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20.09.1991 - 

OPCA erwies sich als zuwenig flexibel

Bei Jobabläufen im MAN-RZ führt jetzt Jobview die Regie

Individuelles Eingehen auf Kundenforderungen gepaart mit Marktpräsenz setzt ein ausgefeiltes und auf den Produktionsablauf abgestimmtes Steuerungskonzept für das Informationsmanagement und den Rechenzentrumsablauf voraus. So auch bei der MAN Nutzfahrzeuge AG in München, die nicht zuletzt mittels Produkt- und Logistikprogramm dem Wettbewerb im EG-Markt standhalten will. Ein derartiges Steuerungsinstrument ist Jobview von Boole & Babbage.

Im Vordergrund steht bei MAN bisher eine weitgehend automatische Planung und Ausführung des RZ-Ablaufes im Standort und -Verwaltungssitz München. Der für die Abwicklung von täglich 4000 bis 4500 Produktionsjobs eingesetzte Mainframe-Maschinenpark besteht aus einem IBM-System 9021/580 mit 128 MB Hauptspeicher und 256 MB Erweiterungsspeicher sowie einem Amdahl-System 5890/300 E, das über 256 MB Hauptspeicher verfügt. Als Betriebssystem wird MVS/ESA eingesetzt. Die externe Speicherkapazität auf Magnetplatten der Modelle IBM/ Amdahl 3380/6380 und 3390 beträgt 200 GigaByte. Das Rechenzentrum ist für die gesamte kaufmännische Abwicklung sowie die Abteilungen "Anwendungsentwicklung" und "Konstruktion" zuständig. Zirka 2700 Online-Bildschirme und etwa 100 PCs mit 3270- Emulation im Netzwerkverbund geben den Sachbearbeitern in den Fachabteilungen den direkten Zugriff auf die gespeicherten Informationen.

OPCA war nicht flexibel genug

Die Jobablaufsteuerung erfolgte mit dem IBM Produkt CJS (Baustein aus JES3) und einer eigenentwickelten Submit Menüführung. Laut Ankündigung von IBM wurde CJS 1989 aus der Wartung genommen. Aus diesem Grund wurden im RZ-Management frühzeitig Überlegungen angestellt, ein modernes System einzusetzen.

Das von IBM forcierte neue Produkt OPCA, das als Nachfolgeprodukt vorgestellt wurde, erwies sich für die MAN-Bedürfnisse als zu wenig flexibel und von der Handhabung her als zu aufwendig. Daher wurde der Markt seit Mitte 1987 auf geeignete Produkte untersucht. Dies geschah in der Form, daß Fachzeitschriften zu Rate gezogen und Fachmessen beziehungsweise Fachseminare besucht wurden. Außerdem tauschte man im Rahmen der MVS-Guidetagungen Erfahrungen mit Anwendern von Jobsteuersystemen aus.

Die Anforderungen an das neue System waren in einer umfangreichen Checkliste aufgeführt. Dieses Pflichtenheft wurde aufgestellt aus den Erfahrungen mit dem vertrauten CJS-System. Es nahm die Wünsche auf, die in der Praxis entstanden waren und unbedingt abgedeckt werden sollten.

Ein wichtiges Kriterium war dabei der MAN-eigene Betriebskalender, der einen vom gregorianischen Kalender abweichenden Aufbau aufweist. Der Monat ist in drei Dekaden eingeteilt, die aus je sechs oder sieben Werktagen bestehen, wobei an Wochenenden und Feiertagen nicht gearbeitet wird. In einigen Monaten wird der letzte Tag des Monats in die nächste Dekade des folgenden Monats übernommen, abrechnungsmäßig aber noch in dem alten Monat gewertet.

Diese Art des Werkskalenders hat sich in der historisch gewachsenen Produktionssteuerung der Fertigung als sinnvoll herauskristallisiert und mußte in jedem Fall von einem Jobsteuerungssystem berücksichtigt werden.

Während in CJS dieser Betriebskalender nicht eingebunden war, bestand die unabdingbare Forderung hierfür an das neu einzusetzende Scheduling-Tool. Dieses Kriterium wurde auch aus Sicherheitsgründen gestellt. In der Praxis kommen sporadisch komplizierte Abläufe vor, die zu bestimmten Terminen auszuführen sind, wie zum Beispiel in der dritten Dekade des letzten Monats eines Quartals.

Damit diese speziellen Vorgänge nicht irrtümlich vergessen werden, was bei einer manuellen Vorbereitung der Jobsteuerung durchaus denkbar wäre, sollte zur Entlastung der Arbeitsvorbereitung und des Operatorstabes eine automatische Jobsteuerung für die notwendige Sicherheit sorgen.

Außerdem forderte MAN dringend die Möglichkeit einer grafischen Darstellung ihrer Jobnetze samt den Abhängigkeiten der Jobs untereinander in Form eines Blockdiagramms mit Querverweisen.

Diese Netzpläne werden sowohl von den RZ-Mitarbeitern, den Anwendungsentwicklern und teilweise von den Fachbereichen als Arbeitsunterlage verwendet. Auswahlsieger Jobview überzeugte durch reibungslose Jobablaufsteuerung.

Wegen der Checklistenanforderungen konnte sich lediglich Jobview von Boole & Babbage in der Auswahl durchsetzen. Ab Herbst 1988 wurde das Produkt als Jobablaufsteuerungssystem verschiedenen Tests und individuellen Checks unterworfen. Aus diesen Überprüfungen ergab sich, daß alle gegenwärtigen Anforderungen von den Einzelkomponenten Jobscan und Cintrol-M abgedeckt wurden. Im Oktober 1989 erfolgte dann die Übernahme in den Praxisbetrieb.

