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27.05.1977

"Beim EAN- Programm wird vieles falsch behandelt"

Mit Günter Leue, Unternehmensberater und POS - Spezialist, sprach Dieter Eckbauer

-"EAN nicht verwendungsfähig" lautete eine CW- Schlagzeile (Ausgabe 11 vom 11. März 1977, Seite 1). Sie haben das als "Resolverblatt-Stil" bezeichnet: Womit begründen Sie ihren Vorwurf?

Die heute zur Verfügung stehende Technik der meisten Hersteller die im POS - Scanner - Geschäft drin sind, ist ausreichend, vernünftige Antwortzeiten zu gewährleisten. Es stehen zudem Speicher zur Verfügung, die groß genug sind, bei der Anwendung entsprechender Softwaretechniken, selbst das extrem große Warenangebot in Selbstbedienungs-Warenhäusern aufnehmen zu können. Man muß dabei beachten, daß das nicht nur Simulations-Ergebnisse und Überlegungen technischer Art sind, sondern daß es in den USA heute bereits eine Anzahl von Installationen auf der Basis des UPC-Codes gibt, die Anforderungen dieser Art, wie sie von Selbstbedienungs-Warenhäusern gestellt werden, seit langer Zeit realisieren. Das ist die Praxis und ich darf betonen: Das EAN- Symbol ist von kompatibel mit dem UPC-Symbol und es spielt überhaupt keine Rolle ob sie jetzt in dieser Abwicklung UPC oder EAN verwenden.

- Demnach sind keine Änderungen an den Scannern notwendig?

Sie sind relativ geringfügiger Art. Insbesondere bei all den Scannern, die man als Scanner der zweiten Generation bezeichnet.

- Was ist charakteristisch für diese zweite Scanner-Generation?

Hier wird nicht mehr mit festverdrahteten Schaltungen, sondern mit Mikroprozessoren gearbeitet, so daß es nur noch eine Frage von zusätzlichen ROM's ist, die Lesbarkeit beider Symbole, UPC und EAN, zu gewährleisten.

- Von der einen und anderen Seite wird eingewendet, "das EAN-Symbol ist doch l3 stellig, während das UPC- Symbol 10 stellig ist".

Das UPC- Symbol ist nicht 10-, sondern 12 stellig. Es hat nämlich eine Vorstelle, die in der Regel entweder eine Null oder eine Drei ist sowie eine Prüfziffer. Die 13 stellige EAN- Nummer ist genau gleich aufgebaut. Sie hat nur zusätzlich eine dreizehnte Stelle, mit der ein sogenanntes "Länderflag" gesetzt wird. Und in dieser dreizehnten Stelle ist das Symbol in der Weise verschlüsselt, daß man das Parity-Patten der Lebensmittel- Simbole dazu benutzt hat.

- Von absoluter Kompatibilität auf der Symbolseite kann dabei doch nicht die Rede sein.

Aber ja Es muß nur sichergestellt sein, daß in dem Scanner-Mikroprozessor eine Ausbildung des Parity-Pattern vorgenommen wird, um zur dreizehnten Stelle zu gelangen. Im übrigen: Die Tabellen, über die der Zugriff zu den Plattenspeichern mit "Fopf per Spur" erfolgt, sind so aufgebaut, daß die Artikelnummer binär gespeichert wird, und bei einer binären Speicherung spielt es überhaupt keine Rolle, ob die Prüfziffer verwendet wird oder nicht.

- Werden schon diese Dinge in der Diskussion oft falsch behandelt, so ist darüber hinaus wohl den wenigsten Anwendern klar, welche organisatorischen Vorteile, welche Verbesserungen des Kassenablaufs sich durch den Einsatz dieser neuen Technologie ergeben.

Hier muß jedes Unternehmen ganz individuell für sich Berechnungen durchführen, um festzustellen, welche Einsparungen möglich sind. Man kann zwar Hilfestellung geben, indem man Fallstudien aus den Vereinigten Staaten heranzieht. Es liegen auch Fallstudien vor, die in allen Einzelheiten aufzeigen, von welchen Lohnsummen man ausgeht, welche Beschleunigungen am Check-out erzielt, welche Einsparungen aufgrund der größeren Genauigkeit erreicht wurden. Man kann das als Anhaltspunkt nehmen und für sich selbst zu Feasibility-Studien gelangen, die es erleichtern sollen, die Dinge zu beurteilen.

- Werden dabei nicht zu einseitig die sogenannten Hard-Sarings hervorgehoben?

In den USA sehen die Dinge heute so aus, daß bei den Installationen, die durchgeführt wurden, immer davon ausgegangen wurde, daß eine wirtschaftliche Rechtfertigung ausschließlich durch Hard-Savings erreicht sein mußte. Mit anderen Worten: Fast übereinstimmend wird angegeben, daß ein Return-on-Investment in weniger als drei Jahren erzielt worden ist - und zwar nur mit Hard-Savings. Bei den sogenannten Soft-Savings muß man berücksichtigen, daß es wie schon der Name ausdrückt - sehr schwer ist, die Dinge mit rechnerischem Kalkül in den Griff zu bekommen.

- Worauf sollte der Anwender unbedingt achten?

Einsparungen können nur erzielt werden, wenn zwei Voraussetzungen: Einmal, daß man eine umfangreiche Software zur Verfügung hat, die für diese Auswertung erforderlich ist. Hier ist erfreulicherweise festzustellen, daß mehr und mehr von dieser Software auch von Herstellern und von Softwarehäusern - zumindest in USA - heute offeriert wird. Was vielleicht noch wichtiger ist Bei Anwendung dieser Software müssen die Resultate, die man damit erzielt in Managementdirektiven umgesetzt werden. Es ist bekannt, daß der Kassiervorgang, der Gang der Warenerfassung, der Vorgang "Warenerfassung am Check-out", zwischen zwanzig bis dreißig Prozent beschleunigt werden kann.

