Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

13.11.1992 - 

Mit RISC und Unix Volkes Stimme ergründen\

Bei den GfK-Meinungsforschern ist die Modularität -der DV Trumpf

Welche Fernsehsendung erzielte welche prozentuale Einschaltquoten? Welche Zeitschrift, welches Magazin verliert beziehungsweise gewinnt in der Lesergunst? Welches neu eingeführte Nahrungsmittel zeigt nach den ersten Wochen am Markt Überlebenschancen? Mit der Ergründung solcher Fragen ist die Gesellschaft für Konsum-, Markt- und Absatzforschung (GfK-Gruppe) in Nürnberg täglich beschäftigt. Als technische Hilfsmittel greifen die Franken dabei auf Sparc-Workstations und Unix zurück, nachdem sie sich bislang hauptsächlich auf ein IBM-3090-und ein IBM-kompatibles Großrechner-System mit eigenentwickelten Anwendungsprogrmmen stütze.

Hersteller und Industrie müssen in der heutigen Konsumwelt akribisch genau die Markttrends beobachten. Sie erfahren täglich aufs neue, daß Märkte und Verbraucher immer schwerer auszurechnen sind. Die Konkurrenz wird ständig härter, der Verdrängungswettbewerb immer schärfer. Auf Trends darf nicht verspätet reagiert, sondern es muß rechtzeitig agiert werden. Um fortlaufend über die Situation am Markt und die Akzeptanz der Produkte informiert zu sein, ist heute der Rückgriff auf externe Dienstleister, auf Marktforschungsunternehmen wie die GfK, nahezu unabdinglich.

Marktforschung liefert die wichtigen strategischen Daten zur Steuerung von Unternehmen, im Controlling der Betriebsergebnisse wie in der Entwicklung und Planung des Marketing. Galt früher die Weisheit: "Wo eine Börse ist, ist ein freies, marktwirtschaftliches System", gilt heute: "Wo Marktwirtschaft ist, ist auch Marktforschung".

Daß bei dem Informationsvolumen, welches die GfK-Gruppe täglich für ihre individuellen Kunden verarbeiten und auswerten muß, modernste Computertechnologie erforderlich ist, steht außer Frage. Neben den Host-Systemen stehen den Mitarbeitern für kleine Auswertungen, Textverarbeitungen und Präsentationen über 1000 PCs zur Verfügung. Davon sind etwa 250 in einem Token-Ring-Netzwerk unter Novell-Netware verbunden.

Hohe Unterhaltungskosten und die Tatsache, daß die Anpassung und Entwicklung neuer Statistiksoftware für Großrechneranlagen nur zäh zu verwirklichen ist, veranlaßten die DV-Verantwortlichen der GfK Holding AG, sich nach Alternativen umzusehen.

Suns Sparc-Stations und Sparc-Server unter Unix waren die Lösung. "Wir wurden auf das Rightsizing-Konzept von Sun aufmerksam und vertrauten Suns Aussagen, daß neu zu installierende Sun-Systeme nahtlos in eine bereits bestehende, auch noch so heterogene Rechnerlandschaft problemlos integrierbar seien", begründet Michael Jung (Bereichsleiter Netzwerke) die Kontaktaufnahme mit Sun.

Auf Empfehlung von Sun Rightsizing-Projekte in kleinen, überschaubaren Schritten anzugehen, realisierte die G&I-Forschungsgemeinschaft (G&I), eine hundertprozentige Tochter der GfK Holding AG, ein erstes Pilotprojekt zur strategischen Entscheidungsfindung: Mit einem Sparc-Server und 15 über PC/NFS gekoppelte PCs wurde eine erste Client-Server-Konfiguration installiert. Es folgten umfangreiche Testläufe unter Sun-OS.

Die Aufgabe der G&I liegt in der Analyse des Marktgeschehens, besonders in der Erforschung des Einkaufsverhaltens von privaten Haushalten und ihren Mitgliedern.

Mit Hilfe von Haushalts- und Personenpanels gewinnt die G&I Erkenntnisse zu Trends des Konsumverhaltens im Food-und Non-Food-Bereich.

Mittels handschriftlich auszufüllender Einkaufsbögen versorgen die statistisch sorgsam ausgewählten Verbraucher die G&I in zyklisch wiederkehrenden Perioden mit Informationen beispielsweise zu Fragen wie: Welches Produkt wurde in welcher Menge bei welchem Händler (Supermarkt oder Einzelhändler) zu welchem Preis (reduziert oder regulär) erworben.