Die Projektausführung erfolgte mit einem Team, das aus zwei Mitarbeitern der Systemprogrammierung, zwei Kollegen aus der Arbeitsvorbereitung und den beiden Schichtführern bestand. Das erfahrene Spezialistenteam konnte in der kurzen Zeit von nur zwölf bis 14 Monaten ein Arbeitspensum absolvieren, das normalerweise leicht zwei bis drei Jahre - wenn man das Ohr am Markt hat - in Anspruch nimmt. Diese Implementierung, die neben dem laufenden Praxisbetrieb durchgeführt wurde, setzte voraus, daß eine möglichst störungsfreie Anpassung an die neue Umgebung stattfand und die Mitarbeiter dabei nicht unter zeitlichen Druck gesetzt wurden. Es war auch dank der Unterstützung der externen System-Spezialisten möglich, diese Bedingungen einzuhalten und parallel durchzuführen.

Bei der Migration wurde die gesamte logische und organisatorische Gestaltung der Jobabläufe neu überdacht und an die aktuellen Belange angepaßt. Daraus ergab sich, daß intensive Abstimmungen mit der Anwendungsentwicklung geführt wurden, um die Programme maßgeschneidert für die neue Ablaufplanung gestalten zu können. Es war zum Beispiel notwendig, bestimmte Job-Vorlaufkarten dem neuen Ablauf anzupassen. Zu den Vorbereitungsmaßnahmen gehörte auch eine einwöchige Schulung, in der die Gesamtplanung wie auch die einzelnen Schritte der Umstellung und die fachlichen Erläuterungen dazu gegeben wurden, einschließlich der detaillierten Einführung in Control-M.

Manuelle Operationen auf ein Minimum reduziert

Durch die Automation der Jobabläufe werden die Operatoren von den zeitraubenden manuellen Vorbereitungen der Jobsteuerungen befreit. Wesentlicher Vorteil: Das Personal kann sich intensiver den organisatorischen Planungsaufgaben widmen. Auch konnte die Verarbeitungsgeschwindigkeit auf den Hostsystemen erhöht werden, da kaum noch Unterbrechungen im Jobablauf durch fehlerhafte Jobsteuerungsanweisungen auftreten. Wichtig erscheint ferner, daß nicht nur die Steuerung und die Ausführung der Job-Abläufe schneller und exakter wird. Es konnte zugleich auch erreicht werden, daß bei aller Automation der Vorgänge in jedem Fall die unbedingt erforderliche, individuelle Variationsmöglichkeit aus produktions- oder kundenbezogenen Gründen erhalten bleibt.

Sicherungsläufe in Verbindung mit Memorex-5480-Einheiten (24er Loader) und auf wendige Jobabläufe konnten in die operatorlose dritte Schicht verlagert werden. Daraus hat sich für die beiden ersten Schichten eine wesentlich höhere Durchsatzrate und bessere Ausnutzung der Ressourcen ergeben. Weiterhin war es möglich, die beiden Schichtleiter für qualifiziertere Aufgaben in die Arbeitsvorbereitung zu übernehmen. Für die nächste Zeit ist geplant, die individuelle Jobablauf Planung beziehungsweise Anpassung für einzelne Abläufe in die Fachabteilung zu verlagern, um dort eine noch bessere, den Fachbedürfnissen und Betriebsanforderungen angepaßte Steuerung zu ermöglichen.

Ein weiteres wichtiges Element im automatischen Ablauf von Jobview bei MAN stellt Jobscan dar. Jeden Morgen um 8.00 Uhr und nachmittags wird über Control-M eine Simulationsdatei für die Tages- beziehungsweise Nachtproduktion erstellt. Diese wird von Jobscan auf etwaige Syntax-Fehler, Catalog Errors durchgescannt. Fehlerhafte Jobs werden in die Fehlerstatistik von Jobscan geschrieben und sofort über Abteilungsdrucker ausgedruckt. Somit ist die Arbeitsvorbereitung in der Lage, typische Fehler in der Produktionsplanung frühzeitig zu beheben und einen reibungslosen Produktionsablauf zu gewährleisten.

Im täglichen Ablauf hat der Einsatz von Jobview eine Reihe von Rationalisierungsfortschritten gebracht. Doch bei MAN bleibt man auf diesem Weg nicht stehen, die RZ-Automation wird fortgeführt.

MAN-Porträt

Der 1897 gegründete Konzern MAN (Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg) hat sich in der mehr als neunzigjährigen Firmengeschichte zu einem weltweit tätigen Unternehmen für verbrauchsgünstige und qualitativ hochwertige Nutzfahrzeuge entwickelt.

Die breitgefächerte Produktpalette der MAN Nutzfahrzeuge AG mit ihrem Hauptsitz in München und Werken in München, Nürnberg, Salzgitter, Penzberg, Gustavsberg, Steyr und Wien umfaßt Lkw, Omnibusse, Motoren und Spezialfahrzeuge.

Weitere Unternehmen der MAN AG sind die Firmen Ferrostahl AG, Essen, MAN Gutehoffnungshütte AG, Oberhausen, MAN Roland Druckmaschinen AG, Offenbach, MAN B&W Diesel AG, Augsburg, SMS Schloemann-Siemag AG, Düsseldorf, SHW Schwäbische Hüttenwerke GmbH, Aalen, und andere.

Mit 22 400 Mitarbeitern erwirtschaftete die MAN Nutzfahrzeuge AG im Geschäftsjahr 1989/90 einen Umsatz von 5,4 Milliarden Mark. Das Unternehmen kann auf 75 Jahre Lkw-Geschichte und auf ein 35jähriges Jubiläum für das Werk München zurückblicken.