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03.07.1998 - 

Diebold-Konferenz zum Thema "Wettbewerbsfaktor IT"

Being Digital und die Frage nach dem IT-Management

Der Versuch, die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft einmal ohne den vielzitierten Begriff Electronic Commerce zu beschreiben, wollte dem Veranstalter nicht so recht gelingen. "Innovative Technologien und Systemkonzepte für das marktorientierte Unternehmen" hieß der Untertitel des IT-Management-Events, der bei einigen Teilnehmern wohl etwas zu große Erwartungen geweckt haben dürfte. Die Diebold-Konferenz blieb jedenfalls den großen strategischen Wurf schuldig, trug aber zumindest einiges zur Klarheit und Orientierung im Tagesgeschäft bei.

Diebold-Deutschland-Geschäftsführer Gerhard Adler etwa war in seinem Vortrag bemüht, ein Bewußtsein dafür zu schaffen, wie lange es in der IT-Industrie bisweilen dauert, bis sich aus einem Trend ein den Markt beherrschendes Anwendungsszenario entwickelt. Viele im Rückblick als "selbstverständlich" anmutende Forderungen der Anwender hätten die Hersteller "zunächst mit Visionen und Konzepten beantwortet", neue Technologien setzten sich oft nur langsam durch. Adler nannte als Beispiele Smart-Cards, Bildtelefone und die schon seit Beginn der 70er Jahre als Zukunftsthema gehandelte Spracherkennung - Belege dafür, daß vielleicht auch ein auf dem Internet-Commerce basierendes Geschäftsmodell bei vielen Unternehmen noch Zeit in Anspruch nehmen dürfte.

Jenseits überzogener Erwartungen gab und gibt es dem Diebold-Chef zufolge natürlich auch "Marktbeschleuniger". 1986 sei Microsoft ein vergleichsweise kleines Software-Unternehmen mit 260 Millionen Dollar Umsatz gewesen.

Heute, gut elf Jahre später, wären ohne die Gates-Company, aber auch ohne das Innovationstempo der in der PC-Branche tätigen Hardware- und Software-Anbieter alle aktuell diskutierten DV-Strategien nicht denkbar. Adler faßte dies in einer auf das Jahr 2010 zielenden Vision so zusammen: "Network Computing wird sich bis dahin durchgesetzt haben." Bestärkt in seinem Optimismus sieht sich der Berater auch durch andere Marktfaktoren: kontinuierlich fallende Preise bei Mainframe-, Mini/RISC-Server- und Mikro/PC-Mips sowie den diversen Speicherkomponenten. Also Rechen- und Speicherkapazität "in Zukunft fast zum Nulltarif", in Kombination mit demnächst durch die allmählich greifende Liberalisierung der TK-Märkte ebenfalls immer preisgünstiger werdender Übertragungsbandbreite.

Unterstützung weltweit operierender Business Units, eine (Online-)Einbindung von Kunden und Lieferanten sowie die Berücksichtigung immer kürzerer Produktzyklen stehen derzeit an erster Stelle im Pflichtenheft der IT-Shops. Die müssen sich jedoch wie eh und je mit Altlasten, beschränkten Kapazitäten und dem immer noch unerfüllten Wunsch nach besserer Skalierbarkeit ihrer Systeme auseinandersetzen. Der vermeintliche Ausweg aus diesem Dilemma ist, auch das wurde auf dieser Konferenz deutlich, nicht neu: Der Offenbarungseid der IT-Abteilung in Form eines Komplett-Outsourcings oder die Rückkehr zu einer wie auch immer gearteten Dezentralisierung. Network Computing versus Mainframe- oder zentrale Client-Server-Architekturen ist hier für viele Zeitgenossen der Konflikt, den es auszutragen gilt.

Vor allem auch aus Gründen der ausufernden IT-Kosten. Diebold-Consultant Dieter Wendel sprach in diesem Zusammenhang jedoch von einer "unsäglichen Total-Cost-of-Ownership-Debatte", die den PC in den vergangenen beiden Jahren als "Kostenkrösus" gebrandmarkt habe. Richtig sei, daß für die Beschaffung von Hardware am Arbeitsplatz immer mehr ausgegeben werde, während die Investitionen in zentrale IT-Infrastrukturen zurückgingen. Und natürlich sei Microsofts Monopolstellung sowie ein nicht unbedingt als Client-System konzipierter "Fat Client" ein "grundsätzliches strukturelles Problem". Doch die PC-Betriebskosten dürften nicht zum alleinigen Maßstab für Entscheidungen werden, betonte Wendel. "Produktivitätssteigerungen und Flexibilitätsgewinn in den einzelnen Abteilungen" müßten auf der Nutzenseite mit berücksichtigt werden. Jenseits aller im Nebel der NC- und Net-PC-Diskussion herumgeisternden Produkt- und Herstellerstrategien gilt daher für den Diebold-Berater: "Network Computing wird zu einem Ausweg aus der Komplexitäts- und Kostenfalle." Es könne auf der Basis von Internet-Technologien Ressourcen und Intelligenz auf (möglichst wenige) Server im Netz zentralisieren und damit die internen Vorausssetzungen für den Erfolg von Unternehmen in globalen, digitalen Märkten schaffen.

Doch welches Unternehmen kann schon auf der grünen IT-Wiese beginnen? Vielfach sind alte, noch nicht abgeschriebene Legacy-Systeme im Einsatz. Wie läßt sich aber eine klassische IT-Landschaft an die Erfordernisse des Electronic Commerce anpassen? Auf diese nicht weniger wichtige Frage versuchte Dieter Sinn, unabhängiger Unternehmensberater und früherer Diebold-Mitarbeiter, eine zumindest prinzipielle Antwort zu geben. Der Consultant kleidete seine Ausführungen in "drei Botschaften". Erstens: Java hat das Zeug, zur "unternehmensweiten DV-Plattform" zu avancieren. Wo immer möglich, solle man deshalb die Chance zur (noch) kostengünstigen Neuentwicklung von Applikationen nutzen. Zweitens sei die Verbindung zwischen dem "E-Com- merce-Front-end" und dem jeweiligen Warenwirtschaftssystem "die momentane Hauptaufgabe des IT-Managements". Konsequenz: Schnittstellen und Middleware werden immer wichtiger. Drittens müsse jeder, der auf fertige Front-Office- oder Internet-Commerce-Produkte setzt, wissen, daß in den Märkten von Siebel, Vantive, Intershop & Co. noch eine "Marktbereinigung zugunsten der Big Player wie SAP" zu erwarten sei.