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16.11.1984 - 

Österreichische Steirerbrau findet Geschmack an integrierter TV und DV:

Bei Datenzugriffen sind Träume keine Schäume

MÜNCHEN (CW) - Ganz so ergonomisch wie ein reines Textverarbeitungsprogramm ist das bei der österreichischen Steirerbrau installierte integrierte Text- und Datenverarbeitungssystem nicht. Doch diesen Nachteil wiegen aus der Sicht des Bierbrauers die vielen Pluspunkte der jetzigen Lösung von auf. Wichtig ist es für den Autor des folgenden Beitrags, den Organisations- und EDV-Leiter des Unternehmens, Robert Zehetleitner daß das System einen hohen Durchsatz bei der Massenbrieferstellung gewährleistet und der Datenzugriff ohne Umschweife erfolgt. Außerdem hebt er hervor, daß die Einführung des IDT-3000 von der Bremer Herbert Seitz KG relativ billig über die Bühne ging", weil man die bereits vorhandenen Olivetti-Schreibmaschinen als Drucker und die übrige Hardware von Hewlett-Packard nutzen kann.

Als Anfang der 80er Jahre bei der Steirischen Brauindustrie AG, Graz, die Einführung der Textverarbeitung zur Diskussion stand, kam es dem Unternehmen neben einer meßbaren Produktivitätssteigerung vor allen Dingen auf einen möglichst hohen Integrationsgrad zwischen DV- und TV-Aufgaben an. Außerdem sollte die Textverarbeitung auf der bereits installierten Hardwarekonfiguration abgewickelt werden können. Schließlich schwebte der Firma auch noch eine einfache Gestaltung des Büroarbeitsplatzes mit einem Bildschirmgerät sowohl für die Textverarbeitung als auch für den Datenzugriff vor. Dabei sollte eine weitere Verwendung der bereits installierten Typenradschreibmaschinen sichergestellt sein.

Nach einer Umschau auf dem Softwaremarkt glaubte die Steirerbrau in dem Paket "IDT/3000 der Firma Seitz KG aus Bremen die richtige Lösung gefunden zu haben. Innerhalb einer Testzeit von drei Monaten stellte sich heraus, daß die genannten Rahmenbedingungen erfüllt werden konnten. So war das Paket ohne Umbauten auf der im Hause befindlichen Hardware von Hewlett-Packard. HP 3000/68", die bis dato nur für die klassischen Anwendungen der Datenverarbeitung - wie zum Beispiel die Auftragsabwicklung und Personalabrechnung - eingesetzt worden war, lauffähig. Die Ausgabe erfolgt auf den ebenfalls vorhandenen Systemdruckern und Olivetti-Typenradschreibmaschinen; für den Dialog können die schon vorher angeschlossenen Hewlett-Packard-Bildschirme sowie der Arbeitsplatzcomputer HP 150 genutzt werden.

Datenaustausch nach außen über Telexschnittstelle

Um nun die Beförderung der erstellten Texte zu den Informationsempfängern zu ermöglichen, wählte die Brauerei zwei Methoden. Zum Transport von Informationen nach außen wurde zwischen dem Zentralrechner und dem Fernschreibgerät eine Telexschnittstelle der Wiener Firma Cogidata installiert, die einen Datenaustausch direkt aus dem IDT/3000 ermöglicht.

Der innerbetriebliche Informationsaustausch wird zur Zeit probeweise über das interne Postsystem HP-Deskmanager abgewickelt. Es ist geplant, daß dieses Netzwerk im ausgebauten Zustand IDT Informationen an die Mitarbeiter in vier Brau- und 40 Absatzstätten weiterleitet.

