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30.06.1978

Bei Kauf kommt der Hardware-Preisverfall nicht zum Tragen

CW-Interview mit Willibald Saller, Vertreter des Leiters EDV beim Direktorium der Stadtverwaltung München

-Die Landeshauptstadt München hat eine der größten kommunalen DV-Installationen in der Bundesrepublik, vielleicht sogar in Europa. Wie groß ist die Konfiguration und welche Fachgebiete decken Sie damit ab?

Was die Größe der Installation anlangt, dürfte Ihre Vermutung zutreffen. Wir betreiben zur Zeit zwei getrennte Rechenzentren, eines In der Josefspitalstraße und eines in der Herzogspitalstraße. In der Josefspitalstraße stehen zwei Zentraleinheiten Siemens 4004/150, über die das Personalwesen, das Krankenhauswesen das Finanzwesen und alle sonstigen Batcharbeiten sowie die technisch-wissenschaftlichen Anwendungen abgewickelt werden. In der Herzogspitalstraße läuft das gesamte Einwohnerwesen, das Kfz- und Ausländerwesen, die Buchausleihe, die Wohnungsvermittlung und die Schülerdatei.

-In welcher Betriebsart werden diese Anwendungen gefahren?

Die Sachgebiete beim RZ Herzogspitalstraße sind alle auf Online-Betrieb ausgerichtet, während im RZ Josefspitalstraße nur das Finanzwesen und das Krankenhauswesen online gefahren werden.

-Inwieweit sind die Daten der einzelnen Fachgebiete in eine Datenbank integriert oder aufeinander abgestimmt?

Eine Integration ist zur Zeit zwischen dem Einwohnerwesen und der Ausleihe bei den städtischen Büchereien verwirklicht. Sie ist weiter vorgesehen zwischen Einwohnerwesen und Kfz-Wesen. Das Ausländerwesen selbst ist Bestandteil des Einwohnerwesens, und es sind die Ausländerdaten im Einwohnerdatensatz enthalten.

-Welchen Vorteil hat diese Verbindung beziehungsweise Integration der einzelnen Fachgebiete für den Bürger?

Der Bürger kann seine Aufgaben nicht nur beim zentralen Melderegister, sondern auch bei den elf dezentralen Meldestellen erledigen. So besteht die Möglichkeit, bei den Meldestellen den Kraftfahrzeugschein hinsichtlich Name und Adresse berichtigen zu lassen, des weiteren ergeben sich für den Einwohner verkürzte Wartezeiten, weil die Daten nicht immer neu erfaßt werden müssen.

-Welche Nachteile sehen Sie für die Verwaltung darin, daß es nicht zu der Einführung eines einheitlichen Personenkennzeichens gekommen ist?

Wir verwenden zur Verwaltung unserer Einwohnerdaten ein internes Ordnungsmerkmal. Nachteile sind nur insoweit gegeben, als dem Bürger das interne Ordnungsmerkmal nicht bekannt ist und deshalb bei sämtlichen Arbeitsvorgängen Name und Vorname oder Name und Geburtsdatum eingegeben werden müssen. Bei Vorhandensein einer einheitlichen PK könnte der Bürger bei Vorsprache sofort mit seinem Personenkennzeichen in der Datenbank gesucht werden und es würden sich dadurch etwas kürzere Verarbeitungszeiten ergeben. Sonstige Nachteile für die Verwaltungsarbeit sind derzeit nicht gegeben.

-Das Datenschutzgesetz ist noch relativ neu. Wie weit sind die Auftagen des Datenschutzes bei der Stadt bereits realisiert?

Der Zutritt zu den Rechenzentren ist nur berechtigten Personen möglich, dazu ist das Siepa-B-Zutrittssystem eingeführt. Jeder Angehörige bedarf einer eigenen Karte, die einem Leser zugeführt wird, und nur wenn er berechtigt ist, diese Türe zu durchschreiten, öffnet sich die Türe. Die einzelnen Daten selbst sind - soweit es sich um Duplikate und Sicherungsbestände handelt - in Tresoren untergebracht. Der Zugriff zu den einzelnen Daten ist dahingehend geregelt, daß die einzelnen Sachbearbeiter einen eigenen Code haben, mit dem sie sich zunächst einmal am Terminal identifizieren müssen. Hinter dem Code verbirgt sich dann der Zugriff zu den einzelnen Sichtgeräten, die der Sachbearbeiter bedienen darf, und zu den einzelnen Arbeiten, die er abwickeln darf. So erhält jeder Sachbearbeiter nur die Daten, die er zur Erledigung seines Aufgabengebietes unbedingt benötigt. Alle Zugriffe, ob es sich um Abfragen oder Veränderungen des Datenbestandes handelt, werden zusätzlich protokolliert. Damit wird den Bestimmungen des Datenschutzgesetzes weitgehend Rechnung getragen.

-Haben, Sie schon einen Datenschutzbeauftragten?

Ein Datenschutzbeauftragter bei der Landeshauptstadt München ist derzeit noch nicht bestellt. Das bayerische Datenschutzgesetz sieht einen Datenschutzbeauftragten für das Land vor, erst die noch erscheinenden Verordnungen und Vollzugsbekanntmachungen zum Bayerischen Datenschutzgesetzes zwingen dann auch die Dienststellen, bei denen mehr als fünf Bedienstete in der Datenverarbeitung tätig sind, einen eigenen Datenschutzbeauftragter zu benennen.

