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31.03.1989 - 

Automatisierte Planung und Steuerung als Existenzsicherung, aber:

Bei der Betriebsdatenerfassung werden vom Unternehmen Zugeständnisse verlangt

Betriebliche Planung und Steuerung - ein Schlagwort oder eine Notwendigkeit, fragt Richard Kalmbach.* Keinen Zweifel bei der Antwort hatte das Unternehmen, für das er arbeitet: Die Investition in ein PPS-System wurde als Überlebensstrategie verstanden. Ein detaillierter Anforderungskatalog half bei der Produktsuche. Doch bei der BDE-Einführung schaltete der Betriebsrat die Ampeln auf Rot. - In diesem Punkt war von der Unternehmensseite Kompromißdenken gefordert.

Viele unterschiedliche ausländische Bestimmungen und Normen sowie die Vielfalt an Spannungen, die weltweit anzutreffen sind, haben dazu geführt daß unsere Produktpalette sich im letzten Jahrzehnt vervielfacht hat. Aus anfänglich wenigen Bausteinen die generell auf Lager gefertigt wurden, haben sich ganze Produktreihen gebildet, die nur noch auftragsgebunden gefertigt werden können. Will man unter diesen Voraussetzungen eine hohe Lieferbereitschaft sicherstellen, führt dies zu einer unerträglichen Kapitalbindung im Lager. Nur bei einer äußerst genauen Materialwirtschaft und einer sehr flexiblen Fertigung kann ein längerfristiges Bestehen am Markt gesichert werden. Aus den angeführten Gründen wurden die wichtigsten Teile unserer Fertigung schon Anfang der 70er Jahre auf NC- beziehungsweise CNC-Maschinen umgestellt. Etwa zur selben Zeit wurde mit einer Materialsteuerung auf einer kleinen EDV-Anlage begonnen. Zu diesem Zeitpunkt waren Direktzugriffspeicher noch sehr teuer und auf Kleinanlagen nicht verfügbar. Es mußte alles der Reihe nach abgearbeitet werden, was zur Folge hatte, daß einmal wöchentlich eine Lagerverarbeitung erfolgte. Danach standen dann neue Bestandslisten zur Verfügung. Da Listen bei einem laufenden Betrieb in der Regel zum Zeitpunkt des Ausdruckes bereits überholt sind, war dies keine Lösung von Dauer.

Aus diesem Zwang heraus fiel Anfang des Jahres 1984 die Entscheidung, ein Planungs- und Steuerungssystem zu installieren, welches eine optimale Betriebssteuerung gewährleisten konnte.

Folgende Forderungen wurden gestellt:

1. Durchgängigkeit sowohl im kaufmännischen, als auch im technischen Bereich.

2. Laufende Zugriffsmöglichkeit auf

Bestände

3. Zeit- und Terminplanung.

4. Ermittlung der Kapazitätsauslastung.

5. Automatisierung des Kundenauftragswesens.

6. Automatisierung des Fertigungsauftragswesens.

7. Genaue Materialplanung und damit Verminderung des Lagerbestandes.

Die Wahl fiel auf das von der Planat vertriebene Programm zur Fertigungssteuerung "FEPA". Das Programm ist modular aufgebaut und kann auch in Teilbereichen eingesetzt werden. Es wurden zunächst folgende Teile installiert:

1. Stammdatenverwaltung

2. Kundenauftragswesen

3. Fertigungssteuerung

4. Materialwirtschaft

Auf die Programmteile Bestellwesen und Betriebsdatenerfassung wurde zunächst verzichtet.

Das Programm wurde auf einem DEC 11/24-Mehrplatzrechner mit Betriebssystem RSX installiert. Anfänglich waren fünf Terminals sowie drei Drucker eingesetzt. Im Sommer 1984 wurden dann Testläufe und Programmanpassungen durchgeführt. Ab Herbst 1984 wurde die Kundenauftragsbearbeitung auf dem neuen System begonnen. Die technische Betriebssteuerung mit EDV wurde im ersten Halbjahr 1985 eingeleitet. Insbesondere in diesen Phasen braucht der Anwender Unterstützung vom Software-Haus. Dabei zeigt sich, ob die vor dem Vertragsabschluß zugesagten Hilfen eingehalten werden. Über diesen Punkt kann ich nur Positives berichten.

