. Wenn die Anwendung Daten benötigt, erzeugt sie den erforderlichen SQL-Befehl und übermittelt der Kommunikationseinrichtung Code in einer höheren Programmiersprache. Diese Einrichtung leitet die SQL-Befehle dann an den Server weiter, wo die Datenbankanfrage ausgeführt wird.

Der Gedanke, Daten auf einem gesonderten Gerät zu verwalten, entspricht dem Management-Ansatz, Daten als Unternehmensressource zu behandeln. Neben der Ausführung 0 der SQL-Anweisung kümmert sich der Server um die Sicherheit und sorgt für den parallelen Zugriff auf die Daten. Ein Vorteil der SQL Client-Server-Rechentechnik liegt darin, daß die diesen Ansatz unterstützenden Hardware- und Softwareprodukte neu sind und die jüngsten Entwicklungen wie Anwendungssprachen in Fenstertechnik nutzen.

Ein weiterer Vorteil ist der Netzwirkungsgrad. Beim traditionellen Datenzugriff über ein PC LAN muß die gesamte Datei über ein Netz an das Client-Gerät übermittelt werden. Wenn SQL die Grundlage der Daten bankverwaltung darstellt, ist { dieses Problem gelöst, da nur die erforderlichen Antwortdaten für die Anfrage (eine Tabelle) an das Client-Gerät übermittelt werden. SQL auf dem Server ermöglicht auch die Ver- wirklichung fortgeschrittener Einrichtungen wie Trigger und automatische Datenbankverfahren.

Der größte Markt für das Client Server-Computing dürfte sich aus einem Gemisch von OS/2 und PC DOS als Client und entweder Unix oder OS/2 als Basis des Servers entwickeln.

Auf OS/2 oder Unix aufbauende SQL-Server-Software wird die Sicherheit, die Wiederherstellungseigenschaften und die Datenintegrität einer Großrechner-Software bieten. Funktionen wie automatische Verriegelung und "Commit rollback"-Logik, Verriegelungserkennung sowie eine umfassende Palette von Datenverwaltungs-Dienstprogrammen werden beim Server erwartet.

Ein weiterer Vorteil dieser Architektur besteht darin, daß die SQL-Client-Server-Technologie PCs zu Rechenmaschinen mit "industrieller Leistungsstärke" aufwertet.

Anwender, die während der letzten Jahre keine PC-basierten Datenbank-Anwendungen auf gebaut haben, stehen der Behauptung, PCs seien zu Leistungen in der Lage, die mit denen der Minicomputer-Technologie vergleichbar sind, möglicherweise mißtrauisch gegenüber. Die Rechenleistung eines typischen PCs hat sich jedoch von 1984 bis 1990 verzehnfacht. Mit 33 Megahertz besitzt ein auf dem Intel 80386 basierender PC die dreißigfache Rechenleistung eines PC XT.

Benchmark-Tests, die von Digital Consulting überprüft wurden, haben ergeben, daß ein PC mit 80386er Chip unter OS/2 pro Sekunde etwa zehn Soll/Haben-Transaktionen bewältigen kann. Damit lassen sich Online-Transaktionsverarbeitungen zu einem Preis von 5000 Dollar für eine Transaktion pro Sekunde (TPS) bereitstellen - deutlich weniger, als mit den derzeitigen Minicomputer- und Großrechnersystemen möglich ist.

Bei anwendereigenen Minicomputern können die Benutzer mit Kosten von 25000 bis 40 000 Dollar je TPS rechnen. IMS-basierte MVS-Großrechnerumgebungen verursachen typischerweise Kosten von 50 000 bis 75 000 Dollar je TPS. Demgegenüber führt die Verwendung einer Kombination von MVS und DB2 als Gerät zur Transaktionsverarbeitung meist zu Kosten von 125 000 Dollar je TPS. Auf der Grundlage der vollen Entwicklungs-, Instandhaltungs-, Hardware-, Software und Personalkosten dürften fertige Systeme im Bereich SQL-Client-Server-Computing nur einen Bruchteil des früheren Preises von Transaktionssystemen kosten.

Die Anbieter haben damit begonnen, mikroprozessorgestützte Technologien mit Hochgeschwindigkeitsbussen, Kanälen und Parallelrechner-Architekturen zu kombinieren, um Plattformen zu schaffen, die mit den schnellsten Minicomputern mithalten können. Firmen wie Compaq, Pyramid und Sequent bauen Parallelrechner, die mit CISC-(Complex Instruction Set Computing-) oder RISC-(Reduced Instruction Set Computing-) Mikroprozessor-Einheiten ausgestattet sind und eine Dauerverarbeitungsleistung von einigen Dutzend MIPS erreichen. In Zukunft werden diese neuen Hardwaresysteme - zusammen mit Software von Firmen wie Microsoft und Oracle - Rechnertechnologien bereitstellen, die mit den größten Geräten von IBM vergleichbar sein werden - zu einem Bruchteil des Preises.

Neben der Kostensenkung bei den Hardware- und Software-Plattformen bietet das Client-Server Computing dem Anwender zahlreiche weitere Vorteile:

- Entwickler können anstelle von Time-sharing-Terminals PCs als Haupt- Entwicklungsplattform einsetzen.

- Obwohl der PC als Hauptplattform verwendet wird, dürfen die Anwender eine Sicherheit, eine Integrität und eine Wiederherstellungsleistung erwarten, die der von Minicomputern vergleichbar ist.

- Die Abfrage- und Übermittlungseinrichtungen von SQL senken den Kommunikationsaufwand im Netz ganz beträchtlich.

