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25.05.1984 - 

Schillernder Kundeservice des Marktführers nur schwer durchschaubar:

Beim IBM-Leasing liegt die Würze in Optionen

Finanzierungsleasing nennt sich ein Dienstleistungsangebot vom IBM, das sozusagen an der Peripherie der Producktpalette des Marktführers steht. Es scheint dennoch mit den übrigen Marketingkomponenten recht genau abgestimmt und als ergänzender Teil in die Markstrategie eingebettet zu sein. Daß sich unter der glatten Decke der Konditionen einige Ungereimtheiten verbergen, die erst auf den zweiten Blick zu durchschauen sind, stellt der Auftraggeber jedoch bald fest. Zur Problematik der Auswahl von Kauf, Miete oder Leasing Hilfestellung bei komplexen Entscheidungen zu geben, war Anliegen von Dr. Klaus Messelhäuser, C.P.U. GmbH, Frakfurt.

Wenn der Marktführer seine Leasingkonditionen per Werbebroschüre verteilt, ist es sicher zulässig und für den IBM-Anwender nützlich, dieses Leasingangebot kritisch unter die Lupe zu nehmen.

Die Art des Finanzierungsleasing-Angebotes der IBM läßt darauf schließen, daß es sich gemäß Leasingerlaß um sogenannte Vollamortisationsverträge handelt. Der Leasingnehmer hat nach Ablauf der Leasingdauer das Recht, den Gegenstand an den Leasinggeber ohne weitere Verpflichtungen zurückzugeben, eine fest definierte Kaufoption oder eine ebenso fest definierte Verlängerungsoption zu nutzen. Angeboten werden drei Vertragslaufzeiten zu 36, 48 und 54 Monaten. Dazu stehen Leasingfaktoren in Abhängigkeit von der Vertragssumme.

Analysiert man zunächst die Leasingfaktoren (siehe Tabellen), so zeigt sich, daß die Effektivzinsen beim 36 Monatsvertrag unter dem derzeitigen Zinsniveau des Inter-Banken-Satzes (Zinssatz für die Kreditaufnahme einer Bank bei einer anderen Bank) liegen. Wie niedrig dieser Effektivzins ist, wird noch deutlicher, vergleicht man die entsprechenden IBM-Kreditkonditionen .

Unter dem Opportunitätsprinzip betrachtet und unterstellt, daß IBM diese Leasingverträge aus eigener, freier Liquidität finanziert, bedeutet dies für IBM betriebswirtschaftlich eine bewußte Hinnahme von Mindererträgen, zumindest während der Leasingdauer. Gibt der Leasingnehmer den geleasten Gegenstand nach Ablauf der vereinbarten Dauer zurück, liegt es bei IBM, aus der Verwertung des dann gebrauchten Investitionsgutes die Mindererträge zu kompensieren. Die Effektivzinssätze für die Leasingdauer von 48 und 54 Monaten sind günstig, bleiben aber im Bereich einer marktüblichen Verzinsung.

Optionen verändern Barwerte

Einige besondere Aspekte ergeben sich, zieht man die Optionsgestaltung am Ende der Leasingdauer in die Betrachtung ein. Bei dem wirtschaftlichen Gehalt der Optionen fällt auf, daß auf der Basis des Marktzinssatzes von neun Prozent der Barwert der Leasingraten unter 100 Prozent liegt, somit eine Vollamortisation nicht erreicht wird. Erst bei den Barwerten unter Einschluß der Kaufund Leasingverlängerungsoption wird die 100-Prozent-Grenze überschritten. Dabei sind die Optionen fest definiert. Der Kaufpreis bei Ausübung der Kaufoption beträgt 20 Prozent nach 36 Monaten, 13,3 Prozent nach 48 Monaten oder zehn Prozent nach 54 Monaten der ursprünglichen Vertragssumme.

Die Verlängerungsleasingrate lautet für die ersten zwölf Monate 0,83 Prozent und für die zweiten zwölf Monate 0,5 Prozent. Wie die Tabelle zeigt, ergeben sich unterschiedliche Barwerte, je nach Optionswahl. Der Anwender und Leasingnehmer sollte sich deshalb besonders über seine voraussichtliche betriebsbedingte Nutzungsdauer Klarheit verschaffen. So ist es günstiger, den 36-Monatsvertrag zweimal zu verlängern als die Kaufoption nach 36 Monaten auszuüben, wenn die betriebsbedingte Nutzungsdauer gleich der AfA-Zeit (Absetzung für Abnutzung) von 60 Monaten und ein Nettoverwertungserlös für den Leasinggegenstand nicht zu erwarten ist.

