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22.06.1979 - 

Praxisbezogene Ausbildung nach britischem Vorbild:

Bei der Fachhochschul-Informatik liegt Bayern vorn

Da die Ausbildung an den Fachhochschulen seit deren Gründung auf Praxisnähe ausgerichtet ist, enthalten die Lehrpläne für die Fachrichtung Betriebswirtschaft von Anfang an die Fächer Organisation und Datenverarbeitung. Das war bereits bei den Vorgängerschulen, den Höheren Wirtschaftsfachschulen, der Fall, wurde aber insofern noch verstärkt, als außer einer Grundausbildung in diesen Fächern für alle Studenten im Hauptstudium ein Studienschwerpunkt "Organisation und Datenverarbeitung" geschaffen wurde, für den sich interessierte Studenten wahlweise entscheiden können.

Das Interesse für diesen Schwerpunkt ist groß, da graduierte Betriebswirte mit theoretischen und praktischen Kenntnissen in Organisation und Datenverarbeitung gute Einstellungs- und Entwicklungschancen in der Wirtschaft haben. Auch Studenten anderer Schwerpunkte (Marketing, Rechnungswesen, Personalwirtschaft, Tourismus) nutzen die Chance, zusätzlich das Wahlpflichtfach EDV zu belegen, weil sie erkennen, daß Grundkenntnisse auf diesem Gebiet für jeden jungen Betriebswirt unerläßlich sind.

Nach dem Vorbild der britischen Polytechnics haben die bayerischen Fachhochschulen seit ihrer Gründung 1971 eine "praxisbezogene Ausbildung auf wissenschaftlicher Grundlage" angestrebt und, um die gegenüber den Vorgängerschulen vorgenommene Verkürzung der Ausbildung nicht zu Lasten der Praxisnähe vorzunehmen, in das Studium zwei sogenannte praktische Studiensemester eingebaut. Damit wurde erstmals im Hochschulbereich der Bundesrepublik eine "integrierte duale Ausbildung" geschaffen, die sich dadurch auszeichnet, daß der Student außer sechs theoretischen Semestern zwei praktische Studiensemester außerhalb der Fachhochschule in Betrieben, Verwaltungsdienststellen oder sonstigen Institutionen ableisten muß.

Mit dem "Bayerischen Modell" sollen vor allem folgende Ziele verwirklicht werden:

- Integration von Theorie und Praxis in einem in sich abgeschlossenen Studium,

- Schnelle und gezielte Hinführung des Studenten zur Berufsfähigkeit

- Angebot eines international anerkannten Vollstudiums von acht Semestern auf wissenschaftlicher Grundlage.

- Leistung eines Beitrags zur Lösung akuter bildungs- und gesellschaftspolitischer Probleme, wie sie sich aus der divergenten Entwicklung von Universitäten und Berufspraxis besonders in den sechziger Jahren abgezeichnet haben.

Die Integration der praktischen Studiensemester ist in Bayern insofern konsequent erreicht worden, als der Student auch während seines praktischen Studiensemesters, in dem er seinen Ausbildungsort von der Hochschule in den Betrieb verlegen muß, den Studentenstatus mit allen Rechten und Pflichten behält und zusätzlich durch einen Ausbildungsvertrag dem Betrieb gegenüber zur Wahrnehmung der Ausbildungsmöglichkeiten, zur Einhaltung der Arbeitsordnung und zur Übernahme weiterer, für die erfolgreiche Ausbildung erforderlichen Pflichten gebunden ist. In der Fachrichtung, Betriebswirtschaft liegen die praktischen Studiensemester im 3. und 6. Semester und dauern je 20 Wochen. Um eine möglichst nahtlose Verbindung zwischen theoretischem Studium und praktischer Ausbildung herzustellen, werden praxisbegleitende Lehrveranstaltungen als Studientage (einmal wöchentlich) oder als Blockveranstaltungen vor Beginn (Einführungsblock) und nach Beendigung des Praktikums (Abschlußblock) durchgeführt. In diesen Lehrveranstaltungen werden Fächer beziehungsweise Themenkreise behandelt, die in unmittelbarem Bezug zur praktischen Ausbildung stehen. Hierzu werden vorzugsweise Lehrbeauftragte aus den Ausbildungsbetrieben berufen.

Das Modell hat sich in den sechs Jahren seit seiner Einführung voll bewährt, obwohl anfangs einige Schwierigkeiten zu überwinden waren. Die bayerische Wirtschaft hat es während dieser Zeit in steigendem Maße unterstützt. Viele Betriebe haben erkannt, daß die praktischen Studiensemester ein hervorragendes Mittel sind, die Studenten mit den Problemen der Praxis vertraut zu machen und ihnen die besonderen Schwierigkeiten zu zeigen, die bei der Umsetzung theoretischer Kenntnisse in die betriebliche Wirklichkeit bestehen. Darüber hinaus ergibt sich durch die lockere und zunächst unverbindliche Einordnung des Studenten in den Betrieb eine ausgezeichnete Möglichkeit des Sich-kennen-Lernens.

Die Praxis hat bisher gezeigt, daß aus diesem zweiten praktischen Studiensemester viele erfolgreiche Anstellungsverhältnisse entstanden sind und das Einstellungsrisiko für beide Seiten erheblich gesenkt werden konnte.

*Dr. Heinz Joschke ist Professor an der Fachhochschule München