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05.05.2000 - 

Auswahl von E-Commerce-Software

Bei Web-Shops lohnt ein Blick auf die Details

Der Markt bietet inzwischen eine breite Vielfalt von Online-Shop-Software. Doch die Auswahl des geeigneten Systems ist nicht trivial. Von der Wahl des Internet-Service-Providers über die nötigen Shop-Funktionen bis hin zur Anbindung an betriebswirtschaftliche Abläufe sollte alles passen.Von Klaus Manhart*

Vor der Wahl eines Shop-Systems sind einige grundsätzliche Entscheidungen zu treffen. Zunächst steht eine Firma vor der Frage, das Internet-Geschäft selbst zu betreiben oder sich bei einem Shop-Hoster einzumieten. Beim MietShop bedient man sich der vorhandenen Infrastruktur eines Service-Providers, auf dessen Servern die entsprechende Software läuft. Er stellt außerdem die Speicherkapazität (Webspace) sowie die erforderliche Bandbreite zur Verfügung. Allerdings erlauben MietShops selten eine direkte Verbindung zu einer externen Datenbank, weshalb diese Variante nur bei kleinen Auftritten in Erwägung gezogen werden sollte. Die Artikeldaten sollten sich relativ selten ändern, und die Artikelmenge darf nicht sehr groß sein.

Kauft sich das Unternehmen eine Shop-Software, muss sie auch für die entsprechende Infrastruktur zum Betrieb des Systems sorgen. Dazu zählen der Web-Server sowie der Rechner, auf dem das E-Commerce-Programm läuft, und eine Festverbindung (Standleitung) zum Internet. Ein firmeneigener Server erfordert zudem Personal zum Warten des Systems. Schließlich verlangen Speziallösungen, etwa die Verbindung einer üppigen Datenbank mit einer Web-Oberfläche, entsprechendes Know-how.

Eine Alternative zum Firmen-Server bietet das Server-Housing. Dabei wird der eigene oder gemietete Server bei einem Internet-Service-Provider (ISP) "untergestellt". Zumindest der technische Aufwand ist dabei geringer als beim Betrieb im eigenen Hause.

Letztendlich ist für die Entscheidung, ob Inhouse-Betrieb oder Outsourcing, ausschlaggebend, welches Übertragungsvolumen der Betreiber erwartet. Je mehr Kunden gleichzeitig auf das Shop-System zugreifen, umso stärker ist der Datenverkehr und umso höhrere Gebühren muss das Unternehmen an den Provider entrichten, denn nach diesem Muster rechnen die ISPs in der Regel ab. In die Kalkulation einbeziehen sollten die Verantwortlichen außerdem, dass auch Verbindungen zu Datenbanken das Übertragungsvolumen steigern. Werden Daten häufig aktualisiert oder mehrmals täglich eingehende Bestellungen in ein Warenwirtschaftssystem eingespielt, steigen somit auch die Kosten für das Server-Housing an. Nicht so beim Betrieb des Systems im eigenen Haus: Dort können die Verwalter Daten-Updates ohne Zusatzkosten beliebig oft fahren.

Professionelle Online-Shop-Systeme trennen grundsätzlich zwischen Artikeldaten und der Online-Präsentation. Die Produktinformationen liegen meist schon in einer Datenbank vor. Für die Darstellung der Waren auf den Web-Seiten wird nur eine Vorlage abgelegt.

Aus dieser sowie aus den Artikeldaten erzeugt die E-Commerce-Software eine Web-Seite, sobald ein Surfer auf die Site zugreift (dynamische Seitengenerierung). Ein erster Knackpunkt bei der Auswahl einer Lösung ist die Anbindung bestehender Datenquellen. Zwar verfügen fast alle Datenbanksysteme über eine ODBC-Schnittstelle, doch sie bietet nur einen begrenzten Datendurchsatz. Leistungsstärker und stabiler sind spezielle Interfaces für das jeweilige Datenbanksystem.