Grundmietzeit drückt Nutzungsdauer

Der steuerrechtliche Gehalt der Optionsgestaltung gibt Anlaß zu einigen Bedenken. Der "Mobilien-Leasing-Erlaß" vom 19.4.1971 nennt als Kriterium für die Zurechnung des Leasinggegenstandes zum Leasinggeber (wirtschaftliches Eigentum), daß die Grundmietzeit mindestens 40 Prozent und höchstens 90 Prozent der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer (=AfA-Zeit) beträgt, und der für den Fall der Ausübung des Optionsrechtes vorgesehene Kaufpreis nicht niedriger ist als der unter Anwendung der linearen AfA nach der amtlichen AfA-Tabelle ermittelte Buchwert oder der niedrigere gemeine Wert zum Zeitpunkt der Veräußerung".

Die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer für Geräte der elektronischen Datenverarbeitung beträgt gemäß der amtlichen AfA-Tabelle 60 Monate. Der Buchwert ergibt sich somit als Satz von 40 Prozent nach Ablauf von 36 Monaten, 20 Prozent nach Ablauf von 48 Monaten und zehn Prozent nach Ablauf von 54 Monaten.

Prekäre Wandlung

Da das IBM-Leasing-Angebot fixierte, niedrige Optionswerte von 20 Prozent nach 36 Monaten und 13,3 Prozent nach 48 Monaten vorsieht stellt sich die Frage, ob schon zu Beginn der Leasingdauer feststeht, daß der gemeine Wert (Verkehrswert) des gepachteten Gegenstandes nach Ablauf der Leasingdauer genau die Hälfte des Buchwertes beträgt. Zieht man in diese Betrachtungsebene noch den extrem niedrigen Effektivzins für 36-Monatsverträge ein, so erscheinen Bedenken im Hinblick auf die Zurechnung des wirtschaftlichen Eigentums angebracht. Unter strenger wirtschaftlicher Betrachtungsweise führen die Konditionen im 36-Monatsvertrag nicht zu einer Vollamortisation. Übt dann der Leasingnehmer die Kaufoption zu 20 Prozent aus und liegt der gemeine Wert für das geleaste Gut deutlich über 20 Prozent, so besteht die Gefahr der Umdeutung des Leasingvertrages in einen Mietkaufvertrag mit allen negativen steuerlichen Folgen.

Die gleiche Situation ergibt sich bei der Ausübung der Leasingverlängerungsoption. Gemäß Leasingerlaß muß die Anschlußmiete so bemessen sein, daß sie den Wertverzehr für den Leasinggegenstand deckt. Basis des Wertverzehrs ist der Buchwert oder der niedrigere gemeine Wert. Nach Ablauf von 36 Monaten ergibt das IBM-Angebot für die Leasingverlängerung um zwölf Monate einen Wertverzehr von zwölf mal 0,83 Prozent = zehn Prozent. Der Buchwert liegt jedoch bei 40 Prozent. Der Anwender und Leasingnehmer ist sicherlich gut beraten, wenn er die hier geäußerten Bedenken vor Vertragsabschluß auf der Grundlage seiner konkreten Situation eingehend prüft oder prüfen läßt.

Zu wirtschaftlich vielgestaltigen Ergebnissen führt der Vergleich von IBM-Langzeitmiete und IBM-Finanzierungsmiete, verdeutlicht an drei Beispielen (Tabelle 1). Es zeigt sich, daß durch das IBM-Finanzierungsleasing-Angebot die Entscheidungssituation für den Anwender nicht einfacher, sondern komplexer wurde. Damit wird es für ihn immer wichtiger, alle Preisinformationen zu besitzen und auszuwerten, die sich aus den Alternativen wie Kauf bei IBM und Finanzierung mit Hausbank, Kauf bei IBM und Finanzierung mit IBM, ferner Kauf bei Broker und Finanzierung mit Hausbank oder Miete bei IBM, weiterhin Miete bei Broker oder Leasing bei IBM, Leasing bei Finanzierungsleaser und Leasing bei Brokerleaser wahlweise mit/ohne (Re-) Finanzierung durch eine Hausbank ergeben (Tabelle II).