- Gateway-Technologien, ein wichtiger Bestandteil der Client-Server-Rechenprogramme, werden den PC-Anwendern ermöglichen, auf Daten in Großrechner- und Minicomputer-DBMS-Produkten wie DB2, IMS und RDB zuzugreifen.

- Das Client-Server-Modell isoliert die Daten aus dem Anwendungsprogramm in der Entwicklungsphase, was Flexibilität bei der Verwaltung und Erweiterung der Datenbank erlaubt und auf der Anwendungsebene die Hinzunahme neuer Programme gestattet.

- Dieses Modell ist gut erweiterbar: Wenn die Anwender mehr Rechenleistung benötigen, können sie mehr Server in das Netz hineinnehmen oder ihre Server auf die jüngste Mikroprozessor-Generation aufrüsten.

- SQL bietet ein hohes Maß an Flexibilität, da es von fast jedem Anbieter als relationaler DBMS-Standard übernommen wurde. Die Inanspruchnahme eines SQL-Servers bedeutet, daß die meisten Sprachen, Tabellenkalkulations- und Textprogramme sowie Grafikwerkzeuge mit dem SQL-Gerät über eine Schnittstelle verbunden sind.

Die Kombination von Client und Server und die Idee des Downsizing hört sich nach einer Technologie an, die fast zu schön ist, um zu sein. In der Tat sollte der vorsichtige Käufer auch über die zahlreichen Fallstricke auf diesem Weg informiert sein.

Erstens ist das Client-Server-Modell eine neue Technologie. Selbst große Anbieter haben bei ihrer Vermarktung Lehrgeld zahlen müssen. Wenn die Anwender über den Softwarekauf entscheiden, sollten sie die Referenzen sorgfältig prüfen und neue Projekte schrittweise einleiten.

Zweitens stützen sich viele Unternehmen beim Übergang auf das Client-Server-Computing ausschließlich auf PC-LANs. Lokale Netze bieten aber nicht unbedingt die gleiche verfügbare Betriebszeit und Zuverlässigkeit wie mit einem Minicomputer fest verdrahtete Terminals. Neuere Statistiken scheinen darauf hinzudeuten, daß PC-LANs monatlich zweimal ausfallen, jedesmal für durchschnittlich fünf Stunden. Nach anderen Umfragen ist eine verfügbare Betriebszeit von 96 Prozent für PC-LANs nicht ungewöhnlich - gegenüber Minicomputer-Umgebungen, die 99 Prozent der Zeit in Betrieb sind.

Drittens können die Anwender, da Softwareprodukte für die Unterstützung des Client-Server-Computing neu sind, nur einige wenige fertige Anwendungen erwerben. Dementsprechend werden sie ihre Anwendungen wahrscheinlich selbst schreiben müssen.

Schließlich sind der Kauf und die Installation von Client-Server-Software weitaus komplexer als der Umgang mit herkömmlicher PC-Software. Der Verkauf und die Unterstützung dieser neuen Technologie hat den herkömmlichen Vertrieb bisher eindeutig überfordert. Gleichzeitig haben Großanbieter wie IBM, Bull und Unisys sich noch nicht ernsthaft für die Unterstützung des Client-Server-Computing entschieden.

Der Übergang ist nicht schwierig

Deshalb sollten die Anwender davon ausgehen, daß sie mit ihrem eigenen Personal Sachverstand ansammeln müssen. Anwender, die ihre Implementierung auf der Grundlage der LAN-Technologie vornehmen, sollten für jeweils zehn bis 15 PCs im LAN einen vollzeitbeschäftigten Systemunterstützungs-Experten einstellen. Außerdem werden die Anforderungen an die Datenbankverwalter denen in Minicomputer-Umgebungen vergleichbar sein.

Eine der größten Stärken des Client-Server-Computing liegt darin, daß der Übergang zu dieser Technologie leicht fallt - die Anwender brauchen ihre derzeitigen Investitionen in Rechnersysteme nicht abzuschreiben. Auch sollten sie die zusätzliche Funktionalität des Client-Server-Computing bedenken, durch die sich ihre vorhandenen Systeme erweitern und ergänzen lassen.

Als erste Applikation könnten die Anwender ein Client- Server Computing Modell für die Entscheidungsunterstützung einsetzen das in der Datenbank eines Großrechners der Minicomputers gespeicherte Daten ausschließlich liest. Die Verlagerung wichtiger Rechenzyklen zur Entscheidungsunterstüzung würde zu beträchtlichen Einsparungen führen Später könnten die Anwender dann Pläne für eine echte kooperative Verarbeitung oder transaktionsbasierte Anwendungen implementieren, die auf Großrechnern läuft.

Strategien der neunziger Jahre

Zu den entscheidenden neuen Strategien der 90er Jahre werden die kooperative Verarbeitung, das Downsizing und die Parallelverarbeitung gehören. Alle diese technologischen Trends sind wichtige Bestand teile des SQL-Client-Server- Computing. Dieser neue Ansau weist zahlreiche Vorteile auf und sollte im Hinblick auf die Einbeziehung in die Systemplanung moderner Unternehmen überprüft werden. Jedes Unternehmen, das den Trend zum Downsizing nicht beachtet, läuft Gefahr, beträchtliche Wettbewerbsvorteile preiszugeben.

Letzten Endes wird das SQL-Client-Server-Computing in Umgebungen, in denen zuvor keine Computerunterstützung verfügbar war, Automatisierungsvorteile bei der Transaktionsverarbeitung bringen. Unternehmen, die diesen Weg einschlagen, übernehmen damit eine neue Technologie in einem frühen Entwicklungsstadium - und werden im nächsten Jahrzehnt dafür belohnt werden.