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19.07.1991 - 

Menschen werden einsamer

Beim Grandspiel räumt PC-Skat mit Beziehungen gründlich auf

DUISBURG (jm) - Jenseits des Weißwurstäquators gilt es als der Deutschen liebstes Spiel, Liebschaften sollen darüber zerbrochen, Freundschaften neu entstanden sein. Skat spielt man oder man ist nicht deutsch.

Die Duisburger Softshop GmbH offeriert nun allen Abhängigen des Farben-, Grand- und Nullspiels eine dankbare Alternative zur quälenden Telefonjagd nach fehlenden Skatpartnern: "PC-Skat", den digitalen Kontrahenten, der nicht nur alle Varianten wie Hand, Schneider und schwarz beherrscht, sondern bei Spiel-Ende im Gegensatz zu manchem Spielpartner aus Fleisch und Blut zudem korrekt abrechnet und die Ergebnisse in eine Spiel-Liste einträgt.

Die Skat-Software ist auf der Höhe der Zeit und beherrscht - auch im Gegensatz zu manchem Zeitgenossen - das gesamte Regelwerk der deutschen Skat-Ordnung vom März 1991. Buy one, get two: PC-Skat simuliert jeweils zwei Spieler, wobei unerheblich ist, wer das Spiel hält.

Wem der PC vertraut ist, Skat jedoch böhmische Dörfer sind, dem kann geholfen werden: Skatregeln inklusive Beispiele gehören zum Lieferumfang. Beides läßt sich im Handbuch nachlesen, wahlweise schlichtet auch der Monitor Streitfragen.

Zudem deckt der auf allen PC/XT- und AT-Rechnern einsatzfähige Binärgegner nach jedem Spiel wirklich alle Karten - solche im Ärmel kennt er allerdings nicht - von allen Spielern und vom Skat auf. So läßt sich im nachhinein Manöverkritik üben.

Kritik übten Journalisten, die den normalen Redaktionsalltag für PC-Skat einstellten, wegen des Mangels einer "Cheftaste". Das heißt, der Ausstieg aus dem Programm etwa gemäß SAA-Norm über Esc ist nach dem Beginn einer Skatrunde nicht mehr möglich. Gereizt werden muß also bis zum bitteren Ende.

Außerdem monierten Skatexperten, daß der Programmierer von PC-Skat offensichtlich ein Mensch mit Maurermentalität sein muß: Der Digital-Partner reizte trotz eines todsicheren Blattes -

drei Buben, drei kleine Kreuz, Herz-As und Herz-König - nicht, sondern überließ dem menschlichen Gegenüber die Aktivität. Um eine realistischere, das heißt gewinnorientierte Spielweise zu fördern, sollten die Duisburger Taktik und Strategie von PC-Skat noch einmal überdenken.

Wer soziale Kontakte gegen die Einsiedelei eintauschen und sich die Nächte im Skatrausch um die Ohren Schlagen möchte, braucht dazu 256 KB Arbeitsspeicher und eine beliebige Grafik-

karte praktisch aller Modi - wobei der PC-Partner einem das Blatt sowohl monochrom als auch farbig auflegt. Der Weg in die selbstverschuldete individuelle Sozialunveträglichkeit führt über

ein Diskettenlaufwerk mit Formfaktor 3 1/2 oder 5 1/4 Zoll.

Um zu erwartenden Raubkopien vorzubeugen, haben sich die Duisburger einen netten, aber für ehrliche Häute nichtsdestotrotz lästigen Schutz ausgedacht: Nach dem ersten Spiel fragt PC-Skat ein Schlüsselwort ab, das nach Art einer Schnipseljagd auf einer bestimmten Seite des Handbuches an einem spezifischen Platz zu suchen ist. Ohne Originalversion und Handbuch

geht somit - nach Mitteilung eines Hackers gegenüber der

COMPUTERWOCHE - fast nichts. Aber was sind schon 79 Mark für eine echte Droge?