Flexibilität und Geschwindigkeit der Systeme bei der Verarbeitung der eingespeisten Daten ist hierbei oberstes Gebet. Die mittels dieser Panels gewonnenen Erkenntnisse müssen ad hoc in allen gewünschen Abfragevarianten in kürzester Zeit zu analysieren sein. Die Ergebnisse der Testkonfiguration waren ermutigend. Der Einsatz der bislang nur auf PC-Basis (DOS, SCO-Xenix) angewandten Auswertungssoftware "Quantum" unter Unix verlief reibungslos. Die hohe Zuverlässigkeit und Stabilität des Client-Server-Verbunds, die Geschwindigkeit der Datenverarbeitung und die rasche Verfügbarkeit der erforderlichen Analysen und Statistiken überzeugte. Der nächste Schritt in Richtung Rightsizing erfolgte bei einer weiteren hundertprozentigen Tochter der GfK Holding AG, der Medicon GmbH (Gesellschaft für Medizinische Forschung).

Die Medicon GmbH übernimmt als Auftragsforschungsunternehmen klinische Forschungsaufgaben im Rahmen der Arzneimittelentwicklung. Dazu organisiert sie Studienprojekte, sowie die statistische Auswertung der im Klinikbereich erhobenen Daten. Hierzu standen bislang DOS-PCs mit der Statistiksoftware SAS zur Verfügung.

Ständig steigende Anforderungen (Schnelligkeit, Zunahme der Datenmengen) bewogen die Medicon GmbH, die vorhandenen 18 PCs über PC-NFS mit einem Sparc-Server zu vernetzen. Alle Mitarbeiter gewannen dadurch Zugriff auf die zentral gehaltene Statistiksoftware SAS, auf der die Auswertungen basieren.

Zusätzlicher Nutzen dieser Client-Server-Installation: Dem PC-User stehen nun auch DOS-Applikationen vom Sparc-Server aus zur Verfügung. Der Einsatz des Sparc-Servers als Auswertungsplattform erbrachte einen solch deutlichen Rationalisierungseffekt, daß die Medicon GmbH schon kurze Zeit später die Anschaffung eines weiteren Sparc-Servers beschloß.

Aufgrund der positiven Erfahrungen mit dem Unix-Betriebssystem nahm daraufhin auch eine Abteilung der GfK-Marktforschung ein Client-Server-Projekt in Angriff. Im Computer-Assisted-Telephone-Interview-Studio (CATI) werden über Computer und Telefon nicht standardisierte Abfragen mit variablen Informationskriterien vorgenommen. CATI repräsentiert den augenblicklich höchsten technischen Standard der Marktforschung, da es sich - anders als herkömmliche Interviews - kurzfristig vorbereiten, individuell zusammenstellen und mit geringem Zeitaufwand durchführen läßt. Den Fragebogen ersetzt dabei das Medium Computer.

Geduld des Befragten darf nicht strapaziert werden

Hardware-Basis für das CATI-Projekt bilden zwei Sparc-Stations 2, die knapp 50 Ascii Terminals versorgen. Durch diese speisen die GfK-Mitarbeiterinnen während des Telefonats die auf den computer-gestützten Fragebogen basierenden Antworten direkt in die beiden Sparc-Server ein, was eine erhebliche Zeiteinsparnis bedeutet. Kritischer Faktor bei der Telefoninterview-Methode: Der Befragte darf nicht zu lange ans Telefon gebunden werden, Fragestellung und Antworterfassung müssen in hohem Tempo ablaufen .

Wartezeiten bei der Abarbeitung der mehrblättrigen Bildschirm-Fragebogen müssen ausgeschaltet sein, um einerseits die Geduld des Befragten nicht zu strapazieren und dessen Kooperation nicht zu gefährden, und um andererseits die erteilten Antworten wahrheitsgemäß festhalten zu können. "Die kurzen Antwortzeiten an den Terminals, auch bei größter gleichzeitiger Benutzerzahl, und die Leistungsfähigkeit der Sparc-Systeme waren beeindruckend.

Anders als früher mußten wir uns mit dem neuen System schon alleine beim Umfang des Fragenprogramms nicht limitieren, sondern konnten die Applikationen uneingeschränkt verwenden und den Fragebogen exakt auf die noch so speziellen Bedürfnisse des Auftraggebers zuschneidern", beschreibt Jung die Vorteile der neuen Lösung.

