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17.05.2002 - 

HP gibt seine Produktstrategie nach der Fusion mit Compaq bekannt

Bei "HP neu" bleibt Vieles beim Alten

MÜNCHEN (jm) - Am 7. Mai 2002 trat Carleton Fiorina als Chefin des vereinten Unternehmens der Konzerne Hewlett-Packard und Compaq zusammen mit Michael Capellas, dem designierten President von "HP neu", vor die Kameras und gab bekannt, wie sie sich die Produktstrategie für die kommenden drei Jahre vorstellt. Wirkliche Überraschungen gab es nicht.

Die Integrations-Teams beider Unternehmen haben sich bei der Auswahl der Produktlinien, die überleben und denen, die aufgegeben werden, vor allem an den Marktanteilen der jeweiligen Gerätefamilien orientiert. Bei solchen Systemlinien, die zwar keine großen Marktanteile aufweisen können, hingegen aber zumindest eine vergleichsweise große Kundenbasis besitzen, entschieden sich die HP- und Compaq-Manager, sie zumindest bis auf weiteres am Leben zu erhalten. Stichworte hier sind etwa Open-VMS- oder Tru-64-Systeme.

Insbesondere im Fall der Speicherangebote ist im Wesentlichen noch keine Auswahl getroffen worden. Hier belässt es die Konzernspitze des fusionierten Unternehmens bei der etwas weichen Aussage, man werde das Beste aus dem zusammengewürfelten Produktportfolio zu einem einheitlichen Angebot zusammenstellen.

Eine Entscheidung fiel den Verantwortlichen der Integrations-Teams sehr leicht: Mangels Masse auf Seiten Compaqs bleibt es im Imaging-and-Printing-Bereich bei HPs Angeboten. Was es an Compaq-Scannern gibt, wird eingestampft. Bei Digitalprojektoren sollen allerdings die Compaq- mit den HP-Produkten kombiniert werden.

Bei Consumer-PCs lassen es die Verantwortlichen sogar willentlich auf eine Wettbewerbssituation ankommen. Hier bietet "HP neu", wie der zusammengeführte HP-Compaq-Konzern nicht nur von Firmenchefin Fiorina gerne (wenn auch nicht offiziell) tituliert wird, unverändert die Produktlinien beider Betriebe an. Wichtig für diese Entscheidung sei eine Befragung bei den Wiederverkäufern gewesen, die mit Mehrheit ausgedrückt hätten, dass sie wie bisher sämtliche Rechnermodelle führen wollen.

Die immer wieder monierten massiven Produktüberschneidungen, die die Fusion von Compaq und HP mit sich bringen, zeigen sich auch im Serversegment. Fast jedes HP-Produktangebot auf den verschiedenen Leistungsebenen findet ein Äquivalent bei Compaq. Rein rechnerisch bedeutet dies zunächst, dass das Servergeschäft des neuen HP-Unternehmens laut IDC rund 15 Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaftet. Das ist eine Milliarde Dollar mehr, als IBM mit Servern erzielt - und damit ist Big Blue erstmals in der Geschichte der IT nicht mehr der weltweit größte Serveranbieter. Wie gesagt, rein rechnerisch und nicht einkalkuliert die Umsatzverluste, die durch Produktbereinigungen auftreten werden.

Nicht gefährdet sind allerdings Compaqs fehlertolerante Nonstop-Server, die nur umbenannt werden in "HP Nonstop Server". Es bleibt bei den bereits von Compaq geplanten zwei Aufrüstungen (Upgrades) der Mips-Risc-Prozessoren und dem darauf folgenden Umstieg auf die 64-Bit-CPUs der "Itanium"-Familie von Intel.

