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26.03.1982 - 

Trend zum Bildschirm am Arbeitsplatz:

Bei den Kommunen sprengt IBM den DV-Proporz

Immer mehr kommunale Datenzentralen setzen Bildschirme zur dezentralen Datenerfassung ein. Und auch der Einsatz von Datenbanken nimmt zu. Kleinere Gemeinden bedienen sich freilich noch oft der Mittleren Datentechnik (MDT). Ein Bericht von Heinrich Adolphs.

Daß die deutsche Kommunalverwaltung ihre Aufgaben schon seit langem und in erheblichem Umfang mit Hilfe der automatisierten Datenverarbeitung erledigt, ist hinlänglich bekannt. Selten jedoch besteht Gelegenheit, sich über die automatisierten Aufgaben, die Ausstattung der einzelnen Datenzentralen mit Hardware, über das Ausmaß der bereits erreichten Fernverarbeitung und dergleichen mehr einen verläßlichen Überblick zu verschaffen. Diese Informationslücke hat jetzt die Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsvereinfachung (KGSt) in Köln ¹) mit ihrem jüngsten Bericht ²) geschlossen. Das Institut untersucht darin eine repräsentative Reihe von kommunalen Datenverarbeitungszentralen und vergleicht die Ergebnisse nach dem Stand von 1980 mitdenjenigenvon 1978 ³).

Um es gleich vorwegzunehmen: Spektakulär sind die Entwicklungen in diesem Zweijahreszeitraum nicht verlaufen. Es zeichnet sich vielmehr eine stete Entwicklung zur Automation weiterer Aufgaben ab. Mehr noch, die bereits computerisierten Bereiche werden mit neuen, vertieft eingreifenden Verfahren überzogen. Dazu findet notwendigerweise eine verstärkte Ausstattung der Rechenzentren mit moderner, leistungsfähiger Hardware statt.

Nur in einer Hinsicht macht die Entwicklung raschere Fortschritte: bei der Umstellung der Verfahren auf Datenfernverarbeitung. Während 1978 noch 55 Datenzentralen (von 107 untersuchten) fast 100 Prozent ihrer Daten zentral ausgaben, ist dieser Anteil 1980 auf 45 Prozent gesunken. Deutlicher wird das noch, wenn man auf die direkt angeschlossenen Bildschirmgeräte abstellt. Es mbt so gut wie keine Datenzentralen

mehr, die nicht bereits einige Terminals angeschlossen haben. In den meisten Stadt- und Gemeindeverwaltungen sind sogar erhebliche Stückzahlen installiert. Während noch 1978 erst eine Datenzentrale über 70 Bildschirme einsetzte, waren es 1980 schon zehn Zentralen. Und von diesen setzten sechs zwischen 100 und 380 Terminals ein. 4) Vor dem Hintergrund dieser Installationen wird auch verständlich, daß die dezentrale Datenerfassung in den letzten beiden Jahren zugenommen hat. Offensichtlich erfolgt schon ein Teil der Datenerfassung über Bildschirm am Arbeitsplatz.

Die kommunalen Datenzentralen gliedern sich in zwei große Gruppen: Von den 107 untersuchten Rechenzentren sind 66 von großen Städten errichtet; sie arbeiten jeweils nur für ihre Kommune. 41 sind dagegen sogenannte Gemeinsame Kommunale Datenverarbeitungszentralen (GKD) die für die Gemeinden eines Landkreises, einer Region oder gar eines ganzen Bundeslandes zuständig sind. 5) Die 41 GKDs decken ein Gebiet der Bundesrepublik von 37 Millionen Einwohnern ab. Die wesentlich größere Zahl der "Singles" versorgt dagegen insgesamt nur ein Gebiet von 14 Millionen Einwohnern.

Vollständige Flächendeckung noch nicht erreicht

Bei rund 61 Millionen Einwohnern der Bundesrepublik Deutschland ist also eine große Anzahl von Gemeinden, die insgesamt über zehn Millionen Einwohner haben, noch nicht durch große Datenverarbeitungszentralen erfaßt. Das bedeutet nicht, daß sich diese meist kleineren Gemeinden keinerlei Automation bei ihrem Aufgabenvollzug bedienen. Auch sie verwenden für Einzellösungen zum Teil Anlagen der mittleren Datentechnik, soweit dieser Begriff heute überhaupt noch verwendet werden darf.

