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06.12.1991 - 

Zweite Superrechner-Initiative

Bei Parallelrechnern wollen die Europäer der Konkurrenz trotzen

KONSTANZ/MÜNCHEN (jm) - Nach der "European Teraflop Initiative" (ETI) konstituiert sich in der Alten Welt mit "EI hoch drei" (Europäische Industrie Initiative Innovation) in diesem Jahr bereits eine zweite Vereinigung, die sowohl die Entwicklung eines massiv-parallelen Rechners als auch die japanische und amerikanische Konkurrenz im Auge hat.

Im Februar 1991 stellte Physik-Nobelpreisträger Carlo Rubbia in seiner Funktion als Vorsitzender der EG-Arbeitsgruppe "Höchstleistungs-Computing" fest, für künftige Arbeiten in den verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen seien Rechenleistungen in bislang unbekannten Größenordnungen anzusetzen. Rubbias Schluß und Forderung hieraus: Europa müsse dieser Herausforderung mit einem massiv-parallele Tflop-Rechner begegnen, der bis zur Jahrtausendwende das Licht der Welt erblicken soll. Das vorläufige Ergebnis war die Gründung der ETI-Initiative, die sich von deutscher Seite- aus Forschern von DESY, CERN sowie verschiedenen Hochschulen rekrutiert, die darüber hinaus die Aachener Parallelrechner-Firma Parsytec um ein Technologiekonzept anging.

Diese ETI-Zusammenarbeit gilt allerdings vor allem dem Wissenschaftlich orientierten Höchstleistungsbereich, bei dem sowohl von den Kosten als auch der Ausstattung eines solchen Number-Crunchers her die Grenzen nach oben offen sind.

Anders beim EIII: Nach Aussagen eines Sprechers der Parsytec GmbH setzt sich die neue Vereinigung vor allem den industriellen Sektor und Aufgaben wie etwa Bildverarbeitung und - ganz allgemein - die Anbindung von massiv-parallelen Rechnern an Industrie- und Produktionsumgebungen zum Ziel.

Während in der ETI vor allem Physiker arbeiten, die für ihre Aufgabenstellungen - vor allem Simulationen - bisherige Leistungsbarrieren durchbrechen wollen, gaben sich auf der Gründungsveranstaltung der EIII vor allem DV-Unternehmen die Hand: An der von der AEG Electrocom GmbH in Konstanz als Gastgeber ausgerichteten Gründungsveranstaltung nahmen unter anderem das französische Software-Schwergewicht Cap Gemini, Daimler-Benz und Dornier, zudem die Deutsche Forschungsgesellschaft für Luft und Raumfahrt (DLR), die zur Deutschen Aerospace gehörende Telefunken Systemtechnik, die Fraunhofer Gesellschaft und - wie auch bei der ETI -

Parsytec teil. Die TU München, und hier die Abteilung von RISC-Guru Arndt Bode, soll Debugging- und Monitoring-Software für die EIII-Rechner entwickeln.

Aus dem europäischen Ausland beteiligen sich ferner die französische SGS-Thomson-Gruppe, die insofern eine Rolle spielt, als sie das britische Transputer-Unternehmen Inmos aufgekauft hat. Deren CPUs stecken in den massiv-parallelen Systemen von Parsystec, womit ein Trend bezüglich der Hardware vorgegeben zu sein scheint. Aus Griechenland steuern das Softwarehaus Hitec und die Textilfirma Pireiki Patreiki Beiträge bei, Spanien ist mit dem Luftfahrtunternehmen Casa vertreten, und aus den Niederlanden sowie Portugal kommen Anregungen von den Forschungsinstituten TNO beziehungsweise Inesc.

Die EIII-Initiative soll auf höchster europäischer Ebene bei der EG abgesegnet und konstituiert werden. Im für die Esprit-Projekte verantwortlichen Referat Informationsverarbeitung und Telekommunikation gründeten die Brüsseler Administratoren eine eigene Unterabteilung A4, die sich mit den Problemen von "Advanced Architectures and Highperformance-Computing" beschäftigt. In dieser höchsten technologisch ausgerichteten Etage zeichnet der Deutsche Rainer Zimmermann dafür verantwortlich, daß die Europäer auf dem Gebiet der massiv-parallelen Computerei sowohl den Amerikanern als auch Japanern in Zukunft die Hacken zeigen.

Allerdings hat man - wie der Parsystec-Sprecher gegenüber der COMPUTERWOCHE konzedierte - vor allem in Thinking Machines einen ernsthaften Konkurrenten. "Aber die liegen mit ihren Angeboten preislich ja in Kategorien, die wir mit EIII weit unterbieten wollen." Außerdem habe Europa traditionell sowohl in bezug auf die Hard- als auch hinsichtlich der Software auf dem Gebiet der Parallelverarbeitung immer schon an der Spitze der Entwicklung gestanden.