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17.02.1978 - 

Folgenschwerer Verzicht auf konventionelle Hilfsmittel:

Bei terminkritischen Jobs spielt die AV ihre Stärken aus

Von Martin Graef*. Eine richtig organisierte AV hat entscheidenden Einfluß auf die Wirtschaftlichkeit jeder Produktion, also auch die Produktion im Rechenzentrum. Da sich die EDV in den letzten Jahren mehrfach den Vorwurf ungenügender Wirtschaftlichkeit hat anhören müssen, ist eine kritische Betrachtung dieser hier wesentlichen Einflußgröße sicher gerechtfertigt. Unter Arbeitsvorbereitung versteht man die Gesamtheit aller Maßnahmen einschließlich der Erstellung aller erforderlichen Unterlagen und Betriebsmittel, die durch Planung, Steuerung und Überwachung für die Fertigung ein Minimum an Aufwand gewährleisten.

Der Gesamtkomplex der die Arbeit (Produktion) vorbereitenden Tätigkeit gliedert sich in langfristige und kurzfristige Planungsmaßnahmen. Der langfristige Anteil legt meist nur den Rahmen für die Produktion fest und besteht im einzelnen aus

- der Gestaltung des Produktionssortiments, also welche Aufgaben zu welchen Zeitpunkten auf die EDV übernommen werden sollen,

- der Gestaltung der Produktionsbereitschaft, oder der Hardware- und Software-Planung,

- der Gestaltung der Produktionsorganisation, das heißt der Ablauforganisation und

- der Koordination der Planung des Rechnungswesens.

Dieser Teil der AV wird im allgemeinen nicht dialogorientiert abgewickelt werden können.

Die kurzfristige Planung enthält alle für die Produktion relevanten Aktivitäten. Sie gliedert sich in die drei, auch im Rechenzentrum ausgeprägten, Funktionsgruppen:

- Aufstellung der Auftragsprogramme;

- Ausgabe der Aufträge;

- Beobachtung der Produktionsausführung.

Über das Aufgabenfeld einer AV im Rechenzentrum erhält man einen guten systematischen Überblick, wenn man sich den Datenfluß im Rechenzentrum in graphischer Form vor Augen führt (Grafik).

Die drei Arbeitsgebiete der AV im Rechenzentrum lassen sich so gliedern:

* Arbeitsplanung und -steuerung

- Mitarbeit an der Planung neuer Arbeitsgebiete vor Beginn der Umstellungsarbeiten

- Planung von Test- und Übernahmearbeiten während der Umstellungsarbeiten

- Übernahme der Dokumentation nach Abschluß der Umstellungsarbeiten und Einplanung der umgestellten Arbeitsgebiete im einzelnen

* Ablaufvorbereitung

- Gewinnung der Steuerkarten

- Jobzusammenstellung

- Übergabe der Arbeitsmittel und Arbeitsunterlagen an den Maschinenraum

* Verwaltungsarbeiten

- Archivierung von Magnetbändern und Magnetplatten, Führung des Speicherarchivs

- Bestandsführung und Materialdisposition von Arbeitsmitteln

- Übernahme von Programmänderungen

- Führung des Dokumentationsarchivs.

In vielen Rechenzentren besteht die AV nicht als eine eigene organisatorische Einheit, sondern ein Großteil dieser Aufgaben wird vom Operating erledigt. Als Hilfsmittel einer "Operateurverplanung" sind zunächst Betriebssystem und Operateur-Konsole zu nennen. Der Operateur verfolgt in diesen Fällen an der Konsole über Schreibmaschine oder Bildschirm den Arbeitsablauf. Hier sind schon wesentliche Merkmale einer dialogorientierten AV zu erkennen. Da gerade die Behandlung externer Datenspeicher eine Erweiterung dieses Verfahrens verlangte, wurde in einigen Betriebsystemen standardmäßig eine Unterstützung mehrerer Konsolen vorgesehen.

