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01.03.1996 - 

Mit Laptop und Handy zum Kunden

Bei Banken und Versicherungen droht ein kraeftiger Stellenabbau

01.03.1996

Die Versicherungen sollen mit der bundesweiten Einheitsstrategie "Lean Assurance" schlanker werden. Als Folge des zur Zeit in der Versicherungsbranche stattfindenden Konzentrationsprozesses rechnen Branchenkenner damit, dass in ein paar Jahren nur noch zehn bis 15 Unternehmen den Markt beherrschen werden. Fusionen, Kooperationen, Beteiligungen und Kaeufe von Unternehmen und Konzernen - juengstes Beispiel ist der Kauf der Vereinte/Magdeburger durch den Allianz-Konzern - sprechen fuer diese Prognose.

Experten rechnen damit, dass bis zum Jahr 2000 jede vierte bis fuenfte Stelle wegfallen wird. Zur Schlankheitskur in der Versicherungsbranche gehoeren neben der Schliessung von Bezirksdirektionen, Geschaeftsstellen und Filialen die Ausgliederung von Betriebsteilen wie beispielsweise der DV sowie die Verlagerung von Taetigkeiten des Innendienstes auf den Aussendienst.

Ein Beispiel fuer die neue Entwicklung ist die "Vereinte Versicherungen": Unter dem Schlagwort "Agentur 2000", hat die Diebold Management- und Technologieberatung eine Loesung entwickelt, bei der kuenftig Aussendienstmitarbeiter mit Laptops samt zugehoeriger Software ausgestattet werden. So geht der moderne Aussendienstler mit einem PC ausgeruestet zum Kunden, erstellt den Versicherungsvertrag direkt im Rechner und uebermittelt die Daten an den Host.

Der Zentralrechner kann dann die meisten Antraege automatisch ueberpruefen und bewerten, die Policen ausdrucken und an den Kunden versenden. Roland Schneider, zustaendig fuer Strategiefragen beim Deutschen Gewerkschaftsbund: "Die Aussendienstmitarbeiter uebernehmen mittels Laptop und Handy die Aufgaben des Innendienstes. Als Folge werden im Innendienst zunehmend Arbeitsplaetze abgebaut."

Dass der Jobabbau langsamer als geplant ueber die Buehne geht, haben die Betroffenen nach Aussagen von IT-Verantwortlichen ausgerechnet der modernen Computertechnik zu verdanken. Die am gruenen Tisch entwickelte Software weise so viele Fehler und Ungereimtheiten auf, dass die Schaffung neuer Organisationsablaeufe nicht so schnell wie geplant vorangehe. Fehler und Widerstaende bei der Verlagerung von Innendienst-Taetigkeiten auf den Aussendienst raeumt denn auch die Muenchner Allianz ein. Ein Manager, der nicht genannt werden will, haelt zwar die Umstellung fuer technisch machbar, doch mit der Umsetzung der neuen Prozessorganisation wuerde es hapern.

Trotz aller Widerstaende ist Branchenprimus Allianz den Wettbewerbern um Laengen voraus. Immerhin ist der Aussendienst des Konzerns bereits zur Haelfte mit Computern ausgeruestet. Andere Unternehmen in dem Wirtschaftszweig wie "Victoria", "Nova" oder "Herold" arbeiteten im Aussendienst bis vor kurzem teilweise noch voellig ohne Datenverarbeitung. Aber auch hier soll inzwischen in ersten Sondierungsgespraechen das Thema computerunterstuetzer Aussendienst angegangen werden.

Helmut Meier, Vice-President und Partner der Duesseldorfer Unternehmensberatung Booz, Allen 38; Hamilton Inc., erklaerte kuerzlich: "Noch vor ein paar Jahren hat das Versicherungsgewerbe vom elektronischen Aussendienst nichts wissen wollen, jetzt gehoert diesem Service die Zukunft." Inzwischen schickt sich bereits die naechste technische Neuerung an, die Versicherungsunternehmen zu erobern. DGB-Mann Schneider: "Die Einfuehrung der Chipkarte im Leistungsbereich wird in der Versicherungswirtschaft weitere Arbeitsplaetze kosten."

Im Bankengewerbe hat die Informationstechnik ebenfalls schon laengst ihren Siegeszug angetreten.

Zwar hinkt der uspruenglich von einem franzoesischen Unternehmer stammende plakative Vergleich "Die Banken sind die Stahlindustrie der neunziger Jahre", mit dem Deutsche-Bank-Vorstand Ulrich Cartellieri 1990 Aufsehen erregte, heute wie damals. Doch dass auf die Banken wegen der Informations- und Kommunikationstechnik ein enormer Stellenabbau zukommt, steht ausser Zweifel.

Nicht nur Gewerkschaftsvertreter rechnen in den naechsten fuenf Jahren mit einem Verlust von 100000 Arbeitsplaetzen. Die Vorreiterrolle spielt die Deutsche Bank. Vorstandssprecher Hilmar Kopper kuendigte juengst einen Personalabbau um 25 Prozent gegenueber 1993 an. Arbeitsplaetze duerfte vor allem die Telefon-Banking- Tochter "Bank 24" kosten. Auch bei der Bayerischen Vereinsbank ist in der Vorstandsetage von "zu teurer Produktion" die Rede.

Das Finanzhaus beabsichtigt, den Anteil der Privatkunden, die neue Vertriebswege wie Home-Banking nutzen, mindestens auf zehn Prozent zu verdoppeln. Das mache, so ein Betriebsrat, in naher Zukunft manche Filiale ueberfluessig. Auch bei der Muenchner Zentrale der Hypo-Bank soll in diesem Jahr jede vierte Stelle wegfallen - insgesamt bis zu 640 von 2500 Arbeitsplaetzen. Laut Vorstand soll auf Kuendigungen "weitgehend verzichtet werden". "Die Betonung liegt auf weitgehend, und entsprechend ist die Stimmung in der Bank", erklaert Juergen Juergens von der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV).

Das Problem ist bei allen Banken gleich gelagert. Immer mehr Kunden erledigen ihre Bankgeschaefte in absehbarer Zeit von zu Hause aus - via Telefon- und Computer-Banking oder ueber Direktbanken, die das Geld ohne Beratung und zu niedrigeren Gebuehren anlegen. Die Folge: In den Filialen ist weniger zu tun, es werden zunehmend Stellen frei.

*Ina Hoenicke ist freie Journalistin in Muenchen.