-Sie fahren auf beiden Systemen das Betriebssystem BS 1000. Ist dieses Betriebssystem leistungsfähig genug für die Bedienung von in einem Fall 220 und im anderen Fall 114 Terminals?

Das Betriebssystem BS 1000 deckt unsere Belange völlig ab. Es ist damit möglich, die Dialog-Antwortzeiten zwischen drei und sieben Sekunden zu halten.

-Sie setzen heute das Datenbanksystem Adabas ein. Welche Gründe sprachen gerade für dieses System?

Die Landeshauptstadt München hat sich bereits im Januar 1972 für das Datenbankverwaltungssystem Adabas entschieden. Zu diesem Zeitpunkt war kein geeigneteres System vorhanden. Die Gründe dafür: Es war das einzige System mit Online-Update. Es ermöglichte logische Verknüpfungen beim Abfragen ohne serielle Verarbeitung, Netzstrukturen, die Möglichkeit, multiple Felder und Periodenfelder zu verwenden, die Verdichtung der zu speichernden Daten, das Datensicherungskonzept, das heißt automatischer Restart eines Adabas-Befehls. Außerdem testeten wir das Zeitverhalten bei drei größeren Testversuchen mit eigenen Daten. Die Folgezeit hat nun eindeutig gezeigt, daß Adabas unsere Belange voll erfüllt. Es ist inzwischen auch bei anderen Behörden eingesetzt. Im Bundesgebiet gibt es derzeit rund 20 Adabas-Anwender.

-Die Stadt Düsseldorf hat ihre Anlage gekauft, um - wie es heißt - die Konfiguration einzufrieren und den Betrieb zu beruhigen. Käme das für Sie auch in Frage?

Ein Kauf der EDV-Geräte bei der Landeshauptstadt München ist nicht vorgesehen, da die derzeitige technische Entwicklung derart rasant ist, daß oft schon nach einem Jahr Geräte als veraltet gelten und man dann nicht auf die neuesten Gerätetypen umsteigen könnte. Außerdem kommt beim Kauf der derzeitige Preissturz bei den DV-Geräten nicht mehr zum Tragen.

-Sie haben bis Mitte 1973 den Magnetkartenspeicher als Großspeicher eingesetzt. Sind Sie froh, daß er weg ist, oder trauern Sie ihm ein bißchen nach?

Es muß hier zunächst festgestellt werden, daß der Magnetkartenspeicher seine Zwecke voll erfüllt hat. Er ist vorgesehen zur Speicherung von großen Datenmengen bei wenigen Zugriffen. Bei unserer Anwendung wurde er für viele Datenbankzugriffe eingesetzt, weshalb die Mechanik etwas überfordert war. Ich würde ihn heute noch mal einsetzen, und zwar zur Abspeicherung von rein historischen Daten, die nur selten bewegt werden.

-Welchen TP-Monitor setzen Sie ein und welche Antwortzeiten am Bildschirm sind damit zu erreichen?

Wir verwenden keinen TP-Monitor im eigentlichen Sinne. Zur physikalischen Leitungsbehandlung wird das sogenannte TCS von Siemens eingesetzt. Das ist ein Programm, das mit Makroaufrufen generiert werden kann und sich der Umgebung, das heißt der Peripherie der Datenfernverarbeitung, anpaßt. Für die Benutzerprogramme haben wir eine Ablaufsteuerung entworfen, die sequentiell arbeitet und jeweils einen Dialog innerhalb eines Benutzerprogramms erlaubt. Mit dieser Arbeitsmethode ist es uns möglich, Antwortzeiten ab einer Sekunde zu bringen. Im Schnitt liegen die Antwortzeiten zwischen einer und sieben Sekunden. Abhängig ist diese Zeit von der Anzahl der Datenbankaufrufe und von sonstigen Ios. Die Entscheidung für diese Arbeitsmethode wurde im Jahre 1971 getroffen.

-Ist das in München entwickelte System auf andre Städte übertragbar?

Das Kfz-Wesen der Landeshauptstadt i München wird heute auch von der Stadt Nürnberg, dem Landkreis Mettmann und Landkreis Siegburg eingesetzt, die Programme für das Einwohnerwesen stehen ebenfalls diesen Benutzern zur Verfügung, außerdem kann die Anstalt für kommunale Datenverarbeitung in Bayern über diese Programme verfügen. In einem neugegründeten Arbeitskr(...) wurde nun auch der Austausch dieser Programme vereinbart.

Willibald Saller (54)

seit 1941 bei der Statdverwaltung München beim Einwohnermeldeamt, später Leiter des Paßamtes, seit 1964 im EDV-Bereich. Parallel zu dieser Tätigkeit Mitglied in vielen Arbeitskreisen und Kommissionen: Arbeitskreis der Innenministerkonferenz, EDV im Kfz-Zulassungswesen, Kfz-Versicherung. Heute ist Satter Leiter des Teams Einwohnerwesen und Vertreter des Leiters EDV beim Direktorium und damit zuständig für die Sachgebiete Einwohnermeldewesen, Kfz-Zulassungswesen, Buchausleihe bei den städtischen Büchereien, städtische Wohnungsvermittlung Soziale Wohnungsvermittlung und Schülerdatei.