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27.02.1981 - 

Kostenvergleich der vorhandenen Post-Dienste für die Datenfernübertragung:

Bei Datex-P zählt nur die Menge

Datex-P, der neueste Dienst der Deutschen Bundespost für Datenfernübertragungen, ist seit August 1980 im Einsatz. Obwohl das erste Jahr als Probebetrieb betrachtet wird, waren schon zum Zeitpunkt der Orgatechnik in Köln im Oktober letzten Jahres 100 Anschlüsse installiert und weitere 300 bestellt. Ist dieses Interesse für Datex-P berechtigt? Kann Datex-P den DFV-Anwendern Vorteile bringen?

Bevor die Eigenschaften von Datex-P geschildert werden, sei zunächst an die bisher vorhandenen Möglichkeiten für die Datenfernübertragung im öffentlichen Bereich erinnert. Bild 1 gibt einen Überblick der bisherigen Postdienste und eine Gegenüberstellung mit Datex-P. Die Kosten für die Datenfernübertragung hingen bisher hauptsächlich von vier Faktoren ab.:

- der Übertragungsgeschwindigkeit,

- der Entfernung zwischen den Teilnehmern,

- der Art der Verbindung (Fest- oder Wählverbindung) und

- der Dauer einer Verbindung (nur für Wählverbindungen).

Im Gegensatz zu den bisherigen Diensten ist bei Datex-P allein das Datenvolumen für die Kosten ausschlaggebend, während die Entfernung keine und die Übertragungsgeschwindigkeit nur eine geringe Rolle spielen. Daraus folgt, daß Datex-P für viele Anwender Ersparnisse bringen kann, vor allem bei großen Entfernungen oder - wie häufig bei Dialoganwendungen der Fall - bei geringer Auslastung der Übertragungsleitungen. Für Dialog wählt man oft eine hohe Übertragungsgeschwindigkeit, um ein befriedigendes Antwortzeitverhalten zu bekommen. Die Übertragung einer Nachricht von 1000 Zeichen, zum Beispiel eine Display-Ausgabe, braucht nämlich bei 300 Baud fast eine halbe Minute, während bei 2400 Baud nur zirka vier Sekunden benötigt werden. Beispielsweise ist eine 2400-Baud-Leitung bei vier solcher Transaktionen in der Minute nur zu etwa 25 Prozent ausgelastet. Für den Fall, daß mehrere Geräte an einer Leitung angeschlossen sind (Multipunkt-Leitung), spielt außerdem bei der Festlegung der Übertragungsgeschwindigkeit die zu erwartende Spitzenbelastung eine Rolle, und die durchschnittliche Belastung kann bedeutend niedriger sein.

Die Bilder 2 bis 4 vergleichen die Kosten für die folgenden vier Dienste der Post:

- Fernsprechnetz,

- Direktrufnetz (HfD, oft Standleitung genannt),

- Datex-L und

- Datex-P.

Gezeigt werden die monatlichen Kosten für eine Punkt-zu-Punkt-Verbindung als Funktion von der durchschnittlichen täglichen Nutzungsdauer. Es wird von einem normalen achtstündigen Tag ausgegangen. Berücksichtigt werden verschiedene Übertragungsgeschwindigkeiten und Entfernungen. Die Kosten beinhalten auch die monatlichen Festkosten, wie beispielsweise Anschlußgebühren.

Damit die Kosten für Datex-P errechnet werden können, muß ein Datenvolumen zugrunde gelegt werden. Für Stapelverarbeitung wurde der maximale Datendurchsatz für eine 300-Baud-, 2400-Baud- beziehungsweise 9600-Baud-Leitung angenommen. Dieser Durchsatz wurde mit der Vebindungsdauer multipliziert und des resultierende Datenvolumen durch 64 geteilt, um die Anzahl der Datensegmente (Pakete) zu ermitteln. Zur Vereinfachung wurde angenommen, daß Pakete voll gepackt sind und daß Steuerdaten vernachlässigbar sind.

Für Dialogverkehr müssen Annahmen getroffen werden bezüglich der Auslastung der Leitung während einer Dialogsitzung. Die tatsächliche Auslastung ist von der jeweiligen Anwendung abhängig. Die angegebenen Zahlen gehen jedoch von einer relativ hohen Auslastung aus. Im Normalfall werden die Kosten noch niedriger liegen. Beispielsweise entspricht eine 50-prozentige Auslastung bei 9600 Baud dem Anschluß von acht Endgeräten, die jeweils durchschnittlich vier Transaktionen pro Minute bearbeiten, wobei für jede Transaktion 18 Segmente übertragen werden.

