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24.03.2000 - 

Verträge sollen Ende März unterzeichnet werden

Beinahe handelseinig: Telekom kauft das Debis Systemhaus

MÜNCHEN (qua) - Das Rennen um die Debis Systemhaus GmbH, Leinfelden-Echterdingen, ist offenbar gelaufen: Den Zuschlag erhält aller Wahrscheinlichkeit nach die Deutsche Telekom AG, Bonn, die mit der Daimler-Chrysler-Tochter ihre eigenen IT-Dienstleister DeTeCSM und DeTeSystem fit für den internationalen Markt machen will.

Die Liaison des Stuttgarter Systemhauses mit den Telekom-Töchtern verspricht mehr Erfolg als eine Verbindung mit Siemens Business Services (SBS), München, die ebenfalls heftig um den Daimler-Spross gebuhlt hatten. "Bei der Kombination von Debis mit SBS wäre die Gefahr, dass sich der Merger nicht auszahlt, größer," bestätigt Andreas Pestinger, Research-Director IT-Services bei der Meta Group. Beide Unternehmen hätten einen reinen IT-Background, würden also bei einer Fusion nur ihre Masse, aber nicht ihr Angebotsspektrum ausbauen. Für die Siemens-Tochter hält der Analyst einen besseren Ratschlag bereit: "SBS sollte sich mit Beratungsressourcen verstärken, um möglichst früh in die Wertschöpfungskette beim Kunden hineinzukommen."

Nach dem Börsengang hat die Telekom tiefe TaschenNichtsdestoweniger bekundeten die Münchner bis zum Redaktionsschluss heftiges Interesse an der Übernahme des Debis Systemhauses, das im vergangenen Jahr mit etwa 20000 Mitarbeitern in 22 Ländern einen Umsatz von rund 5,8 Milliarden Mark erzielte und seit 1996 schwarze Zahlen schreibt. Die Düsseldorfer Wirtschaftszeitung "Handelsblatt" mutmaßte, dass es auch auf politischer Ebene Bestrebungen gegeben habe, die deutschen Traditionsunternehmen Daimler und Siemens einander näher zu bringen.

Den Zweikampf zwischen Telekom und SBS um das Debis Systemhaus hatten die Marktauguren schon zu Beginn dieses Monats prophezeit (siehe CW 10/00, Seite 6). Für die beiden Bewerber spricht, dass sie den Kaufpreis bar bezahlen können. Der liegt nach allgemeiner Einschätzung bei 15 Milliarden Mark. Das Interesse der Telekom dürfte aber so groß sein, dass sie möglicherweise noch ein oder zwei Milliarden drauflegt - zumal sie nach ihrem Börsengang aus dem Vollen schöpfen kann.

Mit dem Debis Systemhaus würde der Telefonriese auf einen Schlag eine ganze Reihe national und international tätiger Großkunden hinzugewinnen. Anders als die DeTeCSM, die 90 Prozent ihres Umsatzes über ihren Mutterkonzern hereinholt, macht der "Captive Revenue" des Systemhauses nur etwa ein Drittel des Geschäfts aus.

Die Verträge zwischen den beiden Heiratswilligen werden wohl Ende März unterzeichnet. Neben dem Kaufpreis gibt es einige andere ungeklärte Punkte. Beispielsweise möchte auch der Debis-Betriebsrat bei den Übernahmeverhandlungen ein Wörtchen mitreden. Er fordert unter anderem, dass die Betriebsvereinbarungen gültig bleiben und die bestehenden Kundenbeziehungen langfristig abgesichert werden. Damit bezieht er sich offensichtlich auf die immer noch enge Bindung an den Daimler-Chrysler-Konzern.

In diesem Zusammenhang machten die Arbeitnehmervertreter deutlich, dass sie nur einem Komplettverkauf des Systemhauses zustimmen werden. In der Diskussion war auch eine Variante, bei der Daimler-Chrysler nur den Debis-Teil veräußert, der nicht mit konzerninternen Dienstleistungen befasst ist. Diese Option erscheint aber als wenig wahrscheinlich, würde sie doch die bisherige IT-Strategie des Unternehmens auf den Kopf stellen.