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13.05.1983

Bei DV-Investitionen wird es nie uninteressant, sich über Leasing Gedanken zu machen

Mit Ekkehard Schulz, Leiter der Sparte Computer-Leasing der Deutschen Leasing AG, sprach Nicole Winkler

- Herr Schulz, grundsätzlich hegt wohl jeder Leasingnehmer, speziell auch der von DV-Equipment, den Wunsch, bei Abschluß eines Leasingvertrages Kosten zu sparen. Ist es aber nicht vielmehr so, daß sich die anfallenden Kosten verlagern und im Endeffekt - also aufsummiert - dann doch eine höhere Belastung ergeben?

Hier stellt sich zunächst einmal die Frage, wie die EDV-Anlage bislang investiert wurde. Nach wie vor werden eine ganze Reihe von Computern zum Beispiel beim Hersteller gemietet. Dadurch aber, daß die Leasingrate günstiger ist als überlicherweise die Herstellermiete, hab der Anwender über Leasing die Möglichkeit, erhebliche Kosten einzusparen...

- . . . wobei das bei Großcomputern nicht mehr unbedingt der Fall ist.

Das stimmt so nicht. Es ist im Gegenteil so, daß die Hersteller, zum Beispiel auch IBM, den Kaufpreis ihrer Anlagen bei den Preisveränderungen der letzten Monate oder fast schon Jahre mehr gesenkt haben als den Mietpreis. So haben wir mit Leasing zum Beispiel bei der neuen 3083 einen Breakeven gegenüber der 48-Monats-Miete, der bei etwa 36 Monaten liegt. Das bedeutet andererseits, daß der Anwender seine Anlage über einen Leasingvertrag - bei gleicher Laufzeit wie der des IBM-Vertrages - um mehr als 20 Prozent günstiger mieten kann.

- Wird es durch die Preissenkungen nun nicht für den Anwender interessant, seine DV-Anlage über Kreditfinanzierung zu kaufen?

Grundsätzlich nicht. Dabei muß man natürlich zwei Dinge sehen: Einmal, wie lange soll der Computer im Unternehmen überhaupt eingesetzt werden. Lohnt es sich, zum Beispiel Eigenkapital oder eigenkapitalähnliche Mittel für ein Gerät einzusetzen, das man ohnehin nach einer gewissen Zeit - die normalen Planungszeiträume für DV-Anlagen liegen bei vier bis fünf Jahren - ersetzt, weil es größere, schnellere und bessere Anlagen gibt? Die zweite Frage, die zu stellen ist: Was kostet die Eigenkapitalfinanzierung, oder was kostet die Finanzierung mit Eigen- und Fremdmitteln unter Berücksichtigung der Folgekosten? Es ist ja nicht damit getan, daß man die Investitionssumme durch den Abschreibungszeitraum - der für EDV-Anlagen fünf Jahre beträgt - teilt und so die jährlichen Kosten ermittelt. Hinzu kommen zum Beispiel die Fremdkapitalzinsen und der aufgrund der Aktivierung in der eigenen Bilanz entstehende Aufwand, wie zum Beispiel Steuern.

- Bei Vergleichsrechnungen - Kauf/Leasing - kommt also heraus, daß Leasing kostengünstiger ist?

Wenn man alle Kosten gegenüberstellt, ist Leasing nicht teuerer als Kauf, häufig jedoch sehr viel günstiger.

- Welche Gründe sprechen außer den Kostenvorteile dafür, eine Anlage zu leasen statt zu kaufen?

Die Vorteile, wenn ein Computer geleast wird, liegen im Grunde auf der Hand: Zum einen kann der Anwender mit der Leasinggesellschaft einen flexibleren Vertrag schließen, als wenn er sich für Kauf entschließt. Über Leasing hat er beispielsweise die Möglichkeit, kündbare Verträge abzuschließen. Das kann bedeuten, daß eine Anlage auch innerhalb der Vertragslaufzeit ausgetauscht werden kann. Der zweite Punkt ist, daß das Equipment jederzeit über den Leasingvertrag aufgestockt und erweitert werden kann. Des weiteren erlauben Leasingverträge, die Kosten den jeweiligen Budgetanforderungen anzupassen. Insgesamt können so die finanziellen Belastungen flexibel gestaltet werden. . .

- . . . wobei das über Kreditfinanzierung ebenfalls möglich ist.

Kaum. Erstens ist eine hundertprozentige Fremdfinanzierung betriebswirtschaftlich grundsätzlich nicht möglich. Man kann zwar sagen: Diese eine Maschine habe ich zu 100 Prozent mit Fremdkapital finanziert. Das heißt aber dann, daß für eine andere Investition eine entsprechend höhere Eigenfinanzierung gegeben sein muß, denn die Bilanzrelation in bezug auf die Eigenkapitalausstattung muß ja in jedem Fall gewahrt bleiben oder sollte es zumindest. Zweitens sind die Kosten durch die Abschreibung in Höhe von 20 Prozent jährlich vorgegeben. Da gibt es also keine großen Gestaltungsfreiräume, auch die degressive AfA bringt für DV-Geräte nicht viel.

- Angenommen, der Anwender hat "Geld übrig", ist liquide, was kann für ihn an Leasing attraktiv sein?

Leasing ist grundsätzlich nicht für Firmen geeignet, die Liquiditätsschwierigkeiten haben.

Man muß davon ausgehen, daß die Unternehmen, die ihren Computer leasen, dies nicht nur aufgrund des Finanzierungseffektes tun, sondern daß gerade für diese Investition Leasing aus betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten die interessantere Lösung ist. Dabei spielt zum Beispiel auch eine Rolle, wie hoch die Eigenkapitalrendite des Unternehmens ist oder die Mittel in anderen Unternehmensbereichen sinnvoller eingesetzt werden können.

