Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

05.06.1998 - 

Integration von Mainframes/US-Analysten sehen klare Vorteile für die Mainframes

Beim Kostenvergleich schlägt der Host dezentrale Server

Aktuelle Untersuchungen der kalifornischen International Technology Group (ITG) belegen, was alteingesessene Host-Anbieter auch hierzulande schon oft vorgetragen haben: Bei einem Vergleich der Gesamtkosten schlägt der Mainframe dezentral installierte Server. Was aussieht wie eine Hommage an IBM, entpuppt sich im DV-Alltag allerdings oft als bittere Realität.

Obwohl die Beobachtungen der US-Analysten nicht ohne weiteres auf deutsche Verhältnisse übertragbar sind, ist die Tendenz dennoch auch für hiesige DV-Installationen gültig. Unterschiede zeigen sich zunächst vor allem beim größten Kostenfaktor, dem Personalbedarf. US-Anwender beschäftigen für eine vergleichbare Installation normalerweise eineinhalb- bis zweieinhalbmal so viele Mitarbeiter wie die Anwenderfirmen hierzulande. Das ist kein Kunststück, weil die Personalnebenkosten und das Bruttolohnniveau deutlich niedriger sind als in Deutschland.

Bei Zentralisierungsprojekten in den Vereinigten Staaten werden in der Regel 60 bis 80 Prozent der Personen freigesetzt und in anderen Bereichen untergebracht. Diese Zahlen sind auf Deutschland nicht übertragbar, weil die Stäbe schon aus Kostengründen gar nicht erst derart aufgebläht wurden. Auch hat die Dezentralisierung hierzulande meist noch nicht den Grad wie in den USA erreicht. Dies ist bei der Beurteilung der Studienergebnisse zu berücksichtigen.

Die ITG hat die Daten Ende 1997 erhoben und Anfang 1998 ausgewertet. Es handelte sich dabei aber nicht um die erste derartige Studie. Bereits seit 1995 waren Voranalysen vorgenommen worden. Es folgten Erhebungen im Jahr 1996, vor allem in der Finanz- und Maschinenbaubranche. Die folgenden Schlüsse basieren unter anderem auf den Studien "Business Value of Consolidation", "Cost of Scalability" und "Strategies for Integrated Finance Systems".

52 Unternehmen und Verwaltungen, die Konsolidierungsprojekte in Angriff genommen oder Anfang 1998 vollendet haben, wurden untersucht. Dabei standen fünf verschiedene Projekttypen im Mittelpunkt:

- Einführung diverser neuer Anwendungen zum Einsatz auf der S/390,

- einfache Umstellung von Unix auf S/390,

- Konsolidierung von LAN-Servern,

- Konsolidierung von Datenbeständen aus dem LAN sowie

- Konsolidierung von Windows-NT-Servern.

Obgleich Kostenreduktion in keinem Fall das einzige Ziel für solche Projekte ist, wird sie bei weitem als häufigstes Ziel genannt. Als Gründe für eine Konsolidierung haben die im Rahmen der Studie befragten Unternehmen darüber hinaus genannt:

- verbesserte Verwaltung und Verfügbarkeit,

- vereinfachter Zugang zu und Schutz für Daten,

- zusätzliche Nutzung existierender S/390-Anlagen,

- Verringerung der technischen Komplexität,

- einfacherer Ausbau der Gesamtinstallation

- Skalierbarkeit,

- veränderte Geschäftsstrategien und Organisationen sowie

- frühere fehlgeschlagene Server-Projekte.

Allgemein setzte sich offenbar die Erkenntnis durch, daß Anwendungen, die man bis vor kurzem nur auf Unix- oder LAN-Plattformen betreiben konnte, nun auch wieder auf S/390 möglich sind. Deswegen müssen Anwender die Nachteile der Server-Lösungen nicht mehr so einfach hinnehmen. Ein Drittel der Unternehmen, die Kostensenkung als Ziel von Konsolidierungsprojekten genannt hatten, wollten auch den absoluten Betrag dieser Kosten senken. Die übrigen hielten zwei andere Faktoren für besonders wichtig: zum einen das Bestreben, das Wachstum der DV-Kosten erstmals - oder zumindest besser als bisher - unter Kontrolle zu bekommen; zum anderen die Erkenntnis, daß höhere IT-Ausgaben oft keinen entsprechenden Zusatznutzen oder Mehrwert bringen.

Gekennzeichnet wird die teils dramatische Situation durch folgende Beispiele, die keine Einzelfälle sind: Bei einem Telecom- Unternehmen etwa kam bereits ein Unix-Server auf je 24 Mitarbeiter. In einem Finanzinstitut waren je Server sogar nur 15 Personen beschäftigt. Eine andere Organisation rechnete damit, daß die Zahl der schon vorhandenen 600 Unix-Server bei gleichem Wachstum in Kürze auf über 1200 ansteigen würde.

In diesen, aber auch in anderen Fällen war der Wunsch, die künftigen Kostensteigerungen zu begrenzen, wichtiger, als die gegenwärtigen Aufwendungen zu reduzieren. Dabei waren die Firmenleitungen IT-Investitionen gegenüber im allgemeinen durchaus positiv eingestellt. Doch war man nicht mehr bereit, viel Geld für eine minderwertige Lösung auszugeben.