Büro der Zukunft ist "papierlos"

Neben der integrierten Text- und Datenverarbeitung sowie dem Informationsaustausch kam es den Grazern auch auf eine sinnvolle Ablage- und Wiederauffindungsmöglichkeit von Daten an. Zu diesem Zweck wurde 1983 das Zusatzprodukt IDTAS/3000 von Seitz installiert. Mit dieser Software können heute sämtliche IDT-Dokumente über Stichwort, Erstellungszeitraum, Sachbearbeiter, aber auch über eine Volltextrecherche in Sekundenschnelle wiedergefunden werden. Damit ist zumindest der Grundstein für eine Verlagerung vom Aktenschrank zur elektronischen Datenspeicherung gelegt worden, durch bei der Steierbrau das "papierarme" Büro zur Wirklichkeit wird.

Korrekturhilfe und Direktzugriff auf die Daten

Der erste Schritt in der Erstellung eines Dokuments ist, wie in jedem anderen Textverarbeitungsprogramm auch, das Erfassen und Formatieren eines Textblocks. Zur Erleichterung dieses Arbeitsvorganges bietet die IDT-Software als Besonderheit eine Korrekturhilfe an, die sich auf das integrierte Lexikon und den Ausnahmespeicher für die Silbentrennung stützt, Dem Verfasser dieses Programms, Franz-Josef Boll - er ist von der Ausbildung her zugleich Germanist und Softwareentwickler - ist das "Kunststück" gelungen, die Abtrennungsregeln laut Duden in ein Cobolprogramm umzusetzen.

Ein anderes hervorstechendes Merkmal und zugleich das wichtigste Entscheidungskriterium bei der Softwareauswahl war es für die Steirerbrau, daß man ohne zwischengeschaltete Selektionsdaten auf alle bereits abgespeicherten Angaben direkt zugreifen und diese Daten an jeder Textstelle integrieren kann. Angesichts der arbeitsteilig orientierten Stammdatenwartung von über 30 000 Kunden in der Verkaufsabteilung und des Real-Time-Zugriffs von einer anderen Stelle des Unternehmens erwies sich diese Integrationsmöglichkeit von Text und Daten vom ersten Tag an als vorteilhaft. Generell kann man als Anwenden übrigens gleichzeitig auf zwei Datei zugreifen, so zum Beispiel auf die Kundenstamm- und die Artikelstammdaten. Dies ist im Direkt-Mailing bei der Verkaufsförderung von besonderem Nutzen.

Was das Ändern von bestehenden Texten und die Gestaltung von Dokumenten betrifft, so geschieht dies ähnlich wie bei anderen einschlägigen Produkten auch. Zur Wiederauffindung einmal verfaßter Dokumente können sämtliche Texte nach Suchbegriff en, nach Synonymen von Suchbegriffen, aber auch direkt aus dem Volltext recherchiert werden. Dies bedeutet, daß für die Sekretärin heute das Ablageproblem mit dem Verfassen des Dokuments gelöst ist.

In der Installationsphase haben Gedanken zum Datenzugriffsschutz dazu geführt, daß eine dezentrale Datenorganisation vorgenommen wurde: Jede Abteilung verfügt heute über eine eigene. und geschätzte Textdatenbank. Somit müssen die Abteilungsleiter und Sekretärinnen nicht ständig in der Furcht des Herrn leben, daß ihre Dokumente von Fremden gelesen werden. Ausgeschlossen von dieser dezentralen Regelung ist allerdings die Datenbank mit den Regeln zur Rechtschreibung und Silbentrennung.

Die geschilderte Strukturierung hat sich in nunmehr dreijährigem Einsatz bewährt. Durch die Modularisierung ist es gelungen, mehrere abteilungsbezogene Texthandbücher zu erstellen. Die einzelnen Abteilungen müssen sich also nicht strengen und zentralen Standardisierungsregeln unterwerfen, was aus der Sicht des Unternehmens die Akzeptanz von vornherein erhöht.

Angst vor Rechnerüberforderung unbegründet

Einschränkend muß allerdings an dieser Stelle angemerkt werden, daß der "Textmanager" in der Steirerbrau den Zugriff auf externe Daten zentral steuern kann. Dadurch hat die Verkaufsabteilung automatisch den Zugriff auf Kundenstammdaten, die Einkaufsabteilung auf Lieferantenstammdaten und das Lohnbüro auf Personalstammdaten.

