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10.01.1986

Beim POS-Banking gibt es noch viele "verdeckte Karten"

"Beim Kassieren Einsparungen erzielen zu können, würde viele Einzelhändler über Nacht zu gläubigen Anhängern eines neuen elektronischen Zahlungssystems machen", prognostiziert Hermann-J. Zellekens, Hauptgeschäftsführer der Rationalisierungs-Gemeinschaft des Handels beim RKW e.V. Billiger als bisher wegkommen könnten die Geschäfte dabei jedoch nur dann, wenn sich weniger Kreditkartentypen als bisher im "Umlauf" befänden. Aber, so fragt der POS-Spezialist (POS = Point of Sale), warum sollte der Verbraucher beispielsweise eine Substitution zugunsten der Eurocheque-Karte vornehmen? Auch Hans Sternberg, Verwaltungsdirektor in der Abteilung "Zentrale Organisationsleitung" bei Hertie, sieht in bezug auf POS-Banking nur einen schwachen Silberstreif am Horizont. Neben der Gebührenfrage bereite die sich abzeichnende Konkurrenz von Magnetstreifen- und Chipkarten dem Handel Verdruß. sch

Hans Sternberg, Verwaltungsdirektor in der Abteilung "Zentrale Organisationsleitung" bei der Hertie Waren- und Kaufhaus GmbH, Frankfurt

Seit einiger Zeit bemühen sich die Banken um die Einführung eines Verfahrens zur bargeldlosen Zahlung im Handel und anderen Dienstleistungsunternehmen, wie Tankstellen, Gastronomiebetrieben und Hotels. Der neue Weg sieht eine Handhabung vor, wie sie auch bei den Geldausgabeautomaten üblich ist. Vereinfacht dargestellt, wird lediglich die Eurocheque-Karte in eine Datenkasse oder ein Erfassungsterminal eingeschoben und der zu zahlende Betrag über einen Zentralcomputer der Banken mit dem Kunden und dem Zahlungsempfänger verrechnet.

Die Vorteile für die Banken sind erheblich, denn der aufwendige Belegverkehr mit Schecks oder Überweisungen wird reduziert, das Guthaben der Bankkunden verbleibt eine längstmögliche Zeit auf dem Girokonto, weil Abhebungen für Bargeldzahlungen entfallen, und eine Ausweitung der teuren, oft störungsanfälligen und mühevoll immer wieder mit Geldscheinen zu bestückenden Geldausgabeautomaten nicht mehr dringlich ist. Außerdem erwächst den sich immer größerer Beliebtheit erfreuenden Kreditkarten oder Firmenkarten eine fast ebenbürtige Konkurrenz.

Der Rationalisierungsvorschlag der Banken geht davon aus, daß die Kosten für die Erreichung der vielseitigen Vorteile nicht etwa die Banken, sondern der Handel und andere Anwender tragen sollen. So sind die Datenkassen beziehungsweise Erfassungsgeräte vom Handel anzuschaffen, ebenso die Gebühren der Post für Modems, Telefonleitungen und Übertragungen zu übernehmen. Außerdem - man kann nur staunen - wollen die Banken noch eine Umsatzgebühr für Zahlungen dieser Art erheben. Aber auch die Kontoinhaber werden nicht ungeschoren bleiben, für jeden Einkauf wird wohl eine Buchungsgebühr erhoben werden.

Es dürfte nur zu verständlich sein, daß die Banken mit diesem Rationalisierungsvorhaben auf Kosten des Einzelhandels und anderer Dienstleistungsunternehmen auf erbitterten Widerstand gestoßen sind. Nicht zuletzt auch wegen der Tatsache, daß die Banken das von ihnen mit dem unverständlichen und ausgesprochen häßlichen Namen "Banking POS" bezeichnete System publiziert haben, ohne mit den Beteiligten und Betroffenen vorher Verbindung aufgenommen zu haben.

