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IT in Versicherungen/Wo Cash übers Netz geht

Bei der Würzburger Unfall bezahlen Kunden mit virtuellem Geld

02.07.1999
Das Geschäft zieht gerade wieder an. Wie jedes Jahr zu Beginn der Sommerreisezeit kaufen sich Urlauber in letzter Minute noch rasch ihre Krankenversicherung für das Ausland ein - heutzutage online am PC. Und bei der Würzburger Unfallversicherung bezahlen sie genauso modern wie sie einkaufen - mit virtuellem Geld. Gabriele Reckinger* berichtet.

Die Würzburger Unfall ist derzeit noch die einzige Versicherung, die ihren Web-Kunden ohne lästige Papierwege die Police aushändigt. "Das kann sich allerdings täglich ändern", bewertet Thorsten Schultheis, IT-Manager des Spezialversicherers, den Vorsprung.

Beim Bezahlen stehen den Kunden zwei konkurrierende Verfahren zur Verfügung: E-Cash und Cyber-Cash (siehe Kasten "Elektronisches Geld"). Mit ausgedehnten Tests sind die Großbanken, die auch das virtuelle Geldgeschäft in ihren Händen halten wollen, dem Kundeninteresse auf der Spur.

Die elektronischen Geldsysteme unterscheiden sich in Grundzügen: E-Cash, ein Produkt der niederländischen Firma Digi-Cash, wird von der Deutschen Bank favorisiert. Es funktioniert wie eine gefüllte Geldbörse. Die digitalen Münzen verwahren die Nutzer jedoch nicht in der Hosentasche auf sondern auf der Festplatte ihres PCs.

Das Alternativsystem Cyber-Cash, das von der Dresdner Bank und ihren Partnern unterstützt wird, arbeitet zur Bezahlung kleiner Summen mit drei unterschiedlichen Software-Paketen. Der Kunde benutzt die "Wallet-Software", der Händler setzt die "Cash-Register"-Software ein, und die Bank ist mit dem "Cyber-Cash-Gateway" vertreten. Im Gateway laufen alle Transaktionen zusammen; der dortige Rechner enthält die gesamte Systemlogik.

Beide Verfahren haben Stärken und Schwächen. Als besonderen Vorteil stellt E-Cash den Persönlichkeitsschutz des Kunden heraus. Anonymität wird großgeschrieben, wie im richtigen Leben beim Bezahlen mit Bargeld. Weder der Händler noch die Bank erhalten Informationen darüber, wie der Kunde sein Geld ausgegeben hat. Damit bildet dieses münzbasierte System mit Banknoten und Münzen nach.

Das Konkurrenzverfahren Cyber-Cash ist ein kontenbasiertes Zahlungssystem, das in den USA bereits mit einigen tausend Händlern erprobt wird. Es läßt zu, daß Kundenprofile erstellt werden. Die immer wieder geäußerte Angst des gläsernen Kunden erhält so neue Nahrung.

Das Bezahlen mit digitalem Geld steckt zwar noch in den Kinderschuhen, aber ein Anfang ist gemacht. Und so können Internet-freudige Versicherungskunden auch dabeisein und auswählen. "Erfahrungsammeln ist alles", sagen sich nicht nur IT-Manager wie Schultheis, sondern auch Privatmenschen mit Sinn für neue Technologien.

Doch auch ohne virtuelles Geld ist die Online-Police bei den Würzburgern möglich. Dann erteilt der Internet-Kunde einfach die Erlaubnis zum Bankeinzug. "Kleiner Einsatz, große Wirkung", freut sich Stefanie Reußner, Marketing-Managerin bei der Würzburger Unfall, über den Erfolg des Internet-Auftritts. Lediglich vier bis fünf Mann- Tage investierte IT-Fachmann Schultheis, dann hatte er die klassische Homepage um diesen Knüller ergänzt. Vier kleine Softwareprogramme wickeln nun den Bezahlvorgang mit E- und Cyber-Cash ab.

