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15.11.1991 - 

Nibeg-Anwenderverein stellte SNI auf den Prüfstand

Bei Siemens-Nixdorf sehen die 8890-Benutzer keine Zukunft

MANNHEIM - Enttäuschung bei den 8890-Kunden von SNI: Ein Jahr nach dem Start der aus Siemens-DI und Nixdorf Computer AG entstandenen Gesellschaft sieht sich diese Klientel bei SNI in einer Sackgasse, haben die SNI-Strategen das Vertrauen der 8890-Anwender verspielt. Dies brachte die Fachtagung der Nibeg e.V. in Mannheim zutage.

Das Dilemma der 8890-Anwender, die historisch bedingt den zahlenmäßig größten Teil der Nibeg-Anwendervereinigung -ausmachen, ist offensichtlich: Sie fahren eine "tote" Maschine - noch zu Lebzeiten der Nixdorf Computer AG wurde das einst in der IBM-/370-kompatiblen Welt positionierte System vom Vertrieb zurückgezogen, kamen die Betriebssystem-Weiterentwicklungen zum Stillstand -, und haben zudem mit zum Teil stark verminderten Serviceleistungen seitens ihres Lieferanten zu kämpfen. Letzteres gesteht selbst SNI ein. Man bemühe sich zwar, die Serviceverträge zu erfüllen, doch sei es schwierig, die Mitarbeiter zu motivieren, ein nicht-strategisches System noch einen längeren Zeitraum zu warten.

Einer der wichtigsten Programmpunkte der zweitägigen Nibeg-Veranstaltung - der Verein versteht sich mittlerweile als "neutrale herstellerunabhängige Informationsverarbeitungs-Benutzergruppe e.V." - war deshalb der Auftritt der SNI-Vertreter vor den rund 50 Teilnehmern. Sie sollten den 8890-Kunden Zukunftsperspektiven in Hard- und Software aufzeigen, mit ihnen Lösungsmöglichkeiten diskutieren und darlegen, wie sie sich zukünftig die Zusammenarbeit mit der von Nixdorf "geerbten" mittelständischen Klientel vorstellen.

Daß gerade in puncto Zusammenarbeit vieles noch im argen liegt, hatte der Nibeg-Vorsitzende Hans-Peter Nickenig vorweggeschickt: "Bei Nixdorf hatten wir der Vergangenheit durchaus die Chance, auch als keine Kunden unsere kleinen, aber berechtigen Interessen loszuwerden. Es gab durchaus häufig ein schnelles Umsetzen von Ideen und Anforderungen in den Lösungen, und es gab in Bandbreiten auch vernünftige Preis-Leistungs-Verhältnisse. Bei der SNI hingegen scheint die Lösungsmentalität für Klein- und Mittelstandskunden noch wenig ausgeprägt und wenig vorhanden zu sein." Dennoch, so Nickenigs abschließende Bemerkung, sei es nach der Diskussion mit den SNI-Vertretern vielleicht möglich, für die "alten Nixdorf-Kunden ein Stück Zu-hause-Gefühl bei der SNI wiederzufinden".

Wann kommt der Comet-Nachfolger ALX?

Die SNI-Vertriebsexperten rund um Marketing-Manager Rudolf Gröger von der Division 1, Business Systems, bemühten sich redlich, bei den Zuhörern Heimatgefühle zu wecken, doch waren diese die zum Teil langatmigen Folienvorträge bald leid und drängten den Marketiers übergangslos die Diskussion über Funktionalität und Verfügbarkeit des Comet-Nachfolgeproduktes ALX auf - ein Problem, das neben den 8870-Anwendern auch den 8890-VM/Basic-Usern unter den Nägeln brennt.

Ergebnis der Frage-Antwort-Runde: Vier Module von ALX (Fibu, Lohn, Materialwirtschaft und Vertrieb), die dem unteren Comet-Leistungsspektrum entsprechen und auf der Systems gezeigt wurden, sollen im Frühjahr 1992 zur Freigabe kommen. Was aber den oberen Comet-Anwendungsbereich angeht, so scheint SNI nun mit der Entwicklung von ALX nicht mehr viel im Sinn zu haben, sondern vielmehr auf die Lizenzierung von SAPs R/3 zu setzen.