Die Angst vor einer Überforderung des vorhandenen Rechners HP 3000 ist vor der Installation des Programms groß gewesen. In Kollegenkreisen ging das Gerücht um, daß die Datenorganisation auf einer Datenbank zu Überbelastungen des gesamten Systems führen könnte. Aus dieser Befürchtung heraus führte die Brauerei die Testinstallation auf ihrer Rechneranlage über einen längeren Zeitraum hinweg durch.

Die bisherigen Erfahrungen zeigten, daß es weder am Prozessor noch bei der Ein- und Ausgabe oder mit dem Plattenspeichervolumen selbst irgendwelche Probleme gibt. Durch die blockweise Übertragung von Texten vom Terminal zum Computer ergeben sich in der Textbearbeitungszeit der Sekretärinnen minutenlange Pausen, in denen weder Prozessor noch die Datenkanäle belastet werden. Eine kompakte Speicherung reduziert das Plattenspeichervolumen auf das notwendige Minimum.

Ein Anhaltspunkt für die Geschwindigkeit der Textproduktion mit dem IDT/3000 ergibt sich für die Steirerbrau mit Hilfe einer kürzlich durchgeführten Direkt-Mailing-Aktion. Dabei ging es darum, die 30000 Kundenstammdaten auf ein spezielles Merkmal hin zu untersuchen und an die 580 gefundenen Kunden einen einseitigen DIN-A4-Brief zu schreiben. Das Ergebnis: Für das Selektieren, Texterstellen und das Ausgeben an den Spoolbereich reichten als Turn-Around-Zeit ganze drei Minuten.

Über die vielen Vorteile, die durch die integrierte Textverarbeitung geboten werden, darf man allerdings auch gewisse Nachteile nicht ganz vergessen. So besteht beispielsweise das Problem, daß das Programm nahezu zuviel kann.

Man muß sehr viel mehr Zeit in das Erlernen der Funktionen investieren als bei kleinen Programmen. Für die reine Textverarbeitung eignen sich aus Unternehmenssicht daher "primitivere" Textverarbeitungsprogramme besser.

Deswegen hat die Steirerbrau auch verstärkt damit begonnen, Arbeitsplatzcomputer als Terminals einzusetzen und "kleine" Aufgaben auch mit "kleinen" Computern zu lösen. Die mit anderer Hard- und Software erstellten Dokumente werden in der Steirerbrau schon heute über einen Datenaustausch in die IDT-Textdatenbank einkopiert. Im Ablagesystem-AS/3000 stehen damit alle Texte zum "Wiederauffinden" bereit.

Einsparungen kann man nicht übersehen

Die Einführung der integrierten Text- und Datenverarbeitung bringt der Steirerbrau bedeutende quantitative Einsparungen. So kann das Unternehmen beispielsweise in der Verwaltung teilweise auf Neueinstellungen verzichten. Die Firma hat zwar niemand gekündigt, doch man versucht, mehr Maschinen hineinzufahren und mit weniger Leistung drüberzukommen". Bevor die gekoppelte TV und DV Einzug hielt, konnte in vielen Abteilungen die Arbeit einfach nicht mehr bewältigt werden.

Das Unternehmen

Die Steirische Brauindustrie Aktiengesellschaft mit Hauptsitz inGraz (bekannt als die "Steirerbrau") versorgt den österreichischen und ausländischen Biermarkt mit den Marken "Gösser", "Puntigamer" und Reininghaus", Pro Jahr werden mehr als zwei Millionen Hektoliter Gerstensaft verkauft. Über eine konzerneigene Tochtergesellschaft setzt das Unternehmen darüber hinaus auch noch Essig, Hefe, Spirituosen und Fruchtsäfte ab.

Die Steirerbrau produziert in vier Braustätten, betreut über 30000 Kunden in ganz Osterreich, bezieht ihre Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe von 2000 Lieferanten und beschäftigt im Konzern ungefähr 2000 Mitarbeiter. Der Inlandsabsatz erfolgt über 40 eigene Vertriebsstätten mit 250 Lastkraftwagen im ganzen Bundesgebiet.