Bei den Risc-basierten Servern, die bei HP unter der proprietären "HP-PA"- und bei Compaq unter der ebenso eigenentwickelten "Alpha"-Architektur laufen, gab es eine der vielen Sowohl-als-auch-Entscheidungen. Diese ist allerdings nachvollziehbar. Das fusionierte Unternehmen kann es sich nicht leisten, die doch erkleckliche Basis der HP-PA- und Alpha-Kunden vor den Kopf zu stoßen, indem es im Handstreich Rechnerlinien abserviert, die an zentralen Positionen im Unternehmen stehen. So wird die Entwicklung der "PA-8800"- und "8900"-Prozessoren und entsprechender Systeme genauso zu Ende geführt wie die beiden "Alpha"-Generationen "EV7" und "EV79". Die existierende "EV68"-Server-Generation wird weiterhin angeboten. Bereits vor einem Jahr hatte zudem Compaq angekündigt, dass man die aktive Vermarktung der Alpha-Technologie bis 2005 zugunsten der Intel-Chips auslaufen lassen wird.

Allerdings werden die Aufgaben der beiden Risc-Linien unterschiedlich sein: PA-Risc-Server zielen auf die installierte Kundenbasis sowie auf Geschäftsfelder, die sich künftig neu ergeben. Das Alpha-Server-Angebot bedient zum einen ebenfalls die bisherige Klientel, zum anderen die Kunden, die höchste Rechenleistung in technischen Segmenten benötigen.

Vergleichsweise leicht tut sich HP bei der Qual der Wahl mit Servern, die mit Intels 64-Bit-"Itanium"-CPU rechnen. Denn hier geht die Zukunft erst noch los, wenn auf der Mc-Kinley-Generation basierende Systeme vorgestellt werden. Grundsätzlich richtet sich das Itanium-Angebot an HPs früher bekannt gegebener Produktplanung der "HP-Server" aus. Allerdings werden die Itanium-Maschinen um Charakteristika erweitert, die Compaq aus seiner Entwicklung der "Proliant"-IA-64-Linie beisteuert.

Mit der dritten Generation von Itanium-Prozessoren - Intel führt sie unter der Bezeichnung "Madison" - sollen nach dem Willen der Verantwortlichen alle Server vom unteren bis zum höchsten Leistungsspektrum mit den Intel-64-Bit-CPUs rechnen. Inbegriffen sind hierbei auch die fehlertoleranten Nonstop-Maschinen, die Compaq aus seiner Verschmelzung mit Tandem jetzt in die Ehe mit HP einbringt.

Das Hauen und Stechen zwischen überlappenden Produktsegmenten findet im Segment der Industrie-Standard-Server, also der Intel-basierten Einstiegsmaschinen, allerdings Opfer: Hier überleben Compaqs "Proliant"-Maschinen, die in Zukunft "HP Proliant" heißen. Die Massenspeicher, die Compaq zusammen mit diesen und angepasst auf diese Maschinen bislang anbot (Smart Arrays), wie auch hierzu gehörige System-Management-Software ebenso wie Rack-Versionen und Stromversorgungen entstammen ebenfalls der Proliant-Angebotspalette. Auch Compaqs "Proliant-Essentials"-Administrations-Software wird weiter angeboten. Zudem sollen HPs Tower-Server "tc2210" und "tc 2100" für das untere Leistungssegment weiterleben.

Server: Große Auswahl und viele ÜberschneidungenDie Angebote an so genannten Blade-Servern wird aufgaben- und marktorientiert ausgerichtet: Compaqs Proliant-Blade-Server will das vereinte Unternehmen künftig Rechenzentren andienen. HPs Blade-Server-Offerte wird an den Telekommunikationsmarkt angepasst.

Last, but not least, ändert sich offensichtlich nichts an der Zukunft der proprietären HP-"E-3000"-Server der "MPE/ix"-Linie. Hierzu hatte die Fiorina-Company bereits am 15. November 2001 einen Fünf-Jahres-Plan samt Migrationsoptionen vorgestellt. Dieser sieht vor, die MPE-Systeme langfristig auf die Intel-Itanium-Plattform und HP-UX zu transferieren. Bis zum 31. Oktober 2003 wird HP die E-3000-Business-Server weiter entwickeln und vermarkten, bis zum 31. Dezember 2006 zudem "uneingeschränkt supporten".

