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25.11.1988 - 

Einige etablierte Systeme werden im kommenden Jahr an Bedeutung verlieren

Bei LAN-Betriebssystemen geht der Trend in Richtung Koexistenz

PC-LANs sind den Kinderschuhen entwachsen. Hochentwickelte LAN-Betriebssysteme sorgen für sichere und leistungsstarke Verarbeitung verteilter Anwendungen. Die aktuellen Trends im Profi-Bereich sind: weitere Auslese, Siegeszug von Serverkonzepten, LAN-Manager und - sehr stark - Ausbau der Kommunikationsfähigkeiten.

Die wichtigste Komponente in einem LAN ist das Netzwerkbetriebssystem (NOS, Network Operating System). Es ist maßgeblich für Performance, Datensicherheit, Datenschutz, Erweiterbarkeit und nicht zuletzt auch für die Kommunikationsfähigkeiten von LAN-Systemen.

Von den ursprünglich sehr zahlreichen NOS sind heute noch eine Handvoll übrig. Von Bedeutung sind: Novell mit Netware, Banyan mit Vines, 3Com mit 3 + und IBM mit dem PC-LAN-Programm beziehungsweise LAN Support Package. Im Jahr '89 wird man diesen mit Sicherheit noch eines hinzufügen können: OS/2-LAN-Manager - entwickelt von Microsoft und durch OEMs aus dem Bericht LAN-Hardware mit diversen Modifikationen und unter verschiedenen Bezeichnungen angeboten. Die ersten Versionen des LAN-Manager werden gerade ausgeliefert.

Obwohl man hier also noch nicht von einer Bedeutung im Sinne einer durch Marktstudien belegbaren Installationsdichte sprechen kann, ist sich die Fachwelt einig: Der LAN-Manager wird sich ein gewichtiges Stück vom (immer noch stark wachsenden) Marktpotential abschneiden. Eine Reihe großer Hersteller, darunter Ashton-Tate, Borland Compaq, IBM, Hewlett-Packard, Lotus, Tandy, Zenith und 3Com haben angekündigt, daß sie OS/2 - die Applikationsbasis des LAN-Manager - unterstützen werden.

Einige der etablierten Systeme werden im kommenden Jahr sicher an Bedeutung verlieren - aus unterschiedlichen Ursachen. Die Bedeutung von Vines etwa resultiert fast ausschließlich aus den Marktanteilen im US-Markt. Außerhalb der USA konnte sich Vines bislang kaum durchsetzen. Eine Wende ist nicht in Sicht. 3Com hat sich mit 3 + Open als einer der ersten Microsoft-OEMs volle OS/2-LAN-Manager-Unterstützung auf die Fahnen geschrieben. 3 + Open wird bei 3Com demnach das ältere 3 + ablösen. (Beide Betriebssysteme können übrigens in einem Netz ohne weiteres koexistieren.) IBM befindet sich in Sachen PC-LAN-Programm eindeutig auf dem absteigenden Ast.

Das von IBM verfolgte Konzept der verteilten Server entspricht nicht mehr dem Stand der Technik. Was IBM neuerdings unter der Bezeichnung PC-LAN (ab Version 1.3) anbietet, ist nichts, anderes als der LAN-Manager. Es deutet also vieles darauf hin, daß es - zumindest in der Bundesrepublik - in absehbarer Zeit nur noch zwei LAN-Betriebssysteme geben wird, die sich das Gros des Marktes untereinander teilen: Netware und LAN-Manager.

Sowohl Netware als auch der LAN-Manager arbeiten serverorientiert. Das bedeutet, in jedem Netz befindet sich mindestens ein PC, der das LAN-Management übernimmt und die netzweiten Programme, Daten und Festplattenkapazitäten zur Verfügung stellt. Auf diesem Fileserver läuft das eigentliche Netzwerk-Betriebssystem. Beide Systeme erlauben, den Server parallel auch als Arbeitsstation zu benutzen. An den Arbeitsstationen läuft DOS beziehungsweise OS/2 - ergänzt um eine kleine Shell, welche die Kommunikation mit dem Server übernimmt.

