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13.12.1991 - 

Wichtigstes Kriterium ist der Marktverbleib

Bei der DB-Auswahl gehen Anwender auf Nummer Sicher

Im Rahmen einer Examensarbeit ermittelte Frank Stenger*, welche Kriterien in der Praxis bei der Auswahl von Datenbanksystemen eine Rolle spielen. Der Autor befragte dabei Anwender aus den Bereichen Banken, Industrie, Behörden und Dienstleistungsunternehmen. Besonders wichtig, so stellte sich heraus, ist für Anwender die Frage: Kann sich das Produkt am Markt halten?

Der Datenbank-Auswahlprozeß ist auf Anwenderseite überwiegend von strategischen und subjektiven Überlegungen geprägt. Nur in den seltensten Fällen werden umfangreiche technische Detailuntersuchungen angestellt - zu groß sind Zeit- und Kostenaufwand. Zudem fehlt häufig das erforderliche Detailwissen. Generell ist anzumerken: Die isolierte Betrachtung eines einzelnen Datenbanksystems findet kaum mehr

statt.

In dem Bestreben, die Datenbank in ein integriertes Gesamtsystem einzubinden und bestehende Insellösungen abzubauen, wird das System in der Regel in Verbindung mit der künftigen Umgebung gesehen. Häufig engen schon von vornherein unterschiedliche Zwänge die Auswahl ein, Zwänge können sich zum Beispiel durch Management-Vorgaben, durch die in einem Unternehmen eingesetzte Hard- und Software, durch kooperative Software. Entwicklung mit anderen Firmen oder auch durch ein beschränktes finanzielles Budget ergeben.

Meine Marktuntersuchung ergab folgende strategische Auswahlkriterien:

- Das Produkt sollte mit hoher Wahrscheinlichkeit die nächsten zehn Jahre am Markt existieren (Marktverbleib).

- Eine hohe Systemverbreitung zeigt, daß das System vom Markt positiv aufgenommen wurde. Eine langfristige und kontinuierliche Kundenbetreuung ist wahrscheinlich.

- Herstellerunabhängigkeit:

Die Datenbank sollte weder an eine bestimmte Hardware noch allzu eng an die herstellertypische Datenbankumgebung gebunden sein. Hintergrund dieser Überlegung ist das Anliegen, bei Dezentralisierungsprojekten die Hardware frei wählen zu können und die Systemvielfalt im Unternehmen zu reduzieren. Außerdem sollten Hardware und Datenbanksystem nach Wunsch vieler Anwender weitgehend austauschbar sein nach Möglichkeit sogar so weit, daß bestehende Anwendungen nicht beeinträchtigt werden.

Andererseits zeigt sich aber auch: Eine Reihe von Unternehmen sucht bewußt die langfristige Zusammenarbeit mit einem potenten Hersteller, der Hardware und Datenbanksystem aus einer Hand anbietet und der auch bei Einführung, Wartung und Schulung unterstützt. Diese Anwender wollen einen Ansprechpartner für alle Belange haben und nehmen die damit verbundene einseitige Abhängigkeit in Kauf.

- Ein strategisches Kriterium ist auch die Entwicklungsumgebung. Das Datenbanksystem muß Eigenschaften wie hohe Integrationsfähigkeit, einheitliche grafische Benutzeroberfläche, SQL-Schnittstelle, 4GL-Sprache und ein aktives Data Dictionary mitbringen. Fehlende Standardisierung und hoher Entwicklungskomfort stehen vor allem dann in Widerspruch zueinander, wenn es um die Auswahl einer 4GL geht. Die Gefahr einer erhöhten Abhängigkeit vorn Datenbankanbieter droht.

- Anwender erwarten einen guten und schnellen Service bei technischen Problemstellungen. Dieser Aspekt wird um so wichtiger, je mehr ein Unternehmen in erster Linie auf die hohe Verfügbarkeit der Datenbank angewiesen ist.

Auf dem Gebiet der echt verteilten Datenbanken ist momentan eine gewisse Zurückhaltung beim Anwender zu erkennen. Mittel- und langfristig werden diese Systeme aber verstärkt an Bedeutung gewinnen. Gegenwärtig konzentrieren sich Bemühungen der Anwender auf die Realisierung des Client-Server-Konzeptes.

Ein solches Konzept geht im Sinne der befragten Anwender von einer zentralen Datenspeicherung auf einem Server, jedoch dezentraler Abfrage und Manipulation gemeinsam benutzter Daten durch Clients (Arbeitsstationen mit eigener Intelligenz) aus (Remote Database Access).