Die jeweiligen Kosten eines Hfd-Anschlusses (Standleitung) sind in den Bildern 2 bis 4 für drei Entfernungen angegeben. Bild 5 zeigt, wie die Kosten für einen HfD-Anschluß mit der Entfernung variieren.

Ein Kostenvergleich, wie aus den Bildern 2 bis 5 zu ersehen ist, dient als Anhaltspunkt und neigt, wo Kostenersparnisse eventuell möglich sind. In der Praxis ist eine genaue Kostenanalyse zu empfehlen, in dem die Netztopologie und das aktuelle Datenvolumen zu berücksichtigen sind. Die Bilder zeigen jedoch in vielen Fällen, wie kostengünstig Datex-P sein kann. Weitere Vorteile von Datex-P sind:

- Geschwindigkeitsanpassung: Geräte mit verschiedener Geschwindigkeit können über Datex-P miteinander kommunizieren.

- Prozedur- und Code-Anpassung sind über PAD-Einrichtungen möglich.

- Mehrkanalanschlüsse können weitere Kostenersparnisse bringen.

-Anschluß an andere Netze wie Euronet ist möglich.

Ein Nachteil von Datex-P ist eventuell das Antwortzeitverhalten (für Dialog-Anwendungen relevant). Die mehrfache Übertragung von Daten innerhalb des Netzes kann zu höheren Antwortzeiten führen. Andererseits sind die Übertragungsgeschwindigkeiten im Netz in den meisten Fällen wesentlich höher als bei einer vergleichbaren Lösung mit geschalteten Leitwegen. Hier muß das Zeitverhalten gegebenenfalls durch Simulations-Methoden kontrolliert werden und jeder Fall für sich entschieden werden.

Ein weiterer zu berücksichtigender Faktor ist die Anpassung von Endgeräten an das Netz. Eine Anpassung durch, die Bundespost erfolgt zur Zeit nur für asynchrone Geräte (300 oder 1200 Baud.)Geplant sind Anpassungen für Siemens- und IBM-kompatible Geräte. Das Angebot der Post war jedoch bisher relativ teuer, und eine Anpassung im Rechner, Vorschaltrechner, sogenannten Protokollkonverter oder Endgerät kann sinnvoll sein, besonders dann, wenn mehrere Geräte anzuschließen sind. Hier ist es jedoch empfehlenswert, einen DFÜ-Fachmann aufzusuchen, der die relevanten Optionen gegeneinander abwägen kann.

Mit Datex-P geht die Deutsche Bundespost den Weg, den andere Länder bereits lange beschnitten haben (siehe beispielsweise Transpac in Frankreich oder PSS in England). Paketvermittlung wird sich in den Achtziger Jahren weltweit für die Datenfernübertragung durchsetzen, und die bisherigen Dienste der Bundespost werden mit hoher Wahrscheinlichkeit durch die Gebührenordnung der Post an Bedeutung verlieren. Schon jetzt kann jeder Anwender für bestehende oder geplante Anwendungen die Kosten für die Datenfernübertragung unter Berücksichtigung von Datex-P nochmals überprüfen. Möglicherweise können bedeutende Kostenersparnisse erzielt werden oder neue, bisher unwirtschaftliche DFÜ-Anwendungen zum Einsatz gelangen.

Zu den Bildern:

- Alle Kosten legen die Gebühren der Deutschen Bundespost vom 1. 9. 1980 zugrunde und basieren auf den normalen Tagegebühren.

- Die Kosten für das Fernsprechnetz gelten für Ortsnetze mit Nahdienst (8-Minuten-Takt).

- Die Kosten für Datex-P bei 300 Baud sind für eine gewählte, virtuelle Verbindung und schließen die Anpassungsgebühren ein. Sonst werden festgeschaltete, virtuelle Verbindungen ohne PAD-Einrichtung angenommen.

- Die monatlichen Kosten gehen von 20 Arbeitstagen im Monat aus.

- Bei der Berechnung des Datenvolumens für eine synchrone Übertragung 8 Bits pro Zeichen und für eine asynchrone Übertragung 10 Bits pro Zeichen angenommen.

*Peter Barbour ist Consultant bei der Infodas GmbH, Köln