- Es gibt heute schon Engpässe an den Kassen, weil die Kunden nicht ganz mitkommen, der nächste Kunde warten muß, weil der erste seine Ware noch nicht eingepackt hat.

Um den Beschleunigungsvorteil ausschöpfen zu können, muß sichergestellt sein, daß der Kunde auch damit Schritt halten kann. Man wird deshalb zu einem neuen Design des Check-out kommen müssen, um Rechnung zu tragen, daß die Kasse nicht zum Engpaß wird und die Dinge noch schneller gehen. Das ist eine Maßnahme. Zum zweiten kann die Beschleunigung dazu führen, daß man mit weniger Personal auskommt. Das kann man nur erreichen in dem man nun tatsächlich die Belastung an unterschiedlichen Arbeitstagen mißt und daraufhin seine Dispositionen trifft. Nur wenn man das tut, kann man wirklich diese Einsparung realisieren. Das gilt für alle anderen Bereiche in gleicher Weise. Fast alle Soft-Savings setzen umfangreiche Software, umfangreiche Auswertungen im Management voraus. Es ist klar, daß so etwas nicht von heute auf morgen passieren kann, daß so etwas sehr viel Zeit braucht.

- In den Vereinigten Staaten haben sich sowohl die. Gewerkschaften als auch die Consumer-Lobby gegen das UPC-System quergelegt. Ich nenne hier nur das Reizwort "Regalauszeichnung". Sehen Sie eine Entwicklung in diese Richtung auch in Europa, in Deutschland? Kann EAN daran scheitern?

Ich sehe diese Gefahr nicht, wenn die Supermarkt-Industrie und alle an diesem Programm Interessierten, sich der Aufgabe unterziehen, gründliche Aufklärung zu betreiben, darauf hinzuweisen, wie das System wirklich funktioniert und alle Maßnahmen einleiten, die notwendig sind, um den Kunden nicht: schlechter zu stellen, als er sich vorher gestellt hat, als eine Preisauszeichnung da war. Dazu gehört eine ganz exakte Regalauszeichnung. In USA ist teilweise in einzelnen Staaten jetzt schon Gesetz geworden, daß eine Regalauszeichnung so durchgeführt werden muß, daß der Preis pro Einheit erkennbar ist, wodurch eine echte Vergleichbarkeit gegeben ist. Darüber hinaus bekommt der Kunde ja viele neue Dinge, die es bisher nicht gab: Er bekommt einen Kassenzettel ausgehändigt, auf dem im Klartext jeder einzelne Artikel aufgeführt wird, so daß er zu Hause sein Budget für den nächsten Einkauf viel besser planen kann, als es ihm je möglich gewesen ist. Er hat zudem den Vorteil, daß er an der Kasse auf einem Display angegeben bekommt, welcher Artikel zu welchem Preis vorliegt, so daß die Kontrolle des Kassiervorgangs, die bisher nur sehr eingeschränkt möglich war, jetzt durchführbar ist.

- Das hört sich ja alles gut und schön an. Aber will es der Kunde auch? Sicht er diese Vorteile?

Man muß das dem Kunden natürlich klarmachen. Das schließt nicht aus daß man gegebenenfalls bei einigen Artikeln, bei denen die Regalauszeichnung etwas problematisch wird, eine Preisauszeichnung beibehält. Es ist bekannt, daß der wesentliche Umsatz mit einer relativ geringen Anzahl von Artikeln erzielt wird, und der große Effekt des Einsparens der Preisauszeichnung schon erreicht wird, auch wenn man nicht das gesamte Warensortiment in die Regalauszeichnung einbezieht.

- Wie sehen Sie die weitere Entwicklung?

Ich bin persönlich überzeugt davon daß wir in dem Augenblick, in dem die Dinge wirklich transparent gemacht werden, und dargelegt wird, welche Schritte notwendig sind, Fehler vermeiden können, und daß wir Nutzen ziehen können von der Existenz einer ganzen Fachindustrie, die sich im Laufe der Jahre in den USA entwickelt hat. Das UPC-Programm ist ja eines der umfassendsten Kooperations-Vorhaben zwischen unterschiedlichen Interessengruppen, die je in die Wege geleitet worden ist. Das ist eine ganze Industrie, die sich auf diese Dinge konzentriert hat und die uns heute zur Verfügung steht. Ich sehe deshalb eine echte Chance, daß wir die Dinge beschleunigen; daß wir nach einer Anzahl von Jahren den Vorsprung, den die USA gehabt hat, aufhoben können. Wichtig ist, dafür zu sorgen, daß all dieses Wissen, das in USA vorliegt einfließt nach Deutschland und von allen aufgenommen wird, wobei sicherlich für das ganze Programm beachtet werden muß, daß es eine langfristige Geschichte ist.

Günther Leue(52)

kann man kein UPC-Symbol für ein EAN-Symbol vormachen: Der mit allen EDV-Wassern gewaschene Unternehmensberater, Ex-Univac(k)er und Diebold-Eleve, kennt als Pendler zwischen der Alten und der Neuen Welt beide Programme aus dem "Effeff". Selbst hautnah am Geschehen, kann ihn in Rage bringen, daß viele Dinge im Zusammenhang mit der europäischen Artikel-Nummer "schlicht und einfach" falsch behandelt werden: "Das UPC-Programm wird in den Vereinigten Staaten von allen Beteiligten als etwas angesehen, das langfristig zu einem vollen Erfolg führen wird - das gleiche können wir auch für das EAN- Programm unterstellen."