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12.05.2000 - 

Investoren verzweifelt gesucht

Bei Baan steht der Ausverkauf bevor

MÜNCHEN (bs) - Die Situation bei Baan spitzt sich zu. Seit Wochen ist das Management auf der Suche nach einem finanzstarken Partner oder Käufer. Doch bisher ohne Erfolg.

Der ums Überleben kämpfende Softwarekonzern Baan hat die Hoffnung auf eine Gesundung aus eigener Kraft offenbar aufgegeben und bemüht sich um einen oder mehrere Käufer. Die Niederländer haben Presseberichten zufolge Kontakt zu Partnern und Konkurrenten aufgenommen, darunter zum französischen IT-Konzern Groupe Bull sowie dem deutschen Erzrivalen SAP.

Doch die Walldorfer winken ab. Kein Interesse an Partnerschaft oder Investition, verlautbarte das Unternehmen. Vielmehr arbeite man derzeit an Softwarelösungen, mit denen Unternehmen leichter von Baan- auf SAP-Anwendungen umstellen könnten. Diese Tools sollen im Laufe des Jahres auf den Markt gelangen. Branchenkenner halten dies eher für einen Marketing-Köder, den Oracle im vergangenen Jahr übrigens auch schon ausgeworfen hatte. In der Praxis helfen solche Standardmigrations-Tools nur bedingt. Allerdings könnte Baans Angebotspalette im Bereich Customer-Relationship-Management-(CRM-)Software für SAP interessant sein, denn hier scheint die eigene Strategie erfolglos zu bleiben (siehe Artikel Seite 6).

Als Käufer von Baan kommen aus Sicht von Paul Dassel, Finanzanalyst bei der Julius Bär Bank in Amsterdam, eher Beratungspartner oder Großkunden wie Boeing oder Philips in Frage. So scheint die Groupe Bull, die zugleich Partner und Anwender von Baan ist, einer Investition in den niederländischen Konzern nicht abgeneigt gegenüberzustehen.

Bull-Sprecher Didier Krainc jedenfalls bestätigte erste Gespräche mit dem Softwarehaus. Offiziell haben die Niederländer die Verhandlungen mit Bull nicht kommentiert. Von Marketing-Chefin Katrina Roche hieß es lediglich, es bestünde nach wie vor die Möglichkeit, das gesamte Unternehmen oder Teile davon zu veräußern. Allerdings ist das Interesse an einem kompletten Kauf des Konzerns sehr gering.

Baans Deutschland-Geschäftsführer Stefan Exner bestätigte gegenüber der COMPUTERWOCHE Verhandlungen mit Interessenten aus drei Bereichen: größeren Anwenderunternehmen, Beratungshäusern sowie Investment-Companies. Namen sowie einen Termin für die Bekanntgabe eines Käufers nannte er allerdings nicht. Bis auf weiteres werde deshalb an der bekannten Strategie festgehalten, Kosten zu senken, sich auf die Fertigungsindustrie zu konzentrieren sowie den Front-Office-Bereich in ein eigenständiges Unternehmen auszugliedern und an die Börse zu bringen (siehe CW 14/00, Seite 7 und 15/00 Seite 9). Aufgrund der Projekterfolge bei der Landesverwaltung Niedersachsen werde man als weltweite Ausnahme in Deutschland auch den Bereich öffentliche Verwaltung angehen.

Julius-Bär-Analyst Dassel jedenfalls befürchtet das Schlimmste: "Nur noch ein Wunder kann Baan helfen." Er schließt einen Konkurs nicht aus: "107 Millionen Dollar Umsatz, davon 27 Millionen für Softwarelizenzen und 75 Millionen Dollar operativer Verlust im ersten Quartal, das sind Ergebnisse von Internet-Startup-Companies." Doch diese Phase sollte Baan längst hinter sich haben. Mit immer noch mehr als 4000 Mitarbeitern weltweit und 6000 Kunden sei der Hersteller einer der weltgrößten Standardsoftwarelieferanten.

Ein Käufer müsse vor allem schnell handeln, meint Siegbert Hubert, Analyst bei der DG Bank in Frankfurt am Main: "Die Zeit drängt, denn sonst sind auch noch die kompetenten Mitarbeiter weg." Vor allem Neukunden bräuchten eine Perspektive, darin sind sich Analysten und Bestandskunden einig: Wer sich für eine ERP-Software vom Kaliber Baan entscheide, möchte sicher sein, dass der Lieferant die nächsten fünf Jahre überlebt.

Neben dem gegen null tendierenden Neugeschäft stagniert auch der Umsatz mit Bestandskunden. Der Grund: Viele Baan-Anwender brauchen keine neuen Produkte oder Erweiterungen: So geht es beispielsweise Carol Smolawa, Leiter Informations-Management bei der Bremer Goldschlägerei Bego: "Wir sind derzeit auf der sicheren Seite. Wir haben Baans ERP-Paket ,IVc'' im Einsatz, damit sind wir zufrieden." Zudem hatte sich Bego bereits Ende letzten Jahres für die CRM-Suite "Baan Front Office" entschieden, und auch in puncto E-Commerce setzt man auf die Lösung "E-Enterprise" der Niederländer. "Wir müssen mittelfristig keine weiteren Komponenten kaufen und haben Zeit, die Entwicklung bei Baan genau zu beobachten."

"Die Anwenderbasis glaubt nicht, dass Baan es aus eigener Kraft schaffen wird. Wir warten gespannt auf einen Retter", erklärt Maik Ries, Systemkoordinator bei Alpha Getriebebau in Igersheim und Gründungsmitglied der deutschen Baan User Group.