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07.10.2014 - 

Aufspaltung - die Details

Bei HP soll die Summe der Einzelteile mehr wert sein als das Ganze

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Mindestens seit 2011 war die Ausgründung des PC- und Printer-Geschäft bei HP immer wieder ein Thema. Jetzt macht CEO Meg Whitman Nägel mit Köpfen und dividiert "HP Inc." und "Hewlett-Packard Enterprise" auseinander.

Unter Léo Apotheker hatte HP im Jahr 2011 nicht nur den viel zu teuren Kauf des britischen Softwarehauses Autonomy initiiert, auch eine Abspaltung des PC-Geschäfts schien bereits so gut wie in trockenen Tüchern. Doch wenig später musste der CEO das Unternehmen auf Druck von unzufriedenen Investoren verlassen, und die ehemalige Ebay-Chefin Meg Whitman trat die Nachfolge an. Zu ihren ersten Amtshandlungen gehörte es, die Abspaltung des PC-Business zu stoppen. "Zusammen sind wir stärker", lautete Whitmans Maxime - inzwischen hat sie ihre Meinung wieder geändert.

HP-Chefin Meg Whitman war zunächst gegen eine Spaltung, jetzt ist sie dafür.
HP-Chefin Meg Whitman war zunächst gegen eine Spaltung, jetzt ist sie dafür.

Whitman sagte vor Finanzanalysten, HP sei zu ihrem Amtsantritt vor drei Jahren in einer schwierigen Situation gewesen. Heute hätten sich die Rahmenbedingungen geändert. "Flink zu sein ist heute der einzige Weg zu gewinnen", zitiert das "Wall Street Journal" die HP-Chefin. Und flink sei man nicht als Monolith, sondern in kleineren Konzerneinheiten, die sich auf bestimmte Technologiethemen fokussieren könnten. HP habe sich in den letzten drei Jahren - unter ihrer Leitung - in eine bessere finanzielle Position gebracht. Auch die Führungsriege sei nun gut aufgestellt, und die Pipeline sei voll mit neuen Produkten, vor allem in Zukunftsmärkten wie Cloud Computing.

HP war gut vorbereitet

"Der heutige Tag ist nur möglich geworden, weil wir diesen Turnaround geschafft haben", sagte Whitman. Der Schritt der Spaltung sei im Grunde bereits mit der Zusammenlegung der PC- und der profitableren Printer-Sparte im Jahr 2012 eingeleitet worden.

Das Endgerätegeschäft wird künftig unter dem Namen HP Inc. firmieren. Die mit Hardware, Software und Services für das Business befasste Geschäftseinheit will der Konzern Hewlett-Packard Enterprise nennen. Whitman soll CEO der Enterprise Unit werden und gleichzeitig als "Chairman" das Board der HP Inc. beaufsichtigen. Die langjährige Topmanagerin Pat Russo soll dem Verwaltungsrat der Heweltt-Packard Enterprise vorsitzen, während Dion Weisler, aktuell Executive Vice President von HPs Geschäftsbereich Printing and Personal Systems, CEO und President von HP Inc. werden soll.

Der Split soll bis zum November 2015 durch eine steuerfreie Aufteilung der Aktien an die Anteilseigner vollzogen werden. Jeder Aktionär soll für eine Aktie zwei neue erhalten - jeweils eine der beiden Gesellschaften. Geht alles nach Plan, entstehen zwei börsennotierte Konzerne, von denen jeder jährlich mehr als 50 Milliarden Dollar umsetzt.

Personalabbau nochmal verschärft

HP steckt derzeit mitten in einem Personalabbau: Rund 36.000 Mitarbeiter werden das Unternehmen bis zum Ende des laufenden Quartals verlassen haben. Durch die Teilung ergibt sich offenbar weiteres Streichpotenzial: War bislang von insgesamt 45.000 bis 50.000 Stellenstreichungen weltweit die Rede, sollen es nun sogar 55.000 werden. Man habe "weitere Gelegenheiten für Einsparungen entdeckt", hieß es.

Analysten kommentieren die Nachrichten aus Palo Alto mit Zurückhaltung. Gartners Research Director Ranjit Atwal sagte: "Eine separate Einheit zu gründen, macht die Zukunft nicht sicherer." Aber Sicherheit habe es bezüglich HPs Plänen mit der PC- und Printing Division ohnehin nicht gegeben. Er spekuliert, HP habe keinen Käufer für das PC- und Druckergeschäft gefunden und verfolge nun den Plan eines steuerfreien Aktiensplits. In Zukunft dürfte es laut Atwal interessant sein zu beobachten, inwieweit die HP-Einheiten einander noch verpflichtet sind. Er hält es nicht für ausgeschlossen, dass die Enterprise Unit künftig auch mit anderen Endgeräten als denen von HP beim Kunden auftauchen wird.

Börse feiert HP

Anders als die besonneneren IT-Analysten feiert die Finanzwelt gegenwärtig eine kleine Party. Die HP-Aktie stieg nach der Ankündigung um knapp fünf Prozent. Die Aktionäre scheinen vor allem darauf zu spekulieren, dass sich HPs Enterprise-Sparte ohne das kriselnde Endgerätegeschäft künftig besser entwickeln wird.

HP hatte anlässlich der Ankündigung mitgeteilt, man werde das angepeilte Ergebnis von 3,83 bis 4,03 Dollar je Aktie zum Ende des Fiskaljahrs am 31. Oktober halten können. Allerdings enthält diese Range keine Einmal-Aufwendungen, die mit der Separation der PC- und Druckersparte anfallen könnten. HP liegt mit seinen Schätzungen im Rahmen dessen, was die Wallstreet im Durchschnitt erwartet hat: 3,95 Dollar pro Aktie nämlich.

Interessant dürfte sein, wie sich die Printing and Personal Systems Group schlägt: Sie hatte 2013 mit knapp 56 Milliarden Dollar zwar etwa die Hälfte des Konzernumsatzes eingefahren, doch es waren 7,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Insgesamt hatte HP im vergangenen Geschäftsjahr um 6,7 Prozent weniger Umsatz erwirtschaftet als 2012. Zudem verlor das Unternehmen seine Pole-Position als weltgrößter PC-Hersteller an die chinesische Lenovo Group. (hv)

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