Aus der Uhrzeit, dem Betrag, dem Kundennamen und weiteren Sicherheitskomponenten werden Ziffernfolgen generiert, die beispielsweise die Bank zu prüfen hat, bevor echtes Geld von Konto zu Konto fließt.

Online-Geschäfte sind ein Sommerhit

Dennoch kommen höchstens fünf Prozent der Verträge übers Internet zustande, 95 Prozent hingegen weiterhin auf dem klassischen Weg über Makler und freie Vermittler. "Die Abschlüsse sind nicht so üppig, daß wir davon leben könnten", rückt Reußner die Relationen zurecht. Doch in den Monaten Juni, Juli, August rappelt''s im Karton. Dann zeigt die Statistikkurve für die Online-Aktivitäten steil nach oben.

"Darüber hinaus ist die Öffentlichkeitswirkung unseres Internet-Auftritts enorm", sagt die Marketing-Frau. "Und darauf kommt es genauso an wie auf das tatsächliche Geschäft." Die kleine Würzburger Unfall habe bis dato kaum jemand gekannt, doch das beginne sich nun zu ändern.

Die wachsende Aufmerksamkeit kommt auch dem traditionellen Vertrieb zugute. Da die Würzburger weder auf einen festen Außendienst noch auf den Direktvertrieb bauen kann, sondern auf freie Makler angewiesen ist, sind spektakuläre PR-Aktionen besonders nützlich.

Für IT-Manager Schultheis ist die Erfahrung mit diesem Vertriebskanal ein entscheidender Grund für die Neuprägung der Web-Site: "Uns geht es darum, Erfahrungen zu sammeln und der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein."

Seit zwei Jahren ist die Würzburger im Netz. Und fast die gesamte Zeit bietet sie ihren Kunden die Möglichkeit, elektronisch zu zahlen. Zuerst kam das E-Cash-Verfahren, dann Cyber-Cash. Unterstützung holte sich die Versicherung dafür bei der Unternehmensberatung Ideas To Market (ITM) aus Düsseldorf.

Von Anfang an war klar, daß für Online-Abschlüsse nur ein- fache, sehr leicht verständliche und preiswerte Produkte in Frage kommen. "Eine Lebensver- sicherung ist viel zu beratungs- intensiv", sagt Reußner. Sie sei da mit der Mehrzahl der Kollegen in der Assekuranz einer Meinung. Erste Versuchskaninchen für den Online-Verkauf sind die Standardausführung einer Unfall- sowie die Auslandsreiseversicherung.

Während große Versicherungsunternehmen die Internet-Präsenz auf eigenen Rechnern betreiben, nimmt die Würzburger die Dienste eines Internet-Service-Providers (ISP) in Anspruch. "Die Domain kostet dann nur 50 bis 100 Mark im Monat", erklärt Schultheis. Die Würzburger verläßt sich auf den ISP Schlund & Partner (www.schlund.de).

Außerdem ließe die Größe des Hauses auch kein eigenes Internet-Team zu. Der IT-Manager, der das firmeninterne PC-Netzwerk, gestützt auf eine Oracle-Datenbank, betreut, kümmert sich auch um die Internet-Seiten. "Das ist der Spaßfaktor bei der Arbeit", witzelt er.

Marketing und Vertrieb

Klein, aber oho: Gemäß diesem Motto versucht das Unternehmen, auf sich aufmerksam zu machen. Es locken innovative Produkte wie der Ladylike-Tarif - eine erweiterte Unfallpolice, die auf Frauen zugeschnitten ist. So zahlt die Kasse auch bei frauenspezifischen Krebserkrankungen. Selbst kosmetische Operationen und therapeutische Hilfe sind in gewissem Umfang eingeschlossen.