- Lohnt Leasing denn auch bei kleineren Anlagen?

Jetzt müssen wir uns erst einmal darüber einigen, wo kleinere Anlagen anfangen. Small-Business-Computer der Größenklasse bis 300 000 Mark sind beispielsweise Geräte, die wir sehr häufig vermieten. Die finanziellen Vorteile bei Leasing sind für das Unternehmen, das zum Beispiel eine /34 einsetzt, genauso wesentlich, als wenn einen andere Gesellschaft zum Beispiel eine 3083 anschafft. Insofern kann man nicht sagen, daß Leasing bei einer bestimmten Größenordnung aufhört, interessant zu sein.

Für Leasinggesellschaften wird es allerdings uninteressant, wenn es sich um Miniobjekte handelt. Dennoch gibt es sicherlich auch einen Leasingmarkt für Mikros. Man muß da nur unterscheiden zwischen gewerblichen und privaten Anwendungen. Ich glaube kaum, daß es in naher Zukunft einen professionellen Leasingmarkt geben wird für privat genutzte Mikros. Im gewerblichen Bereich schaut die Lage jedoch anders aus. Hier kann der Anschaffungswert einer komplett ausgerüsteten Anlage durchaus Mittelklassewagengröße erreichen. Für einen kleinen Gewerbebetrieb wird diese preisliche Größenordnung genausoviel wert sein wie für ein anders geartetes Unternehmen die Kosten für einen Großcomputer.

- In den vergangenen Jahren sind die Preise für die reine Hardware teilweise erheblich gefallen. Die Softwarekosten stiegen dagegen überproportional. Hat der Anwender nun auch die Möglichkeit, seine Programme - nachdem ein DV-System immer mehr Software enthält - über Leasing zu finanzieren?

Softwareleasing wird in dem Rahmen, wie es Hardwareleasing gibt, im Augenblick noch nicht betrieben. Einfach aus dem Grund, weil die Softwarehersteller unterschiedliche Bedingungen haben. Zudem ist das Softwareleasing auch deshalb schwierig, weil die Softwarehäuser ihre eigenentwickelten Produkte normalerweise nicht verkaufen. Für die Leasinggesellschaften ist es jedoch zunächst ausschlaggebend, Eigentum an dem zu vermietenden - in diesem Fall immateriellen - Wirtschaftsgut erwerben zu können.

Ebenfalls noch keineswegs eindeutig geregelt ist, was nach Ablauf des Mietvertrages mit der Software passiert. Grundsätzlich wird es für das Softwareunternehmen wenig sinnvoll sein, die Software nach Vertragsende zurückzukaufen, weil es damit eigentlich nichts anfangen kann. Andererseits müssen sich die Softwarehäuser davor schützen, daß ihre Programme dann zu billig weitervermietet oder anders vermarktet werden.

Grundsätzlich stellt sich also die Frage, in welchem Umfang Software überhaupt verleast werden kann. Im Augenblick ist es so, daß bei einer geleasten Anlage der Anwender seine Software größtenteils noch selber tragen muß. Dabei will ich nicht ausschließen, daß es eines Tages Software-Leasing-Modelle in weit höherem Maß gibt, als es heute noch der Fall ist. Doch das Hauptprobelm wird die Bonität des Kunden bleiben. Denn Software stellt für Leasinggesellschaften ein zumindest schwer verwertbares Gut dar. Die Hardware ist zwar auch nicht besonders leicht verwertbar, aber augenblicklich noch leichter als die Software.

- Können Sie vielleicht abschließend einem potentiellen Leasingnehmer Tips mit auf den Weg geben, was er bei einem Vertragsabschluß beachten sollte?

Ein Leasingnehmer sollte so früh wie möglich in seine DV-Investitionsüberlegungen auch eine Leasinggesellschaft miteinbeziehen. Das hat den Vorteil, daß er unterschiedliche Finanzierungs- und Investitionsmerkmale feststellen kann. So findet er heraus, was ihn die Anlage kostet, wenn er mietet, least oder kauft. Je früher nun eine Leasinggesellschaft eingeschaltet wird, desto eher wird sich der Anwender über die unterschiedlichen Kostenstrukturen und -verläufe klar werden.

Zudem muß der Anwender sich fragen, wie lange er die Anlage einsetzen will. Dabei gibt es ja durchaus reine Interimslösungen, bei denen es vielleicht sinnvoll ist, ein Gerät tatsächlich nur für zwölf oder acht Monate einzusetzen. Dann wird unter Umständen weder Kauf noch Leasing angebracht sein.

Doch bei Unterstellung der normalen Planungszeiträume für DV-Anlagen, die wie bereits erwähnt bei ungefähr vier Jahren liegen, wird es spätestens interessant, sich über Leasing Gedanken zu machen. Es gibt zwar bei den meisten Computerherstellern auch die Möglichkeit, Geräte aus der Miete zu kaufen. Das bedeutet, daß die Geräte, die bereits installiert waren, unter Anrechnung eines gewissen Anteils der bisher gezahlten Miete aus dem Mietvertrag gekauft werden können. Auch das kann für den Anwender interessant sein. Denn über einen Full-Pay-out-Vertrag kann sich bei geringeren Kosten durchaus eine kürzere Laufzeit ergeben, als die, die für die Restlaufzeit des Hersteller-Mietvertrages erforderlich wäre.

Bei Kostenberechnungen für verschiedene Anlagen war das Ergebnis, daß das meiste Geld für die gesamte Einsatzdauer der Geräte gespart wird, wenn der Anwender die neue Anlage gleich über Leasing einsetzt.