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Unternehmensindividuelle Nutzbarmachung von vorhandener Software:


31.10.1986 - 

Bei CIM ist Information Produktionsfaktor

WALLDORF - Die zunehmende Ausweitung der Informatik in alle Funktions- und Hierarchiebereiche von Unternehmen legt nahe, neben den in der bisherigen Entwicklung betrachteten drei klassischen Produktionsverfahren Arbeit, Betriebsmittel und Werkstoffe, die Information als vierten Produktionsfaktor anzusehen. Für eine erfolgversprechende CIM-Lösung sind viele Unternehmen derzeit zu stark arbeitsteilig organisiert.

Die Information besitzt als übergreifendes Element aller Funktionsbereiche einer Unternehmung einen stark integrativen Charakter. Wo immer möglich, sucht man die Verknüpfung von- Funktionsbereichen über die Information mit dem Ziel eines Computer Integrated Manufacturing (CIM) zu realisieren. Hierbei wird bei einer konsequent zu Ende gedachten Definition von CIM von der Tatsache ausgegangen, daß der Werdegang eines Produktes von der ersten Idee bis zur Auslieferung, von vielen Informationsströmen begleitet wird. Als Hauptkomponenten einer so verstandenen CIM-ldee sind CAD/CAM und PPS anzusehen.

Einführungsstrategie für CIM notwendig

Ein CIM-gemäßer Lösungsansatz kann nicht in der Optimierung einzelner Insellösungen liegen. Auf der Basis der Unternehmensziele muß eine Einführungsstrategie entwickelt werden, die eine schrittweise Integration der einzelnen Funktionsbereiche anstrebt. Der hohe Komplexitätsgrad stellt umfassende Anforderungen an technische und betriebswirtschaftliche Belange und erfordert den Blick für das Unternehmen als Gesamtsystem. CIM-Bewußtsein im Unternehmen zu schaffen, ist Aufgabe des Managements!

Innerhalb des CAD erfolgt die Festlegung von Teilen und Baugruppen. Wesentlich bei der Konstruktion ist es aber, auf vorhandene Teile und Stücklisten im PPS-System zu achten. Häufig sind die im CAD erstellten Konstruktionsstücklisten noch in Fertigungsstücklisten zu überführen, wie sie vom PPS benötigt werden. Es ist notwendig, daß beide Stücklisten weitgehend redundanzfrei gespeichert werden.

CAP-Daten für PPS-Funktionen

Die im Rahmen des CAP erstellten Arbeitspläne sind wiederum für die PPS-Funktionen erforderlich und in die Grunddaten des PPS zu überführen. Ein Modul zur Klassifizierung von Arbeitsplänen und Betriebsmitteln kann hier als wesentliches Instrument dienen. Die Produktionssteuerung liefert CAM die Auftragsdaten, die CAM letztlich zum Fertigen, Handhaben, Transportieren und Lagern veranlaßt. Die Ergebnisse daraus nutzt wiederum die Produktionssteuerung für ihre Aufgabe der Auftragsüberwachung.

Die Schnittstelle zwischen Produktionsplanung und Produktionssteuerung ist durch den unterschiedlichen Genauigkeitsgrad der Mengen, Termine und Kapazitäten charakterisiert. Beide stützen sich auf verschiedene Datenausprägungen der Mengen, Termine und Kapazitäten. Dies bedeutet aber auch, daß sich die Produktionsplanung und die Produktionssteuerung unterschiedlicher Verfahren und Programmfunktionen bedienen.

Stufenweise Integration

Generell lassen sich drei Stufen von Integrationsmöglichkeiten darstellen:

- Die organisatorische Form der Integration stellt für einen Arbeitsplatz unterschiedliche CIM-Komponenten auf Basis verschiedener, technisch nicht verknüpfter DV-Systeme zur Verfügung. Jede CIM-Komponente hat also ihre eigene Datenhaltung und ihre eigenen Programmfunktionen.

- Eine zweite Stufe der Integration sieht den Datentransfer zwischen zwei CIM-Komponenten vor. Dies bedeutet zum Beispiel, daß Teile- und Stücklisteninformationen aus dem CAD den Grunddaten im PPS-System zugeführt werden. Dabei gilt, daß zu übernehmende Daten von der übernehmenden ClM-Komponente auf Konsistenz geprüft werden. Um nun eine hinreichende operationelle Qualität erreichen zu können, ist es unabdingbar, daß Daten sowohl periodisch als auch ereigmsabhängig zwischen zwei ClM-Komponenten übermittelt werden können.