Ein wesentlicher Faktor, der durch das Serverkonzept bei NetWare und dem LAN-Manager positiv beeinflußt wird, ist die Performance bei der Verwaltung netzweiter Daten und Programme. Die Antwortzeiten liegen zum Teil sogar besser als auf Einplatz-PCs - selbst wenn viele Stationen in das Netz eingebunden sind. Verantwortlich dafür ist hauptsächlich das NOS, welches Software-Funktionen, wie Directory-Cashing/-Hashing, File-Cashing, Elevator-Seeking etc. umfaßt. Die Funktionen im einzelnen zu beschreiben würde an dieser Stelle zu weit führen. Im Grunde handelt es sich darum, die mechanische Trägheit der Server-Platten durch intelligente Betriebssoftware zu überlisten.

Pipeline-System ist Schnittstelle

Der LAN-Manager besitzt noch eine weitere Fähigkeit, welche insbesondere bei rechenintensiven Anwendungen die Performance steigert: Verteilte Anwendungen verteilen die unterschiedlichen Prozeßverantwortlichkeiten zwischen Workstation (front-end) und Server (back-end). Ein Beispiel: Das neue Datenbankprogramm SQL-Server von Ashton-Tate/Microsoft arbeitet als Back-end-Prozessor in einem Server. Als Front-end-Programm laufen auf der Workstation Grafik- oder andere Anwendungen. Der Server steuert und verwaltet alle Dateizugriffe. Server und Workstation kommunizieren mit OS/2 über sogenannte "pipes" miteinander. Diese "Röhren" bestimmen die Datenflüsse im gesamten Netzwerk. Es ist also durchaus möglich, daß weitere Workstations die im SQL-Server bereitstehenden Daten für andere Programme, etwa Excell oder Paradox, ebenfalls nutzen.

Dieses Pipeline-System stellt gewissermaßen die Schnittstelle zwischen den einzelnen Ressourcen im Netzwerk dar. Der LAN-Manager kann pipes mit Namen versehen. Die so eindeutig definierte Pipeline stellt dann eine quasi feste Verbindung zwischen Server und Workstation her.

Datensicherheit durch System Fault Tolerance

Die durch das Serverkonzept erreichte Zentralisierung der Plattenkapazitäten birgt eine große Chance und eine große Gefahr. Die Chance: Es kann nur eine wesentliche Komponente ausfallen. Die Gefahr: Wenn diese Komponente ausfällt, steht das gesamte Netz still. Um dieser Gefahr entgegenzuwirken, hat sich federführend Novell etwas einfallen lassen: Schreibzugriffe auf Platten werden prüfgelesen und gegebenenfalls korrigiert; wenn das nicht möglich ist, wird versucht, andere Bereiche der Platte zu beschreiben; wenn das nichts nützt, wird eine zweite, parallel mitgeführte Platte mit dem Zugriff beauftragt und wenn die "Spiegelplatte" schließlich auch noch defekt ist, läßt sich der Job an einen zweiten Server weitergeben. Diese Sicherheitsfunktionen des NOS nennen sich System Fault Tolerance oder kurz SFT. SFT ist eine der Stärken von Netware. Beim LAN-Manager ist etwas ähnliches bislang noch nicht implementiert. Ab dem zweiten Quartal '89 soll es jedoch auch hier möglich sein, Platten zu "spiegeln".

