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Kostenreduzierung und Entlassungen auch in Deutschland

Beim Netzwerker Novell regiert jetzt der Rotstift

30.05.1997

Einst unter Novell-Gründer Ray Noorda angetreten, um Microsoft das Fürchten zu lehren, ist die Networking-Company mittlerweile arg ins Straucheln geraten. Das Unternehmen, das nach dem Kauf von Wordperfect und dem Einstieg in den Unix-Markt zur Nummer zwei im Software-Business avancierte, kämpft mittlerweile mit schwindenden Umsätzen und einem fallenden Aktienkurs. Noch sind die neuesten Geschäftsergebnisse nicht veröffentlicht worden, doch Analysten gehen davon aus, daß der Umsatz im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 1997 (Ende: 30. April) nur zwischen 300 Millionen und 335 Millionen Dollar betrug. Ursprünglich hatte Novell für diesen Zeitraum 375 Millionen Dollar prognostiziert. Damit scheint auch fraglich, ob die Company den von Marktbeobachtern erwarteten Ertrag von 14 bis 21 Cents pro Aktie ausweisen kann. Offiziell stellte das Unternehmen in den letzten Wochen nur noch einen "geringen Profit" in Aussicht.

Vor diesem wirtschaftlichen Hintergrund entschloß sich der erst kürzlich ernannte Novell-CEO Eric Schmidt zu drastischen Maßnahmen: Die Company muß ihre Budgetkosten Spekulationen zufolge um 40 Prozent reduzieren und entläßt weltweit 20 Prozent ihrer Mitarbeiter. Innerhalb weniger Jahre ist dies der zweite Aderlaß, den das Unternehmen zu verkraften hat. Im Zuge des Verkaufs von Wordperfect und Unixware schrumpfte die Mitarbeiterzahl bereits von 9000 auf 5800.

Besonders hart trifft es Gerüchten zufolge die deutsche Novell-Dependance in Düsseldorf: 23 der knapp 60 Beschäftigten werden wohl den Hut nehmen müssen. Insider-Informationen zufolge ist davon vor allem das mittlere Management betroffen. Voraussichtlich muß die deutsche Niederlassung künftig ohne Pressestelle und Marketing-Abteilung auskommen. Zudem sollen angeblich die Large Account Manager gestrichen werden, womit Großanwender vermutlich ihre direkten Ansprechpartner verlören. Dieser Darstellung widerspricht Deutschland-Chef Andreas Zeitler, "wir haben nach wie vor einen Großkundenvertrieb und unsere Geschäftsstellen bestehen weiter - für die Anwender ändert sich also gar nichts". Zudem, so der Manager weiter, "verlassen nur einige Mitarbeiter das Unternehmen. Die derzeit gehandelten Zahlen sind falsch". Genauso gehört für den Deutschland-Chef das weltweite 40prozentige Cost-cutting ins Reich der Phantasie, "es wird weit weniger sein".

Die Entlassungen in Deutschland sind dem Manager zufolge keine Strafaktion für nicht erfüllte interne Vorgaben der amerikanischen Mutter, "denn wir waren bezüglich der Zielerreichung zufrieden".

Offen bleibt die Frage, wie eine abgespeckte Novell-Mannschaft in Zeiten, in denen der Konkurrenzdruck durch den Windows-NT-Server immer stärker wird, im Wettbewerb bestehen will. Mag sein, daß dieses Vorhaben intern längst aufgegeben wurde, wie ein Branchenkenner vermutet, der die internen Unternehmensvorgänge gut kennt.

Er stellt die These auf, daß sich das Unternehmen, statt zu reorganisieren, womöglich für eine Übernahme schlank macht. Dabei, so der Insider weiter, sei nicht Netware, sondern die Novell-Directory-Service-(NDS-)Technologie für einen potentiellen Käufer von Interesse. Als Belege für diese These könnten die wenigen öffentlichen Auftritte des Novell-CEOs dienen, auf denen Schmidt immer wieder die Bedeutung der NDS betont, von Netware als strategischem Produkt jedoch nicht die Rede ist.

Um seine Theorie weiter zu untermauern, führt der Informant die Spin-offs der letzten Zeit an: So hat Novell seine Powerline-Technologie in ein eigenes Unternehmen ausgelagert und Bestandteile der Border Services ins gemeinsam mit Netscape gegründete Joint-venture Novonyx eingebracht.