- In einer dritten Stufe der Integration bedienen sich mehrere CIM-Komponenten jeweils einer gemeinsamen Datenbasis. Idealerweise wird diese dritte Stufe der Datenintegration dann noch um eine Funktionsintegration erweitert. Damit können beispielsweise innerhalb einer CAP-Funktion PPS-Funktionen angezogen werden. Für die Schnittstelle Produktionsplanung/Produktions-steuerung bedeutet dies das Zusammenwachsen längerfristiger Planungsfunktionen und kurzfristiger Steuerungsfunktionen.

Integrationsfähige Standardsoftware

Eine zunehmende Funktionsintegration betriebswirtschaftlicher und technischer Funktionen hat aber gravierende Konsequenzen für die unternehmerische Ablauf- und Aufbauorganisation. Für ein ClM-orientiertes Industrieunternehmen resultiert daraus eine Reduzierung der Arbeitsteilung. Im Rahmen flacher Aufbaustrukturen müssen integrierte Arbeitssysteme geschaffen werden, die ein paralleles oder eng verzahntes Arbeiten ermöglichen.

CIM ist noch kein DV-Produkt, das es zu kaufen gibt. Es ist vielmehr ein Konzept, ein Ziel, eine Idee mit soviel Lösungen wie Anwendungen. Der mit CIM verbundene hohe Integrationsgrad läßt nur eine schrittweise Realisierung zu.

Nur eher theoretisch ist wohl die Frage zu verstehen, ob man denn überhaupt mit CIM beginnen könne, wenn noch keine Komplettlösung verfügbar ist. Denn der mit einer solchen Abstinenz verbundene Know how-Verlust und mögliche Wettbewerbsnachteile sind nur schwer wieder wettzumachen.

Die Frage, in welchen Schritten man eine unternehmens-individuelle ClM-Lösung realisieren kann, setzt eine ClM-bezogene Zielformulierung voraus, die aus den Unternehmenszielen abgeleitet worden ist. Bei der Suche nach Mitteln und Wegen zur Erreichung dieser so formulierten unternehmensindividuellen ClM-Ziele gilt es, geeignete integrierte und integrationsfähige Standardsoftware einzusetzen. Der Einführungszeitraum erstreckt sich je nach Entwicklungsstand auf drei bis acht Jahre.

Die Praxis hat bisher gezeigt, daß in einer Mehrzahl von Firmen die Produktionsplanung und -steuerung Ausgangspunkt und Herzstück einer unternehmensspezifischen ClM-Lösung ist.

Interaktives Arbeitsprinzip

Verschiedentlich wird in diesem Zusammenhang die Frage nach Individual- oder Standardsoftware gestellt. Kenner der Materie entscheiden sich jedoch nicht für eine unternehmensindividuelle Neukonstruktion und Neuprogrammierung, sondern eine unternehmensindividuelle Nutzbarmachung vorhandener Standardsoftware.

Die obenbeschriebenen Merkmale und Charakteristiken der CIM-Komponenten und ihrer Integration stellen wesentliche Anforderungen an CIM-Standard-Software. Genannt seien:

- modulares Konzept für eine schrittweise Einführung,

- Funktionsübermenge im Vergleich zum eigenen, heutigen Zielsystem,

- Dialogverarbeitung als interaktives Arbeitsprinzip,

- Parallelverarbeitung mehrerer Transaktionen pro Anwender,

- Matchcode-Verarbeitung,

- periodische und ereignisabhängige Datenübernahme als Batchund Online-Schnittstelle,

- permanente Weiterentwicklung in den Anwendungsgebieten auch im Hinblick auf neue- Verhaltensweisen der Anwender (zum Beispiel Just-in-time, direkter Bankkontenabruf . . .),

- Online-Befichtsaufbereitungsprozessor als Werkzeug zur universellen Datenaufbereitung,

- Online-Dokumentation,

- systemimmanente Erleichterungen bei Anpassungen,

- Leistungspotential des Softwarehauses.

*Dr. Werner Sommer ist Systemberater bei der

SAP GmbH Systeme Anwendungen Produkte in der Datenverarbeitung, Walldorf.