Auch beim Datenschutz erweist sich das Serverkonzept als Vorteil, der allerdings nur von Novell genutzt wird: Netware spricht seine Serverplatten in einem speziellen Format an, sodaß man über DOS beziehungsweise OS/2 in keiner Weise direkt auf die gespeicherten Daten zugreifen kann. Der Datenzugriff läuft ausschließlich über die Arbeitsstationen, die sich im Netz als aktive Mitglieder angemeldet haben. Damit übernimmt das NOS die Kontrolle über den Benutzer und es gelten die Schutzfunktionen, die hier eingebaut sind. Novell bietet mit NetWare beispielsweise vier Wege, Daten zu schützen:

- Login/Paßwort,

- Benutzerrechte,

- Directory-Rechte,

- Dateiattribute.

Die Benutzer- und Directory-Rechte sind unter NetWare achtstufig spezifizierbar (Dateien lesen, schreiben, öffnen, erzeugen, löschen, Attribute modifizieren und Unterverzeichnisse anlegen). Durch geeignete Kombination von Rechten und Attributen läßt sich sehr genau bestimmen, wer was mit welchen Dateien tun darf. Die Funktionen im LAN-Manager sind an diesem Punkt ähnlich, wenn auch nicht ganz so differenziert.

Dafür bietet der LAN-Manager etwas, was man bei NetWare nur durch Zusatz-Utilities erreichen kann: ein Aktivitätenlogbuch. Hier wird festgehalten, wer wann was mit welcher Datei gemacht hat. Der Systembetreuer hat mit diesem Instrument die Möglichkeit, die Aktivitäten im Netz bequem zu kontrollieren.

Netware und LAN-Manager sind Host-Gateway-geeignet

Ein sehr entscheidender Punkt, welcher die Attraktivität von Profi-LANs insbesondere bei Großunternehmen sehr stark gefördert hat, ist die Kommunikationsfähigkeit, oder neudeutsch, connectivity. Mit dem Einzug der PCs auf die Schreibtische der Büros prallten zwei zunächst völlig verschiedene Welten aufeinander: von der Aufgabenstellung her streng eingegrenzte Datenverarbeitung auf lokaler Ebene (PCs) und zentrale Datenverarbeitung auf unternehmensweiter Ebene (Großrechner mit Terminals).

Mit der steigenden Leistungsfähigkeit von PCs sind auch die Einsatzbereiche dieser "kleinen" Tischcomputer gewachsen. Wachsende Einsatzbereiche erforderten jedoch auch höhere Integration in Anwendungen vorhandener DV-Systeme - auf Abteilungsebene beispielsweise in die Welt der Minis, auf Unternehmensebene in die Welt der Großrechner. Zielsetzung war (und ist), die ohnehin vorhandenen beziehungsweise benötigten PCs sowohl für lokale, als auch für zentrale DV einzusetzen und so auf lange Sicht die "dummen" Terminals nach und nach zu ersetzen.

Damit PCs beide Aufgaben parallel abwickeln können, mußten Schnittstellen entwickelt werden, welche die PCs mit den nötigen Kommunikationsfähigkeiten ausstatten. Auf dem Gebiet der IBM-SNA-3270-Anbindung beispielsweise leisteten Firmen wie DCA mit der Irma-Karte und CXI (heute Novell) mit den PCOX-Produkten vor einigen Jahren Pionierarbeit, wodurch das Bild eines typischen Terminal-Arbeitsplatzes eine krasse Wandlung erfuhr.

Heute sind - mit schon fast zwingender Logik - PC-Netze dabei, die Büros zu erobern. Die Logik besteht darin, isolierte Applikationen, welche aufgrund gestiegener Leistungsfähigkeit der PCs zunehmend auch zentrale Daten verarbeiten, zumindest auf Abteilungsebene zu integrieren. Wenn einzelne PCs fähig sind, mit einem Host zu kommunizieren, dann ist der nächste Schritt nicht weit - auch die vernetzten PCs mit einem Host-Zugang auszustatten. Hier lassen sich äußerst praktikable Lösungen realisieren, welche sowohl organisatorisch als auch finanziell handfeste Einsparungen bringen. Man braucht nur einmal die Host-Schnittstelle installieren - alle anderen Arbeitsstationen können über das lokale Netz diesen sogenannten Gateway-PC für ihre Hostverbindung nutzen.