Compaqs von Digital Equipment geerbte und seitdem modifizierte Unix-Variante "Tru-64-Unix" ist zwar immer wieder von Fachleuten gelobt worden - trotzdem erhält HPs "HP-UX" den Vorzug, weil es den "viel größeren Marktanteil besitzt", wie die offizielle Erklärung lautet. Außerdem genieße HP-UX gegenüber Tru-64-Unix eine "wesentlich größere Unterstützung durch unabhängige Software-Anbieter". Allerdings werden einige Leistungsmerkmale der Compaq-Software im Lauf der Zeit in HP-UX integriert. Hierzu gehören die Clustering-Technologie sowie das Dateisystem von Tru-64-Unix.

Open VMS auch in ZukunftOpen VMS soll es auch unter der Ägide von HP weiterhin geben und das auch auf künftigen Itanium-basierten Maschinen. Insofern bleibt es bei schon von Compaq veröffentlichten Plänen, ohne dass HP diesbezüglich zu sehr ins Detail ging. Allerdings hat Compaq selbst bereits inoffiziell Genaures zur Zukunft von Open VMS an die Öffentlichkeit gebracht: Open VMS wird danach auch auf Servern mit Alpha-Prozessoren der "EV7"- (Codename: Marvel) und "EV79"-Generation angeboten. Auf "Alphaservern" wird übrigens Tru-64-Unix noch überleben.

Beim Angebot für kommerzielle Kunden haben Compaqs Systemlinien sowohl bei PCs als auch Notebooks das Rennen gemacht und werden auch unter dem Compaq-Namen firmieren. HPs "Vectra"-Modelle laufen aus, allerdings wird die "E-PC"-Linie unter der HP-Namensgebung fortgeführt. HPs "Omnibook"-Notebooks kann man nur noch dieses Jahr kaufen.

Compaqs Windows-NT-basierende Workstations gibt es wegen ihres klaren Marktvorteils auch in Zukunft noch. HPs PA-Risc-Maschinen bedienen dafür den Hochleistungsbereich der 64-Bit-Anwendungen. Von dieser Plattform haben Workstation-Kunden künftig auch ein Absprungbrett auf Intels 64-Bit-Architektur. Auf den 32-Bit-Workstations bietet HP-Compaq Windows, Linux und HP-UX an.

Einen klaren Verlierer der Fusion gibt es noch: HPs "Jornada"-Handhelds überleben das Jahr 2002 nicht. Compaqs erfolgreiche Produktlinie "Ipaq-Pocket-PC" wird nur umgetauft auf "HP Ipaq Pocket PC".

Wenig wurde anlässlich der Taufe des fusionierten Unternehmens am 7. Mai 2002 zum Thema Services gesagt. Michael Capellas, President des neuen Unternehmens, sagte, man werde mit der 65 000 Mann starken Dienstleistungstruppe "drei Dinge gut machen": Customer Support, Managed Services und Beratung und Integration.

Zum Thema Entlassungen gab es zwischen den Zeilen Neues: Fiorina sagte, es bleibe bei den kolportierten 15000 Stellenreduzierungen. Dann aber kam eine wesentliche Einlassung: Zwischen diesen überflüssigen Arbeitsplätzen und der "gesamten Mitarbeiterzahl" gebe es einen "Unterschied". Sie könnte damit meinen, dass der Abbau der 15000 Arbeitsplätze noch nicht das letzte Wort in Sachen Entlassungen gewesen ist.

Jan-Bernd Meyer, jbmeyer@computerwoche.de

Ein Unternehmen

vier Geschäftsbereiche"HP neu" ordnet sich in vier Geschäftsbereiche, die von drei ehemaligen HP- und einem Compaq-Manager geleitet werden.

- "Enterprise Systems" führt der seinerzeitige Compaq-Mann Peter Blackmore an.

- "HP-Services", der Riesentruppe der Dienstleister (65 000 Beschäftigte), steht Ann Livermore vor.

- "Imaging and Printing", der Dukatenesel von "HP-alt", leitet Vyomesh Joshi.

- Chef der "Personal Systems Group" ist Duane Zitzner.

Die drei Letztgenannten sind alle von HP.