Inzwischen haben sich die Banken zwar bereitgefunden, mit fachkundigen Vertretern des Einzelhandels Gespräche zu führen, Möglichkeiten für eine zukünftige Zusammenarbeit zeichnen sich allerdings noch nicht so recht ab. Dem Handel kann zum augenblicklichen Zeitpunkt nur empfohlen werden, dieser neuen Zahlungsart mit größter Skepsis zu begegnen. Beispielhaft seien nur einige Gründe hier dargelegt: Bisher besteht nur die Zweierbeziehung zwischen Kunde und Handelsbetrieb auf der einen Seite sowie Kunde und Bank auf der anderen. Das neue Zahlungssystem schafft erstmals die Dreierbeziehung Kunde/Handel/Bank. Was geschieht, wenn sich zum Beispiel beim Einkauf und der anschließenden Bezahlung technische Störungen oder andere Schwierigkeiten ergeben, wenn der Bankcomputer die Kreditierung des Kaufbetrages verweigern sollte oder wenn sich Differenzen oder Abweichungen bei den Buchungen ergeben? Wird der Kunde zu unterscheiden wissen, ob hier der Handelsbetrieb oder die Banken für eine Regelung zuständig sind? (Wir gehen inzwischen davon aus, daß die Banken ihre ursprüngliche Absicht, den Handel zu ihrem Vollzugsgehilfen zu machen, fallengelassen haben.)

Vorsicht ist auch deshalb geboten, weil zur Zeit die Verwendung von unterschiedlichen Karten zur Debatte steht. Die deutschen Banken werden zunächst die Magnetcodetechnik zur automatischen Erkennung verwenden. Es zeichnet

sich jedoch ab, daß die in Frankreich entwickelte Chipkarte größere Chancen bietet.

Wenn auch heute noch zu teuer, will beispielsweise die Bundespost diese fortschrittliche Technik einsetzen. Die Chipkarte braucht nicht in jedem Fall eine Online-Verbindung zu den Bankcomputern, so daß keine oder andere Erfassungsgeräte benötigt werden. Die Gefahr von Fehlinvestitionen ist demnach nicht auszuschließen.

Außerdem kann der Handel einem System nicht zustimmen, dessen Hauptzielsetzung darin liegt, andere Zahlungsarten, wie Kreditkarten und Firmenkarten, auszuschließen. Alle heute existierenden und zukünftig entstehenden Möglichkeiten zur Annahme von Geld und geldähnlichen Werten müssen dem Handel offenstehen, sofern er für die Anschaffung der technischen Geräte eigene Investitionsmittel bereitstellt.

Das alles überragende Hindernis allerdings ist und bleibt die Gebührenfrage. Es soll der Objektivität wegen zugestanden werden, daß ein "Geldkartenzahlungssystem" anstelle der Bargeldzahlung sowohl für den Kunden als auch für das Einzelhandelsunternehmen

nicht nur Nachteile hat. In unserem Land, in dem die Bargeldzahlung noch lange Zeit überwiegen wird, besteht jedoch kein Bedarf an einem weiteren bargeldlosen Zahlungssystem, sofern das mit Kosten, Gebühren und Provisionen für die Beteiligten verbunden ist. Den Banken, die das Verfahren einführen wollen und die Hauptnutznießer sind, obliegt es aus unserer Sicht, wie unter anderem in Belgien, Spanien und in den USA die Kosten für die eigene Rationalisierung zu tragen.

Hermann-J. Zellekens , Hauptgeschäftsführer der Rationalisierungs-Gemeinschaft des Handels beim RKW e.V., Köln

Etwa 1200 bis 1400 Millionen Mark kostet den deutschen Einzelhandel das Handling der Zahlungsmittel, mit denen die Kunden ihre Einkäufe begleichen: die Entgegennahme von Bargeld, Scheck- oder Kreditkarte, der Transport der Zahlungsmittel zur Bank, die Zinsen auf den Wechselgeldbestand. Die Provisionen für Kreditkartenkäufe jedoch sind in diesen Kosten nicht enthalten. 1200 bis 1400 Millionen, das ist ein stattlicher Betrag. Und auch, wenn er weniger als ein halbes Prozent des vereinnahmten Umsatzes ausmacht - für viele Branchen entscheidet dieses halbe Prozent über Sein oder Nichtsein.

Beim Kassieren Einsparungen erzielen zu können, diese Aussicht würde viele Einzelhändler über Nacht zu gläubigen Anhängern eines neuen "elektronischen Zahlungssystems" machen. Tatsächlich war darum die Ankündigung, ein auf der Eurocheque-Karte gründendes Zahlungssystem könne zu einer spürbaren Rationalisierung der Kassiervorgänge führen, eine der verheißungsvollsten, die dem Einzelhandel von seiten der Kreditwirtschaft gemacht wurden.

Leider ist diese Ankündigung unter den Voraussetzungen, wie sie gegenwärtig und für absehbare Zeit in der Bundesrepublik gegeben sind, aber nicht haltbar. Wie immer man rechnet - unterstellt man nicht völlig realitätsferne (das kann auch heißen: in allzu ferner Zukunft liegende) Bedingungen, dann müssen im Gegenteil die Einzelhandelsbetriebe, die sich dem System anschließen, mit höheren Kosten als bisher rechnen. Nur in Geschäften, wo in größerem Umfang statt Kreditkarten nunmehr Eurocheque-Karten benutzt würden, käme aufgrund der entfallenden Provision eine Einsparung zustande. Aber warum eigentlich sollte ein Verbraucher diese Substitution vornehmen ?