Der Vertrieb der Policen erfolgt über freie Makler und Vermittler sowie Mehrfachagenten. Auf einen eigenen Außendienst verzichtet die Versicherung. Der Internet-Auftritt soll keine Konkurrenz zu den Maklern sein, sondern deren Arbeit unterstützen. Dazu sind in der neuesten Version der Internet-Seiten zum Beispiel Links zu den einzelnen Agenten vorgesehen. Ein Suchfeld nach dem nächstgelegenen Vermittler soll es dem Interessenten einfach machen. Es ist daran gedacht, daß auch die freien Vermittler die Online-Policierung im Kundenkontakt nutzen.

Die Würzburger

Die Würzburger Unfall-Versicherungs-AG ist seit zehn Jahren als Spezialpersonenversicherer im Markt tätig. Gemessen an ihrem Prämienaufkommen, ist sie ein kleiner Player im Gesamtmarkt, ein mittlerer Anbieter im Kreis der Unfallversicherer. Sie gehört zum Konzern ERC Frankona Rück, München. Dahinter wiederum steht der US-Riese General Electric.

Die Prämieneinnahmen der Würzburger von knapp 20 Millionen Mark entfallen auf Produkte wie die Einzel- und Gruppenunfall-, Freizeit- und Kinderunfall-, die Auslandsreisekranken- und die Brillenversicherung.

Elektronisches Geld

Die Lösungen für digitales Bezahlen, die in Deutschland getestet werden, unterscheiden sich vor allem darin voneinander, wie genau sie die Eigenschaften des realen Bargelds abbilden können. Das auffälligste Kriterium ist die Anonymität beim Bezahlen. Genau wie beim Tausch Ware gegen Bargeld will der Kunde in der Regel auch dem Online-Händler und gegenüber der Bank anonym bleiben. Als münzbasiertes System digitalen Geldes verspricht E-Cash genau diesen Vorteil. Die Echtheitsprüfung der elektronischen Münzen erfolgt anhand eines bestimmten Algorithmus.

Wer sich für die Einzelheiten interessiert, findet unter www.ecash-shops.de alle deutschen Geschäfte, die sich bereits das Schild "We accept E-Cash" an die Ladentür gehängt haben.

Einen Überblick über das moderne Zahlungsmedium verschaffen auch der Deutschen Bank Seiten im Internet (www.deutsche-bank.de). Die Stichworte E-Commerce und Zahlungssysteme/E-Cash führen zum Ziel. Für interessierte Händler oder Privatkunden gibt es dort allerlei Wissenswertes zum Thema sowie ein Anmeldeformular für bereits Entschlossene. Wer es lieber telefonisch wissen will: Die Kunden-Hotline unter 01805/224200 beantwortet Fragen direkt.

Die Konkurrenz ist hellwach und heißt Teilnehmer willkommen. Cyber-Cash ist genauso auskunftsfreudig wie E-Cash. Unter www.dresdner-bank.de, Stichwort "CyberCash", finden sich ausführliche Informationen zum System, seinen Komponenten und Hinweise zur Teilnahme. Eine aktuelle Händlerliste hält www.cybercash.de bereit. Zu den CyberCash-Banken, die den Einstieg ins elektronische Bezahlen bereits ermöglichen, zählen große Name: Dresdner Bank, Commerzbank und Hypovereinsbank sowie eine ganze Reihe von Sparkassen, so die Stadtsparkassen Köln und Düsseldorf, die Sparkassen Aachen und Gelsenkirchen. Auch die WestLB, die Landesbank Sachsen und die Landesbank Baden-Württemberg sind mit dabei.

Angeklickt

Bezahlen mit digitalem Geld ist bislang noch ungewöhnlich. Mehr oder minder als Marketing-Gag räumte die Würzburger Unfall ihren Kunden diese Möglichkeit ein. Sie können zwischen E-Cash und Cyber-Cash wählen. Das Angebot zeigt eine überraschend hohe Werbewirksamkeit, so daß auch der traditionelle Vertrieb davon profitiert.

*Gabriele Reckinger ist freie Journalistin in Tiefenbronn.