Der Einfluß der subjektiven Kriterien

Neben den strategischen haben auch subjektive Kriterien Einfluß auf die Entscheidung für oder gegen ein Datenbanksystem. Für den Entscheidungsträger ist dabei vor allem wichtig, wie er sich gegen mögliche Kritik absichern kann, falls sich herausstellen sollte, daß die Datenbankentscheidung falsch war.

Er wird sich am leichtesten rechtfertigen können, wenn er einem Datenbankhersteller den Zuschlag erteilt, dessen Fachkompetenz allgemein anerkannt ist. Aus diesem Grunde neigen viele Entscheider dazu, sich im Zweifelsfalle für das Produkt des renommierteren Herstellers zu entscheiden, selbst wenn ein Konkurrenzprodukt aus technologischer Sicht höher zu bewerten ist.

Zu den wichtigen subjektiven Kriterien zählen auch die Erfahrungen, die ein Anwender in puncto Zusammenarbeit mit einem Anbieter und der Zuverlässigkeit der Mitarbeiter gemacht hat. Dabei drückt sich Zuverlässigkeit unter anderem darin aus, daß sich der Hersteller nicht nur an schriftliche sondern auch an mündliche Zusagen hält.

Negativ wirkt sich aus, wenn mitunter aus betrieblichen Zwängen - Versprechungen gemacht werden, die sich später nicht einhalten lassen. Bei kleineren Anwendern spielen auch Prestigegründe eine Rolle: Mitunter wird ein Produkt ausgewählt, weil es der Konkurrent ebenfalls benutzt.

Bei den technischen Kriterien steht die Performance eines Systems oben an. Anwender wollen durch akzeptable Antwortzeiten zufriedengestellt werden - ein Anspruch, der in den letzten Jahren deutlich gewachsen ist. Die Beurteilung der Leistungsfähigkeit eines Systems ist jedoch problematisch, weil der Datendurchsatz von unterschiedlichen Faktoren abhängt.

Die Beurteilung der Leistungsfähigkeit

Zu diesen Faktoren zählen unter anderem Anwendungsdesign, Leistungsfähigkeit von Hardware, Betriebssystem oder externen Speichermedien, Sperrverhalten des Datenbanksystems, Optimierung der Input-Output-Operationen und das Datenbankdesign. Ergebnisse standardisierter Benchmarks sind daher kaum auf eigene Anwendungen zu übertragen.

Elementare Grundanforderungen an ein Datenbanksystem sind außerdem hohe Zuverlässigkeit und Ausfallsicherheit, vor allem bei Unternehmen, die auf eine hohe Datenverfügbarkeit existentiell angewiesen sind. Faktoren, die hier eine Rolle spielen, sind Reorganisationsfreiheit, Erweiterung der Speicherkapazität oder der Datenbankstruktur ohne Betriebsunterbrechung, Möglichkeit zum Betrieb einer Schatten- oder Spiegeldatenbank und das Sicherungskonzept.

Suchwort Datenintegrität

Unter dem Stichwort Datenintegrität werden alle Fragen zusammengefaßt, die sich mit der Erhaltung der Korrektheit, Widerspruchsfreiheit und Vollständigkeit der abgelegten Daten beschäftigen. Datenintegrität sollte nicht allein der Verantwortlichkeit des Anwendungsprogrammieres unterstellt sein, das System sollte sie erzwingen und kontrollieren.

Das Thema wird relevant bei fehlerhaften Eingaben durch den Benutzer, konkurrierenden Zugriffen, dem Wiederanlauf nach System- oder Hardwareausfällen und bei verteilten Datenbanken. Verwaltungsinformationen und anwendungsbezogene Datenbestände, die in einem Datenbanksystem abgelegt sind, müssen vor unbefugten Zugriffen geschätzt werden können. In der Praxis ist der Datenschutz meistens außerhalb des Datenbanksystems angesiedelt. Der Zugang zur Hardware, zum Betriebssystem, zur Anwendung oder zu Programmen wird blockiert.

Anwendungen mit Benutzerführung schränken die Möglichkeiten des Anwenders ohnehin häufig ein. Um erfolgreich Tuning-Maßnahmen durchfuhren zu können, sind viele Anwender außerdem an geeigneten Meßinstrumenten zur Erhebung und Auswertung von Betriebs- und Leistungsdaten interessiert.