Freilich sind die zusätzlichen Kosten nach Branche und Betriebstyp unterschiedlich hoch. Wie von der Rationalisierungs-Gemeinschaft des Handels (RGH) aufgrund sorgfältiger, empirisch gestützter Analysen errechnet, würden sich diese Zusatzkosten für einen Supermarkt (Jahresumsatz sieben Millionen Mark) auf etwa l 200 Mark monatlich, für ein SB-Warenhaus (Umsatz 80 Millionen Mark) auf über 10 000 Mark und für ein Textilkaufhaus (Umsatz 13 Millionen Mark) auf rund 1000 Mark pro Monat belaufen.

Dabei wird jedesmal unterstellt, daß alle Scheckzahlungen und alle Barzahlungen über 50 Mark durch eine Geldkartenzahlung abgelöst werden würden, was bereits auf eine so weite Nutzung der ec-Karte als Geldkarte hinauslaufen würde, wie sie auf viele Jahre hinaus nicht zu erwarten ist. Aber: Für den Supermarkt mit ohnehin äußerst knapper Spanne ist das eine zusätzliche Umsatzbelastung von 0,2 Prozent, für das Textilkaufhaus mit immerhin noch besserer Spanne eine solche von 0,1 Prozent.

Solange diese Kosten und ihre Bestandteile - die Investitionen für die erforderlichen Terminals, die Kommunikations- und die Autorisierungsgebühren - sich nicht spürbar verringern, solange wird es ein Geldkarten-Zahlungssystem schwerhaben, im Handel auf Gegenliebe zu stoßen. Das gilt besonders für den Lebensmittelhandel, auf den rund zwei Drittel aller Transaktionen entfallen, sowie für die Warenhäuser, in denen der durchschnittliche Einkaufsbetrag je Käufer kaum höher als in Supermärkten ist.

Wenn sich der Handel also zurückhaltend und nicht gerade begeistert zeigte, sollte das niemanden erstaunen. Hinzu kommt, daß er mit einigen, zumindest scheinbaren Irritationen fertig werden muß, die ihm von seiten der Kreditwirtschaft nicht erspart werden. Schließlich sollte man auch Verständnis dafür aufbringen, wenn er Zweifel hegt ob es richtig ist, (noch) auf die Magnetstreifen-Technik zu setzen, während im Nachbarland Frankreich in den nächsten drei Jahren bereits mehr als zehn Millionen Chipkarten ausgegeben werden sollen.

Auch die Frage, wie das System insgesamt ausgelegt werden soll, ob und wo es zwischen einem reinen Online-Konzept mit Autorisierung jeder Transaktion durch eine Zentrale und der Alternative eines Offline-Modells nicht doch eine kostengünstigere, gleichwohl nicht mit höheren Risiken verbundene Lösung gibt, scheint dem Handel keineswegs ausdiskutiert.

Bernd Geyer , Geschäftsführer beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband e.V. Dehoga, Bonn

Die Entwicklung von POS-Kassen steht noch am Anfang. Es ist anzunehmen, daß sie in unserem Gewerbe zunächst von der Hotellerie verwendet werden, später dann aber auch von umsatzstarken Gaststättenbetrieben. Beim POS-Banking ist es zunächst zu begrüßen, daß sich die Sicherheit des unbaren Zahlungsverkehrs erhöht und die zeitraubende Durchsicht von Warnlisten entfällt. Darüber hinaus springt eine erhöhte Schnelligkeit beim Zahlen heraus. Daraus ergibt sich im Verkehr mit Kreditkarten allerdings von seiten der Hotellerie und Gastronomie die Forderung, daß die über Online-Verbindung automatisch zu erfassenden Umsätze auch eine raschere Zahlung von Kreditkarten-Unternehmen an die Vertragsfirmen in Gang setzen.

Zweifellos wünscht das Hotel- und Gaststättengewerbe auch eine Universalität von POS-Systemen. Die Akzeptanz soll nicht auf eine oder mehrere Karten beschränkt bleiben, sondern alle verkehrsüblichen Karten zulassen. Schließlich und endlich legen wir hinsichtlich der neuen Zahlungsmethode auch Wert auf ein angemessenes Preis/Leistungs-Verhältnis.