R/3 von SAP ist dem Mittelstand zu teuer

"Bei jeder Produktentwicklung", ließ Gröger die Tagungsteilnehmer wissen, "muß man sich permanent fragen, ob dieses Produkt, das entwickelt wird, noch den Markt hat, der zu Beginn prognostiziert wurde. Ohne Frage wird durch den Eintritt der SAP mit R/3 im Markt der horizontalen Anwendungssoftware etwas passieren. Demzufolge müssen wir uns fragen, inwieweit ALX noch richtig ist, und es entsprechend positionieren." Der Marketing-Manager weiter: "Die Strategie von SNI ist es, nicht nur ein Produkt ALX anzubieten, sondern auch Softwareprodukte anderer Anbieter zu lizenzieren und auf unseren Systemen mitanzubieten, die aus unserer Sicht eine gewisse Marktakzeptanz haben - wie eben beispielsweise R/3."

Die Bemerkung von Wolfgang Grom, Abteilungsleiter DV/Org. bei der Automatik Maschinen Apparatebau GmbH, Großostheim: "Ihren Worten entnehme ich, daß Sie uns empfehlen, auf R/3 zu warten", ließ Gröger indes unkommentiert. Doch auch ohne klare Antwort hatte sich nicht nur Grom dieser Eindruck aufgedrängt. Durchgängige Meinung zahlreicher Zuhörer: "ALX wird nur den Bereich abdecken, den SAP mit R/3 nicht bieten kann. R/3 aber ist für den mittelständischen Kunden unerschwinglich und geht an unseren Anforderungen vorbei."

Die Migration zu BS2000 ist kein Thema

Für die 8890-Kunden, die sich unter Nidos in der IBM-Welt bewegen, stellt sich vor allem die Frage nach der zukünftigen Betriebssystem-Welt. Hier hielten die SNI-Vertreter einen Vortrag über Migrationsmöglichkeiten von der 8890 hin zum System 7.500 unter BS2000. Doch BS2000 scheint für die 8890-Anwender keine Alternative darzustellen, zumal zu hören war, daß noch kein derartiger Umstieg erfolgt ist.

Ein DV-Leiter aus Westfalen: "Wir waren mit Nidos in einer Sackgasse gelandet. Durch die IBM-Kompatibilität sind wir aber dennoch zumindest ein wenig frei gewesen. Wenn wir jetzt auf BS2000 gehen, kommen wir auf eine Schiene, die im Prinzip auch eine Sackgasse ist. Denn damit sind wir nicht in der offenen Welt."

Der Unix-Markt aber, so fügte er gleich hinzu, käme vor allem hinsichtlich Software auch nicht voran, er sei noch zu verschwommen.

Generell zeigte sich der Westfale enttäuscht von der Vorstellung der SNI-Abgesandten. "Den gleichen Vortrag über den Umstieg von Nidos auf BS2000 habe ich schon im vergangenen Jahr gehört. Somit sind wir auf dem gleichen Stand. Deshalb denke ich auch, daß SNI nicht sonderlich interessiert daran ist, die 8890-Kunden zu bedienen." Und weiter: "Viele Kunden haben Nixdorf jahrelang die Treue gehalten, sind von der 8870 auf die 8890 umgestiegen. Nun werden wir für unsere Loyalität fast schon bestraft." Die 8890-Anwender müßten daraus schließen, bei SNI keine Zukunft zu haben, und sich nun auf dem Markt anderweitig orientieren.

Ähnlich lautete auch die Erkenntnis eines Zuhörers aus dem Rhein-Main-Gebiet: "Wir sollten nicht länger darauf warten, daß von SNI irgendein Produkt kommt, sondern vielmehr die Systeme möglichst schnell ablösen. Denn die SNI wird die 8870- und 8890-Kunden am langen Arm verhungern lassen."