Die Analyse, wie stark der Einfluß der genannten strategischen, subjektiven und technischen Faktoren auf die Datenbankauswahl ist, hat zu folgen den Ergebnissen geführt: Bei den strategischen Kriterien ist der Marktverbleib des Produktes am wichtigsten. An zweiter Stelle stehen gemeinsam die Faktoren Systemverbreitung, Herstellerunabhängigkeit, Entwicklungsumgebung, Service, Restriktionen und Zukunftssicherheit des Konzeptes.

Nicht unwichtig sind die an dritter Stelle liegenden Faktoren: Welche langfristige Strategie verfolgt der Hersteller? Wie ist es um sein fachliches Know-how bestellt? Wird langfristig ein Konzept verteilter Datenbanken verfolgt? Wenig relevant sind dagegen der Preis des Systems und der Einführungs- beziehungsweise Umstellungsaufwand.

Klare Gewichtung ist nicht möglich

Eine klare Gewichtung der Faktoren ist bei den subjektiven Kriterien möglich: Die Verantwortung des Entscheidungsträgers wirkt sich am stärksten auf die Systemauswahl aus. Während auch die Erfahrungen des Datenbankanwenders eine gewisse Rolle spielen, haben Faktoren wie Zuwendungen durch den Datenbankhersteller (zum Beispiel in Form von Geschenken oder Einladungen) oder Prestigegründe eher einen untergeordneten Einfluß.

Im technischen Bereich achten die Anwender vor allem auf Performance, Betriebssicherheit und Datenintegrität. Datenschutz und die Verfügbarkeit von Meßistrumenten zur Systemüberwachung sind von nachgeordneter Bedeutung.

Auch die Frage, inwieweit sich die Anforderungen an ein Datenbanksystem und damit die Gewichtung der zugrundegelegten Auswahlkriterien von Branche zu Branche unterscheiden, war Gegenstand meiner Untersuchung.

Grundsätzlich läßt sich feststellen, daß die zwischen den Branchen bestehenden Unterschiede insgesamt sehr gering ausfallen. Aussagen über typisch branchenspezifische Datenbankanforderungen sind dabei nur bedingt möglich.

Besondere Branchenanforderungen lassen sich vorwiegend im technischen Bereich festmachen. In der Industrie besteht zum Beispiel Bedarf an der effizienten Verwaltung komplexen Objekte (chemische Strukturen, Stücklisten), die sich mit relationalen Datenbanken nur unzureichend abbilden lassen.

Aus diesem Grund sind hier mitunter Spezialdatenbanken im Einsatz.

Obwohl die Unterschiede der Branchenanforderungen nur gering sind, möchte ich im folgenden die technischen Kriterien darstellen, die für verschiedene Bereiche wichtig sind. Typische Anwendungen für Banken sind wenig rechenintensiv, dafür ist die Verwaltung großer Datenmengen nötig. Grundanforderungen stelle deshalb die Sicherstellung der Datenintegrität, eine hohe Betriebssicherheit, ein ebenfalls hoher Durchsatz, der Datenschutz und die Eignung zur Massendaten-Haltung dar.

In der Industrie kommen häufig von Abteilung zu Abteilung unterschiedliche Datenbanksysteme und Hardwareplattformen zum Einsatz. Technische Grundanforderungen sind in erster Linie ein hoher Durchsatz, kurze I/O-Wartezeiten, Eignung für den 24-Stunden-Betrieb und die effiziente Verwaltung komplexen Datenobjekte. Den Behörden wiederum geht es vor allem um akzeptable Antwortzeiten, Massendaten-Haltung und Datenschutz. Dienstleister legen dagegen zunächst Wert auf eine hohe Verfügbarkeit sowie darüber hinaus auch auf akzeptable Antwortzeiten und die Eignung zur Massendaten-Haltung.

Bei der Frage, ob es branchenspezifische Datenbankanforderungen gibt, komme ich zu folgendem Schluß: Solche Anforderungen sind zwar ansatzweise erkennbar, doch de facto wird kaum ein Unternehmen seine Datenbankentscheidung allein aufgrund der Branchenzugehörigkeit fällen. Meistens liegen in den Unternehmen rein firmenspezifische Anforderungen vor, die bei der Entscheidung zusätzlich Berücksichtigung finden sollten. Mit zunehmender Größe eines Unternehmens lassen sich branchenspezifische Datenbankanforderungen immer weniger erkennen, da das Einsatzspektrum für Datenbanken und damit die Anforderungen immer größer werden.