Sowohl Netware als auch der LAN-Manager sind für Host-Gateways geeignet. Geboten werden unter anderem die Unterstützung des Standardprotokolls TCP/IP (als Gateway zur Unix- und VMS-Welt) und der IBM-SNA-Architektur (als Gateway zur 3270-Welt). Während man bei NetWare hier schon auf eine breite Installationsbasis verweisen kann, muß man beim LAN-Manager zur Zeit noch mit der Theorie vorlieb nehmen. Dies wird sich jedoch mit Sicherheit im Laufe des kommenden Jahres ändern.

Zur Connectivity gehört noch ein weiterer wesentlicher Aspekt: die Kommunikationsfähigkeit von LANs untereinander. So ist es zum Beispiel möglich, mehrere Fileserver in ein Netz einzubinden. Ein Mehrserver-LAN wird in der Regel über sogenannte lokale Bridges realisiert. Zweck ist vor allem die Performance-Steigerung. Der Anwender merkt davon ansonsten nichts. Noch interessanter als die lokalen Bridges sind jedoch die Remote Bridges. Hier müssen die zu verbindenden Netze nicht mehr lokal auf einem Grundstück aufgebaut sein, sondern sie dürfen hier im Prinzip weltweit verteilt sein. Zwischen den Grundstücksgrenzen treten dabei die Dienste der jeweiligen, nationalen Postgesellschaft in Aktion. Unterstützt werden dabei Standleitungen, X.25 (Datex-P) und asynchrone Leitungen. Remote Bridges sind also der Weg zum Wide Area Network - kurz WAN.

Bei Remote Bridges kann weiterhin unterschieden werden zwischen Single-Line- und Multipoint-Verbindungen. Single Line bedeutet eine End-to-End-Verknüpfung; wie zum Beispiel bei einem Telefongespräch findet die Kommunikation nur zwischen zwei Partnern statt. Single Line stellt einen einfachen Weg dar, kleine Wide Area Networks kostengünstig zu verbinden. Die Multipoint-Verbindungen hingegen benutzen die Möglichkeiten von Protokollen, wie sie auch etwa das Datex-P-Netz bereitstellt, auf einer physikalischen Leitung mehrere logische Kanäle aufzubauen. Das heißt, mit einem Anschluß, mit einem Modem, können mehrere Verbindungen zu unterschiedlichen Partnern, und damit Netzwerken, aufgebaut werden.

Nächstes Jahr: Kampf der Giganten

Technisch gesehen basieren Remote Bridges auf den Protokollebenen 2 (beim LAN Manager) oder 3 (bei Netware) des ISO-7-Schichtenmodells. So sind Bridges beim LAN Manager hardwareabhängig (zur Zeit nur Ethernet-Bridges möglich), während bei Netware beliebige LAN-Systeme (etwa Ethernet mit Token Ring) miteinander gekoppelt werden können. Die Auswertung der höheren Protokollschicht bei den Netware-Bridges hat zur Folge, daß die Übertragung schneller abläuft.

Im Jahr '89 wird man in Sachen NOS einen Kampf der Giganten -namentlich Novell und Microsoft - erleben. Wie weit sich der LAN-Manager durchsetzt, hängt im wesentlichen von der breiten Akzeptanz des OS/2-Betriebssystems ab, welches zur Zeit vom LAN-Manager erheblich effizienter unterstützt wird, als von NetWare. Noch kann man aber die Installationsbasis von OS/2-Anwendungen absolut nicht mit der von DOS vergleichen. Nachdem moderne und komplexe Anwendungen jedoch immer mehr Hauptspeicher benötigen, ist abzusehen, daß sich das 640-KByte-Zeitalter seinem Ende nähert: OS/2 adressiert 16 MByte!

Stefan Mutschler ist Marketingleiter bei adcomp, Advanced Communication Products, 8025 Unterhaching bei München.