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08.08.1997 - 

Interview

"Bei NCs geht es vor allem um die Software-Architektur"

08.08.1997

CW: Sie wollen die meisten Arbeitsplätze bei Sun Microsystems auf Javastations umrüsten. Welche Herausforderungen bringt dieser Austausch mit sich?

Raduchel: Beim Netzwerk-Computer geht es um Fragen der Hardware- und Software-Architektur. Ich glaube, daß die Öffentlichkeit dem Hardware-Aspekt zuviel Aufmerksamkeit widmet. Wesentlich wichtiger bei diesem Computing-Modell ist die durch das Web und besonders durch Java neu entstehende Software-Architektur. Spannend an der Reorganisation unserer DV ist daher die Migration aller Standardanwendungen unseres Unternehmens auf den "Webtop". Es handelt sich dabei um eine grafische Benutzeroberfläche, die aussieht wie andere GUIs auch. Der große Unterschied besteht jedoch darin, daß sie im Web abgelegt und von dort heruntergeladen wird. In unserem Fall kommt "Hot Java Views" zum Einsatz.

CW: Abgesehen vom Werbeeffekt, welche Vorteile versprechen Sie sich von der spektakulären Aktion?

Raduchel: Sicher spielt die Senkung der Unterhaltskosten eine Rolle. Allein schon der Wegfall von Problemen wie Speicherschutzverletzungen und Viren machen Java interessant. Der wesentliche Punkt aber ist, daß wir eine Anwendungsarchitektur wollen, die für die Kommunikation mit unseren Geschäftspartnern, unseren Lieferanten, unseren Kunden, aber auch unseren Mitarbeitern offen ist. Gerade letztere arbeiten häufig zu Hause, in Hotels oder entfernten Büros. Eine Arbeitsumgebung, die an einen bestimmten Desktop-Rechner gebunden ist, eignet sich dafür nicht. Beim Web-basierten Modell steht dem Benutzer die persönlich angepaßte Arbeitsumgebung auf jedem Java-Client zur Verfügung, egal von wo auf der Welt er sich einloggt.

Wir verzeichnen bei Sun jedes Jahr 34 000 interne Umzüge. Da bei den Java-Rechnern kein Administrationsaufwand mehr fällig ist, sparen wir allein dadurch schon 20 Millionen Dollar.

CW: Glauben Sie, daß Sie für "normale" Anwender überhaupt ein Vorbild sein können? Schließlich haben Sie als Hersteller einen privilegierten Zugang zu den eingesetzten Technologien. Gerade Java scheint vielen DV-Verantwortlichen noch nicht ausgereift genug für den flächendeckenden Einsatz.

Raduchel: Wir wollen niemanden dazu zwingen, seine bestehende Client-Hardware wegzuwerfen. Hot Java Views läuft auf praktisch allen Desktop-Systemen, Windows inklusive. Die Software basiert ausschließlich auf offenen Standards. Anwender können über die integrierten Clients für Mail, Kalender, Terminplanung und Adreßbücher in das Java-Computing einsteigen. Wenn sie im Lauf der Zeit mehr Anwendungen auf den Webtop portieren, können sie fette Clients nach und nach gegen Javastations austauschen.

CW: Der Umstieg auf Javastations scheint tatsächlich eine Option für eine fernere Zukunft zu sein. Die Rechner werden derzeit mit Sparc-Chips, später aber voraussichtlich mit speziellen Java-Prozessoren wie dem "Microjava" ausgeliefert. Die in das Java OS integrierte virtuelle Maschine (VM) gehört zu den langsamsten am Markt. Droht Anwendern da nicht eine Vielzahl von Updates?

Raduchel: Die Javastation lädt das Betriebssystem jedesmal vom Netz, wenn sie eingeschaltet wird. Updates nehmen wir laufend vor, ohne daß dies der Benutzer überhaupt merkt. Bei der Ausführungsgeschwindigkeit von Java wird es bis Jahresende wesentliche Verbesserungen geben. Im übrigen glaube ich nicht, daß Anwender bei ihrer Arbeit wesentlich von einer schnelleren CPU profitieren. Sollte dennoch jemand später auf Microjava-Rechner umsteigen wollen, dann rentiert es sich trotzdem, schon jetzt Javastations zu nutzen. Nach unseren internen Berechnungen sparen wir durch die Umstellung 3000 bis 4000 Dollar pro Jahr und Arbeitsplatz, also weit mehr als die 600 Dollar Anschaffungskosten für eine Javastation.

CW: Glauben Sie nicht, daß Wintel-Maschinen durch die versprochenen Verbesserungen bei der Administration ähnlich günstig im Unterhalt werden?

Raduchel: Auf meinem PC zu Hause sind 15 000 Dateien installiert, auf meiner Javastation in der Arbeit überhaupt keine. Welcher der beiden Computer, glauben Sie, ist einfacher zu verwalten? Wenn zu dieser Komplexität auch noch die Komplexität von Management-Software hinzukommt, dann ist das Ergebnis sicher kein einfaches System.