Von den untersuchten 107 Rechenzentren setzen 60 IBM-Computer ein. 28 sind Siemens-Kunden. Honeywell hat zehn Anlagen installiert. Der Rest teilt sich in NCR, Univac, Philips, Kienzle etc. Damit ist natürlich nichts darüber gesagt, mit welchen Maschinengrößen und welcher Peripherie die einzelnen Hersteller vertreten sind. 6)

Datenbanken langsam auf dem Vormarsch

Da die untersuchten Datenzentralen sehr unterschiedliche Strukturen hinsichtlich ihrer maschinellen Ausstattung aufweisen, unterteilt die KGSt sie in Gruppen. Als entscheidendes Kriterium für einen Vergleich wird die Anzahl der Instruktionen benutzt, die eine Zentraleinheit in einer Sekunde ausfahren kann (sogenannte KIPS-Werte). 7) So zählt zum Beispiel eine Siemens 7.755 mit einem KIPS-Wert 540 zur Gruppe 3 (mittlerer Wert), eine IBM 3033, KIPS-Wert 4.600, zur Gruppe 5 (hoher Wert). Aus dem Vergleich der Zugehörigkeit der kommunalen Datenzentralen zu den einzelnen KIPS-Gruppen in den Jahren 1978 und 1980 ergibt sich, wie anders nicht zu erwarten war, ein Trend zu größeren und schnelleren Computern.

Der KGSt-Bericht enthält auch Untersuchungen über die eingesetzten Programmiersprachen und Betriebssysteme. Fast alle bekannten Programmiersprachen sind vertreten; mit 43 Prozent überwiegt Cobol vor Assembler mit 38 Prozent. Bei den eingesetzten Betriebssystemen fällt bei Siemens auf, daß zum Beispiel BS1000 noch mit 22 Installationen vertreten ist, BS2000 dagegen erst mit drei (Stand 1. 7. 1980).

Von 75 zur Untersuchung ausgewählten Datenzentralen setzten 1980 45 ein Datenbanksystem ein. 1978 waren es erst 40.

Im Jahre 1980 hatte sich der Personalbestand im Durchschnitt aller untersuchten Datenzentralen gegenüber 1978 um sieben Prozent erhöht, wobei der Anteil der Programmierer beziehungsweise Organisatoren stagnierte. Die 75 Datenzentralen, die hierbei untersucht wurden, beschäftigten am 1. 7. 1980 insgesamt 4028 Beamte und Angestellte (Zahlen nach den Stellenplänen).

Die Verteilung der EDV-Aktivitäten der Kommunalverwaltung auf die einzelnen Anwendungsbereiche (Aufgabengebiete), wie Personalwesen, Finanzwesen oder Einwohnerwesen (diese drei Sparten beanspruchten 1980 zwei Drittel der Kapazitäten), ist in den beiden Jahren ziemlich unverändert geblieben.

Die Kommunale Gemeinschaftsstelle schließt ihren Untersuchungsbericht mit dem Wunsch, daß die veröffentlichten Zahlen dazu beitragen mögen, die kommunale EDV-Landschaft in ihrem Wandel zu verdeutlichen.

*Heinrich Adolphs ist Verwaltungsrat bei der Kreisverwaltung in Siegburg.

1) Die KGSt ist eine auf wissenschaftlicher Grundlage arbeitende Gemeinschaftseinrichtung der kommunalen Spitzenverbände in der Bundesrepublik (Deutscher Städtetag, Deutscher Städte- und Gemeindebund, Deutscher Landkreistag).

2) Bericht Nr. 18/1981 vom 17. November 1981, 84, Seiten DIN A4

3) Die Ergebnisse von 1978 waren mit Bericht Nr. 5/1979 veröffentlicht worden. Dieser Bericht konnte noch keine Trends aufzeigen. Für 1982 ist eine abermalige gleichartige Untersuchung beabsichtigt, so daß die Entwicklung der kommunalen Datenverarbeitung kontinuierlich aufgezeigt werden kann.

4) Ähnlich sieht es bei den direkt angeschlossenen Druckeinheiten aus. Hier gab es noch vor zwei Jahren nur eine Datenzentrale, die 30 dezentrale Drucker (auch Hardcopygeräte) einsetzte. Diese Zahl stieg auf fünf. Und die Ausstattung geht jetzt bis zu einer Zahl von zweihundert Druckern.

5) Die Rechtsformen der kommunalen Zusammenarbeit sind vielfältig: Anstalt oder Körperschaft des öffentlichen Rechts, Zweckverband, BGB-Gesellschaft, öffentlich-rechtliche Vereinbarung.

6) Der KGSt-Bericht enthält eine Aufstellung, über welche Installationen die untersuchten Datenzentralen im einzelnen verfügen.

7) Kilo Konstruktionen pro Sekunde (= KIPS)