So kurz einem auf der einen Seite der Schritt vom Mehrkonsol-System zur dialogorientierten AV erscheint, so lang ist er jedoch in Wirklichkeit, da Konsolen dieser Art immer noch zu privilegiert sind und zusätzliche Hilfsmittel (etwa Dateibehandlung und Editor) nicht zur Verfügung stehen.

Es wurde eingangs bereits darauf hingewiesen, daß die Grundlage einer guten AV der Bericht über den laufenden Betrieb ist. Soweit dieser den aktuellen Stand betrifft, so ist wohl kaum ein anderes Hilfsmittel so geeignet wie das Dialogterminal. Nur kommt hier die Frage auf, inwieweit die vorhandene Software dem Informationsbedürfnis einer AV entspricht. Hier gilt nämlich, wie überall in der Anwendung der Datenverarbeitung, daß es nicht nur auf die aktuellen Informationen an sich, sondern auch auf die Darbietung in geeigneter Form ankommt.

In praktisch allen Betriebssystemen laufen spezielle "Datensammelsysteme" oder Accounting-Systeme mit, um die Informationen über den laufenden Betrieb zusammenzustellen.

Sehr viele Einzelentwicklungen sind betrieben worden. Zwischenzeitlich gibt es aber auch schon Standard-Anwendungssoftware, die eine Erweiterung zu einem dialogorientierten System offen läßt. Die bis jetzt genannten Hilfsmittel der AV in Rechenzentren zielen alle schon mehr oder weniger auf den Dialogbetrieb hin.

Es zeigt sich jedoch, daß mit dem Ersetzen dieser konventionellen Hilfsmittel der AV eine organisatorische Umstellung einhergeht, die nicht unterschätzt werden sollte.

Scheduling durch das Betriebssystem

So genau die AV eines "Rechenzentrums" auch die tägliche Belegungsplanung vornimmt, so träge ist sie doch bezüglich der momentanen Belegungsverteilung beim Mehrprogrammbetrieb. Hier arbeiten die EDV-Anlagen mit so hoher interner Geschwindigkeit, daß man den jeweils augenblicklichen Ablauf nur mit Hilfe der Programme eines Betriebssystems überwachen und steuern kann.

Dies hat dazu geführt, daß eine Vielzahl von Verteilungsalgorithmen vom wissenschaftlichen Standpunkt aus analysiert wurden und man heute ein sehr gutes Reaktionsvermögen des Gesamt-Systems erhält. Aufgrund dieser Tatsache verzichtet man in einer Reihe von Rechenzentren ganz dem Betriebssystem. Bei nicht terminkritischen Arbeiten geht dies auch im allgemeinen gut. Man sollte aber beachten, daß die Verteilungsfunktion des Betriebssystems keine Verplanung nach Endterminen vornehmen kann, da die wahrscheinlichen Laufzeiten und das zukünftige Ablaufverhalten dem Betriebssystem nicht bekannt sind. Die Möglichkeiten der Angabe einer Zeitschranke sind hier nicht ausreichend und für die Planung selbst ungeeignet. Man vermißt die Möglichkeit einer vorwärtsblickenden Strategie.

Diese und ähnliche Probleme sind bekannt, und man bemüht sich, vor allem im Zusammenhang mit der Fernverarbeitung Abhilfe zu schaffen. So werden im JES III (Job Entry System) Job-Ketten derart automatisch berücksichtigt, daß die Priorität eines Jobs automatisch erhöht wird, wenn der Endtermin des Jobs überschritten ist.

Diese Planungshilfen sind für ein terminorientiertes Rechenzentrum jedoch nicht ausreichend. Es fehlt an strategischen und kombinatorischen Analysen eines Job-Mixes, die man mit programmäßiger Unterstützung an einem mit Dialogterminal ausgestatteten Arbeitsplatz der AV realisieren kann.

*Dr. Martin Graef, Direktor des Zentrums für Datenverarbeitung an der Universität Tübingen.