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24.09.1976 - 

Das Märchen vom billigen Großrechner-Ersatz:

Bei Minis nicht nur auf die Preise achten

BERLIN - In letzter Zeit wurde von Minicomputer-Herstellern soviel Marketing in Richtung "Universalrechner-Ersatz" gemacht, daß man fast geneigt ist, die These von der "kostengünstigeren Hardware" kritiklos zu übernehmen. "Minis als wirtschaftliche Alternative zu Großsystemen" war das Zentralthema der Workshops "Kompakt- und Prozeßrechner-Einsatz" beim 2. IKD, Berlin 1976.

Mit seiner Aussage, "daß Minicomputer keine billigen Großrechner sind, jedoch unter Berücksichtigung des oft erheblichen Preisunterschiedes in bestimmten Fällen durchaus gleichwertige Alternativen für Teillösungen sein können", traf Dr. Rudolf Baer, Institut für Betriebswirtschaft, Hochschule St. Gallen/Schweiz, genau den Punkt, an dem sich Befürworter wie Gegner der "Großrechnerersatz-Minis" treffen können.

Kritik an der Software

So stellte etwa Hans-Michael Gasper, Abteilungsleiter Basis-Software, IBAT-AOP, Essen, in seinem Beitrag "Software-Anforderungen an die kommerziellen Minis" fest, "daß die Anwender zunehmend eine kritischere Haltung gegenüber der Software einnehmen". Wobei sich die Vorbehalte fast ausschließlich gegen die Anwendungssoftware richteten - über die Systemsoftware würde kaum geklagt. Die Multiprogramming-Fähigkeiten der Minicomputer-Betriebssysteme reichen bekanntlich vom Foreground/ Backgroundsystem über Multipartition-Systeme bis zum Universalsystem, das den verfügbaren Hauptspeicher frei verwaltet (keine Partitionbegrenzung) und neben Dialogverarbeitung auch Multi-Batch-Betrieb ermöglicht. Dazu Gasper: "Diese, den Universalrechnern gleichkommenden Möglichkeiten, provozieren geradezu die Frage, ob nicht hier die Alternative zu kleinen bis mittelgroßen Mainframe-Systemen gegeben ist?"

Umsteige-Angebot

Die Mini-Hersteller haben sich auf diese Schwäche der "großen Konkurrenz" eingeschossen und versuchen verstärkt, ihre Systeme kommerziell einzusetzen (siehe oben). Das forcierte Angebot an Cobol- und RPG II-Compilern beweise deutlich, so Gasper, daß Umsteiger von Universalrechnern umworben werden, die ihre bisherigen Programme übernehmen und sukzessive auf "Dialog" gehen wollen. Der IBAT-Softwarespezialist nannte dann das Vorhandensein von Testhilfen, Utilities, Editor-, Spooling-, Filemanagement- und Datenbank-Systemen sowie Quellprogramm-Bibliotheken als die aus der Sicht des Anwenders notwendigen software-technischen Voraussetzungen für den "kommerziellen" Minicomputer-Einsatz. Die vorhandenen Testhilfen sind seiner Meinung nach verbesserungswürdig. Der Anwender erwarte zum Beispiel bei einer abrupten Programmbeendigung eine Aussage darüber, welcher symbolische Befehl zum Abbruch geführt hat, welchen Inhalt seine Variablen zu diesem Zeitpunkt hatten und welche Unterprogramme bis zu diesem Zeitpunkt durchlaufen wurden.

Komfortable Editoren

Die verfügbaren Texteditoren sind dagegen - so Gasper - sehr komfortabel, "weil sie das Erstellen und Ändern von Programmen im bildschirmorientierten Dialogverfahren ermöglichen. Pluspunkte an die Minis vergab Gasper auch in puncto Filemanagement, DBS und Utilities. Er führte im einzelnen aus: "Im allgemeinen ist das Filemanagement der Minis flexibler als das der Mainframer. Die für den kommerziellen Einsatz notwendigen Hilfs- und Dienstprogramme sind vorhanden und zeichnen sich zum Teil gegenüber den Mainframerprogrammen durch einfachere Handhabung und größere Flexibilität aus."

Nicht verfügbar seien allerdings Bibliotheken für Programme in der Quellsprache.

Als ein Manko der meisten Minis bezeichnete Gasper die 16-Bit-Struktur. Dadurch werde die programm-relative Adressierung auf 64-K-Bytes beschränkt. Diese Limitierung beziehe sich auf das gesamte Programm (Daten- und Instruktionsbereiche), so daß bei den meisten Systemen sowohl der Datenbereich als auch der Instruktionsbereich 32-K-Bytes nicht überschreiten dürfe: "Das kann bei großen Cobol-Programmen zu Umstellungsaufwendungen führen." Sehr unerfreulich werde die Situation dann, wenn die Working-Storage Section des Cobol-Programms 32-K-Bytes überschreite. Gaspers Resümmee: "Nur wenige Minis weisen alle Software-Qualitäten auf, die notwendige Voraussetzung für den kommerziellen Einsatz sind."