Es lohnt sich, bei der Auswahl einen Blick auf die Verwaltungsfunktionen zu werfen, über die der Administrator Artikel einfügt, entfernt beziehungsweise Informationen aktualisiert. Mit einem Browser-gestützten Pflegewerkzeug lässt sich dies komfortabel erledigen. Die Shop-Software muss hierzu Vorlagen (Templates) anbieten: Fügt der Verwalter in ein Template Artikel ein oder entfernt sie, werden die dazu erforderlichen Datenbankbefehle in vorgefertigte HTML-Seiten geschrieben. Bei Abruf der Seite durch den Nutzer erzeugt das E-Commerce-System aus dem Template und den Artikeldaten der Datenbank eine Web-Seite - der Server ersetzt diese Befehle beim Aufruf durch reale Daten.

Von einem Artikelkatalog erwarten Surfer mehr als nur eine Auflistung der Produkte inklusive Warenkorbfunktion. Online-Kunden wollen persönlich angesprochen werden. Das kann im einfachsten Fall eine persönliche Begrüßung bei jedem Besuch mit Vor- und Nachnamen sein. Stärkeren Eindruck dürfte die Platzierung häufig aufgerufener Produkte oder Produktgruppen an prominenter Stelle machen, so dass der Besucher sie gleich beim Aufruf der Shop-Site im Zugriff hat. Zur Bindung des Kunden an das Online-Geschäft tragen insbesondere kundenspezifische Preise bei - etwa abhängig vom Umsatz oder von der Aufrufhäufigkeit eines Angebots.

Einige Shop-Systeme unterstützen das Cross-Selling. Dabei erkennt das E-Commerce-Programm, dass der Online-Kunde ein bestimmtes Produkt in den Warenkorb gelegt hat, und bietet ihm automatisch ein passendes Ergänzungsprodukt an. Mengenstaffel und Rabattsysteme sind besonders im Handel zwischen Firmen (Business-to-Business) üblich und sollten in diesem Fall ebenfalls von der Software unterstützt werden.

Nach der Eröffnung des Web-Shops wollen der Vertrieb sowie das Marketing wissen, wie die Angebote ankommen. Über statistische Auswertungen der Protokolldateien (Logfiles) lässt sich ermitteln, wer was wann gekauft hat. Ferner kristallisiert sich so heraus, welche Produkte zu den Top-Sellern und welche zu den Ladenhütern zählen. Ein gutes Shop-System stellt solche Daten auf Mausklick und mit Grafiken zur Verfügung.

Außerdem wird jedem Unternehmen daran gelegen sein, das elektronische Geschäft mit den sonstigen betriebswirtschaftlichen Prozessen zu verzahnen, sprich, den Internet-gestützten Vertrieb und die vorhandenen IT-Systeme zusammenzuführen. Idealerweise müssen die Verwalter neue Produktdaten nur einmal erfassen und sind dann in der Lage, sie per Knopfdruck im Web zu veröffentlichen. Umgekehrt sollten sich online eintreffende Aufträge unmittelbar in kaufmännischen Anwendungen verbuchen lassen. Darüber hinaus wollen Online-Kunden wissen, ob die Ware verfügbar und in welchem Zeitraum sie lieferbar ist.

Produktbezogene Stammdaten verwalten Unternehmen normalerweise in Warenwirtschaftssystemen, daher sollte eine automatisierte Übernahme dieser Daten in den Online-Shop möglich sein. Informationen zwischen Warenwirtschaftssystem und Web-Geschäft sind im einfachsten Fall über einen Dateitransfer abzugleichen. Einige Shop-Lösungen, wie beispielsweise "Icat Electronic Commerce Suite" oder die Produkte der "Professional Line" von Internolix, bieten die Möglichkeit, Datenbanken online und offline zu bearbeiten - ein Feature, das besonders beim Server-Housing nützlich ist und Kosten spart. Im Online-Betrieb sind beide Systeme - das Warenwirtschaftssystem und der Online-Shop - miteinander verbunden. Sobald sich in den Stammdaten etwas ändert, aktualisiert das System die Shop-Datenbank. Im Offline-Betrieb sammelt die E-Commerce-Lösung die in der Warenwirtschaft geänderten Daten zunächst in einem Zwischenspeicher, um sie dann auf einmal in den Shop zu übertragen. Damit lassen sich beispielsweise große Änderungen ohne Belastung der Internet-Verbindung vollziehen. Online-Bestellungen werden zunächst im Shop gespeichert und erst anschließend in das Warenwirtschaftsprogramm eingebucht.