Unterschieden werden vor allem drei Formen der Konsolidierung:

- von separat betriebenen, dezentralisierten Servern auf zentralisierte Server oder S/390-Systeme,

- von in Außenstellen betriebenen verteilten Servern auf zentralisierte Server sowie

- von dezentralen oder verteilten Server-Lösungen auf einen zentralisierten S/390 Mainframe.

Die ebenfalls berücksichtigten weiteren Differenzierungen in dedizierte versus mitgenutzte S/390 beziehungsweise einzelne versus mehrfache Unix-Server sollen hier nicht wiedergegeben werden, da sie den Rahmen sprengen würden. Allerdings zeigen sich dabei nochmals deutliche Kostenvorteile für die Konsolidierung. In allen Fällen konnten große Einsparungen erzielt werden. Sie waren am höchsten, wenn eine dezentralisierte Server-Lösung zentralisiert wurde (40,2 Prozent). Bei der Zentralisierung dezentraler oder verteilter Server auf S/390 wurden im Mittel 35,1 Prozent gespart. Verteilte Rechner auf zentralisierte Server umzustellen ergab im Mittel eine Einsparung von 26,7 Prozent, während die Ersparnis bei Konsolidierung von zentralisierten Unix-Servern auf S/390-Systeme 20,8 Prozent betrug.

Bei einer schon 1996 betriebenen Untersuchung der Kosten für integrierte Finanzsysteme (siehe Tabelle "Kostenvergleich") stellte sich heraus, daß dezentralisierte Unix-Server bei weitem die teuerste Lösung darstellen, während ein mitgenutzter S/390-Mainframe zu geringsten Kosten arbeitet. Dazwischen liegen die dedizierten S/390-Systeme, einzelne und multiple Unix-Server. Auch der Betriebsort spielte bei den Kosten eine Rolle. So zeigen praktisch alle Antworten, daß gleiche Architekturen bei zentraler Unterbringung mit niedrigeren Kosten zu betreiben sind als an verteilten Betriebsorten.

Besonders ins Auge fallen sechs Unternehmen, bei denen der Einsatz von S/390-Systemen mit Konsolidierungsmaßnahmen der Geschäftsbereiche verbunden war oder verteilte Anwendungen durch ein einziges unternehmensweites System ersetzt wurden. Bei dieser Gruppe betrugen die Ersparnisse in fünf Jahren im Mittel 41,6 Prozent.

Bei den LAN-Konsolidierungsprojekten (Novell) handelt es sich meist um Server, die auf einem Campus betrieben werden. Hier variierte die Effizienz - gemessen in Nutzer pro Server und Nutzer pro Betreuer - besonders stark.

Die größten Einsparungen erzielten die Unternehmen mit den geringeren Effizienzgraden. Immer lag das Haupteinsparpotential bei den Personalkosten und der Server-Hardware. Eine Vielzahl freigesetzter Server-Betreuer und weiteres DV-Personal konnte für andere dringende Aufgaben eingesetzt werden. Generell betonten die Befragten immer wieder, daß die Kostenreduzierung zwar wichtig war, aber auch andere geschäftliche Gründe eine wesentliche Rolle gespielt hätten. Ziel ist es dabei offensichtlich, die Geschäftsbereiche, die in den vergangenen Jahrzehnten oft verselbständigt wurden, nun wieder enger zusammenzuführen, die Organisation zu straffen und dadurch die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.

Weitere Faktoren, die als Gründe für eine Zentraliserung genannt wurden, waren beispielsweise:

- Verwaltung und Verfügbarkeit,

- Datenzugriff und Datenschutz,

- bessere Auslastung vorhandener S/390-Systeme,

- Skalierbarkeit sowie

- Verringerung der technischen Komplexität.

Die genannten Schlußfolgerungen werden in der Untersuchung durch konkrete Fallstudien belegt. So sind etwa die Konsolidierungsprojekte der italienischen Unipol und der britischen Cooperative Insurance hinsichtlich der finanziellen Wirkungen dargestellt.

Sie stehen stellvertretend für die Details aller untersuchten Unternehmen, die greifbare Vorteile aus der Zentralisierung gezogen haben und jetzt teilweise noch intensivere Fortsetzungsprojekte in Angriff nehmen.

Die Analysten der ITG stehen mit diesen Erkenntnissen nicht allein, sondern stützen sich auf eine Reihe zusätzlicher Quellen. Dazu gehören unter anderem Untersuchungen der Soundview Financial Group, denen zufolge derzeit mehr als 88 Prozent der US-Unternehmen ihre Server konsolidieren.

Eine weitere Studie der Software Productivity Group kommt zu dem Ergebnis, daß es häufig Schwierigkeiten beim Erreichen strategischer DV-Ziele in Unternehmen gibt, weil die Kosten aus dem Ruder laufen. Und dies meist, weil man sich mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Plattformen und Werkzeugen plagen muß, statt sich den Geschäftszielen widmen zu können.

Angeklickt

Prioritätenliste von IT-Managern. Das Hauptmotiv für Konsolidierungsprojekte liegt zwar in den möglichen Kosteneinsparungen. Gleichwohl nennen DV-Verantwortliche auch eine Reihe anderer gewichtiger Gründe, darunter etwa eine verbesserte Verwaltung und Verfügbarkeit der IT-Ressourcen, Datenschutz, Auslastung und Skalierbarkeit.

Diplomingenieur Jochen Michels ist selbständiger Unternehmensberater und untersucht unter anderem die Marktpreise von Rechenzentren.