Unsere Betriebsorganisation beinhaltet drei Fertigungskreise:

1. Die Lagerfertigung unserer Serienerzeugnisse (die Disposition erfolgt durch die Geschäftsleitung)

2. Die auftragsgebundene Kundenfertigung (die Disposition erfolgt direkt von der Kundenauftragsbearbeitung)

3. Die Einzelteil- und Baugruppenfertigung, welche aus der Lagerbestandsführung der beiden erstgenannten Fertigungskreise resultiert

Unser derzeitiges Lagervolumen beinhaltet zirka 2000 Artikel der Beschaffung und zirka 400() Artikel der Eigenfertigung. Weitere 9000 Ausführungsvarianten sind zur Zeit im Datenbestand und können jederzeit abgerufen werden. Da es sich weitgehend um ein Bausteinsystem handelt, unterliegen viele Teile einer Mehrfachverwendung. Über das Programmteil Materialwirtschaft wird bei Erreichen einer Mindestbestandsmenge für die Kaufteile ein Beschaffungsvorschlag und für die Fertigungsteile ein Produktionsvorschlag erstellt. Mit diesen Daten können die Disponenten reagieren und die Beschaffung beziehungsweise die Fertigung veranlassen. Die Steuerung über den Mindestbestand birgt natürlich Gefahren in sich. Ein zu groß gewählter Mindestbestand führt zu einer Aufblähung des Lagerbestandes und damit zur unnötigen Kapitalbildung. Ein zu klein gewählter Mindestbestand führt zu Produktionsstörungen, was meistens noch schlimmer ist. Nachdem die Materialsteuerung gut lief, sollte als nächster Schritt die Kapazitätsplanung geführt werden. Hierbei zeigte sich recht schnell, daß mit der herkömmlichen Zeitrückmeldung ohne Betriebsdatenerfassung kein Planen möglich ist. Die Einführung der Betriebsdatenerfassung scheiterte zunächst an unserem Betriebsrat.

Deshalb wurde als nächster Schritt das Bestellwesen in das Programm integriert. Dies bereitete weiter keine Schwierigkeiten.

Die tarifliche Arbeitszeitverkürzung zum 1. 4. 1988 brachte erneut

Überlegungen zur Arbeitszeitgestaltung mit sich. Von unserem Betriebsrat wurde der Wunsch nach Gleitzeit auch im gewerblichen Bereich geäußert (in der Verwaltung haben wir schon einige Jahre Gleitzeit). Da wir keine verketteten Arbeitsplätze haben, wurden von der Betriebsleitung keine Bedenken angemeldet, sofern die Zeiterfassung automatisch erfolgt. Wir erreichten eine Betriebsvereinbarung, daß mit Einführung der Gleitzeit die Betriebsdatenerfassung eingeführt wird. Inzwischen wird die Anwesenheitszeit über Terminals mit Bar-Code-Lesern ermittelt. Die Daten laufen über eine V24-Schnittstelle auf den Rechner.

Abschließend möchte ich bemerken, daß die geschlossene Organisation sich auch positiv auf die betriebliche Zusammenarbeit auswirkt. Der erlaubte Zugriff auf Daten aus anderen Abteilungen macht den Betriebsablauf durchschaubarer.

Das Unternehmen

Die Georg Hegwein GmbH & Co. KG. Stuttgart. ist ein Kleinunternehmen mit Sitz in Stuttgart-Feuerbach mit zirka 50 Beschäftigten. Bei dem Herstellungsprogramm handelt es sich um Sicherheits- und Regeleinrichtungen für die Industriefeuerung. Die Erzeugnisse kommen sowohl in Großanlagen der Energieversorgung und Verfahrenstechnik als auch im allgemeinen Ofenbau zum Einsatz. Durch die Zulieferung in den Großanlagenbau ergibt sich ein indirekter Exportanteil von zirka 25 Prozent.