Insbesonders kleinere Web-Shop-Systeme lassen sich oft nur schwer an die betriebswirtschaftlichen IT-Systeme anbinden. Billiglösungen mangelt es häufig an standardisierten Schnittstellen zu Geschäftsanwendungen. Künftige Online-Anbieter sollten sich deshalb zunächst über die kaufmännischen Anforderungen klar werden und auf dieser Grundlage die passende E-Commerce-Infrastruktur realisieren.

* Klaus Manhart ist freier Journalist in München.

Klein, Mittel, GrossJedes Shop-System ist auf eine bestimmte Klientel zugeschnitten. Grob kann man Shop-Software einteilen in sehr große, mittlere und sehr kleine Systeme, zugeschnitten jeweils auf international agierende Firmen, Systeme für den Mittelstand und kleine Unternehmen.

Große Shop-Systeme

Online-Shops dieser Kategorie wenden sich an Betreiber, die gleichzeitig Hunderte oder Tausende von Transaktionen erwarten. Dies ist in der Regel nur der Fall bei einem sehr großen, international ausgerichteten Web-Auftritt mit begehrten und typischen Internet-Produkten, wie sie etwa die großen Buchversender anbieten (Amazon.de, Bol.de). Preislich liegen derartige Systeme zwischen 50000 und mehreren 100000 Mark. Ein Beispiel für ein solches System, das mehrere hunderttausend Artikel und viele parallele Transaktionen zulässt, ist "One-to-One" von Broadvision. Das System arbeitet Server-seitig unter Java, und zwar auf Windows-NT- sowie Unix-Plattformen. Ebenfalls zu dieser Gruppe zählen unter anderem die Produkte von Netscape sowie Interworld Technology.

Systeme für den Mittelstand

Software der mittleren Preiskategorie zielt auf Betreiber, die pro Tag mehrere hundert oder tausend Bestellungen haben und deren Online-Produktpalette aus 500 bis 500 000 Artikeln besteht. Dafür muss der Betreiber zwischen 10 000 und 50 000 Mark für Lizenzen bezahlen. Intershop hat sich in diesem Preissegment einen Namen gemacht. In dieser Liga spielen darüber hinaus unter anderem die Anbieter Microsoft und Easy Systems ("Shopmaker").

Kleine Shop-Systeme

E-Commerce-Lösungen der unteren Preiskategorie sind angebracht, wenn pro Tag nur ein paar Bestellungen eintreffen und nicht mehr als 300 bis 500 Artikel präsentiert werden sollen. Die Preise bewegen sich bei einigen hundert bis etwa 1000 Mark. Ein solches Shop-System ist Web66 (www.web66.de). Es unterstützt mehrere Sprachen und Währungen und verfügt über Schnittstellen zu Warenwirtschaftssystemen. Außerdem bietet unter anderem die Firma SCS mit "Shopmanager" (www.shopmanager.de) sowie die Commercy AG (www.commercy.de) mit "Easy Market" solche Softwarelösungen an.

Abb.1: Gefragte Funktionen

Warenkorbfunktionen will fast niemand missen. Erstaunlich ist, dass so viele befragte Firmen auf Mehrsprachigkeit Wert legen. Quelle: Meta Group Deutschland

Abb.2: Was darf es kosten?

Laut Meta Group bevorzugen deutsche Firmen bei Web-Shops Standardlösungen. Quelle: Meta Group Deutschland