Durch die Erfolge in den vorangegangenen Projekten sah sich die GfK Holding AG bestätigt, mit Sparc-Systemen und Unix das richtige Konzept zu verfolgen. Darüber hinaus hielten es die Verantwortlichen für einen entscheidenden Vorteil, daß mit dem Client-Server-Modell ein modulares System zur Verfügung stand, welches mit den steigenden Bedürfnissen und Leistungsanforderungen problemlos mitwachsen konnte.

Integration der heterogenen DV-Landschaft

Damit war die Entscheidung gefallen, den nächsten und bislang wichtigsten Schritt in Richtung eines unternehmensweiten Rightsizing zu vollziehen. Es galt jetzt, die heterogene DV-Landschaft der GfK-Gruppe zu integrieren: Zum einen die unter VM/XA und VSE/ESA laufenden Großrechneranlage und zum anderen die unter MS-DOS operierenden PCs inclusive des Novell-Netzwerkverbundes. Das Ziel war, alle Mitarbeiter in einem unternehmensweiten DV-Konzept zu integrieren und ihnen Zugriff auf die Client-Server-Ebene zu gestatten.

Die Lösung fand man mit einem Sparc-Server 4/470. Über Suns "IBM Channel Gateway" wurde eine Kopplung zum Großrechner realisiert, wobei der Sparc-Server mittels der IBM-Software "RSCS" als NJE-Station mit dem Host kommuniziert.

Die DOS-PCs wurden über Ethernet und PC/NFS angekoppelt, die Novell-Welt über Netware-NFS mit dem Sparc-Server verbunden. Entgegen ursprünglichen Befürchtungen erwies sich die Installation als äußerst stabil. Der Up- und Download der voluminösen Datenmengen von der Großrechner- zur Unix-Welt und umgekehrt funktioniert seit der Inbetriebnahme problemlos.

Größere Produktivität ohne Qualitätsverlust

Durch die Integration der unterschiedlichen Rechnerklassen in einem heterogenen Netzwerk konnten Unix-Anwender zudem über 3270-Terminalemulation alle Anwendungen, Daten und Ressourcen des Großrechners nutzen.

So lassen sich beispielsweise von den Unix-Rechnern aus komplette JCL-Jobs zum Großrechner schicken, wo dann die Host-Programme auf die Originaldaten zugreifen und den Output direkt auf den Unix-Rechner ausgeben. Dort stehen die Daten dann zur Weiterverarbeitung bereit.

"Wir sahen die realistische Möglichkeit, durch Integration der dezentralisierten Rechnersysteme in einem Client-Server-Verbund Produktivitätssteigerungen und wirtschaftliche Vorteile zu gewinnen, ohne dabei Qualitätsverluste jeglicher. Art hinnehmen zu müssen. Außerdem ist dieses DV-Modell wesentlich kostengünstiger als der Ausbau der bestehenden Großrechneranlage. Sun bietet ein wirklich gutes Preis-Leistungs-Verhältnis", erklärt Reinhard Mailänder, verantwortlicher Direktor für das Ressort Informatik bei der GfK Holding AG. Zugunsten von Sun sprach für Mailänder auch die Verfügbarkeit von mehr als 4800 Software-Applikationen und die Tatsache,

durch den Einsatz der offenen Sparc-Systeme Unabhängigkeit von herstellerspezifischer Hardware zu erreichen.

Als Entwicklungsplattform für Unix-basierende Softwareprodukte sind in der Workstation-Programmierung der GfK Holding AG inzwischen zwei weitere Sparc-Stations im Einsatz.

Auf der Basis von Unix und Sybase arbeiten die Programmierer an der Erstellung von kundenspezifischen Datenbank-Applikationen, welche zum Teil noch auf dem Host arbeiten. "Uns weiterhin nur auf unser Großrechnersystem zu konzentrieren, würde uns in eine Sackgasse leiten", bekräftigt Mailänder. Die damit verfügbaren Abfragemöglichkeiten für Statistiken und Analysen würden heutigen Anforderungen oftmals nicht mehr genügen.

Eine Anpassung der Software innerhalb eines adäquaten Zeitraums sei jedoch kaum möglich. "Unsere Branche erfordert aber, extrem schnell auf gegebene Markttendenzen und veränderte Situationen zu reagieren. Mit Unix haben wir diese Flexibilität, und mit den Sparc-Servern die geeignete, modulare Hardware-Plattform", bilanziert Mailänder.

Peter Menzel ist Leiter der Abteilung Benutzerservices bei der GfK Holding

AG in Nürnberg.